{"id":68411,"date":"2023-12-04T19:35:00","date_gmt":"2023-12-04T18:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=68411"},"modified":"2025-01-11T12:33:38","modified_gmt":"2025-01-11T11:33:38","slug":"exklusiv-interview-mit-marco-kutscher-man-kann-in-dem-sport-viel-erreichen-aber-man-muss-auch-bereit-sein-sich-zu-quaelen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2023\/12\/04\/exklusiv-interview-mit-marco-kutscher-man-kann-in-dem-sport-viel-erreichen-aber-man-muss-auch-bereit-sein-sich-zu-quaelen\/","title":{"rendered":"Exklusiv-Interview mit Marco Kutscher: &#8220;Man kann in dem Sport viel erreichen, aber man muss auch bereit sein, sich zu qu\u00e4len!&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>Er ist einer, den selbst die Erfolgreichen um Rat fragen. Marco Kutscher ist ein Stilist, ein feiner Ausbilder und begnadeter Reiter. Der 48-J\u00e4hrige geh\u00f6rt unumstritten zu den Besten. Er hat viel erreicht, wurde Doppel-Europameister, holte Bronze bei den Olympischen Spielen. Und er ist mit sich im Reinen. In diesem Jahr hat er sich mit zahlreichen Grand Prix Siegen eindrucksvoll zur\u00fcck auf der gro\u00dfen B\u00fchne gemeldet. spring-reiter.de hat mit Marco Kutscher \u00fcber die gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen im Springsport, \u00fcber Flei\u00df und oft mangelnde Grundlagen gesprochen und er hat wertvolle Tipps f\u00fcr den Nachwuchs gegeben. Au\u00dferdem hat der Spitzenreiter verraten, welches Top-Pferd er gerne mal ausprobieren w\u00fcrde.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn diesem Jahr bin ich auf jeden Fall erfolgreicher gewesen, als in den vergangenen Jahren, ja!\u201c, lacht Marco Kutscher im Interview mit spring-reiter.de. Er wurde dieses Jahr mit Aventador S (v. Armitage) F\u00fcnfter beim Weltcup in Leipzig, gewann mit dem zehnj\u00e4hrigen Fuchs den Gro\u00dfen Preis von Holstein auf Hof Waterkant, siegte mit Outrageous Charmer (v.Presley Boy) im Gro\u00dfen Preis der OWL Challenge und gewann im Sattel von Camelot (v.Cabachon) den Gro\u00dfen Preis bei den Mauritz Masters und mischte auch in Stuttgart vorne mit. Er ist zur\u00fcck, auch wenn er nie wirklich weg war, sondern nur einige Zeit bei den ganz gro\u00dfen Springen nicht in der ersten Reihe stand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor zwanzig Jahren war das anders, da leuchtete sein Stern ganz hell.&nbsp;Den ersten gro\u00dfen Erfolg feierte Kutscher 2004: Der geb\u00fcrtige Ostfriese sicherte sich mit Montender die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Athen \u2013 und sprang auch mit der Mannschaft auf Platz drei, auf das Podium. 2005 setzten Kutscher und Montender noch einen drauf: Das Paar wurde Doppel-Europameister.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem bewies Marco Kutscher, dass er auch f\u00fcr Nachwuchspferde ein feines H\u00e4ndchen hat: Gleich dreimal \u2013 2003, 2005 und 2007 \u2013 heimste er den Sieg bei den Bundeschampionaten ein.&nbsp;2010 wurde er Zweiter in der Gesamtwertung der Global Champions Tour&nbsp;und&nbsp;2011 geh\u00f6rte Kutscher mit Cornet Obolensky zum siegreichen Team Deutschland bei der Europameisterschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das alles ist lange her. Was hat sich im Sport seitdem ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00fcrde sagen, die Dichte der Reiter, aber auch die Qualit\u00e4t der Reiter. Das hat sich ziemlich ver\u00e4ndert mit den Jahren. Das hat was mit dem Trainieren zu tun, dass es viele gute Trainer gibt, und es hat sich grunds\u00e4tzlich an dem System vieles ver\u00e4ndert. Wie viele Reiter weltweit heutzutage in der Lage sind, 5* zu reiten, Nationenpreise zu reiten. Das ist deutlich mehr geworden, als es noch vor 20 Jahren der Fall war\u201c, res\u00fcmiert der Pferdewirtschaftsmeister.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist es heute noch m\u00f6glich, international ganz oben mitzureiten, wenn man nicht bei Beerbaum, den Stephex Stables oder im Stall Tops ist?