{"id":69640,"date":"2024-01-22T16:45:31","date_gmt":"2024-01-22T15:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=69640"},"modified":"2025-01-11T11:44:49","modified_gmt":"2025-01-11T10:44:49","slug":"frueher-bin-ich-auf-jedes-pferd-gestiegen-ganz-egal-wie-alt-das-mache-ich-nicht-mehr-interview-mit-christian-ahlmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2024\/01\/22\/frueher-bin-ich-auf-jedes-pferd-gestiegen-ganz-egal-wie-alt-das-mache-ich-nicht-mehr-interview-mit-christian-ahlmann\/","title":{"rendered":"\u201eFr\u00fcher bin ich auf jedes Pferd gestiegen, ganz egal wie alt. Das mache ich nicht mehr.\u201c Interview mit Christian Ahlmann\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p>Das letzte Jahr war \u201ehart\u201c und \u201elehrreich\u201c f\u00fcr Christian Ahlmann.&nbsp;&nbsp;Nach zwei schweren St\u00fcrzen, einem Handbruch samt Op und Verletzungspech bei seinen Top-Pferden ist der dreifache Europameister und zweifache Olympia-Bronze-Medaillen-Gewinner&nbsp;&nbsp;sp\u00e4testens seit seinem Weltcup-Sieg im belgischen Mechelen im Dezember zur\u00fcck in der Erfolgsspur. Auch beim Weltcup-Turnier in Leipzig mischte der 49-j\u00e4hrige wieder vorne mit. Wir haben mit Christian Ahlmann \u00fcber Leichtsinn beim Reiten, neue Pferde, seine Olympia-Ambitionen und \u00fcber seine Rolle als stolzer Pony-Trainer f\u00fcr Sohn Leon gesprochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e2023 war ein schlechtes Jahr f\u00fcr mich. Bis dahin war ich immer unheimlich lucky. Ich reite mein ganzes Leben. Alte, junge, schwierige und gef\u00e4hrliche Pferde. Das Schlimmste, was ich vorher jemals hatte, war mal ein blauer Fleck. Dementsprechend war das eine neue Situation f\u00fcr mich. Das ich wirklich mal gest\u00fcrzt bin und mir etwas getan hatte. Ich konnte nicht aufstehen. Das ist bisher nie vorgekommen in fast 40 Jahren. Das war neu f\u00fcr mich\u201c, erz\u00e4hlt Christian Ahlmann, der bereits mit 12 Jahren sein erstes S-Springen gewann und mit 14 Jahren das Goldene Reitabzeichen in der Tasche hatte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe zwei St\u00fcrze hinter mir. Der erste war eigentlich noch wesentlich gef\u00e4hrlicher als der Zweite. Im Februar 2023 setzte ich mich auf ein neues Pferd. Ich kannte es \u00fcberhaupt nicht. Im Nachhinein ist klar, dass mir die Besitzer auch wesentlich mehr dazu h\u00e4tten erz\u00e4hlen m\u00fcssen. Auf jeden Fall habe ich mich beim normalen Reiten &#8211; ohne Kappe, ohne alles \u2013 \u00fcberschlagen. Seitdem mache ich nie mehr einen einzigen Schritt ohne Kappe und richtige Ausr\u00fcstung. Das war sehr lehrreich\u201c, gesteht Ahlmann heute sichtlich dem\u00fctig.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Monate musste der Nationenpreisreiter pausieren. In Mexiko bei der Global Champions Tour im Fr\u00fchjahr 2023, das erst das zweite Turnier nach der Verletzungspause war, st\u00fcrzte der in Marl beheimatete Springreiter erneut.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0\u201eDa habe ich mir dann die Hand gebrochen und hatte richtig Schulter-Probleme\u201c, erz\u00e4hlt Ahlmann. Erneut musste er eine zweimonatige Zwangspause einlegen. \u201eIch musste wieder ganz langsam anfangen und war weit weg vom Top-Sport. Ich kann schlechte Situationen dann auch durchhalten. Aber trotzdem ist es nicht angenehm. Alles muss ja irgendwie weitergehen, die Pferdebesitzer und Sponsoren m\u00f6chten, dass die Pferde gehen. Die m\u00fcssen dann warten, das machen die auch, aber trotzdem sind viele Dinge zu organisieren, die man eigentlich so nicht geplant hat\u201c, gibt Ahlmann zu, der 2016 f\u00fcr sechs Monate die Weltrangliste anf\u00fchrte und heute auf Rang 37 steht.