{"id":58784,"date":"2022-12-09T18:12:57","date_gmt":"2022-12-09T17:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=58784"},"modified":"2022-12-09T18:13:03","modified_gmt":"2022-12-09T17:13:03","slug":"gerrit-nieberg-lieber-eine-konstanz-als-immer-auf-teufel-komm-raus-zu-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2022\/12\/09\/gerrit-nieberg-lieber-eine-konstanz-als-immer-auf-teufel-komm-raus-zu-gewinnen\/","title":{"rendered":"Gerrit Nieberg: &#8220;Lieber eine Konstanz, als immer auf Teufel komm raus zu gewinnen&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>Er lebt gerade seinen Traum. Nach dem sensationellen Sieg im Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen mit seinem Ben und einem f\u00fcnften Platz im Grand Prix in Calgary schwebt Gerrit Nieberg auf Wolke sieben. spring-reiter.de hat den strahlenden 29j\u00e4hrigen zum Interview beim CHI Genf getroffen, bei dem er das erste Mal am Start ist und wo er im Rolex Grand Prix am Sonntag angreifen will. Mit ihm haben wir \u00fcber sein Erfolgs-Jahr gesprochen, \u00fcber seine talentfreien Zonen, hohe Ziele, seine Philosophie, seine schlimmste Angewohnheit und ein unkonventionelles Weihnachtsfest.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist im Moment so der Traum, der in Erf\u00fcllung geht. Es war immer mein Ziel, bei diesen gro\u00dfen Turnieren mitzumachen. Und da ich gerade sehr gute Pferde habe, bin ich nat\u00fcrlich super froh und gl\u00fccklich, dabei sein zu k\u00f6nnen\u201c, beschreibt Gerrit Nieberg seine aktuelle Gef\u00fchlslage.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist zusammen mit seinem Freund Philipp Schulze Topphoff und dessen Schwester Marie in die Schweiz gereist. Hat den Pferde-LKW selber gesteuert. Das macht er meistens. Gerrit Nieberg ist \u201ebodenst\u00e4ndig, geerdet und sehr positiv\u201c, wie er sich selber beschreibt. An das Turnier in Genf hat er trotzdem hohe Erwartungen. Auch wenn er wei\u00df: \u201eNat\u00fcrlich muss ich mich erst mal f\u00fcr den Gro\u00dfen Preis qualifizieren.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>2022 ist er verdammt weit gekommen. \u201eDieses Jahr war das erfolgreichste meiner bisherigen Karriere, das ist gar keine Frage. Aber nat\u00fcrlich habe ich auch etwas Blut geleckt und das macht Lust auf mehr. Ich will mich da schon auch etablieren und beweisen, dass das nicht nur so ein einmaliges Jahr war. Ich m\u00f6chte versuchen, da eine gewisse Konstanz rein zu kriegen\u201c, erkl\u00e4rt die derzeitige Nummer 60 der FEI Weltrangliste. Aktuell geh\u00f6rt er zum Olmypiakader, spielt also ganz oben mit. \u201eDass ich im Olympiakader aufgenommen wurde, hat mich tats\u00e4chlich sehr stolz gemacht. Und ich bin auch froh, dass ich im Moment zu dem engeren Kreis geh\u00f6re.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>In Stuttgart durfte er bei einer Ehrung der erfolgreichsten Reiter des Jahres 2022 neben seinem Vorbild Daniel Deusser auf dem Podium stehen. Feuerwerk inklusive. Dabei ist ihm so viel Aufmerksamkeit um seine eigene Person eher unangenehm. \u201eDas war ein cooler Moment. Aber tats\u00e4chlich stehe ich nicht so gerne im Mittelpunkt. Ich f\u00fchle mich wohler auf dem Pferd.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Luft nach oben ist sportlich gesehen nat\u00fcrlich immer. \u201eDie Europameisterschaft ist so ein Ziel im n\u00e4chsten Jahr\u201c, verr\u00e4t Gerrit Nieberg. F\u00fcr dieses Jahr bei der WM in Herning hat es noch nicht ganz gereicht. \u201eAber jetzt bin ich vielleicht noch etwas dichter dran\u201c, hofft Nieberg. Auch wenn er wei\u00df: \u201eKlar muss auch die Form wieder stimmen, m\u00fcssen die Ergebnisse passen, um \u00fcberhaupt da wieder in den engeren Kreis zu kommen. Aber das ist klar unser Ziel.