&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eAlso, ich war damals ja bei Beerbaum. Aber heute w\u00e4re so etwas schwierig und es ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Das hat vielerlei Gr\u00fcnde. Das gr\u00f6\u00dfte Problem ist nat\u00fcrlich die zu geringe Anzahl an Top-Pferden, w\u00e4hrend die Nachfrage umso gr\u00f6\u00dfer ist. Es gibt ja viel mehr Reiter als vor 20 Jahren, die auf 5* Niveau reiten weltweit. Das liegt auch an der Globalisierung des Sports, da sind L\u00e4nder dazugekommen, die so fr\u00fcher gar nicht im Springsport existiert haben. Nehmen wir zum Beispiel China: Die Chinesen haben viele Pferde gekauft und viel in den Reitsport investiert. Wenn sie die finanziellen Mittel haben, die Pferde zu kaufen, dann fehlen die nat\u00fcrlich an anderer Stelle. Das macht es f\u00fcr einen jungen Reiter umso schwerer oder auch f\u00fcr mich, als jetzt nicht mehr ganz so jungen Reiter, Pferde, die auf dem Niveau springen k\u00f6nnen, noch zu halten. Kaum hat man die ein paarmal auf Turnieren erfolgreich gezeigt, ist das Interesse da. Ist das Angebot hoch, ist es nat\u00fcrlich auch schwer, dies abzulehnen. Dann fehlen diese Pferde. Aber am Ende braucht auch der gute Reiter ein gutes Pferd, um in der Weltspitze erfolgreich zu sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H\u00e4ltst Du die Weltspitze f\u00fcr Dich nochmal f\u00fcr m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eEher nicht, nein. Grunds\u00e4tzlich habe ich auch Spa\u00df daran, Pferde auszubilden und wenn es passt, die dann auch zu verkaufen. Das ist Teil meines Berufs, auch Teil meines Gesch\u00e4fts, und von daher ergibt es sich ja, wenn sie gut auf dem entsprechenden Niveau springen, dass sie dann auch verkauft werden. Wenn sie mir von einem Besitzer, der sie nicht verkaufen will, zur Verf\u00fcgung gestellt werden und ich mit denen weiter Sport machen kann, dann h\u00e4tte ich nat\u00fcrlich nichts dagegen. Aber ich habe in meinem Leben so viel mehr erreicht, als ich mir als Kind und Jugendlicher jemals ertr\u00e4umt h\u00e4tte, und bin da im Grunde genommen mit mir selbst zufrieden und im Reinen. Meine Laune h\u00e4ngt nicht davon ab, ob ich jetzt nochmal auf 5* Niveau oder in Nationenpreisen oder in Richtung Championat unterwegs bin. Wenn das so w\u00e4re, nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich es dann auch gerne machen, aber wenn nicht, dann ist das auch ok.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber es macht Dir doch Spa\u00df, oder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eSpa\u00df macht es mir auf jeden Fall, klar, und wenn man dann gute Pferde hat und kann an dem Sport teilnehmen und ist in der Lage, mal ein Springen zu gewinnen oder vorne mit dabei zu sein, dann macht das nat\u00fcrlich riesen Spa\u00df. Aber das Reiten macht mir ja generell Spa\u00df, auch mit jungen Pferden oder auf einem anderen Niveau. Solang ich eben das Gef\u00fchl mit den Pferden habe, dass es sinnvoll ist.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer ist Dein Top-Pferd momentan?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eAventador auf jeden Fall, der ist jetzt gerade kastriert worden. Als Hengst hatte er schon \u00dcberehrgeiz und da verspreche ich mir jetzt, dass er vielleicht etwas gelassener ist, was dann auch das Reiten und Arbeiten etwas erleichtert, weil man ihn auch relativ viel arbeiten muss, damit er dann \u00fcberhaupt ein bisschen gelassen und ruhig ist. Wir haben die Hoden ausgewaschen und da knapp 200 Portionen gesichert, die sind eingefroren worden. Also wenn mal irgendjemand danach fragt und mit ihm z\u00fcchten m\u00f6chte, dann ist das nach wie vor m\u00f6glich, aber er ist jetzt nicht so ein Deckhengst wie Karajan zum Beispiel oder andere Hengste, die ich in meinem Leben geritten habe. Von daher erhoffe ich mir, dass er etwas entspannter wird und dass dann n\u00e4chstes Jahr alles noch leichter geht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Deinen Kollegen wirst du gelobt als \u201eweltbester Trainer\u201c, macht Dir das auch Spa\u00df?