{"id":71799,"date":"2024-04-30T16:28:58","date_gmt":"2024-04-30T14:28:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=71799"},"modified":"2025-01-11T11:59:26","modified_gmt":"2025-01-11T10:59:26","slug":"exklusiv-interview-ich-war-mir-einfach-zu-sicher-andre-thieme-ueber-lehrstunden-demut-und-dressur-nachhilfe-mit-chakaria-bei-seinem-vater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2024\/04\/30\/exklusiv-interview-ich-war-mir-einfach-zu-sicher-andre-thieme-ueber-lehrstunden-demut-und-dressur-nachhilfe-mit-chakaria-bei-seinem-vater\/","title":{"rendered":"Exklusiv-Interview: \u201eIch war mir einfach zu sicher!\u201c Andr\u00e9 Thieme \u00fcber Lehrstunden, Demut und Dressur-Nachhilfe mit Chakaria bei seinem Vater.\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt Momente, da haben sich auch die besten Reiter der Welt festgefahren, stecken in einer Sackgasse, brauchen einen Impuls von au\u00dfen und manchmal auch einen lauten Weckruf. So einen Moment hat Andr\u00e9 Thieme gerade erlebt. Nach einer l\u00e4ngeren Verletzungspause von DSP Chakaria (v. Chap) wollten sich die Europameister von 2021 mit einem Ausrufezeichen auf der gro\u00dfen internationalen B\u00fchne beim Nationenpreis in Ocala zur\u00fcckmelden. Anfang des Jahres war Thieme zu seiner j\u00e4hrlichen Tour in die USA aufgebrochen. Und alles schien bilderbuchm\u00e4\u00dfig zu laufen, doch dann endete DSP Chakarias Comeback ganz anders als geplant.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstkritisch erinnert sich Andr\u00e9 Thieme im Gespr\u00e4ch mit spring-reiter.de: \u201eChakaria war ja verletzt vor Mailand, deshalb konnten wir die Europameisterschaft nicht reiten. Wir haben lange Pause gemacht. Sie war nie lahm, das war eine reine Vorsichtsma\u00dfnahme, um alles richtig auszukurieren.\u201c Dann ging es in die USA, und \u201eOcala war eigentlich ein erfolgreicher Trip f\u00fcr mich. Wir haben drei gro\u00dfe Preise gewonnen. Bei Chakaria war von Anfang an der au\u00dfergew\u00f6hnliche Sprung, den sie hat, wieder da. Sie war jedes einzelne Springen Null. Wir haben vier Turniere geritten vor dem Nationenpreis in Ocala. Die Zielsetzung war, wenn alles sehr gut l\u00e4uft, den Nationenpreis in Ocala bestreiten zu k\u00f6nnen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir hatten vor dem Nationenpreis nur noch die M\u00f6glichkeit, ein 4 * Sterne Springen zu reiten. Da lief sie in der Qualifikation fehlerfrei und dann im Gro\u00dfen Preis Doppel-Null unter Flutlicht. Sie war die Schnellste im Stechen und hat diesen 4-Sterne-Gro\u00dfen Preis nach der Verletzung auf Anhieb gewonnen. Da waren wir auf Wolke sieben. Und alles schien perfekt. <strong>Ich habe nur gedacht, besser kann es ja f\u00fcr mich hier nicht laufen. Ich war mir einfach zu sicher. Ich habe mich etwas drauf ausgeruht, dass mein Pferd topfit ist. Was sollte da jetzt nicht klappen?\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber gerade im Springsport wird der, der sich zu sicher f\u00fchlt, schnell einmal bestraft. Er ritt&nbsp;Mittwoch ein kleines Springen, machte dann drei Tage Pause vor dem Nationenpreis, ritt nur so \u201eLarifari Dressur\u201c mit Chakaria, \u201enicht so richtig konsequent und diese Kleinigkeiten machen es dann aus auf dem Niveau. So war mein Pferd am Ende zwar super frisch, ausgeruht, gesund und wollte wahnsinnig gut springen. Aber so ein erfahrenes Pferd merkt es dann nat\u00fcrlich auch, wenn die Hindernisse pl\u00f6tzlich noch einen Zacken h\u00f6her sind, die Atmosph\u00e4re einfach krasser ist, weil es ein Nationenpreis ist. Wenn die Mannschaft das Ergebnis braucht und auf einen z\u00e4hlt, dann ist da ein ganz anderer Druck dahinter. Dann verlief die erste Runde f\u00fcr uns so ungl\u00fccklich, ich merkte, dass sie spannig ist. Ich reite sie ja nur mit normaler Wassertrense, aber sie war nicht locker und ich habe es nicht hingekriegt, Ruhe rein zu bringen und Ruhe auszustrahlen. Das war alles etwas wild. Auch weil<strong>&nbsp;<\/strong>mein Pferd einfach nicht genug dressurm\u00e4\u00dfig vorbereitet war, um an dem Tag eine entspannte Runde zu gehen\u201c, erz\u00e4hlt