{"id":101234,"date":"2026-08-18T09:33:27","date_gmt":"2026-08-18T07:33:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=101234"},"modified":"2026-08-18T14:39:04","modified_gmt":"2026-08-18T12:39:04","slug":"mentale-staerke-was-wir-von-unseren-wm-reitern-lernen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2026\/08\/18\/mentale-staerke-was-wir-von-unseren-wm-reitern-lernen-koennen\/","title":{"rendered":"Mentale St\u00e4rke: Was wir von unseren WM-Reitern lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften oder Olympischen Spielen \u00fcber die Medaillen entschieden wird, kommt es h\u00e4ufig auf Nuancen an. Die Pferde sind hervorragend ausgebildet, die Reiter bestens vorbereitet. Und doch gelingt es manchen Athleten, ihre Leistung genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt, anderen nicht. Der Unterschied liegt h\u00e4ufig im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mentale St\u00e4rke ist l\u00e4ngst kein Thema mehr, das ausschlie\u00dflich Spitzensportler besch\u00e4ftigt. Die Grundprinzipien gelten genauso f\u00fcr die Jugendliche auf ihrem ersten Championat, den ambitionierten Amateur auf dem Wochenendeinsatz oder die Reiterin, die nach einem schwierigen Ritt wieder Vertrauen gewinnen m\u00f6chte. \u201eMentale St\u00e4rke ist die F\u00e4higkeit, unter Druck leistungsf\u00e4hig zu bleiben, mit R\u00fcckschl\u00e4gen umzugehen und die eigenen Gedanken, Gef\u00fchle und Handlungen gezielt zu steuern\u201c, erkl\u00e4rt Sportpsychologin Dr. Gaby Bu\u00dfmann. Oder anders gesagt: Es geht darum, das, was man eigentlich kann, im entscheidenden Moment auch zu zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum unser Gehirn manchmal nicht unser bester Verb\u00fcndeter ist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Start brauchen Sportler eine gewisse Anspannung. \u201eGrunds\u00e4tzlich sind wir Menschen zun\u00e4chst so eingestellt, eher auf Risiken und m\u00f6gliche Probleme zu schauen als auf das, was gut l\u00e4uft\u201c, sagt Bu\u00dfmann. Diese Neigung ist tief in uns verankert. F\u00fcr Reiter bedeutet sie allerdings, dass nach einem Fehler oder einer schwierigen Pr\u00fcfung schnell Gedanken entstehen wie: \u201eHeute l\u00e4uft gar nichts.\u201c \u201eDas ist nicht mein Wochenende.\u201c \u201eHier bin ich noch nie gut geritten.\u201c Genau an diesem Punkt beginnt mentale St\u00e4rke. Denn erfolgreiche Reiter \u2013 vom Nachwuchstalent bis zum WM-Starter \u2013 haben gelernt, ihre Gedanken bewusst zu lenken und sich auf das zu konzentrieren, was ihnen Sicherheit gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zur\u00fcck zu den Wurzeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade wenn die Erwartungen steigen, hilft oft ein \u00fcberraschend einfacher Gedanke. Gaby Bu\u00dfmann bringt ihn auf den Punkt: \u201eWarum habe ich eigentlich angefangen zu reiten?\u201c Wer sich diese Frage ehrlich beantwortet, landet selten bei Medaillen oder Platzierungen. Viel h\u00e4ufiger geht es um die Freude am Pferd, das Gef\u00fchl im Sattel oder die besonderen Momente mit dem vierbeinigen Partner. \u201eBack to the roots\u201c, nennt Bu\u00dfmann das. Diese R\u00fcckbesinnung kann Druck herausnehmen. Sie erinnert daran, dass die Leidenschaft f\u00fcr Pferde lange vor den sportlichen Zielen da war. Und sie erinnert auch daran, dass die Passion f\u00fcr das Pferd der t\u00e4gliche Antrieb ist. Gestern, heute, morgen. Deshalb ist genau das ein Gedanke, den sich jeder Turnierreiter gelegentlich g\u00f6nnen sollte \u2013 egal ob vor dem n\u00e4chsten Training, auf dem Abreiteplatz eines l\u00e4ndlichen Turniers oder bei einer Weltmeisterschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Viereck ist immer gleich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer unsere Spitzenreiter beobachtet, stellt oft fest: Ihre Ruhe wirkt beeindruckend. Dabei sp\u00fcren auch sie Anspannung, gerade bei einem Championat, das zum Gl\u00fcck nie zur Routine wird. Der Unterschied liegt darin, wie sie mit der Anspannung umgehen. Verschiedene Aspekte k\u00f6nnen hier Sicherheit geben. Zum einen hilft es, sich vor Augen zu f\u00fchren, dass Anspannung positiv und negativ sein kann. Die Pferde machen es uns vor: Ohne positive Anspannung k\u00f6nnen sie ihnen gestellte Aufgaben nicht bew\u00e4ltigen. Ist die Anspannung zu hoch, verwandelt sie sich in Verspannung und dann gl\u00fccken selbst die einfachsten Aufgaben manchmal nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wie kann ein Reiter sich erden? Ein Satz, den Bu\u00dfmann Dressurreitern immer wieder mitgibt, lautet: \u201eDas Viereck ist immer gleich.