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eAlso ich wei\u00df nicht, wer das gesagt hat und die Welt ist gro\u00df. Ich selbst w\u00fcrde mich da nicht in dieser Liga sehen. Klar sieht man noch eine andere Version aus einem anderen Blickwinkel und man ist manchmal vielleicht etwas eingefahren in dem, was man tut und wenn man dann mal eine andere Idee kriegt, hilft das. Grunds\u00e4tzlich bin ich aber Reiter, <strong>Trainer zu sein ist nicht so meins, also ich habe mehr Spa\u00df daran, LKWs zu verkaufen als Leute zu trainieren.<\/strong> Aber ich muss auch sagen, es h\u00e4ngt nat\u00fcrlich immer davon ab, mit wem man trainiert. Ich habe ja in den letzten Jahren unterschiedliche Sch\u00fcler f\u00fcr einen k\u00fcrzeren, aber auch l\u00e4ngeren Zeitraum gehabt und das hat mit allen dann auch Spa\u00df gemacht. Aktuell ist Marlene bei mir, die mittlere Tochter von Otto und Julia Becker. Da befinden wir uns schon auf einem anderen Niveau. Es macht Spa\u00df zu sehen, wie sie Fortschritte macht und in der ganzen Sache drinsteckt. Sie m\u00f6chte etwas erreichen und m\u00f6chte weiterkommen, aber ist jetzt auch nicht verbissen, das macht dann auch Spa\u00df. Es muss jetzt nicht unbedingt ein 5* Reiter sein, wie Mario Stevens, wo es am Ende ja nur um Kleinigkeiten geht, vielleicht nur kleine Tipps und die Sicht von au\u00dfen. Da ist der Unterricht bei Marlene zum Beispiel ein anderer.&nbsp;<strong>Aber wenn ich irgendwann mal nicht mehr reite, dann sage ich nicht, ich gebe mal so richtig Gas als Trainer<\/strong>.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was macht Dir mehr Spa\u00df, auf 5*-Niveau zu reiten oder junge Pferde auszubilden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eBeides. Oftmals macht es mit jungen Pferden noch mehr Spa\u00df, weil der Fortschritt schneller ist. Man merkt schneller Ergebnisse und Fortschritte. Bei einem \u00e4lteren Pferd dauert es schon in der Regel etwas l\u00e4nger. Ein Pferd dahin zu bringen, macht auch einen riesen Spa\u00df, aber am Ende ist f\u00fcr mich entscheidend, dass die Qualit\u00e4t gut ist, dass man als Reiter dann auch die Fortschritte merkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie viele Pferde hast Du bei Dir zu Hause?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eWir haben 26 Boxen, unterm Sattel sind zwischen 15 und 18 Pferden. Da ist vom 4j\u00e4hrigen bis zum \u00e4lteren Springpferd alles dabei. Ich habe einen Bereiter und dann noch einen jungen Mann, der halbtags mitreitet, aber keine Turniere.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was macht f\u00fcr Dich ein richtig gutes Springpferd aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eAm Ende ist der Kopf entscheidend. Ich habe viele Pferde schon mit ganz tollen Talenten gehabt, was ihre k\u00f6rperlichen Bedingungen und die Reiteigenschaften betraf, aber andere Pferde, die das nicht hatten, waren dann deutlich erfolgreicher, weil sie einfach mitgemacht haben. Ein Cash war vom K\u00f6rperbau her sicherlich kein Pferd, das man sich jetzt so aussuchen w\u00fcrde. Der hatte eigentlich viele Baustellen und viele Dinge, die ihm im Weg waren, aber der hatte einfach eine Hammer Einstellung, er wollte das gut machen und war vorsichtig, unheimlich flexibel, obwohl er ein gro\u00dfes und langes Pferd war, war aber im Grunde genommen sehr einfach zu reiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erkennst Du die Qualit\u00e4ten eines Pferdes schnell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eAm Ende finde ich es heraus, wenn ich draufsitze und die Pferde mal ein paar Tage reite. Das versuche ich auch, wenn ich ein Pferd kaufen m\u00f6chte und mit dem Besitzer oder Z\u00fcchter ausmache, dass es ein paar Tage zu mir kommt. Da sieht man dann auch mal, wie sie so im Umgang sind, wie das ganze Wesen des Pferdes ist, was auch eine gro\u00dfe Rolle spielt. Das kann man dann schon deutlich besser beurteilen, wenn man es ein paar Tage geritten hat, als nur dieser einmalige Eindruck, den man nach einem Probereiten hat.