{"id":70388,"date":"2024-02-23T14:37:07","date_gmt":"2024-02-23T13:37:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=70388"},"modified":"2024-02-23T14:37:11","modified_gmt":"2024-02-23T13:37:11","slug":"mit-gentest-nicht-alles-zufall-bei-der-pferdezucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2024\/02\/23\/mit-gentest-nicht-alles-zufall-bei-der-pferdezucht\/","title":{"rendered":"Mit Gentest: Nicht alles Zufall bei der Pferdezucht"},"content":{"rendered":"\n<p>Die \u201eGenomische Selektion\u201c wurde vor einigen Jahren bei den Pferdez\u00fcchtern als neuartige Zuchtmethode hei\u00df diskutiert. In der Rinderzucht hatte man damit erstaunliche Zuchtfortschritte erzielen k\u00f6nnen \u2013 warum nicht auch bei den Pferden? Nun, bei Pferden ist manches anders als bei Rindern. Da haben die Kritiker durchaus recht. Aber die grunds\u00e4tzlichen Gesetze der Vererbung gelten f\u00fcr alle Lebewesen, bei einigen sind die Zusammenh\u00e4nge einfacher, bei anderen komplizierter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das genetische Material des Fohlens stammt zu 50 % vom Hengst und zu 50 % von der Stute. Dennoch sind es nicht immer die gleichen DNA-Abschnitte, die an die Fohlen weitergeben werden. Welche Abschnitte des genetischen Materials vererbt werden, entscheidet der Zufall. Nachkommen aus der gleichen Verpaarung sind daher keineswegs genetisch identisch. Und dass Vollgeschwister sehr unterschiedlich ausfallen k\u00f6nnen \u2013 das kennt ja jeder aus seiner eigenen Familie. Beim Pferd ist das nicht anders als beim Menschen. Und bei beiden kann ein genetischer Fingerabdruck oder ein genomisches Profil dann die Genvariante zeigen, die tats\u00e4chlich von den Eltern vererbt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 2016 gr\u00fcndeten mehrere Pferdezuchtverb\u00e4nde die \u201eInternational Association of Future Horse Breeding GmbH &amp; Co.KG (IAFH)\u201c, um die Forschung auf dem Gebiet der Genomik und genomischen Selektion zu unterst\u00fctzen und voranzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das entschl\u00fcsselte Genom<\/p>\n\n\n\n<p>Doch zuerst: Woher kommt pl\u00f6tzlich so ein neues Selektionsverfahren, das es fr\u00fcher nicht gab? Nun, das h\u00e4ngt mit den Fortschritten in der Genforschung zusammen, die selber wieder untrennbar mit den enormen Leistungssteigerungen der Datenverarbeitung verbunden sind. Ich erspare Ihnen die technischen Einzelheiten \u2013 wesentliche Ergebnisse sind ein immer besser entschl\u00fcsseltes Genom sowie vor allem auch breit einsetzbare, erschwingliche Verfahren, genomische Profile zu erstellen. Mehr Pferde mit genomischen Profilen bedeuten mehr M\u00f6glichkeiten, sie \u00fcber Forschungsarbeiten lesen zu lernen: Welche Stellen sind von Bedeutung f\u00fcr eine bestimmte Erkrankung? Welche Muster deuten auf eine besondere Veranlagung f\u00fcr Dressur oder Springen? Da gibt es sicherlich viele verschiedene Einflussfaktoren, die mit der Erbanlage direkt nichts zu tun haben. Dennoch: Gar so abwegig ist es nicht, dass uns genomische Profile k\u00fcnftig auch Hinweise auf Leistungsveranlagungen gegeben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fellfarbe ist planbar<\/p>\n\n\n\n<p>Schon jetzt und sehr einfach k\u00f6nnen wir unser Wissen zu einigen wichtigen Stellen in den genomischen Profilen nutzen \u2013 beispielsweise im Bereich der Farbgenetik. Ob ein Pferd Fuchs, Rappe oder Brauner wird, entscheiden zwei Genorte. Man kennt