{"id":71508,"date":"2024-04-19T14:02:12","date_gmt":"2024-04-19T12:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=71508"},"modified":"2025-01-11T11:43:09","modified_gmt":"2025-01-11T10:43:09","slug":"holger-wulschner-fuer-mich-war-es-immer-das-groesste-fuer-deutschland-im-nationenpreis-zu-starten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2024\/04\/19\/holger-wulschner-fuer-mich-war-es-immer-das-groesste-fuer-deutschland-im-nationenpreis-zu-starten\/","title":{"rendered":"Holger Wulschner: &#8220;F\u00fcr mich war es immer das Gr\u00f6\u00dfte, f\u00fcr Deutschland im Nationenpreis zu starten!&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Tor der Einfahrt zum Gut Gro\u00df Viegeln, einer der sch\u00f6nsten Reitanlagen Norddeutschlands vor den Toren Rostocks, steht f\u00fcr den Gast weit offen, eingerahmt von zwei gemauerten Pfeilern, die so fest auf dem Boden stehen wie der Hausherr selbst. Ein gro\u00dfes Messingschild verk\u00fcndet un\u00fcbersehbar, wer auf diesem Areal seit 20 Jahren zu Hause ist: Holger Wulschner. Gastfreundschaft f\u00fcr Mensch und Pferd wird hier gro\u00dfgeschrieben \u2013 genauso wie Offenheit in jeder Beziehung.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn: \u201eIch habe nichts zu verbergen.\u201c Holger Wulschner nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Nationenpreisreiter, Aktivensprecher der Springreiter und das Mitglied im Springaussschuss der Deutschen Reiterlichen Vereinigung mischt sich ein. Weil er das Gesch\u00e4ft in- und auswendig kennt, als Turnierveranstalter, als Top-Reiter und Hengsthalter. spring-reiter.de hat Holger Wulschner auf seinem traumhaften Hof in Gro\u00df Viegeln besucht und mit ihm \u00fcber Verantwortung f\u00fcr den Sport und die Pferde, \u00fcber seine unvollst\u00e4ndige Bucket-Liste, \u00fcber seine Pferdehaltungs- und schonende Ausbildungsphilosophie, seine Kritik bei den Anforderungen der Hengst-Leistungspr\u00fcfungen, \u00fcber seine Arbeit im Springausschuss und die Olympischen Spiele gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt 45 Pferde werden hier aktuell gehegt und gepflegt, davon 22 Sportpferde. Beim gemeinsamen Bummel durch die Stallgassen f\u00e4llt auf, dass Holger und Ehefrau Astrid Wulschner ein un\u00fcbersehbares Faible f\u00fcr typsch\u00f6ne Pferde zu haben scheinen, die uns alle freundlich neugierig entgegensehen. Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung erwartet uns schon an der ersten Box.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der f\u00fcnfj\u00e4hrige Mbapp\u00e9 vorsichtig im Nacken der Besucher knabbernd die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken versucht,  sind alle Augen auf die gegen\u00fcberliegende Box gerichtet: Das soll Diamant de Plaisir sein, der am liebsten als wilde Hummel durch den Parcours jagt und seinen Reiter regelm\u00e4\u00dfig bockend in Wohnungsnot zu bringen droht?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Diamant de Plaisir und seine Geschichte<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Erst nach behutsamer Aufforderung durch Holger Wulschner setzt er ganz behutsam die Hufe auf die Stallgasse und bleibt dort ohne Strick abwartend stehen. \u201eDer ist im Grunde wie ein Kinderreitpferd. Der hat einen Charakter als Hengst, wie ich es noch nie hatte. Den kannst du einem vierj\u00e4hrigen Kind geben und sagen, geh mit ihm raus zum Grasen\u201c, stellt ihn sein Reiter