Ein Besuch bei Evi und Rolf-Göran Bengtsson im gemeinsamen Stall-Paradies

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Ein kurzer Trab am Führzügel mit der dreieinhalb jährigen Tochter Pamina funktioniert, aber das tägliche Training für die Pferde des Stalls muss noch ein bisschen warten. Weltklassereiter Rolf-Göran Bengtsson muss nach einer Leistenbruch-Operation vorübergehend kürzer treten. Seine Hoffnungsträger für die Weltreiterspiele 2018 in Tryon, der Hengst Crunch und Oak Grove’s Carlyle, werden erst einmal ohne ihn in Form gehalten. Diese Zwangspause gibt die Chance, Evi und Rolf-Göran Bengtsson gemeinsam beim Stallbesuch von spring-reiter.de im idyllisch gelegenen Stall Basten bei Itzehoe (Schleswig-Holstein) anzutreffen.

Seit Ende 2017 lebt und reitet Rolf-Göran mit Ehefrau Evi Bengtsson gemeinsam in der 2011 erbauten Anlage auf dem ehemaligen Bundeswehr-Schießplatz. Wenn ihn nicht mehr die Nachwirkungen des Leistenbruchs behindern, wird es wieder das werden, was Evi Bengtsson eine „Montags-Dienstags-Ehe“ nennt: An (fast) allen anderen Tagen in der Woche sind die beiden Reiter meistens auf unterschiedlichen Turnieren in Deutschland und der weiten Welt unterwegs.

Es war, wie sich beide erinnern, nicht ganz reibungsfrei, die zwei Teams von Rolf-Göran und Evi Bengtsson in Itzehoe zusammen zu führen, aber inzwischen hat sich alles eingespielt. Auf einer großen weißen Tafel am Anfang der Stallgasse sind die Tagesaufgaben für jeden festgehalten.

Rolf-Göran Bengtsson, 55 Jahre alt, kommt eigentlich aus Lund, reitet auch unverändert für Schweden. Um dem Vater zu helfen, hat er einst Landmaschinen-Mechaniker gelernt. Doch den elterlichen Hof hat er seit 20 Jahren verpachtet, kam über den Stall Jan Tops nach Schleswig-Holstein. Dort fühlt er sich seit 15 Jahren wirklich zu Hause – und natürlich auf den großen Turnierplätzen der Erde. Global Champions Tour, Global Champions League (im Team Cascais Charms mit John Whitaker und Philip Houston, Mathilda Karlsson und Luiz Felipe De Azevedo Filho), Weltcup, Championate: Das ist seine Welt. Im Jahr 2012 war er fast das ganze Jahr über die Nummer eins der Weltrangliste.

Evi Bengtsson (41), in Itzehoe geboren, hatte von Haus aus nichts mit Pferden zu tun. Aber die Eltern, und bei der Beschreibung muss sie selbst lachen, „wissen wie ein Pferd aussieht und ungefähr funktioniert.“ Sie hat nach dem Abitur eine Ausbildung als Versicherungskauffrau gemacht, aber das Pferdevirus hat alles an die Seite gedrückt.

Zielstrebig und mit viel Energie hat sie den Stall Basten am Rande Itzehoes aus dem Nichts erschaffen. Wo früher ein Bundeswehr-Schießplatz angelegt war, ist innerhalb weniger Monate, zwischen Oktober 2010 und April 2011, eine hochmoderne Anlage entstanden. Ihr „Lebenstraum“ und für die Region ein „Leuchtturmprojekt“. Mit großer, heller Reithalle und geschützt gelegenem Außenplatz. Mehr als 40 Pferde stehen hier in luftigen Boxen mit automatischer Entmistung (Schubstange): Der Dung wandert in eine Biogas-Anlage. Auf den Dächern produzieren Sonnenkollektoren Strom für 70 Haushalte. Sand- und Graspaddocks, Weiden vervollständigen das Paradies, das für den Einzug von Rolf-Görans Hengsten noch schnell um einen abgeteilten Trakt erweitert wurde. Demnächst geht es ans Pflastern des Hofes.

Und ganz hinten auf dem Gelände stehen die alten Schießstände. Da weiß Evi Bengtsson noch nicht so richtig, was sie damit macht. „Wäre eine tolle Kulisse für einen Tatort. Es gibt da ganz gruselige Ecken.“

Der junge Niederländer Bart van der Maat ist als Bereiter aus Breitenburg mitgekommen. Sprachlich geht es zwischen Deutsch, Schwedisch, Holländisch und Englisch im Stall Basten munter durcheinander.

Aber dann kommt Pamina in die Stallgasse, fröhlich und frisch aus dem Mittagsschlaf erwacht. Sie holt selbstständig Strick, Halfter und Hufkratzer für ihr Shetlandpony, kratzt (mit ein wenig mütterliche Assistenz) routiniert die Hufe aus und führt ihren 23jährigen Reitpartner zum Putzplatz. Mit einem kräftigen „Tür frei!“ macht sie sich beim Einritt in die Halle bemerkbar und lässt sich von Papa Rolf-Göran führen. Aber als er sie im Trab über eine Stange hüpfen lässt, weist sie den Einzel-Silbermedaillengewinner von 2008 energisch zurecht: „Papa, mit Decke springt man nicht!“ Kleine Pause. „Hast Du aber gemacht!“ Wird er bestimmt nicht wieder machen.