bestimmte Aufhellungsgene usw. All dies ist nicht neu, aber dadurch, dass sich genomische Profile heute so einfach erstellen lassen, ist es f\u00fcr die Zuchtplanung direkt nutzbar. Warum nicht testen lassen und damit Gewissheit erlangen, ob beispielsweise wirklich kein Fuchsfohlen aus einer Anpaarung der eigenen Stute hervorgehen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach Genotyp kann beispielsweise bei der Anpaarung einer Fuchsstute mit einem Rapphengst ein Rappfohlen garantiert sein. Sind beide Eltern F\u00fcchse, gibt es ein Fuchsfohlen. Das wussten wir schon \u2013 da brauchen wir keinen Gentest. Sind beide Eltern aber Rappen, gibt es bei leibe nicht immer ein Rappfohlen. Das musste ja auch Otto G\u00e4rtner feststellen, als Donnerhall geboren wurde. Eigentlich h\u00e4tte Otto lieber einen Rappen gehabt, denn das war seine Idee hinter der Anpaarung seiner Rappstute Ninette mit dem Rappen Donnerwetter. H\u00e4tte er einen Gentest von Vater und Mutter gehabt, dann h\u00e4tte er gewusst, dass diese Paarung auch Fuchsfohlen bringen kann. Vielleicht h\u00e4tte er dann einen anderen Hengst genommen. Gut, dass er das nicht gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Klein oder gro\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie sieht es mit der Gr\u00f6\u00dfe aus? Den erheblichen Einfluss der Genetik auf die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe wird wohl kaum jemand in Frage stellen. Die Forschung hat gezeigt, dass einige wenige Gene schon sehr gut Aufschluss dar\u00fcber geben, ob das Stockma\u00df eher XS oder vielleicht XXL ausf\u00e4llt. Faktoren wie die Ern\u00e4hrung oder eine Infektion in der Wachstumsphase k\u00f6nnen zwar bewirken, dass ein Pferd mit der genetischen Veranlagung, gro\u00df zu werden, auch mal klein bleiben kann. Aber in der n\u00e4chsten Generation kommt, wenn nicht wieder schlechte Aufzucht oder Krankheit dazwischenfunken, die Genetik wieder zum Zuge.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier kommt der neue Gentest ins Spiel: Habe ich beispielsweise eine relativ kleine Stute (aus einer sonst normal gro\u00dfen Stutenfamilie), so kann ich per Gentest herausfinden, ob diese Stute nun einfach Pech hatte und von irgendeinem Vorfahren \u201ekleine\u201c Gene mitbekommen hat oder ob sie vielleicht krankheitsbedingt eine l\u00e4ngere schlechte Phase hatte, die das eigentlich genetisch fixierte Gr\u00f6\u00dfenwachstum gehemmt hat. Im ersten Fall ist die Stute eventuell in der Ponyzucht besser aufgehoben \u2013 im zweiten Fall kann ich bei der Stute trotz geringer K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe auf gro\u00dfe Nachkommen vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so einfach geht\u2019s: \u00dcber ihren Online-Account haben die Z\u00fcchterinnen und Z\u00fcchter der IAFH-Mitgliedsverb\u00e4nde Zugriff auf den eigenen Pferdebestand und k\u00f6nnen ganz einfach online die gew\u00fcnschte Analyse beauftragen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Heiko Meinardus<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eGenomische Selektion\u201c wurde vor einigen Jahren bei den Pferdez\u00fcchtern als neuartige Zuchtmethode hei\u00df diskutiert. In der Rinderzucht hatte man damit erstaunliche Zuchtfortschritte erzielen k\u00f6nnen \u2013 warum nicht auch bei den Pferden? Nun, bei Pferden ist manches anders als bei Rindern. Da haben die Kritiker durchaus recht. 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