vor. \u201eAber er hat eben auch eine Geschichte. Ich hatte ihn vor Jahren in Beritt von Gerd Sosath bekommen, weil er ein bisschen schwierig war. Dann war alles gut, aber er wurde verkauft. Ich habe ihn abgegeben, nachdem er achtj\u00e4hrig F\u00fcnfter im Gro\u00dfen Preis in Dubai geworden war. Er war ein bisschen speziell, aber alles war in Ordnung. Dann hat er sich in Oliva verletzt. Er kam zu mir zur\u00fcck, wurde vom Tierarzt behandelt, von uns gepflegt. Und die Familie Halpap hat ihn f\u00fcr mich gekauft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Holger Wulschner hat nicht nur ein Faible f\u00fcr sch\u00f6ne, sondern auch f\u00fcr anspruchsvolle Pferde. Denn manches bei Diamant de Plaisir, den sie hier Dino nennen, erinnert an einen anderen seiner Cracks: \u201eAuch damals bei Fine Lady haben mich alle ausgelacht und am Ende habe ich Recht bekommen. Als sie dann mit Eric Lamaze bei Olympia gestartet ist und Bronze gewann, lie\u00df sie alle Deutschen hinter sich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu Diamant, &#8220;der wird immer ein bisschen so bleiben, aber das st\u00f6rt mich auch gar nicht. Er darf nur nicht mehr so bocken im Parcours und muss sich mehr auf die Spr\u00fcnge konzentrieren. Wir haben 20 Nachkommen von ihm, der \u00c4lteste ist vier, und die sind mega.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Erinnerung an Empire<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Erinnerung an einen anderen Sportpartner werden immer noch die Augen des Mecklenburgers, der eigentlich ein geb\u00fcrtiger Brandenburger ist, ein wenig feucht. Denn es geht um seinen Lieblingshengst Sellerie Equipe Empire. Holger Wulschner hat den Kannan-Sohn in Dubai entdeckt und war sofort begeistert von diesem athletischen Hengst, der immer 100 % gab. Mit sechs Jahren gewann er in Oliva das Youngster-Finale. 2021 platzierte er sich in CSIO 3* Springen. 2022 in Drammen wurde Empire nach einem ungl\u00fccklichen Unfall verletzt und musste in Folge dessen leider eingeschl\u00e4fert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin ja eigentlich ein bisschen Sonntagskind, hatte immer Gl\u00fcck im Leben. Aber der Tod von meinem Vater und von diesem Pferd \u2013 das hat reingehauen. Meine Frau wollte gar nicht mehr in den Stall. Da hatten wir schon \u00fcberlegt, ob wir mit allem aufh\u00f6ren. Wenn du einmal so ein Pferd hast, von dem du sagst, der hat alles\u2026 Wenn du mit dem aus dem Parcours kamst, drehte der sich um und schien zu fragen, war das alles. Der hat alles spielend einfach gemacht.\u201c Er schw\u00e4rmt lange von ihm und hat auch schon sechs Nachkommen von ihm im Stall. \u201eDie haben alle den Charakter von ihm. Die sind alle selbstbewusst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Schockem\u00f6hle war der Einzige, dem er Samen dieses Hengstes verkauft hat. \u201eWenn ich jetzt von ihm Samen weggebe, dann nur an Leute, die unterschreiben, dass ich f\u00fcr den Nachwuchs das Vorkaufsrecht habe, und die Stute muss sporterfahren sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNachdem das mit Empire passiert ist, habe ich meiner Frau noch einen Kannan gekauft. Einen Vierj\u00e4hrigen, obwohl ich eigentlich ja gar kein Kannan-Fan bin, den wir als Dreij\u00e4hrigen auf einer Koppel gesehen hatten. Wir waren nach Empires Tod ein paar Tage weggefahren, um Abstand zu finden. Auf der R\u00fcckfahrt sind wir dann zum Z\u00fcchter. Der