{"id":50299,"date":"2022-03-23T14:24:21","date_gmt":"2022-03-23T13:24:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=50299"},"modified":"2022-03-23T14:24:24","modified_gmt":"2022-03-23T13:24:24","slug":"jetzt-mit-grundimmunisierung-gegen-herpes-beginnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2022\/03\/23\/jetzt-mit-grundimmunisierung-gegen-herpes-beginnen\/","title":{"rendered":"Jetzt mit Grundimmunisierung gegen Herpes beginnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr ist es her, dass ein Ausbruch des Equinen Herpesvirus EHV-1 die Pferdewelt in Europa ersch\u00fcttert und dazu gef\u00fchrt hat, dass zahlreiche Pferdesportveranstaltungen abgesagt werden mussten. Pferde mit teils schweren neurologischen Verl\u00e4ufen der Krankheit standen in Tierkliniken, einige mussten sogar ihr Leben lassen. Mittlerweile hat der FN-Beirat Sport nach ausf\u00fchrlicher Diskussion eine Impfpflicht f\u00fcr Turnierpferde gegen das Herpesvirus beschlossen. Diese tritt zu Jahresbeginn 2023 in Kraft. Dr. Henrike Lagershausen, Leiterin der FN-Abteilung Veterin\u00e4rmedizin und Tierschutz, spricht im Interview \u00fcber die Hintergr\u00fcnde und dar\u00fcber, warum es wichtig ist, bereits jetzt mit der Grundimmunisierung zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Es ist beschlossene Sache: Alle Pferde, die am Turniersport teilnehmen, m\u00fcssen ab kommendem Jahr gegen Herpes geimpft sein. Warum ist das notwendig?<br><\/em><\/strong>Dr. Henrike Lagershausen: Ganz knapp gesagt, aus Gr\u00fcnden der Infektionsprophylaxe. Herpesviren kommen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern bei Pferden auf der ganzen Welt vor. Das t\u00fcckische dabei: Ein einmal mit Herpesviren infiziertes Pferd bleibt lebenslang latent infiziert und ist damit Virustr\u00e4ger, auch wenn es selber nicht erkrankt oder die Erkrankung bereits \u00fcberstanden hat. Ca. 80 bis 100 Prozent unserer Pferde tragen das Virus in sich. Unter ung\u00fcnstigen Umst\u00e4nden, wie zum Beispiel Stress durch einen Stallwechsel, Ver\u00e4nderungen in der Herde oder andere Erkrankungen, kann es zu einer Reaktivierung des Virus im Pferdek\u00f6rper kommen, die zu einer massiven Ausscheidung des Erregers f\u00fchrt und eine Infektionsquelle f\u00fcr andere Pferde darstellt. Die Impfpflicht tr\u00e4gt dazu bei, die Menge an zirkulierenden Herpesviren zu reduzieren und somit Infektionsketten zu unterbrechen und Erkrankungszahlen zu senken. Mit der Impfung sch\u00fctzen wir unsere Turnierpferde, die dadurch, dass sie auf Veranstaltungen unterwegs sind und dort mit Pferden aus fremden Best\u00e4nden zusammenkommen, in besonderem Ma\u00dfe gef\u00e4hrdet sind. Mit der Entscheidung eine Impfpflicht einzuf\u00fchren, folgt der FN-Beirat Sport im \u00dcbrigen den Empfehlungen der St\u00e4ndigen Impfkommission Veterin\u00e4rmedizin (StIKo Vet), die die Impfung gegen Herpes zu den sogenannten \u201eCore-Komponenten\u201d z\u00e4hlt, gegen die jedes Pferd zu jeder Zeit gesch\u00fctzt sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Wenn Herpesviren so h\u00e4ufig vorkommen und auch die StIKo Vet zu einer Impfung r\u00e4t, w\u00e4re es dann nicht sinnvoll, eine generelle Impfpflicht zu erlassen, also auch f\u00fcr Pferde, die nicht im Turniersport aktiv sind?