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welches Pferd Deiner Kollegen w\u00fcrdest Du gerne mal reiten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Maro Kutscher lacht: \u201eNehmen wir mal Zineday: Ob ich den jetzt so vorstellen k\u00f6nnte, wie Philipp das kann, ist eine andere Sache, aber mit dem mal einen Sprung machen und schauen, wie es sich anf\u00fchlt\u2026 Der Sprung sieht schon immer sehr leicht aus &#8211; wie eine Feder &#8211; und wie dieses Pferd das entwickeln kann und so auch am Oxer die zweite Stange springen kann, das ist schon au\u00dfergew\u00f6hnlich. Da w\u00fcrde es mich schon mal reizen, das Gef\u00fchl zu testen, wie der Sprungablauf sind anf\u00fchlt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie hat sich die Turnierlandschaft in den Jahren ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eDass die Reiter jedes Wochenende unterwegs sind, das war vor 20 Jahren auch schon so. Aber es gab eine ziemliche Explosion der 5* Turniere. Wenn ich jetzt an die Zeit zur\u00fcckdenke, in der ich bei Ludger geritten bin, da war ich jede Woche auf einem guten Turnier in den guten Jahren. Trotzdem ist das in den letzten Jahren nochmal mehr geworden,&nbsp;<strong>aber was ich ziemlich besorgniserregend finde ist, dass uns im l\u00e4ndlichen Bereich alle Turniere wegfallen<\/strong>&nbsp;und da bin ich mal gespannt, wie sich das so in den n\u00e4chsten Jahren entwickelt. Zum einen liegt das sicher am Wegbrechen der Sponsoren, aber auch in den Vereinen gibt es immer weniger, die dort ehrenamtlich helfen, die das Turnier mit veranstalten und ohne die es nicht geht. Wenn man daf\u00fcr jemanden beauftragen muss, ist es f\u00fcr einen Verein nicht m\u00f6glich, ein Turnier rentabel zu gestalten, und die Leute im Verein werden immer weniger, die \u00fcberhaupt noch mitarbeiten m\u00f6chten, weil die Sportreiter da auch so ein bisschen fehlen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was denkst Du, woran liegt das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eIch glaube, es hat sicherlich auch etwas mit der Kostenexplosion zu tun. Die Unterhaltskosten, die so ein Pferd mit sich bringt, sind dann auch eine Frage des Einkommens. Also man muss schon gut Geld verdienen, um sich \u00fcberhaupt den Sport als Hobby leisten zu k\u00f6nnen. Somit sind die Pferde auch teurer geworden. Wenn man jetzt heutzutage ein gutes Pferd hat, das M*\/M**\/S gut unterwegs ist, das wird dann auch schnell verkauft. Das hei\u00dft im Umkehrschluss, wenn man so ein Pferd in Deutschland kaufen m\u00f6chte, muss man schon tief in die Tasche greifen. Es sei denn, man kann sie sich selbst ausbilden, aber ansonsten ist es wirklich schwer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>John Whitaker hat die Nachwuchsreiter kritisiert, dass sie den erfahrenen Reitern kaum noch zusehen, um zu lernen, und nur noch aufs Handy starrren\u2026Hat er Recht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, auf jeden Fall. Oft konzentriert sich die Jugend nicht mehr auf das Wesentliche. Sie sehen nicht, dass der Reitsport auch ein Flei\u00dfsport ist und dass man mit Flei\u00df und Disziplin sehr viel erreichen kann. Da n\u00fctzt einem manchmal das gr\u00f6\u00dfte Talent nichts, wenn man nicht auch ein St\u00fcck weit flei\u00dfig ist.&nbsp;<strong>Man kann in dem Sport viel erreichen, aber man muss nat\u00fcrlich auch bereit sein, sich ein wenig zu qu\u00e4len<\/strong>. Diese Bereitschaft ist leider oft nicht vorhanden und es wird ihnen dann doch oft zu leicht gemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was w\u00fcrdest Du den Nachwuchsreitern raten, die es nach ganz oben schaffen wollen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher. \u201eNehmen wir als Beispiel Richard Vogel. Was der macht, ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Dem gucken wahrscheinlich alle mit offenem Mund zu und bestaunen ihn. Man kann man im Reitsport viel durch Flei\u00df erreichen.