wollte eigentlich gar nicht verkaufen, h\u00f6chstens halbe-halbe. Aber ich wollte den ja meiner Frau schenken, das ging also nicht. Wir haben ihn dann vierj\u00e4hrig gekauft, eigentlich viel zu teuer. Jetzt ist er sechs, gar kein typischer Kannan. Der sieht aus wie ein Bl\u00fcter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>&#8220;Dann hat Cian O&#8217;Connor angerufen&#8221;<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Holger Wulschner ist keiner, der Pferde kauft und nach ersten Erfolgen schnell mit Gewinn weiterverkauft. \u201eAuch Dorette war gekauft, um sie zu behalten.&nbsp; Ich habe damals auf einem Turnier in Bonhomme zwei Fuchsstuten gesehen. Die eine war Chakaria, die hatte Andr\u00e9 Thieme aber gerade eine Woche vorher schon gekauft, und die andere war Dorette. Die ist auch ein bisschen speziell, aber irgendwas hatte das Pferd, was mich ansprach. Als ich mit ihr hier zum ersten Mal \u00fcber einen Sprung bin, habe ich drei Runden gebraucht, um sie wieder einzufangen. Meine Frau, die mit auf dem Platz war, hat sich totgelacht.&nbsp;Ich habe dann erst mal niedrig mit ihr herumgespielt, ehe ich eineinhalb Jahre sp\u00e4ter in M\u00fcnster zum ersten Mal einen Gro\u00dfen Preis mit ihr geritten bin.\u201c Sie wurden Siebte, und dann h\u00e4uften sich auch gleich die Kauf-Offerten. \u201eZuerst kam Joseph Klaphake, aber ich sagte, nee, ich verkaufe nicht. Dann hat Cian O\u2019Connor angerufen und bekam die gleiche Antwort. Was denn meine Schmerzgrenze sei? Dann habe ich ihm ganz frech eine hohe Summe genannt \u2013 und er sagte: Wann kann ich kommen? Er hat ein paar Spr\u00fcnge gemacht. Innerhalb von zwei Tagen war das Geld auf dem Konto. Das Herz hatte weiterreiten gesagt, aber der Verstand sagte verkaufen. Denn der Betrieb kostet Geld.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls Jana Wargers Dorette von ihrem Chef bekam, hat mich ihr Trainer angerufen und gefragt, was hast du mit dem Pferd gemacht? Ich habe ihm gesagt, schick sie erst mal auf die Koppel. Dann hat er am ersten Abend angerufen und erz\u00e4hlt, sie haben sie kaum wieder einfangen k\u00f6nnen. Dann hat sie mir immer wieder Videos geschickt und gesagt: Du hast Recht gehabt, seitdem ist es ein anderes Pferd. Die kann so ein Pferd reiten, mit Dorette hat sie von Anfang an einen Draht gehabt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>&#8220;Schonend und pferdegerecht&#8221;<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sitzen im Casino mit Blick auf den gro\u00dfen Reitplatz. Neben dem Hausherrn verstr\u00f6mt ein schmurgelnder eiserner Kaminofen wohlige Atmosph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Schonend und pferdegerecht, das sind zwei Fixpunkte in Holger Wulschners Philosophie, die er dann gepaart mit seinen Erfahrungen zur FN nach Warendorf mitbringt. Was daraus folgt, l\u00e4sst sich am Beispiel Mbapp\u00e9s erz\u00e4hlen. Der Hengst von Million Dollar x Stakkato war als Fohlen zu Holger Wulschner gekommen. \u201eDer ist dann als Vierj\u00e4hriger an zwei Wochenenden jeweils eine Pr\u00fcfung gegangen, hat zwei Wochen sp\u00e4ter die Leistungspr\u00fcfung in Handorf gemacht. Und von da an hat er dann keinen Sattel mehr getragen. Ein Jahr lang war der komplett nur auf der Koppel. Den haben wir jetzt erst wieder angefangen zu reiten. Alle machen sich immer Gedanken, warum meine Pferde so lange halten oder nicht verkauft werden. Das ist sicher ein