{"id":59862,"date":"2023-01-24T15:04:27","date_gmt":"2023-01-24T14:04:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=59862"},"modified":"2025-01-11T12:14:12","modified_gmt":"2025-01-11T11:14:12","slug":"nach-familienrat-gullicksens-schlagen-2-millionen-offerte-fuer-papa-roach-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2023\/01\/24\/nach-familienrat-gullicksens-schlagen-2-millionen-offerte-fuer-papa-roach-aus\/","title":{"rendered":"Nach Familienrat: Gulliksens schlagen 2-Millionen-Offerte f\u00fcr Papa Roach aus!"},"content":{"rendered":"\n<p>Im norwegischen Reitsport geh\u00f6rt er fast schon zum Inventar: Der international erfolgreiche Springreiter Geir Gulliksen vertritt seit mehr als 40 Jahren die Farben der skandinavischen Halbinsel. Etliche Nationenpreise hat der 63-J\u00e4hrige im Sattel f\u00fcr sein Land bestritten, an zwei Olympischen Spielen und vier Weltmeisterschaft teilgenommen. Und auch seine beiden Kinder Victoria (30) und Johan-Sebastian (26) sind bereits erfolgreich bei Championaten f\u00fcr ihr Land gestartet. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Norwegens bekannteste Reitsport-Familie am Rande des Leipziger Turniers zum Interview getroffen, mit ihnen \u00fcber astronomische Angebote f\u00fcr Springpferde, \u00fcber bedrohliche Hetze und pers\u00f6nliche Angriffe im Netz sowie gro\u00dfe sportliche Ziele gesprochen. <\/p>\n\n\n\n<p>Victoria kommt mit einem gebrochenen Finger zum Interview. &#8220;Das war Papa Roach&#8221;, lacht die Springreiterin. Der Hannoveraner Wallach hatte sich in der Leipziger Abreitehalle losgerissen und war durch die Halle gest\u00fcrmt. Als er wieder in Richtung Victoria galoppierte, reagierte diese prompt: &#8220;Ich dachte, wenn ich jetzt nicht zugreife, ist das Finale in Omaha futsch. Also habe ich nach den Z\u00fcgeln gegriffen, und dann hat er mich durch die Halle geschleift.&#8221; Ein gebrochener Finger war zum Gl\u00fcck die schlimmste Verletzung. Victoria Gulliksen nimmt es ihrem Sportpartner nicht \u00fcbel. &#8220;Er ist total crazy&#8221;, sagt die Reiterin und grinst.  Sie sind ein eingespieltes Team, kennen sich in- und auswendig. Zum Auftakt der aktuellen Weltcup-Serie in Oslo im vergangenen Oktober wurde ihre Team-Leistung mit Platz zwei belohnt.  Auch bei den folgenden Weltcup-Etappen in Helsinki und Mechelen gab es vordere Platzierungen plus wertvolle Punkte, und so ist das Weltcup-Finale im April in Omaha f\u00fcr Victoria, derzeit auf Platz 12 im Weltcup-Ranking,  nun zum Greifen nahe. Diesem Ziel wird derzeit daher auch alles untergeordnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch das Talent des 14-j\u00e4hrigen Fuchses weckt auch Begehrlichkeiten, insbesondere in Saudi Arabien. &#8220;Uns wurden 2 Millionen Euro f\u00fcr das Pferd geboten. Ein irrer Preis f\u00fcr ein Wallach in diesem Alter&#8221;, erz\u00e4hlt Geir Gulliksen ganz offen.  Sechsj\u00e4hrig hatte die Familie Papa Roach von Andreas Knippling f\u00fcr 190.000 Euro gekauft. Damals sa\u00df Eva Bitter im Sattel des talentierten Youngsters von Perigueux. Der Familien-Rat tagte. Intensiv. Am Ende \u00fcberlie\u00df Geir Gulliksen die schwere Entscheidung seinen Kindern. &#8221; Ich habe den Beiden gesagt, ich habe f\u00fcr mein Leben alles, was ich brauche. Mein Leben ver\u00e4ndern diese zwei Millionen nicht mehr.  