&nbsp;<strong>Von daher sollte man immer an sich glauben, immer kritisch sein, sich selbst hinterfragen und versuchen, an sich zu arbeiten und von den Besten zu lernen.<\/strong>&nbsp;Einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen, auch mal links und rechts gucken und schauen, auch mal Dinge ausprobieren, denn man kann immer wieder zu dem zur\u00fcckgehen, was man vorher gemacht hat. Man vergibt sich ja nichts. Wenn man einen Trainer hat, umso besser. Ansonsten kann man sich auch viel erlesen, denn unsere deutsche Reitlehre hat ja ein System, das auch Sinn macht. Das vergessen viele.&nbsp;<strong>Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich jemandem sage, er soll Schenkelweichen reiten, mit was f\u00fcr gro\u00dfen Augen die mich dann angucken und teilweise nicht wissen, wie es eigentlich geht. Die k\u00f6nnen dann aber trotzdem \u00fcber dicke Parcours reiten.&nbsp;<\/strong>Im Grunde genommen kann man bei der Basis anfangen und das dann immer so ein bisschen weiterverfolgen, und wenn man auf dem Turnier immer nur auf hohem Niveau ist und dann mal schaut, wie der eine oder andere Reiter das auf dem Arbeitsplatz so macht, lernt man auch sicherlich dazu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du bist seit Jahren in der Nachwuchsf\u00f6rderung engagiert, zum Beispiel seit rund sieben Jahren als Juror beim Goldenen Sattel dabei. Aber Du selber hast ihn nie gewonnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher schmunzelt: \u201eNee, da war ich weit davon entfernt. Daf\u00fcr hat es nie gereicht. Die k\u00f6nnen da schon echt alle toll reiten. Es ist nat\u00fcrlich nochmal etwas anderes, wenn sie dann auf fremde Pferde kommen, aber es ist ja auch f\u00fcr die jungen Leute eine super Sache, in dieser Atmosph\u00e4re zu reiten. Au\u00dferdem bin ich bei der Rolex Academy, die vergeben dort Stipendien an Reiter, da bin ich auch einer der Trainer, d.h. da habe ich auch mal junge Reiter aus anderen L\u00e4ndern bei mir. Zum Beispiel ist der U25-Reiter Thibault Philippaerts mehrfach bei mir gewesen. Das macht Spa\u00df und man lernt auch mal andere Leute kennen. Ansonsten finde ich es halt schwierig, wenn man selbst noch aktiv im Sport ist, dann gleichzeitig Trainer zu sein, das bei\u00dft sich dann manchmal im Alltag. Wenn es mal f\u00fcr einen kurzen Zeitraum so ist, dann mach ich das. Aber aktuell k\u00f6nnte ich mir nicht noch vorstellen, mehrere junge Leute bei mir zu haben, die ich gleichzeitig noch betreuen m\u00fcsste.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hat der Reitsport ein zunehmendes Image-Problem?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Marco Kutscher: \u201eIch wei\u00df ich jetzt nicht, ob man sich Sorgen machen muss. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen wir transparent sein und wissen, dass man eine Vorbildfunktion hat und sich dementsprechend auch verhalten. Man will ja mit dem Sport die Leute begeistern und das klappt ja auch. Da bietet unser Sport ja auch jedem die Chance, denn es geht immer wieder bei Null los. Wir leben mittlerweile auch in einer anderen Zeit, da hat sich ganz sch\u00f6n viel ver\u00e4ndert. Man muss trotzdem zusehen, dass wir unseren Sport weiter verteidigen und wir uns auch nicht in eine Ecke dr\u00e4ngen lassen, denn da kommt man irgendwann dann nicht mehr raus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Interview: Corinna Philipps&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist einer, den selbst die Erfolgreichen um Rat fragen. Marco Kutscher ist ein Stilist, ein feiner Ausbilder und begnadeter Reiter. Der 48-J\u00e4hrige geh\u00f6rt unumstritten zu den Besten. Er hat viel erreicht, wurde Doppel-Europameister, holte Bronze bei den Olympischen Spielen. Und er ist mit sich im Reinen. 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