Kostenpunkt, den sich nicht jeder leisten kann. Aber das ist immer unser Standpunkt gewesen: Die m\u00fcssen auch mal runterfahren k\u00f6nnen. Dorette ist jetzt 16 und l\u00e4uft besser als je. Catch Me von Contagio war jetzt Zweite mit Yuri Mansur bei den Dutch Masters und ist 17. Fine Lady ist lange gegangen. Die Pferde laufen bei uns in jungen Jahren eben nicht jede Woche auf einem Turnier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir diskutieren in Warendorf immer \u00fcber die Leistungspr\u00fcfung. Die war dann im Pr\u00e4sidium auf dem Pr\u00fcfstand. Ich konnte dazu gar nichts richtig sagen, weil ich das bis dahin nie selber mitgemacht hatte. Es gab Kritik von den Z\u00fcchtern, von den Hengsthaltern. Dann habe ich gesagt: Das passt ja, ich habe gerade einen passenden Hengst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>&#8220;Rund 70 Spr\u00fcnge in zwei Tagen: Das mache ich im ganzen Jahr nicht mit einem Vierj\u00e4hrigen&#8221;<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor einem Jahr, nach der Pr\u00e4sidiums-Sitzung in Warendorf, stand die Hengstleistungspr\u00fcfung in Handorf an. \u201eUnd dann habe ich das alles mitgemacht: Mbapp\u00e9 das erste Mal auf den LKW geladen, sechs Stunden nach Handorf gefahren mit Stau und allem Drumherum. Dann in eine fremde Box \u2013 alles das erste Mal f\u00fcr den Hengst, genauso, wie es jeder Hengsthalter macht. Am ersten Tag, am Montag, mussten alle in der Halle reiten. Am Dienstag Teil-Parcours springen in der Halle unter Aufsicht, jeweils mit zwei Pferden im Parcours. Meiner das erste Mal in der fremden Halle: Ich fange an, aus dem Trab zu springen. Er hat dann rumgebockt und ich habe ihn erstmal gelassen. Dann waren das insgesamt so 25 Spr\u00fcnge, die er da einschlie\u00dflich der L\u00f6sungsspr\u00fcnge gemacht hat. Am selben Tag abends Parcoursspringen. In der anderen Halle haben wir zwei, drei L\u00f6sungsspr\u00fcnge gemacht. Dann war alles gut, er fuhr auch schon ein bisschen runter. Am n\u00e4chsten Tag folgte der Fremdreiter-Test. Das Abspringen in der Halle, f\u00fcnf, sechs Spr\u00fcnge. Dann musste ich runter, der Fremdreiter drauf, auch noch mal drei, vier Spr\u00fcnge. Dann ist er den Parcours gesprungen \u2013 und dann noch mal zwei, drei Spr\u00fcnge h\u00f6her gemacht. Dann ist er bei dem Fremdreiter top gesprungen. Nachdem ich das alles mitgemacht hatte, konnte ich anschlie\u00dfend in Warendorf auch die gro\u00dfe Klappe riskieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel war es nicht, sondern nur, dass er sich gut pr\u00e4sentiert, aber dann hatte Mbapp\u00e9 auch noch das absolut beste Endergebnis der gesamten Hengstleistungspr\u00fcfung erbracht: 9,0 f\u00fcr sein Springverm\u00f6gen,<strong> <\/strong>8,8 gab es f\u00fcr Galopp, Leistungsbereitschaft und Gesamteindruck, dazu die 8,6 f\u00fcr die Springmanier. Insgesamt errechnete sich f\u00fcr Mbapp\u00e9 eine Endnote von 8,8.