\u201c Nat\u00fcrlich m\u00f6chte er auch im M\u00e4rz zu dem n\u00e4chsten Major, den Dutch Masters mit Rolex Grand Prix in s\u2018Hertogenbosch, m\u00f6chte er auch zum Weltcup-Finale in Omaha.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr ist es nat\u00fcrlich wichtig, dass seine beiden Top-Pferde Ben und Blues d\u2019Aveline CH gesund bleiben. \u201eSie sind beide derzeit sehr gut drauf\u201c, freut sich ihr Reiter. Ben, so Gerrit, merkt es immer, \u201ewenn es richtig, richtig ernst wird.\u00a0\u00a0Vielleicht bin ich dann auch noch etwas angespannter und er merkt das. Wenn er richtig an ist, ist er auch schwer zu bremsen, dann muss man sein Temperament etwas z\u00fcgeln. Aber das ist auch das, was ihn am Ende auszeichnet. Sein enormer Wille, seine Einstellung zum Sport. Das er alles geben m\u00f6chte, alles richtig machen m\u00f6chte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn er sich ab und an von \u00c4u\u00dferlichkeiten irritieren l\u00e4sst, wie Gerrit verr\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn auf dem Abreiteplatz viel los ist, L\u00e4rm und Musik, das kann er nicht ganz so gut haben. Hoffentlich l\u00e4sst er sich hier von der Lautst\u00e4rke auf den Trib\u00fcnen nicht beeindrucken, vor allem wenn Schweizer Reiter einreiten, ist es hier sehr laut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er selber l\u00e4sst sich nur schwer aus der Ruhe bringen, so schnell regt sich ein Gerrit Nieberg nicht auf. \u201eDa muss echt viel passieren, dass ich sauer werde. Eigentlich passiert das so gut wie nie.\u201c Nat\u00fcrlich \u00e4rgert er sich \u00fcber sich selber, wenn es im Parcours mal nicht so l\u00e4uft und er wei\u00df, dass er es vergeigt hat.\u00a0Und dann braucht er auch mal einen Moment, das zu verdauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Daher macht er sich immer einen genauen Plan. Und so etwas Aberglaube ist auch immer dabei. \u201eTats\u00e4chlich ziehe ich vor jeder Pr\u00fcfung immer meinen rechten Stiefel zuerst an und den rechten Handschuh. Das ist so eine Angewohnheit. Und damit h\u00f6rt es mit dem Aberglauben aber auch schon auf\u201c, lacht Gerrit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn er in Genf nach seinen Erfolgen in Aachen und Calgary zum Favoriten-Kreis geh\u00f6rt, kann er die St\u00e4rken seiner Konkurrenten gut einsch\u00e4tzen. \u201eIch denke, dass Daniel Deusser derzeit eine Super-Form hat. Aus den Top-30 der Weltrangliste sind ja auch gef\u00fchlt fast alle da, und von den 40, die an den Start gehen, k\u00f6nnen 35 sicher den Grand Prix gewinnen. Da ist es schwer, Favoriten herauszusuchen.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es nach den W\u00fcnschen des heimischen Publikums in Genf geht, steht Steve Guerdat sicher ganz oben auf der Wunsch-Sieger-Liste. Dem Schweizer Springreiter ist Gerrit bis heute super dankbar: \u201eIch hatte in Aachen nicht zu viel Zeit zwischen der zweiten Runde und dem Stechen. Ben hatte leider die Vorderzeug-Gabel zerbissen und wir mussten diese auswechseln und notd\u00fcrftig mit Tape flicken, damit sie noch f\u00fcr das Stechen h\u00e4lt. Dann war das Stechen schon in Gange, die ersten zwei waren durch. Dementsprechend hatte ich keinen meiner Konkurrenten im Stech-Parcours gesehen. Vor dem Parcours-Abgehen hatte ich mir schon die Wendung vor der Kombination angeguckt. Kurz vor dem Einritt habe ich dann Steve Guerdat gefragt, ob man vor der Hecke rum reiten kann. Und er hat wie ganz selbstverst\u00e4ndlich ja gesagt. Dann dachte ich, ok, dann ist das der normale Weg, den alle geritten sind.\u201c Als er bei der entscheidenden Wendung dann das Raunen im Publikum h\u00f6rte, war Gerrit Nieberg klar, dass es wohl doch nicht der normale Weg war.