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Sinnvoll w\u00e4re das sicherlich, allerdings kann die FN das nicht tun, da ihr dazu die Befugnisse fehlen. Die FN kann \u00fcber die Leistungs-Pr\u00fcfungsordnung (LPO) zwar Impfbestimmungen erlassen, diese greifen dann allerdings nur f\u00fcr die Gruppe der Turnierpferde. Andere Pferdegruppen werden nicht erreicht. Erfahrungsgem\u00e4\u00df haben die Impfvorgaben f\u00fcr Turnierpferde aber auch eine Abstrahlwirkung in andere Bereiche hinein, also auf die Pferdezucht und den Freizeitpferdesektor. Aus tier\u00e4rztlicher Sicht ist die Impfung des gesamten Pferdebestands f\u00fcr jeden Betrieb absolut sinnvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Wie genau hilft die Impfung denn nun meinem Pferd?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Hier m\u00fcssen wir ehrlich kommunizieren und erkl\u00e4ren: Die Impfung kann das einzelne Pferd nicht sicher vor einem Ausbruch der Krankheit sch\u00fctzen. Aber und das ist das gro\u00dfe Ziel der Impfung: Betroffene Pferde scheiden deutlich weniger Viren aus und somit sinkt die Gefahr, andere Pferde mit dem Virus zu infizieren. Der Infektionsdruck wird gesenkt. Dar\u00fcber hinaus kann die Impfung im Falle einer Erkrankung die Symptome wie beispielsweise Atemwegsbeschwerden abmildern und das Risiko f\u00fcr schwere, neurologische Verl\u00e4ufe senken. Das bedeutet aber auch, dass wir beim Thema Herpesvirus weniger auf das einzelne Pferd als auf den Gesamtbestand an Tieren schauen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Wenn wir das richtig verstanden haben, ist es also wichtig, dass m\u00f6glichst viele oder sogar alle Pferde in einem Stall geimpft sind?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Genau so ist es. Die Herpesimpfung greift vor allem dann, wenn alle Pferde eines Bestands geimpft sind. Hier ist daher auch die Solidarit\u00e4t der Pferdebesitzer untereinander gefragt. Die Herpesimpfpflicht f\u00fcr Turnierpferde stellt unter dem Strich den ersten wichtigen Schritt in Richtung m\u00f6glichst vieler durchgeimpfter Best\u00e4nde dar. Wobei auch klar sein muss, dass eine Impfung immer nur eine von verschiedenen bestandshygienischen Ma\u00dfnahmen ist, um Infektionserkrankungen vorzubeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Was sind das denn f\u00fcr Impfstoffe, mit denen gegen Herpes geimpft wird?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: In Deutschland gibt es derzeit drei zugelassene und verf\u00fcgbare Herpes-Impfstoffe f\u00fcr Pferde. Dabei handelt es sich um einen Lebendimpfstoff, bei dem das Virus in abgeschw\u00e4chter Form vorliegt, und zwei Inaktivatimpfstoffe, sprich Totimpfstoffe, die Viren in inaktivierter Form enthalten. Alle drei zugelassenen und verf\u00fcgbaren Impfstoffe sind laut StIKo Vet sicher und sinnvoll einzusetzen. Alle drei haben gemeinsam, dass die Impfung regelm\u00e4\u00dfig aufgefrischt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>In den letzten Jahren gab es immer wieder Meldungen \u00fcber Lieferengp\u00e4sse bei den Impfstoffen f\u00fcr die Herpesimpfung. Wie sieht die Situation hier aktuell aus?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Zwingende Voraussetzung f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Impfpflicht ist die ausreichende Verf\u00fcgbarkeit von Impfstoffen. Bei den Herpes-Impfstoffen war diese in der Vergangenheit nicht immer gegeben. Gespr\u00e4che mit den Impfstoffherstellern haben ergeben, dass f\u00fcr die Versorgung mit Impfstoffen eine Vorlaufzeit erforderlich ist. Zudem ist es wichtig, dass jeder, der am Turniersport teilnehmen m\u00f6chte, ausreichend Zeit hat, das Pferd gegen Herpes impfen zu lassen. Daher tritt die Impfpflicht auch erst mit Jahresbeginn 2023 in Kraft. Ab dann muss jedes Pferd, das an einer Turnierveranstaltung gem\u00e4\u00df LPO teilnimmt, gegen EHV-1 geimpft sein. Ich kann daher nur allen Pferdebesitzern raten, sollten die Pferde noch nicht korrekt gegen Herpes geimpft sein, rechtzeitig und zwar nicht erst im Herbst, sondern am besten jetzt, mit der Grundimmunisierung zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Wie muss die Grundimmunisierung gegen EHV-1 erfolgen und wie h\u00e4ufig sind Wiederholungsimpfungen notwendig?