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAm Ende musste ich mich in Geduld \u00fcben. Ich habe gemerkt, k\u00f6rperlich geht es noch nicht so gut. Schritt f\u00fcr Schritt habe ich mich dann zur\u00fcck gearbeitet. Die gro\u00dfen Ziele habe ich erst mal an den Nagel geh\u00e4ngt. Ich musste mich neu positionieren, die Zeit nutzen, um wieder fit zu werden\u201c, res\u00fcmiert er heute.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt geht es endlich wieder aufw\u00e4rts. \u201eSeit drei Monaten bin ich nun wieder auf einem richtig guten Weg. Das ist ein gutes Gef\u00fchl\u201c, gesteht Ahlmann. Insbesondere der Weltcup-Sieg in Mechelen mit seinem Top-Pferd Mandato vd Neerheide (v. Emerald) war Balsam f\u00fcr die Seele.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hat er die St\u00fcrze beim Reiten heute im Kopf?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, eigentlich nicht. Aber ich bin auf jeden Fall vorsichtiger geworden. Ich achte sehr auf die richtige Ausr\u00fcstung, ich reite keine jungen Pferde mehr, ohne sie zu kennen, zu wissen, was mit ihnen ist.\u00a0<strong>Fr\u00fcher bin ich auf jedes Pferd aufgestiegen, ganz egal, wie alt oder ob ich das schon mal gesehen hatte. Das mache ich nicht mehr.\u00a0<\/strong>Solchen Dingen gehe ich jetzt aus dem Weg und konzentriere mich darauf, was wirklich wichtig ist, um am Ende auch mehr Sicherheit zu haben. Das muss man positiv sehen, das waren jetzt ja auch Pausen, die zu \u00fcbersehen sind. Das war doof, aber da musste ich durch\u201c, bringt er die neue Situation auf den Punkt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders freut er sich \u00fcber die tolle Entwicklung seines Spitzenpferdes Mandato vd Neerheide: \u201eEr war immer ein Pferd mit unglaublich viel Verm\u00f6gen, er kann alles in dieser Welt springen. Schon als junges Pferd war er ein gro\u00dfes Talent, aber durch seine Gr\u00f6\u00dfe war es damals alles immer etwas wackelig. Sein K\u00f6rper musste erst einmal zu einem sportlichen K\u00f6rper heranwachsen. Seit dem letzten dreiviertel Jahr f\u00fchlt er sich richtig gut an. Und er ist auch von den Ergebnissen her unheimlich konstant und erfolgreich gesprungen\u201c, freut sich Ahlmann.\u00a0\u00a0Vielversprechende Erfolge bescherte ihm in letzter Zeit auch der zehnj\u00e4hrige Hengst Otterongo Alpha Z (v. Darco). Mit ihm hat Ahlmnan k\u00fcrzlich in Abu Dhabi und Riad gewonnen. \u201eEr ist ein sehr, sehr vorsichtiges Pferd und der braucht auch ein paar Parcours, um mehr Sicherheit zu bekommen. Wir haben uns Schritt f\u00fcr Schritt voran gearbeitet und nun ist er im Gro\u00dfen Preis angekommen\u201c, sagt Ahlmann.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Regelrecht ins Schw\u00e4rmen ger\u00e4t Ahlmann, wenn er von seinem Youngster, dem siebej\u00e4hrigen Hengst Ansingh de Lis Z, spricht. Mit ihm hat er in Leipzig am Sonntag das Theurer Trucks Youngster Tour Finale gewonnen. \u201eDas ist ein Hammer Pferd. Das ist ein Aganix &#8211; das ist unser Hengst &#8211; aus einer Kannan Mutter. Den haben wir f\u00fcnfj\u00e4hrig auf einem Turnier gesehen. Es ist ein sehr blutgepr\u00e4gtes Pferd, nicht zu gro\u00df. Aber er gibt einem ein unglaublich gutes Gef\u00fchl, da hat man einen Torpedo im Hintern\u201c, lacht Ahlmann. Noch sei er zwar \u201eetwas wild\u201c: \u201eAber der hat eine Hammer-Einstellung. Der spitzt die Ohren und geht los!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Spitzensport hat Christian Ahlmann im letzten November ebenfalls Verst\u00e4rkung in seinen Stall bekommen: Mit der 13-j\u00e4hrigen Stute Blueberry (v. Conrad) und dem 14-j\u00e4hrigen Classic Dream (v. Colestus), die beide bis dahin von Alois Pollman-Schweckhorst vorgestellt wurden, war er auch schon erfolgreich unter anderem in La Coruna, Abu Dhabi und Riad unterwegs.