\u00a0\u00a0Gerrit erinnert sich: \u201eF\u00fcr mich hat es super gepasst. Es war auch sicher besser so, dass ich nicht wusste, dass die anderen da nicht lang geritten sind. Sonst h\u00e4tte ich es vielleicht auch nicht gemacht. Danach habe ich dann zu den letzten beiden Spr\u00fcngen alles riskiert. Ich fand das von Steve damals eine coole Geschichte und habe ihn auch am n\u00e4chsten Tag angerufen und mich f\u00fcr den Tipp bedankt.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Fair Play ist Gerrit Nieberg wichtig. Hat er sonst noch ungeahnte Talente, von denen wir nichts wissen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Springreiter lacht. Spontan fallen ihm eher ein paar Schw\u00e4chen ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKochen und Tanzen, das sind die Sachen, die ich so gar nicht kann\u201c, verr\u00e4t Nieberg. Leider kocht auch Freundin Johanna \u201enoch nicht gut genug\u201c. Und die muss die n\u00e4chsten Zeilen auch bitte \u00fcberlesen, weil sonst die \u00dcberraschung weg w\u00e4re: Gerrit m\u00f6chte ihr zu Weinachten einen Kochkurs schenken. Auch wenn er wei\u00df, dass er aus der Nummer nur rauskommt, wenn er selber mit daran teilnimmt. Dabei macht Kochen ihm nicht wirklich Spa\u00df. Den hat er eher beim Ausgleichssport. Einmal die Woche kommt ein Personal-Trainer, der ihn fit h\u00e4lt. Ab und an spielt er Tennis.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist seine schlimmste Angewohnheit: \u201eIch stelle mich relativ schnell in Frage. Zweifle manchmal an mir, wenn es mal nicht so gut lief. Ich hinterfrage mich dann auch sehr, was ich besser machen m\u00fcsste, ich h\u00e4tte besser machen k\u00f6nnen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Pers\u00f6nlich ist ihm am Ende eine gleichm\u00e4\u00dfige sch\u00f6ne Runde lieber, als immer zu viel zu riskieren. \u201eMal klappt es, beim n\u00e4chsten Mal kommt irgendetwas dazwischen. Das ist nicht so meine Philosophie. Mir macht es Spa\u00df, wenn ich einen Plan habe und der funktioniert. Das ist gar nicht so sehr an einen Sieg gekn\u00fcpft. Ich habe lieber eine Konstanz, als immer auf Teufel komm raus zu gewinnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Konzept, das Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Der Lohn waren auch viele tolle Reisen und Erlebnisse abseits des Parcours. \u201eIch bin in diesem Jahr tats\u00e4chlich viel rumgekommen. Und manchmal war auch Zeit, sich etwas anzusehen. Eindrucksvoll fand ich zum Beispiel das Turnier in Doha. Da hatten wir Gelegenheit, uns die Stadt anzusehen. Wir sind Jetski gefahren und mit einem Quad durch die W\u00fcste. Das war sehr, sehr cool. In Calgary waren wir an den Rocky Mountains. Auch das war sehr sehenswert\u201c, erz\u00e4hlt Nieberg, dessen Lieblingsfach in der Schule neben Sport auch Erdkunde war.<\/p>\n\n\n\n<p>Weihnachten feiert er mit der Familie. Wenn auch \u201enicht traditionell\u201c. \u201eWir haben weder einen Weihnachtsbaum noch machen wir uns Geschenke. Fr\u00fcher, als mein Bruder und ich noch kleiner waren, hatten wir nat\u00fcrlich auch einen Weihnachtsbaum. Aber seit einigen Jahren machen wir das nicht mehr. Wir essen sch\u00f6n mit der Familie zusammen, ziehen uns ein Hemd an. Aber das war es auch schon.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Fest will er n\u00e4chste Woche noch mal zum Weltcup-Turnier in London. Im Januar hofft er auf eine Startgenehmigung in Basel und Leipzig. Damit er seinen Traum weiter leben kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Text und Interview: Corinna Philipps<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er lebt gerade seinen Traum. 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