{"id":54337,"date":"2022-07-18T17:37:23","date_gmt":"2022-07-18T15:37:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=54337"},"modified":"2022-07-18T17:42:08","modified_gmt":"2022-07-18T15:42:08","slug":"andreas-kreuzer-kein-pferd-springt-am-sonntag-einen-grossen-preis-wenn-dies-nur-mit-zwang-und-druck-in-verbindung-stehen-wuerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2022\/07\/18\/andreas-kreuzer-kein-pferd-springt-am-sonntag-einen-grossen-preis-wenn-dies-nur-mit-zwang-und-druck-in-verbindung-stehen-wuerde\/","title":{"rendered":"Andreas Kreuzer: &#8220;Kein Pferd springt am Sonntag einen Gro\u00dfen Preis, wenn dies nur mit Zwang und Druck in Verbindung stehen w\u00fcrde!&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>Er kennt die vielen Facetten des Springsports aus beinahe jedem Winkel: Andreas Kreuzer war nicht nur als internationaler Springreiter h\u00f6chst erfolgreich, holte 2010 Mannschaftsgold mit den Jungen Reitern bei der Europameisterschaft, bestritt Nationenpreise, war 2011 mit Chacco-Blue Dritter im Gro\u00dfen Preis von Aachen und gewann mit David Will im Team bei der Global Champions League in Shanghai. Er lernte von den Besten wie Paul Schockem\u00f6hle, Bundestrainer Otto Becker und Franke Sloothaak. Heute gibt der 31-J\u00e4hrige sein geballtes Wissen h\u00f6chst erfolgreich als Trainer u.a. an Patrick St\u00fchlmeyer und Philip R\u00fcping sowie als Chef der Reitsportanlage in Damme an seine Sch\u00fcler und Bereiter weiter. Gerade war er in Oliva bei der Europameisterschaft, wo er Emilia L\u00f6ser und Matthis Westendarp auf dem Weg zur Team-Silber-Medaille der Jungen Reiter begleitete. spring-reiter.de hat Andreas Kreuzer zum Interview getroffen, mit ihm \u00fcber das Image des Pferdesports gesprochen, \u00fcber seine Leidenschaft f\u00fcr Pferde und warum er ein Comeback im Turniersattel f\u00fcr sich ausschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gespr\u00e4ch kommt Kreuzer, der als Kind auf dem elterlichen Hof Ponys ritt und bereits mit 12 Jahren sein erstes S-Springen bestritt,&nbsp; im l\u00e4ssigen Karo-Hemd und in Jeans, mit wei\u00dfen Reithosen sieht man den Deutschen Meister von 2016 nur noch sehr selten. Andreas Kreuzer lacht: \u201eJa, vor meinem Start in Gro\u00df Viegeln musste ich erst mal meine Turnier-Klamotten suchen. Mein Start war eine Art Schnellschuss im Nachhinein. Weil meine Hauptbereiterin Zascha schwanger ausfiel, bin ich kurzfristig in den Sattel gestiegen. Davor hatte ich mir noch die Hand gebrochen, war l\u00e4nger nicht geritten, und dann hat man einfach gesehen, dass die Routine fehlt. Das hat mich so ein bisschen eingeholt\u201c, gibt Andreas Kreuzer offen zu.&nbsp; Und obwohl es beim anschlie\u00dfenden CSI4* im Sentower Park schon wieder viel besser lief, ist die aktive Turnierreiterei f\u00fcr Kreuzer ein Kapitel, mit dem er mehr und mehr f\u00fcr sich abschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch f\u00fcr mich selber vermisse das Turnierreiten eigentlich nicht. Es packt mich irgendwie nicht mehr. Nicht mal bei der Europameisterschaft in Riesenbeck im letzten Jahr, wo ich Zascha Nygaard gecoacht habe. Der Sport an sich f\u00fcr mich als Sportler gibt mir nicht mehr so viel. Das war eine super Zeit und ich w\u00fcrde es auf gar keinen Fall gegen irgendetwas eintauschen wollen, weil es auch Erfahrungswerte sind, die mir keiner mehr nehmen kann und die mir jetzt helfen. Aber ich brauche das nicht mehr\u201c, fasst Andreas Kreuzer das Ende seiner sportlichen Karriere zusammen. &nbsp;Nur beim CHIO Aachen blitzte die Erinnerung an das erhebende Gef\u00fchl, durch die Soers zu reiten, noch einmal auf. \u201eWenn es einen dort nicht mehr packt, dann kann man es auch besser gleich komplett vergessen. Das ist nat\u00fcrlich etwas ganz Besonderes. Da hat man dann auch kurzeitig das Kribbeln wieder. Und denkt sich, wow, bei der Atmosph\u00e4re in diesem Stadion.