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber hier stimmt doch was nicht\u201c war das Fazit, das Holger Wulschner hinterher im Pr\u00e4sidium der FN zog. \u201eWenn das unsere Ausbildungsskala ist, dass ein vierj\u00e4hriger Hengst rund 70 Spr\u00fcnge in zwei Tagen macht: Das mache ich im ganzen Jahr nicht mit einem Vierj\u00e4hrigen. Ich bin am Dienstagabend mit dem Hengst nach Hause, und der lag den ganzen n\u00e4chsten Tag in der Box. Und der war trainiert! Da habe ich gesagt, jetzt kann ich auch verstehen, warum keine Pferde bei uns mehr alt werden. Das kann kein Pferd durchhalten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Pl\u00e4doyer blieb nicht ohne Folgen: \u201eEs hat ein Jahr gedauert, aber jetzt passiert da was. Aber es ist wie immer: Man kann eben nur dann in die Bresche springen, wenn man selber erlebt hat, was da abgeht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr Hengstpr\u00fcfungen. \u201eMit Turnier-Veranstaltungen ist das genauso. Die Kosten sind zu hoch. Das kann keiner mehr bezahlen. Warendorf und die FEI bekommen von der Meldestelle alles hingespielt, und der Veranstalter zahlt. Nat\u00fcrlich muss der Laden auch von irgendwas leben, aber das passt alles nicht zusammen. Du musst dich als Turnierveranstalter verbiegen, dass du das Geld zusammenbekommst und das wird immer schwieriger, und zahlst dann. Ich habe zehn Jahre Turnier gemacht und jedes Jahr 50.000 bis 60.000 Euro an die FEI und die FN gezahlt f\u00fcrs Nichtsmachen. Nur als Geb\u00fchren. Ich habe drei Jahre gek\u00e4mpft, damit sich etwas \u00e4ndert, und die haben mich abtreten lassen wie einen kleinen Jungen. Aber ich habe es wie ein sturer Mecklenburger jedes Jahr wieder angebracht. Dann haben sich Volker Wulff und Peter Hofmann mit eingeklinkt. Jedenfalls sind seit vier Jahren die FN-Kosten f\u00fcr die Turnierveranstalter halbiert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>\u201eWir sind auch selber verantwortlich daf\u00fcr, dass das Ansehen des Reitsports gelitten hat.&#8221; <\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass es immer schwieriger wird, Sponsoren zu finden, aber \u201ewir sind auch selber verantwortlich daf\u00fcr, dass das Ansehen des Reitsports gelitten hat. Wir m\u00fcssen einfach eine bessere Aufkl\u00e4rung betreiben. Wenn ich sehe, was in den guten Profist\u00e4llen mit den Pferden veranstaltet wird, wie die Pferde hofiert werden, die ja ihr Kapital sind, wie die gepflegt werden: Ich glaube nicht, dass einer von denen so mit seinem eigenen K\u00f6rper umgeht. Die Pferde m\u00fcssen sicher etwas leisten, aber die werden auch dementsprechend gepflegt. Und das kommt gar nicht r\u00fcber. Es hei\u00dft immer nur: Die Profis benutzen die Pferde nur. Klar, es gibt immer schwarze Schafe, die gibt es in jeder Branche. Das will ich gar nicht sch\u00f6nreden und die m\u00fcssen auch bestraft werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Holger Wulschner kann jeder kommen und sich alles ansehen. \u201eWichtig ist, dass wir unseren Sport besser verkaufen m\u00fcssen. Auch mal hinter die Kulissen schauen lassen, wie die Profi-St\u00e4lle es machen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das Kapitel Turnier-Veranstalter ist f\u00fcr ihn abgeschlossen genauso wie das Thema Global Champions Tour. Er war schon mal dabei mit Starts in Mexiko und Miami und findet auch, \u201edie Global Tour ist eine Bereicherung f\u00fcr unseren Sport, aber Nationenpreise haben einen anderen Kitzel. Wenn du da mit drei Mann antrittst, musst du abliefern. Mit Vierer-Mannschaften war es deshalb noch besser, weil das am Ende auch pferdegerechter ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Nationenpreise reiten hat er noch auf seiner Bucket-Liste genauso wie den Gro\u00dfen Preis in Aachen, wenn seine jungen Pferde so weit sind: \u201eF\u00fcr mich war das immer das Gr\u00f6\u00dfte, was man machen kann, f\u00fcr Deutschland im Nationenpreis zu starten. Das ist doch eine Ehre.