\u201c Ob E-Dressur, nationales Turnier oder eine Weltmeisterschaft im eigenen Land \u2013 die jeweilige Aufgabe ver\u00e4ndert sich nicht. Die Lektionen bleiben dieselben. Das K\u00f6nnen bleibt dasselbe. Was banal klingt, enth\u00e4lt eine wichtige Botschaft f\u00fcr jeden Reiter: Nicht der Ort entscheidet \u00fcber die Leistung, sondern die Vorbereitung. Wer zuhause einen sauberen \u00dcbergang reiten kann, kann ihn grunds\u00e4tzlich auch auf dem Turnier reiten. Die Kunst besteht darin, diesem K\u00f6nnen zu vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nach dem Fehler ist vor der n\u00e4chsten Aufgabe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen im Pferdesport ist der Umgang mit Fehlern. Die Gru\u00dfaufstellung schief. Ein Wechsel misslungen. Die Distanz zum Sprung passt nicht perfekt. Viele Reiter besch\u00e4ftigen sich gedanklich noch Sekunden oder gar Minuten sp\u00e4ter mit diesem einen Moment \u2013 w\u00e4hrend die Pr\u00fcfung l\u00e4ngst weitergeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bu\u00dfmann arbeitet deshalb mit einem einfachen Prinzip: WIN \u2013 What&#8217;s Important Now? Was ist jetzt wichtig? Nicht der Fehler von vor 30 Sekunden. Nicht die Sorge um die Wertnote. Sondern die aktuelle Aufgabe. \u201eKopf, K\u00f6rper und Pferd m\u00fcssen im Hier und Jetzt sein\u201c, beschreibt sie es. Die besten Reiter beherrschen genau das. Sie analysieren Fehler sp\u00e4ter. Im entscheidenden Moment richten sie ihren Fokus wieder auf die n\u00e4chste Aufgabe. Eine F\u00e4higkeit, die sich jeder Reiter abschauen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Gehirn trainieren wie einen Muskel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mentale St\u00e4rke f\u00e4llt nicht vom Himmel. So wie sich Lektionen, Spr\u00fcnge oder \u00dcberg\u00e4nge trainieren lassen, l\u00e4sst sich auch der Kopf trainieren. Viele Spitzenathleten arbeiten deshalb mit Visualisierung. Sie stellen sich Abl\u00e4ufe vor, spielen Pr\u00fcfungen gedanklich durch und entwickeln ein klares Bild davon, wie sich der Ritt anf\u00fchlen soll. F\u00fcr den Anfang muss das nicht kompliziert sein. Wer vor dem Turnier einmal bewusst durchgeht, wie die Pr\u00fcfung aussehen soll, welche Hilfen er geben m\u00f6chte und wie sich das Pferd anf\u00fchlen soll, trainiert bereits seine mentale Vorbereitung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Kraft der richtigen Worte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen weiteren Unterschied macht der sogenannte Self Talk \u2013 die innere Stimme. W\u00e4hrend manche sich vor dem Start erz\u00e4hlen, was alles schiefgehen k\u00f6nnte, nutzen erfolgreiche Athleten ganz bewusst st\u00e4rkende Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gaby Bu\u00dfmann nennt sehr gute Beispiele, aus denen sich jeder den f\u00fcr sich passenden herauspicken kann und f\u00fcr sich verfeinern kann:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u201eDaf\u00fcr habe ich trainiert.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eIch zeige heute, was wir k\u00f6nnen.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eWir sind ein starkes Team.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eGenau das will ich.\u201c<\/li>\n\n\n\n<li>\u201eDas kann ich.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese S\u00e4tze wirken nicht, weil sie magisch w\u00e4ren. Sie erinnern an Fakten. An Trainingseinheiten. An Fortschritte. An bereits gemeisterte Herausforderungen. Und genau diese Erinnerungen schaffen Zuversicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was erfolgreiche Reiter verbindet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gibt es etwas, das nahezu alle erfolgreichen Reiter gemeinsam haben? F\u00fcr Gaby Bu\u00dfmann lautet die Antwort ohne Z\u00f6gern: \u201eLeidenschaft.\u201c Leidenschaft f\u00fcr Pferde. Leidenschaft f\u00fcr den Sport. Und die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn es einmal nicht l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn der Weg nach oben verl\u00e4uft selten geradlinig. Dazu nutzt Bu\u00dfmann das Zitat: \u201eZum Erfolg gibt es leider keinen Lift. Wir m\u00fcssen die Treppe benutzen.\u201c Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft, die wir von unseren WM-Reitern mitnehmen k\u00f6nnen. Nicht die perfekte Runde macht den Unterschied. Nicht das eine gro\u00dfe Erfolgserlebnis. Sondern die F\u00e4higkeit, dranzubleiben. Aus Fehlern zu lernen. Sich an den eigenen Fortschritten zu orientieren. Und immer wieder mit Zuversicht in die n\u00e4chste Aufgabe zu gehen. Denn mentale St\u00e4rke beginnt nicht erst bei Weltmeisterschaften. Sie beginnt beim n\u00e4chsten Training. Beim n\u00e4chsten Turnier. Und bei der Entscheidung, sich selbst zu vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unsere Expertin: Dr. Gaby Bu\u00dfmann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fr\u00fchere Leichtathletin und Sportpsychologin steht den deutschen Top-Reitern seit mehr als 20 Jahren sportpsychologisch zur Seite. Seit 2006 geh\u00f6rt sie regelm\u00e4\u00dfig zum \u201eTeam behind the team\u201c bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Sie ist Mitautorin des Buches \u201eMental stark im Pferdesport\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: FN Pferdesport Deutschland <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften oder Olympischen Spielen \u00fcber die Medaillen entschieden wird, kommt es h\u00e4ufig auf Nuancen an. Die Pferde sind hervorragend ausgebildet, die Reiter bestens vorbereitet. Und doch gelingt es manchen Athleten, ihre Leistung genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt, anderen nicht. 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