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber selbst mit dem richtigen Pferd w\u00fcrde er nicht an ein Comeback im Sattel denken. \u201eWir haben im Moment super Pferde im Stall. Ich h\u00e4tte ja die M\u00f6glichkeit, aber ich m\u00f6chte es gar nicht.&nbsp; Die andere Rolle als Trainer f\u00fcllt mich irgendwie mehr aus. Ich liebe Pferde. Ich liebe es, mit den Pferden zu arbeiten, Reiter passend f\u00fcr die Pferde auszusuchen, eine Einheit zu schaffen. Diese Komplexit\u00e4t macht mir unglaublich viel Spa\u00df\u201c, schw\u00e4rmt Andreas Kreuzer, der seinen Erfahrungsschatz auch Paul Schockem\u00f6hle verdankt, f\u00fcr den er jetzt wieder zwei- bis dreimal pro Woche arbeitet. Jetzt ist er in M\u00fchlen als Trainer und Berater im Einsatz \u2013 auf Augenh\u00f6he. &nbsp;\u201ePaul Schockem\u00f6hle und ich haben \u00fcber die Jahre immer engen Kontakt gehalten. M\u00fchlen und Lewitz waren immer Themen, die mich unglaublich interessiert haben. Wir haben dann gesprochen, ob ich mir vorstellen kann, da etwas mitzuhelfen. Das war f\u00fcr mich dann keine gro\u00dfe Frage, weil mich das super interessiert und auch Spa\u00df macht\u201c, erkl\u00e4rt Kreuzer sein Arbeitsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch gut hat er seine schwierige Anfangszeit vor Jahren in M\u00fchlen vor Augen: \u201eIch hatte bei der Europameisterschaft der Junioren 2008 gerade die Bronzemedaille mit der Mannschaft gewonnen und f\u00fchlte mich als K\u00f6nig\u201c, lacht Kreuzer. Doch im Stall Schockem\u00f6hle wurde er schnell vom Thron auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcckgeholt. \u201eDa konnten alle reiten, ich war einer von vielen, durfte erst mal nur Pferde versorgen und misten. Nach drei Monaten hatte ich eigentlich die Nase voll und wollte nach Hause\u201c, erz\u00e4hlt der geb\u00fcrtige Nordrhein-Westfale offen. Zum Gl\u00fcck kam es anders und Kreuzer blieb. Eines Tages setzte Schockem\u00f6hle seinen Nachwuchsreiter auf seinen Lieblingshengst, den bis heute legend\u00e4ren Mecklenburger Springpferde-Vererber Chacco-Blue, und eine Erfolgsgeschichte fand ihren Anfang. Zusammen gewannen sie u.a. den Gro\u00dfen Preis in Neum\u00fcnster und wurden Dritte im Gro\u00dfen Preis von Aachen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDennoch sind es nicht die Erfolge, die einen nach vorne bringen, sondern die Niederlagen\u201c, davon ist Andreas Kreuzer heute \u00fcberzeugt. Denn wie schnell es im Springsport hoch und runter gehen kann, hat er schon oft erfahren. \u201eViel wichtiger als die Erfolge, sind die Ziele, die man sich steckt, ist der gemeinsame Weg dahin. Viele Sch\u00fcler trainiere ich seit Jahren und wir sehen die Entwicklung. Das macht mir unglaublich viel Spa\u00df\u201c, bringt Andreas Kreuzer seine Leidenschaft als Trainer auf den Punkt. Seit 2018 ist er im Reitsportzentrum Damme selbstst\u00e4ndig, besch\u00e4ftigt dort mehrere Bereiter, trainiert Sch\u00fcler. Im n\u00e4chsten Jahr im April l\u00e4uft der Vertrag allerdings aus, dann muss neu verhandelt werden. \u201eDieses Jahr nutzen wir die Chance auszuloten, wie es da weiter gehen kann. Wie wir weiter machen und in welcher Form\u201c, sagt Andreas Kreuzer. Er hofft auf eine Fortsetzung. \u201eF\u00fcr mich passt es in Damme alles sehr gut, die Anforderungen stimmen und die 60 Boxen brauchen wir auch.