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Das vorgegebene Impfschema f\u00fcr die Grundimmunisierung richtet sich danach, ob ein Lebend- oder Inaktivatimpfstoff verabreicht wird. Eine Grundimmunisierung besteht jeweils aus drei Impfungen mit vorgegebenen Mindest- und Maximalabst\u00e4nden. Im Falle der Verwendung eines Lebendimpfstoffes m\u00fcssen zwischen der ersten und zweiten Impfung der Grundimmunisierung mindestens drei bis maximal vier Monate liegen. Wird ein Inaktivatimpfstoff verwendet, sind zwischen der ersten und zweiten Impfung mindestens 28 bis maximal 42 Tage einzuhalten. Wichtig ist, dass f\u00fcr die ersten beiden Impfungen der Grundimmunisierung der gleiche Impfstoff verwendet wird. Nach den ersten beiden Impfungen, also ab der dritten Impfung der Grundimmunisierung, ist ein Wechsel zwischen Lebend- und Inaktivatimpfstoff m\u00f6glich. Die Teilnahme an Turnieren ist bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung der Grundimmunisierung m\u00f6glich. Die dritte Impfung sowie alle weiteren Wiederholungsimpfungen sind in einem Abstand von maximal sechs Monaten plus 21 Tagen zu verabreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Nun gibt es auch Pferdebesitzer, die eine Impfung scheuen, da ihr Pferd besonders stark mit Impfreaktionen zu k\u00e4mpfen hat. Was entgegnen Sie diesen?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Die in Deutschland zur Anwendung zugelassenen Impfstoffe sind sicher und wirksam. Die H\u00fcrden zur Zulassung eines Impfstoffes sind sehr hoch, viele Voruntersuchungen, die \u00fcber mehrere Jahre angefertigt werden m\u00fcssen, sind erforderlich. Der allergr\u00f6\u00dfte Anteil der Impfungen verl\u00e4uft ohne Impfnebenwirkungen, allenfalls sind nur milde Symptome wie Mattigkeit, leicht erh\u00f6hte Temperatur oder eine Schwellung der Einstichstelle zu verzeichnen. Diese verdeutlichen, dass sich der Organismus mit der Impfung auseinandersetzt und das ist ein St\u00fcck weit normal. In der Regel sind diese Symptome nach wenigen Tagen vergessen. Der Tierarzt pr\u00fcft das Pferd am Tag der Impfung durch eine allgemeine Untersuchung auf seine Impff\u00e4higkeit. Ist das Pferd nicht fit, sollte es nicht geimpft werden. Wichtig ist es, Entwurmungen etc. vorab durchzuf\u00fchren und dem Pferd nach der Impfung ausreichend Ruhe zu g\u00f6nnen und Stress zu vermeiden. Hat ein Pferd im Vorfeld auf Impfungen heftiger reagiert, kann der Haustierarzt entscheiden, wie das Pferd im Einzelfall unterst\u00fctzt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Wie sieht es denn mit Ausnahmeregelungen von der Impfpflicht aus?<br><\/strong><\/em>Dr. Lagershausen: Diese wird es nicht geben. Jedes Pferd, das ab 1.1.2023 an einer Turnierveranstaltung gem\u00e4\u00df LPO teilnimmt, muss korrekt gegen EHV-1 und nat\u00fcrlich wie bisher auch gegen Influenza geimpft sein.\u00a0(<em>Das Interview f\u00fchrte Maike Hoheisel-Popp\/fn-press)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr ist es her, dass ein Ausbruch des Equinen Herpesvirus EHV-1 die Pferdewelt in Europa ersch\u00fcttert und dazu gef\u00fchrt hat, dass zahlreiche Pferdesportveranstaltungen abgesagt werden mussten. Pferde mit teils schweren neurologischen Verl\u00e4ufen der Krankheit standen in Tierkliniken, einige mussten sogar ihr Leben lassen. 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