Aber euer Leben &#8211; ihr m\u00fcsste es also entscheiden&#8221;, sagt Gulliksen, der selbst 2020 die Weltcup-Etappe in G\u00f6teborg gewann. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Das war wirklich hart. Mit zwei Millionen Euro kann man viel machen. Ich bin es mein ganzes Leben gewohnt, dass die Pferde an irgendeinem Punkt immer verkauft werden. So bin ich aufgewachsen. Ich habe es den potentiellen K\u00e4ufern von Papa Roach dann auch absichtlich schwer gemacht. Ich habe Unsummen aufgerufen, gesagt, sie m\u00fcssen ihn tier\u00e4rztlich untersuchen, bevor sie ihn ausprobieren. Wenn sie ihn ausprobieren wollen, m\u00fcssen sie noch mehr zahlen und so weiter. Aber die Araber blieben dran, lie\u00dfen nicht locker&#8221;, erz\u00e4hlt Victoria. Am Ende haben sich Victoria und Johan trotzdem gegen den Verkauf entschieden. &#8220;Zum einen lockt das Weltcup-Finale. Zum andren h\u00e4tten die k\u00fcnftigen Besitzer Papa Roach m\u00f6glicherweise auch anders behandelt, als wir das tun. Also haben wir uns gegen das viele Geld und f\u00fcr das Pferd entschieden&#8221;, fasst es Victoria zusammen.  Nat\u00fcrlich, dar\u00fcber ist sich die Familie einig, muss man es sich auch leisten k\u00f6nnen, auf 2 Millionen Euro zu verzichten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie lebt vom Pferdehandel, betreibt einen Ausbildungs- und Handelsstall in Norwegen. Victoria lebt mit ihrem Freund, dem internationalen Springreiter Jordy van Massenhove, allerdings mittlerweile in Belgien. F\u00fcr Johan geht es diese Woche mit drei Pferden nach Amerika. Zwei Pferde sollen dort mit ihm Turnier-Erfahrung sammeln, das dritte Pferd wird verleast. &#8220;Viele Leute denken, man verleast ein Pferd, weil die Leute kein Geld haben. Aber das ist nicht der Fall. Wenn Du in Amerika Pferde verkaufst, kannst Du schnell mal verklagt werden. Um das zu umgehen, ist es manchmal einfacher, die Pferde zu vermieten&#8221;, erkl\u00e4rt Geir Gulliksen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die Reise nach Amerika ist ein teures Invest. &#8220;Es kostet rund 10.000 Euro pro Pferd, in den USA zu starten. Aber wir machen viele Gesch\u00e4fte mit den Amerikanern, und es ist f\u00fcr uns auch wichtig, dort Pr\u00e4senz zu zeigen. Der Pferde-Handel ist unser Tages-Gesch\u00e4ft, Reiten ist auch wichtig, aber das Hauptaugenmerk liegt auf dem Handel&#8221;, bringt es der Gesch\u00e4ftsmann auf den Punkt. Gulliksen liebt Pferde, er hat noch f\u00fcnf Rennpferde, auch das ist ein Business. Aber es sei viel schwieriger, mit Rennpferden Geld zu machen als mit Springpferden, da die sportlichen Karrieren der Rennpferde normalerweise deutlich k\u00fcrzer sind. &#8220;Wenn ich zum Beispiel ein Springpferd f\u00fcr 250.000 Euro kaufe und es reicht am Ende nicht f\u00fcr ganz oben, kann ich es immer noch f\u00fcr den gleichen Preis an einen Amateur verkaufen. Bei Rennpferden geht das so nicht&#8221;, rechnet Gulliksen vor. <\/p>\n\n\n\n<p>Er selber ist nach einem schweren Sturz, einer H\u00fcftverletzung mit anschlie\u00dfender