{"id":72550,"date":"2024-05-22T16:38:00","date_gmt":"2024-05-22T14:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=72550"},"modified":"2024-05-22T16:38:04","modified_gmt":"2024-05-22T14:38:04","slug":"chio-aachen-scientist-circle-monitoring-zum-wohlergehen-der-pferde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2024\/05\/22\/chio-aachen-scientist-circle-monitoring-zum-wohlergehen-der-pferde\/","title":{"rendered":"CHIO Aachen Scientist Circle: Monitoring zum Wohlergehen der Pferde!"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein zuf\u00e4lliges Treffen bei einer Veranstaltung brachte den Stein ins Rollen: Birgit Rosenberg, Vorstandsmitglied des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), und Prof. Dr. Dirk Winter kamen ins Gespr\u00e4ch zum Thema wissenschaftliche Beleuchtung des Tierwohls. Einige Telefonate und wenige Monate sp\u00e4ter war ein bedeutendes Projekt geboren: der CHIO Aachen Scientist Circle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Zusammenschluss besteht aus acht Wissenschaftlern und Pferdefachleuten aus Deutschland, Belgien und der Schweiz und besch\u00e4ftigt sich unentgeltlich mit dem Wohlergehen von Sportpferden. Die Frage, die bereits im Rahmen des CHIO Aachen 2023 thematisiert worden ist, lautet: Wie geht es den Turnierpferden in ihrer Haltung beim CHIO Aachen im Vergleich zu ihrem Heimatstall? Ziel der Untersuchung ist es, fundierte Daten zum Status Quo zu sammeln und M\u00f6glichkeiten zu finden, den Aufenthalt f\u00fcr die Pferde in Zukunft noch angenehmer zu gestalten, um ihnen bestm\u00f6gliche Bedingungen zu bieten. Mit dabei waren im ersten Jahr vier internationale Turnierpferde, die per KI-gest\u00fctzter Kameratechnik rund um die Uhr beobachtet wurden und deren Stresslevel unter anderem anhand des Cortisol-Levels im Kot bestimmt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Auswertungen stimmen die Wissenschaftler optimistisch. \u201ePositiv ist uns bei der Beobachtung aufgefallen, dass die Pferde beim Turnier in Aachen zwar l\u00e4ngere Verweilzeiten in der Box hatten als im Heimatstall, aber sie wurden viel besch\u00e4ftigt und bewegt\u201c, erl\u00e4utert Prof. Winter, Studiendekan Pferdewirtschaft der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Umwelt N\u00fcrtingen-Geislingen. Weil den Wissenschaftlern des CHIO Aachen Scientist Circles das Thema sehr wichtig ist und die Untersuchungen bei den kommenden Turnieren noch ausgeweitet werden sollen, erhalten sie inzwischen Hilfe von Doktorandin Leonie Kr\u00fcger. Sie k\u00fcmmert sich in ihrer Promotion unter anderem um die Auswertung der bisher gesammelten Daten. Die Cortisol-Proben beim Turnier 2023 umfassen vier Tage im Heimatstall, den Transport nach Aachen, das Training und den Wettkampf vor Ort, den Transport zur\u00fcck und die anschlie\u00dfenden drei Tage zu Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Leonie Kr\u00fcger berichtet von der Auswertung der Proben aus der Pilotstudie: \u201eCortisol wird ausgesch\u00fcttet bei physischem und psychischem Stress, deshalb gab es einen Anstieg am Wettkampftag. Der ist v\u00f6llig logisch. Die Kurve w\u00fcrde beim Reiter wahrscheinlich \u00e4hnlich aussehen. Die weiteren Cortisol-Werte, die w\u00e4hrend des Aufenthalts der Pferde in Aachen erhoben wurden, lagen auf einem ziemlich niedrigen Niveau.