\u201c &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sorge bereitet Kreuzer das angeschlagene Image des Reitsports: \u201eDie letzten Jahre waren nat\u00fcrlich ziemlich heftig mit allem, was da auf uns niedergeprasselt ist. Ich glaube, dass wir einfach dahin kommen m\u00fcssen, dass wir offensiver mit den Themen umgehen, sprich auch wirklich das Besondere an unserem Sport offen kommunizieren m\u00fcssen. Damit die Menschen auch mehr Einblick bekommen. Dann w\u00e4re es f\u00fcr viele auch einfach klar, dass kein Pferd auf der Welt am Sonntag einen Gro\u00dfen Preis springt, wenn dies nur mit Druck oder Zwang in Verbindung stehen w\u00fcrde. Und kein Reiter der Welt kann am Ende ein Pferd, das eine halbe Tonne wiegt, zu irgendetwas zwingen, weil man das nicht kann. Mit Gewalt und Druck geht gar nichts. Trotzdem muss man auch nichts sch\u00f6n reden. Es gibt immer Situationen, die wir als Reiter auch nicht gut finden. Aber man kann das nur \u00e4ndern, in dem man offen dar\u00fcber spricht und versucht, es abzustellen. Das ist ein schwieriger Spagat, weil man auch versucht, sich so ein bisschen abzuschotten, sich zu sch\u00fctzen. Ich glaube aber, dass man da offensiver werden muss, damit eine gr\u00f6\u00dfere Normalit\u00e4t bei diesem Thema einkehrt. Das Hauptargument ist ja immer, das sei nicht artgerecht. Das sei nicht die Natur der Pferde. Die Pferde, die wir jetzt aber \u00fcber Jahre gez\u00fcchtet haben, die w\u00fcrden auch nicht mehr in der Steppe \u00fcberleben. Da muss man einfach umdenken, versuchen zu verstehen, dass es Sportpferde sind, die dies auch in ihrer Genetik haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind die Themen, die Kreuzer auch mit seinen Sch\u00fclern bespricht: \u201eEs gibt einfach gewisse Grundregeln, und der Respekt vor dem Partner Pferd ist das oberste Gebot. Nach dem Parcours wird erst einmal durchgeatmet, egal wie es lief, das Pferd gelobt, ausgetrabt, Schritt geritten. Dann wird das Pferd versorgt. Erst danach wird analysiert, was vielleicht passiert ist. M\u00fcssen wir mit dem Pferd etwas &nbsp;erarbeiten, m\u00fcssen wir am Reiter etwas erarbeiten. Viele Reiter sind nat\u00fcrlich erst mal entt\u00e4uscht, wenn es mal nicht so l\u00e4uft. Das ist auch ganz normal. Das ging mir so, das geht anderen so. Wichtig ist, dass man diese Emotionen erst mal kanalisiert und spezifisch analysiert und nicht aus der ersten Emotion alles am Pferd ausl\u00e4sst. Oder irgendetwas sagt, was man gar nicht so meint. Das Allerwichtigste ist die Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter. Egal, wie viel Talent man hat, egal wie gut mein Pferd ist, es geht immer darum, dass man langfristig denkt und Konstanz rein bekommt. Ich glaube, dass es viele Reiter geben kann, die vom Talent her mit dem passenden Pferd zur passenden Zeit einen guten Parcours reiten k\u00f6nnen. Aber das ist immer noch ein Unterschied dazu, wirklich konstant seine Pferde selber ausbilden und langfristig im Sport gesund halten zu k\u00f6nnen. Der Erfolg ist ja nur das letzte I-T\u00fcpfelchen, das uns zeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben und auf dem richtigen Weg sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Text und Interview: Corinna Philipps<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er kennt die vielen Facetten des Springsports aus beinahe jedem Winkel: Andreas Kreuzer war nicht nur als internationaler Springreiter h\u00f6chst erfolgreich, holte 2010 Mannschaftsgold mit den Jungen Reitern bei der Europameisterschaft, bestritt Nationenpreise, war 2011 mit Chacco-Blue Dritter im Gro\u00dfen Preis von Aachen und gewann mit David Will im Team &hellip; <a class=\"kt-excerpt-readmore\" href=\"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2022\/07\/18\/andreas-kreuzer-kein-pferd-springt-am-sonntag-einen-grossen-preis-wenn-dies-nur-mit-zwang-und-druck-in-verbindung-stehen-wuerde\/\" aria-label=\"Andreas Kreuzer: &#8220;Kein Pferd springt am Sonntag einen Gro\u00dfen Preis, wenn dies nur mit Zwang und Druck in Verbindung stehen w\u00fcrde!&#8221;\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":54340,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-54337","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54337"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54337\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}