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Olympia in Paris ist f\u00fcr ihn als Reiter kein Thema, aber als Mitglied im Springausschuss: \u201eUnser Olympiakader ist ja nicht sehr gro\u00df. Wir sind alle gespannt, wie das Weltcup-Finale ausgeht, weil da ja auch mit Hansi Dreher und Marcus Ehning noch zwei im engeren Kreis sind, bei denen wir uns freuen w\u00fcrden, wenn die jetzt noch mal abliefern w\u00fcrden. Mit Andr\u00e9 Thieme hat Otto Becker einen guten Plan gemacht, dass er jetzt 5* wie Hamburg und St. Gallen geht, damit er mit Chakaria erst einmal wieder richtig reinkommt. Im Springausschuss wird viel diskutiert, aber das letzte Wort hat der Bundestrainer. Es wird etwa acht Wochen vorher eine Longlist f\u00fcr Paris geben, und am Aachen-Wochenende wird entschieden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>&#8220;Hansi Dreher h\u00e4tte es einfach mal verdient&#8221;<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Welche Pferde ihn im vergangenen Jahr besonders beeindruckt haben? \u201eIch fand Just Be Gentle von Christian Kukuk beeindruckend. Ich fand Zineday von Philipp Weishaupt richtig gewaltig. Das Pferd hat erstmal vom Reiter gelebt, der ihm die Sicherheit in den gro\u00dfen Parcours gegeben hat. Der hat das perfekt gemacht und ihn so weiterentwickelt. Er hat auch ganz klar den Fokus auf Olympia. Ich fand auch Hansi Dreher mit seinem Elysium gewaltig, wie er auf seine lockere Art das macht. Er h\u00e4tte es einfach mal verdient, auch wenn es danach nicht immer geht. Ich glaube, bei ihm sind noch nicht alle Reserven ausgereizt. Der kann, wenn er richtig motiviert ist, auch als Reiter noch mal eine Schippe drauflegen. Er hat den Kopf frei und sagt inzwischen wie John Whitaker, wenn es mal an einem Wochenende nicht so richtig l\u00e4uft, n\u00e4chste Woche ist das n\u00e4chste Turnier. So muss man es als Reiter auch machen. Wenn du nur zur\u00fcckblickst, frisst dich dieser Sport auf. Der Sport macht dich dem\u00fctig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos John Whitaker, der ja auch kritisch angemerkt hat, dass viele Nachwuchsreiter mehr mit dem Smartphone besch\u00e4ftigt sind, anstatt den anderen Reitern zuzusehen und von ihnen zu lernen. \u201eBei vielen meiner Kollegen oder Kolleginnen ist ja Social Media wichtiger als das Pferd. F\u00fcr mich ist es sehr be\u00e4ngstigend, was da manchmal auf den Plattformen abgeht. Viele Leute sind einfach nur schlecht informiert.\u201c Auch hier gilt wieder, er wei\u00df, wovon er spricht: \u201eEiner meiner Hengste hat immer Langeweile und spielt mit wachsender Begeisterung mit seinem Ball, der in der Box h\u00e4ngt. Zehn Minuten spielt er damit. Das haben meine M\u00e4dchen einmal gefilmt und gepostet. Ganz klar, Turnierpferde, die haben Langeweile, die kommen ja nie raus, lauteten die Kommentare. Ich schw\u00f6re: Unsere Pferde gehen morgens in die F\u00fchrmaschine, die werden dann geritten und gehen am Nachmittag immer auf die Koppel. Aber das mit dem t\u00e4glichen Koppelgang war bei mir auch ein Lernprozess, davor hatte ich wegen der Verletzungsgefahr immer Angst &#8211; bis ich dann mit Marcus Ehning mal dar\u00fcber gesprochen habe. Bei Diamant l\u00e4uft eine Stute nebenan auf der Koppel, das macht gar nichts. Meine sind schon als junge Pferde immer auf der Koppel. Seitdem ich das mache, ist noch nie etwas passiert. Bei uns sind sie wirklich jeden Tag auf