\u201c Die Wissenschaftlerin ordnet diese ersten Ergebnisse wie folgt ein: \u201eDer Transport und das Training in Aachen hatten in Bezug auf das Stresslevel offenbar keine gro\u00dfen Auswirkungen. Und wir konnten feststellen, dass die Pferde nach dem Wettbewerb zu Hause auch schnell wieder auf dem Level von vor dem Turnier sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus Pilotstudie wird Versuchsplan f\u00fcr die kommenden Jahre<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kr\u00fcger und Winter warnen davor, die ersten Erkenntnisse \u00fcberzubewerten oder falsch zu interpretieren. \u201eWissenschaft braucht Zeit. Wir k\u00f6nnen noch keine fundierten, endg\u00fcltigen Aussagen treffen\u201c, betont die Doktorandin. Winter erg\u00e4nzt: \u201eWir haben jetzt eine erste Auswertung, aber mit vier Pferden k\u00f6nnen wir noch keine Ableitungen oder allgemeing\u00fcltige Aussagen treffen.\u201c Um das zu \u00e4ndern, sollen schon beim CHIO Aachen 2024 deutlich mehr Pferde \u2013 mindestens zw\u00f6lf \u2013 an der Studie teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnser Blick geht in die Zukunft. Wir werden aus der Pilotstudie den Versuchsplan f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre erarbeiten. Der muss sinnvoll sein und die richtigen Parameter abdecken, damit wir dann auch wirklich wissenschaftlich fundierte Aussagen \u00fcber das Wohlergehen der Pferde in ihrer Haltung auf dem Turnier treffen k\u00f6nnen\u201c, erl\u00e4utert Leonie Kr\u00fcger. Unter anderem soll das Monitoring per Kamera mit direkter Tierbeobachtung erg\u00e4nzt werden. Dar\u00fcber hinaus sollen k\u00fcnftig auch die wesentlichen Stallluftfaktoren sensorisch ermittelt werden. Mit etwa 30 bis 40 Pferden in einem Gesamtzeitraum von drei Jahren werde es dann auch m\u00f6glich sein, eine fundierte Aussage treffen zu k\u00f6nnen. Ein Endergebnis im klassischen Sinne erwarten die Wissenschaftler aber nicht. \u201eEs wird immer neue Faktoren geben, die das Tierwohl beeinflussen und die wir untersuchen m\u00fcssen\u201c, sind sie sich einig. Daher wird sich der CHIO Aachen Scientist Circle auch langfristig dem Themenkomplex Tierwohl widmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um in Zukunft sicherzustellen, dass die Pferde bestm\u00f6glich beobachtet werden, k\u00f6nnte sich Prof. Dr. Winter vorstellen, die Boxen in Aachen grunds\u00e4tzlich mit Kameras auszustatten. \u201eSo k\u00f6nnten Veranstalter und Reiter zeigen, dass zum Beispiel die Haltungsparameter engmaschig kontrolliert werden.\u201c Zudem werden weitere M\u00f6glichkeiten gepr\u00fcft, wie zus\u00e4tzliche Aspekte rund um das Thema Tierwohl untersucht werden k\u00f6nnen. \u201eWir besch\u00e4ftigten uns aktuell mit der Anwendbarkeit von weiteren innovativen technischen Verfahren\u201c, verr\u00e4t Winter.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte der CHIO Aachen so auch eine Vorbildfunktion f\u00fcr andere Turniere haben, wenn auch die Bedingungen f\u00fcr die Pferde \u00fcberall unterschiedlich sind. Prof. Dr. Dirk Winter ist \u00fcberzeugt: \u201eAachen ist das wichtigste Turnier weltweit. An den Standards, die wir hier bestm\u00f6glich erarbeiten, k\u00f6nnten andere Veranstalter sich k\u00fcnftig orientieren.\u201c<br><br>Alle Infos zum Scientist Circle finden Sie <a href=\"http:\/\/mailings.chioaachen.de\/c\/95226366\/9b9388ef36c18-sdw5cz\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein zuf\u00e4lliges Treffen bei einer Veranstaltung brachte den Stein ins Rollen: Birgit Rosenberg, Vorstandsmitglied des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), und Prof. Dr. Dirk Winter kamen ins Gespr\u00e4ch zum Thema wissenschaftliche Beleuchtung des Tierwohls. Einige Telefonate und wenige Monate sp\u00e4ter war ein bedeutendes Projekt geboren: der CHIO Aachen Scientist Circle. 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