Thieme selbstkritisch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der ersten Runde und einem Abwurf f\u00fcr Thieme und die 14-j\u00e4hrige DSP-Stute, entschied Bundestrainer Otto Becker, dass Andr\u00e9 nicht zu den drei deutschen Reitern geh\u00f6rt, die im Nationenpreis nach dem neuen Reglement in Runde zwei starten d\u00fcrfen. \u201eDas war nat\u00fcrlich eine bittere Pille f\u00fcr mich, weil ich ja auch allen zeigen wollte, wie gut mein Pferd wieder drauf ist und wie gesund sie wieder ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber auf die Entt\u00e4uschung folgte der, wie er es selbst nennt, \u201eGl\u00fcckstreffer, dass mein Vater, mein alter Dressur-Trainer, dabei war und alles live gesehen hat. <\/strong>Er hat mir nach dieser Runde klar gesagt, dass ihm schon seit langer Zeit aufgefallen sei, dass das Pferd nicht richtig geradegestellt ist. Dass sie zu sehr anhakt am Gebiss und da nicht genug Ruhe drin ist. Und dann hat er mich tats\u00e4chlich wie fr\u00fcher gezwungen, Montag, Dienstag, direkt nach dem Turnier, ein paar Dressur-Einheiten mit ihm zu machen. Ich wollte das nat\u00fcrlich abtun: Chakaria d\u00fcrfe man gar nicht zu klassisch reiten. Aber mein Vater hat mir ganz klar zu verstehen gegeben, dass das jetzt genau der Punkt ist, konsequent an das Problem ranzugehen und viel konsequenter Dressur zu reiten. Dann hat es keine 10 Minuten gedauert, da hat er mich mehr oder weniger gezwungen, den Schlaufz\u00fcgel abzunehmen. Ich sollte sie nicht so sehr durchs Genick nehmen und sie lieber mal oben dran lassen: Lass uns mal die Anlehnung zur\u00fcckstellen und lieber mehr ran ans Bein, bieg sie einfach mal ein bisschen nach links und nicht immer nur nach rechts, weil sie lieber nach rechts gestellt geht. Dann sind wir ganz konsequent mit Au\u00dfengalopp und Bein ran geritten.\u201c Andre`s Vater, Michael Thieme, selbst hoch erfolgreich im Sattel, ehemaliger Leiter der Landes- Reit- und Fahrschule und Landestrainer Dressur in Mecklenburg Vorpommern, ist ebenfalls noch auf den Turnieren aktiv.  <\/p>\n\n\n\n<p>Es folgte das, was man einen Aha-Effekt nennt: \u201eTats\u00e4chlich, ich wollte es gar nicht wahrhaben, nach 20-30 Minuten merkte ich, dass Chakaria mit einmal so stabil in der Anlehnung war. <strong>Schon die erste Stunde am Montag hat mir bewusstgemacht, dass er Recht hatte. Und dass es h\u00f6chste Zeit war, dass ich aufh\u00f6re, mich auf den ganzen sch\u00f6nen Erfolgen auszuruhen und stattdessen wieder konsequenter an das Problem rangehe. <\/strong>Am zweiten Tag hat er das Training dann nur noch aus der Ferne beobachtet, weil ich nat\u00fcrlich auch selber genug eigenen Ehrgeiz habe, das so umzusetzen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aufs Aha-Erlebnis folgte der weitere Aufbau: \u201eMein Vater lie\u00df uns in Konterstellung im Au\u00dfengalopp reiten, also im Au\u00dfengalopp rechts, das Pferd nach links gestellt und dann auch noch versuchen, den rechten Hintern so ein bisschen rein zu dr\u00fccken, sodass wir im Au\u00dfengalopp rechts versucht haben, eine Linksstellung des Pferdes her zu stellen. Wenn man das macht mit Pferden, die das nicht kennen, dann hat man das Gef\u00fchl, die brechen sich die Beine. Weil es eigentlich gar nicht geht. Aber f\u00fcr das Problem dieses Pferdes war das genau der Punkt, um zu verhindern, dass sie einfach immer wieder \u00fcber die Schulter ausbricht nach links. \u00dcber diese \u00dcbungen bilden sich die Muskeln,  jetzt ist sie kerzengerade und alles ist so viel besser geworden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Horses &amp; Dreams in Hagen best\u00e4tigte sich Andr\u00e9 Thiemes Gef\u00fchl, dass diese Dressur-\u00dcbungen auch f\u00fcr den Parcours \u201erichtig was gebracht haben. Deswegen war ich nach der ersten Null-Fehler-Runde in Hagen so gl\u00fccklich, weil es nach drei Wochen das erste Turnier wieder war und ich wusste, mein Pferd ist super drauf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dank Vaters konsequenter Dressurausbildung hatte ja schon der junge Andr\u00e9 Thieme es auch in der Dressur bis zur schweren Klasse gebracht. Und