der Koppel \u2013 es sei denn, es schneit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was folgt daraus? \u201eMit Unwissenheit oder um irgendwas zu sch\u00fcren wird etwas ins Netz gesetzt, was \u00fcberhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Deswegen m\u00fcssen wir einfach bessere Aufkl\u00e4rung betreiben. K\u00f6nnen alle zu mir kommen \u2013 aber die, die so einen Mist schreiben, die kommen ja gar nicht. Ich kenne den Breitensport und den Spitzensport und ich wei\u00df, dass es im Spitzensport sicher immer auch schwarze Schafe gibt, aber das Gros der Leute pflegt sein Gut. Wir m\u00fcssen die Leute aufkl\u00e4ren, dass es nicht so ist, wie sie es darstellen, uns aber auch wehren bei Verleumdung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>&#8220;Dann trennt sich die Spreu vom Weizen&#8221;<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gerade f\u00fcr die Jugend sei dieser Sport schon gut. Denn man lernt etwas sehr Wichtiges: \u201eDu kannst noch so teuer einkaufen und deine Eltern k\u00f6nnen alles bereitstellen \u2013 am Ende bist du die gut eine Minute allein im Parcours und du musst selber abliefern. Da kann dir keiner dabei helfen. Und dann trennt sich die Spreu vom Weizen, und was Du gibst, geben die Pferde zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Turniere will er nicht mehr veranstalten, aber trotz mancher frustrierender Erfahrungen bleibt Holger Wulschner einer, der nicht nur Reiter und Z\u00fcchter ist, sondern sich einbringt, sich engagiert. Als Pr\u00e4sidiumsmitglied in der FN, als Aktivensprecher, als Vermittler zwischen den Reitern und dem Bundestrainer manchmal. \u201eBei der FN war ich auch schon \u00f6fter mal an dem Punkt, dass ich mich gefragt habe, ob das alles sein muss. Das ist auch meine freie Zeit, die ich damit verbringe, und sind auch meine Kosten. Es gibt viele, die hinterm R\u00fccken meckern, aber etwas an der richtigen Stelle anbringen, kann helfen. Corona hat uns in diesem Punkt etwas geholfen durch die Online-Sitzungen seitdem. Die kommen mir schon entgegen, weil ich ja immer 450 Kilometer nach Warendorf vor mir habe. Bis dahin waren es schon immer einige Tage im Jahr, die ich in Warendorf war, durch Springausschuss, Pr\u00e4sidium. Ich habe das dann immer auch genutzt, um meine Pferdep\u00e4sse gleich umzuschreiben. Bei mir kommen als Aktivensprecher dann schon mal Sachen an, die sich keiner traut zu sagen. Ich kann die dann so ein bisschen sortieren, wenn sich mal einer schlecht behandelt f\u00fchlt. Ich habe damit auch kein Problem. Ich bin jeden Sonntag gut informiert \u00fcber die Ergebnisse, manchmal vielleicht sogar besser als unser Bundestrainer, und kann dann bei Startanfragen vielleicht auch mal ein bisschen helfen. Ich kenne auch viele Ergebnisse von welchen, die noch weit weg vom Kader sind. Ich kann da manchmal etwas vermitteln bei neuen Reiter-Pferd-Paarungen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p> &nbsp;Vielen Dank Holger Wulschner f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch und die warme Gastfreundschaft!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Tor der Einfahrt zum Gut Gro\u00df Viegeln, einer der sch\u00f6nsten Reitanlagen Norddeutschlands vor den Toren Rostocks, steht f\u00fcr den Gast weit offen, eingerahmt von zwei gemauerten Pfeilern, die so fest auf dem Boden stehen wie der Hausherr selbst. 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