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeil ich derzeit nicht so viele Pferde habe, hat Alexandra Thornton, die auch unser Global Tour Team unterst\u00fctzt, gesagt, du kannst meine Pferde reiten. Das sind zwei richtig tolle Pferde\u201c, freut sich Ahlmann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den neuen Pferdest\u00e4rken und einem starken Mandato r\u00fcckt f\u00fcr Ahlmann, der derzeit im Perspektiv-Kader und nicht im Olympia-Kader ist, auch ein Start bei den Olympischen Spielen in diesem Sommer in Paris wieder n\u00e4her.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0\u201e<strong>Das ist das Ziel des Sommers.<\/strong>\u00a0Das muss sich nat\u00fcrlich auch dahin entwickeln. Die Reiter, die Championate geritten sind, sind dann auch im Olympia-Kader und berechtigterweise auch eine Stufe h\u00f6her. Aber das ist eine offene Gesellschaft. Nach meiner Erfahrung wird das erst am Schluss entschieden. Die Leute, die am fittesten sind und in der besten Form, gehen, was auch richtig ist. Derzeit sind wir allerdings noch weit weg von der Entscheidung. Am Ende sind alle froh, wenn eine Gruppe zusammenkommt, die auch wirklich bestehen kann. Wir haben viele richtig super Reiter. Wir haben gute Pferde, aber trotzdem ist es so schwierig, wirklich drei oder vier Paare am Ende zusammen zu kriegen, von denen man wei\u00df, die reiten sicher Null. Das ist halt das Schwierige. Da ist es wichtig, ein gutes Management zu haben, ein gutes Team und einen guten Plan. Und man darf vorher nicht schon zu viel Pulver verschie\u00dfen.\u00a0<strong>Am Tag x bei 100 Prozent zu sein, ist die gr\u00f6\u00dfte Challenge.<\/strong>\u00a0Da ist es auch egal, ob die Reiter heute im Olympia-Kader oder im Perspektivkader oder in gar keinem Kader sind. Das spielt keine Rolle\u201c, wei\u00df Ahlmann aus Erfahrung. Er selbst hat schon vier Olympische Spiele bestritten, kennt das Gesch\u00e4ft.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Neu hingegen sind die Turniere, wo er als stolzer Papa und Trainer mit seinem elfj\u00e4hrigen Sohn Leon am Start ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist er aufgeregt, wenn sein Sohn in den Parcours reitet? \u201eJa\u201c, gibt Ahlmann wie aus der Pistole geschossen offen zu.\u00a0<\/strong>\u201eLeon hatte vor kurzem sein erstes gro\u00dfes Turnier in Maastricht. Da ist er bei einem Pony-Springen gestartet. Das ist eine neue Welt und so sch\u00f6n f\u00fcr uns beide. Wir beide haben vorher noch eine Lichtershow gesehen, die hatte ich vorher noch nie miterlebt, obwohl ich schon seit 20 Jahre zu dem Turnier fahre. Wir haben da gestanden und waren beide nerv\u00f6s. Er springt jetzt so bis einen Meter. So soll er das auch erst mal machen. Er hat die gleichen Probleme, die ich habe im Kleinen\u201c, lacht der stolze Papa. Und freut sich schon auf weitere gemeinsame Turnier-Ausfl\u00fcge: \u201eMeine Frau und ich genie\u00dfen das gerade sehr. Die Hauptsache ist, dass er Spa\u00df daran hat. Wenn wir zusammen zum Turnier fahren k\u00f6nnten, irgendwann mal, das kann ich gar nicht abwarten, dass das mal passiert. Das w\u00e4re sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Text: Corinna Philipps&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das letzte Jahr war \u201ehart\u201c und \u201elehrreich\u201c f\u00fcr Christian Ahlmann.&nbsp;&nbsp;Nach zwei schweren St\u00fcrzen, einem Handbruch samt Op und Verletzungspech bei seinen Top-Pferden ist der dreifache Europameister und zweifache Olympia-Bronze-Medaillen-Gewinner&nbsp;&nbsp;sp\u00e4testens seit seinem Weltcup-Sieg im belgischen Mechelen im Dezember zur\u00fcck in der Erfolgsspur. 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