Operation im Juli vergangenen Jahres, erst k\u00fcrzlich wieder in den Sattel zur\u00fcckgekehrt. &#8220;100 Prozent wird es sicher nicht werden. Ich habe zwar keine Schmerzen, aber eine riesige Narbe. Normalerweise bekommt man bei so einer Verletzung eine neue H\u00fcfte, aber die \u00c4rzte in Norwegen meinten, eine k\u00fcnstliche H\u00fcfte w\u00e4ren f\u00fcr das Reiten nicht optimal, der H\u00fcftknochen k\u00f6nnte \u00fcber dem Sprung aus der Pfanne springen. Deshalb wurde die H\u00fcfte repariert&#8221;, lacht Gulliksen. Ans Aufh\u00f6ren denkt er noch lange nicht: &#8220;Ich habe gute Gene. Mein Vater ist 97 Jahre alt, ich werde also noch eine Weile Turniere reiten.&#8221; Hoffentlich ohne weitere St\u00fcrze und Verletzungen. &#8220;Wir haben alle drei nach vielen Knochenbr\u00fcchen etliche Schrauben im K\u00f6rper. Am Flughafen l\u00f6sen wir bei den Sicherheitskontrollen regelm\u00e4\u00dfig den Alarm aus&#8221;, lacht Victoria. <\/p>\n\n\n\n<p>Sorgen macht der Reitsport-Familie das zunehmend schlechte Image ihres Sports. &#8220;Da drau\u00dfen sind so viele verr\u00fcckte Leute unterwegs, die nicht wollen, dass \u00fcberhaupt jemand reitet&#8221;, wei\u00df Geir Gulliksen aus Erfahrung. Und Victoria f\u00fcgt an: &#8220;Wenn ich auf dem Arbeitsplatz auf einem Turnier reite, und die Leute einen Moment filmen, in dem ich das Pferd gerade anhalten m\u00f6chte oder ich mit einer Parade durchkommen muss, das Pferd kurz den Kopf etwas zu tief hat oder das Maul \u00f6ffnet, dann wird dieses Foto, v\u00f6llig aus dem Zusammenhang gerissen, ver\u00f6ffentlicht, und ich werde danach beschuldigt, am Z\u00fcgel gezerrt und mein Pferd gequ\u00e4lt zu haben. Das ist echt super, super schwierig.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<p>Geir Gulliksen bekam die Wucht der Sozialen Medien gerade selbst zu sp\u00fcren: &#8220;Im Dezember habe ich in Norwegen einen Hengst bei einer Hengstshow geritten und ihn nur zweimal ganz leicht mit der Gerte ber\u00fchrt, damit er bei mir bleibt, mir Aufmerksamkeit schenkt. Es war total unspektakul\u00e4r auch die Richter hatten nichts zu beanstanden. Aber eine ziemlich m\u00e4chtige Tierschutzorganisation in Norwegen zeigte mich tats\u00e4chlich bei der Polizei an. Hand aufs Herz, ich habe in meiner ganzen reiterlichen Karriere nicht eine Gelbe Verwarnungskarte bekommen. Niemand wird es je erleben, dass ich ein Pferd mit der Gerte verpr\u00fcgele oder den Pferden anderweitig Gewalt zuf\u00fcge. Das w\u00fcrde ich niemals tun.&#8221; Die Richter und auch die Polizei legten die Sache nach der Pr\u00fcfung schnell zu den Akten. <\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so die Kritiker in den Sozialen Medien. &#8220;In der Anonymit\u00e4t des Internet sind viele Menschen sehr, sehr mutig&#8221;, wei\u00df Victoria. Nachdem die Leute das Video auf ClipMyHorse gesehen hatten, hagelte es b\u00f6se und beleidigende Nachrichten. Auch an ihre Adresse, &#8220;weil mein Vater kein Instagram hat&#8221;.  Geir erz\u00e4hlt kopfsch\u00fcttelnd: &#8220;Einer hat Victoria geschrieben, sie solle sich erh\u00e4ngen, weil sie die Tochter eines Pferdequ\u00e4lers ist.