er ist seitdem \u201eein absoluter Fan von Au\u00dfengalopp, ganz klassisch, nicht unbedingt so schwierig, wie ich es erkl\u00e4rt habe. Au\u00dfengalopp ist die \u00dcbung \u00fcberhaupt, weil man damit so unglaublich den Galopp eines Pferdes verbessert. Weil die dadurch so viel Balance kriegen. Und weil man durch den Au\u00dfengalopp eigentlich erst so richtig mit dem Bein ans Pferd kommt. Man muss treiben, damit das Pferd den Galopp h\u00e4lt, und so kommt man mit dem inneren und dem \u00e4u\u00dferen Bein an das Pferd heran. Und wenn man von hinten ordentlich heran kann, kommt als n\u00e4chster Schritt auch automatisch die Anlehnung. Das ist wie in der Skala der Ausbildung. Der gro\u00dfe Fehler, den die meisten machen, ist der, dass sie erst versuchen, vorne sich die Anlehnung durchs Genick zu holen. Aber alles muss erst einmal mit Schwung und Takt vorw\u00e4rts und mit Losgelassenheit gehen, bevor \u00fcberhaupt die Anlehnung kommt. In einer sehr kleinen Halle darf man Au\u00dfengalopp nat\u00fcrlich nicht zu intensiv reiten, weil das dann irgendwann auch an die Gesundheit des Pferdes geht. <strong>Aber wenn man einen sch\u00f6n gro\u00dfen Reitplatz hat, dann ist Au\u00dfengalopp f\u00fcr mich die beste \u00dcbung. Er macht einfach jedes Pferd stabiler.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Augen-\u00d6ffnen durch seinen Vater, die R\u00fcckbesinnung auf sein eigenes Wissen war f\u00fcr Andr\u00e9 Thieme nach seinen eigenen Worten \u201eh\u00f6chste Zeit\u201c. Vielleicht kam der Nationenpreis in Ocala zu fr\u00fch f\u00fcr Chakaria und sie h\u00e4tte vorher noch ein, zwei gr\u00f6\u00dfere Turniere gehen m\u00fcssen. Aber, so sieht es der Reiter jetzt, \u201ewer wei\u00df, wozu es gut war, dadurch ist die Sache aufgeflogen. Ich habe so gemerkt, dass da Dinge nicht optimal sind. Nur so erkennt man am Ende dann auch den Ernst der Lage und dass man was \u00e4ndern muss. Dass man doch wieder alles viel konsequenter machen muss. <strong>Und nur sich darauf auszuruhen, dass man eins der besten Pferde der Welt hat, ist nicht genug auf dem Level. Du musst immer wieder 100 Prozent geben. Ich bin inzwischen fast dankbar, dass es so gelaufen ist, weil sich jetzt sehr viel verbessert hat.\u201c&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Hagen stehen Hamburg und der Nationenpreis in St. Gallen in seinem Kalender. \u201eDann werden wir mal gucken, wo wir wirklich stehen. Von Olympia in Paris tr\u00e4umen darf jeder und ich habe mit diesem Pferd ja auch schon einiges bewiesen, zu viele Pferde haben wir in Deutschland nicht von dieser Qualit\u00e4t. Wenn ich jetzt denken w\u00fcrde, ich h\u00e4tte keine Chance, dann w\u00e4re ich auch fehl am Platz. Ich nehme die Herausforderung an und bilde mir auch ein, dass wir da hingeh\u00f6ren. Das ist mein Ansporn, mein Ziel und ich verzichte daf\u00fcr auf alles andere. F\u00fcr mich z\u00e4hlt nur das. Ich habe schon vor 2 Jahren angefangen, vieles wegzulassen, um dann fit zu sein f\u00fcr dieses gro\u00dfe Event. <strong>Weil ich unbedingt noch mal zu den Olympischen Spielen m\u00f6chte.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgangslage f\u00fcr Andr\u00e9 Thieme und DSP Chakaria ist klar: \u201eIch muss liefern, am Ende z\u00e4hlen Null-Runden. Die muss ich liefern, am besten mehr Null-Runden als die anderen, dann sind wir auch mit dabei.\u201c Chakaria wird nicht in Watte gepackt, sondern \u201ekommt jeden Tag auf die Koppel, so viel Bewegung wie m\u00f6glich\u201c. Und ansonsten hei\u00dft es, \u201eerst mal reiten, auf vielen Turnieren und \u00fcber viele Runden\u201c.&nbsp; Damit der Traum von den Olympischen Spielen in Paris in diesem Sommer auch wahr wird. <\/p>\n\n\n\n<p>INTERVIEW: CORINNA PHILIPPS <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Momente, da haben sich auch die besten Reiter der Welt festgefahren, stecken in einer Sackgasse, brauchen einen Impuls von au\u00dfen und manchmal auch einen lauten Weckruf. So einen Moment hat Andr\u00e9 Thieme gerade erlebt. Nach einer l\u00e4ngeren Verletzungspause von DSP Chakaria (v. 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