&#8221; Geir Gulliksen zog daraus jetzt seine Konsequenz: &#8220;Ich werde einfach gar keine Gerte mehr mit in den Parcours nehmen. Wir nutzen die Gerte im Parcours ja sowieso nur in Situationen, wo man das Pferd etwas ermuntern oder anspornen muss, die Gerte setzt nur einen leichten Impuls. Aber das ist offensichtlich immer weniger vermittelbar.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<p>Gulliksen findet, sogenannte Tiersch\u00fctzer br\u00e4chten oftmals das Leben der Reiter und Pferde selber in Gefahr. So geschehen Ende Dezember beim Weltcup-Turnier im belgischen Mechelen, als militante Tiersch\u00fctzer mitten in einem internationalen Springen das Licht ausschalteten und in den Parcours rannten. Der niederl\u00e4ndische Springreiter Willem Greve war gerade im Parcours unterwegs. &#8220;Kaum auszudenken, was dabei h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen&#8221;, sagt Geir Gulliksen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gulliksens traten die Flucht nach vorne an. &#8220;Wir haben die Kritiker zu uns eingeladen, damit sie mal sehen k\u00f6nnen, wie unsere Pferde leben, sehen k\u00f6nnen, wie gut wir uns um sie k\u00fcmmern.&#8221; Nat\u00fcrlich kam niemand. Stattdessen wurde behauptet, auch die Richter seien korrupt. &#8220;Das sind nat\u00fcrlich wirklich schlimme Vorw\u00fcrfe und so etwas darf man auch nicht so stehen lassen. H\u00e4tten diese Leute mehr Pferdeverstand, w\u00fcrden sie wissen, dass unser Umgang normal ist. Einem 600 Kilogramm schweren Pferd einen kleinen Klaps mit der Gerte zu geben, tut nicht weh. Aber sie wollen das auch gar nicht verstehen&#8221;, ist sich Geir Gulliksen sicher. <\/p>\n\n\n\n<p>Er wirft den sogenannten Tiersch\u00fctzern falsch verstandene Tierliebe vor. &#8220;Die lassen ihre Pferde auch mal bei Minus 15 Grad ohne Decken oder Schutz drau\u00dfen stehen. Unsere Pferde haben es dagegen total gut. Nach einer Stunde Arbeit am Tag werden sie geb\u00fcrstet, gef\u00fcttert, gestreichelt, gehegt und gepflegt. Das ist wie Wellness.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und das m\u00fcsse auch so sein. Nur wer mental und k\u00f6rperlich fit ist, kann am Ende H\u00f6chstleistungen bringen. Das ist auch bei Pferden so. &#8220;Wenn das Pferd keine Lust hat, einen 1,60m-Parcours zu springen, bleibt es einfach am Einritt stehen. So einfach ist das&#8221;, erkl\u00e4rt Geir Gulliksen. <\/p>\n\n\n\n<p>Familie Gulliksen hat die Pferde zum Gl\u00fcck auf ihrer Seite. Anders geht es auch nicht, wenn man so gro\u00dfe Ziele verfolgt. &#8220;Zu dritt im Team f\u00fcr Norwegen bei Olympischen Spielen starten. Das w\u00e4re unser Traum&#8221;, lacht Geir Gulliksen zum Schluss. Und vielleicht geht dieser Traum ja sogar in Erf\u00fcllung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im norwegischen Reitsport geh\u00f6rt er fast schon zum Inventar: Der international erfolgreiche Springreiter Geir Gulliksen vertritt seit mehr als 40 Jahren die Farben der skandinavischen Halbinsel. Etliche Nationenpreise hat der 63-J\u00e4hrige im Sattel f\u00fcr sein Land bestritten, an zwei Olympischen Spielen und vier Weltmeisterschaft teilgenommen. 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