{"id":84607,"date":"2025-01-18T10:47:19","date_gmt":"2025-01-18T09:47:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=84607"},"modified":"2025-01-19T11:24:32","modified_gmt":"2025-01-19T10:24:32","slug":"usain-bolt-rennt-auch-nicht-mit-eisenschuhen-warum-julien-epaillard-seine-pferde-ohne-eisen-laufen-laesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2025\/01\/18\/usain-bolt-rennt-auch-nicht-mit-eisenschuhen-warum-julien-epaillard-seine-pferde-ohne-eisen-laufen-laesst\/","title":{"rendered":"&#8220;Usain Bolt rennt auch nicht mit Eisenschuhen&#8221;: Warum Julien Epaillard seine Pferde ohne Eisen laufen l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>\u201e<\/strong>Ein gro\u00dfer Teil meines Jobs besteht darin, meine Pferde dazu zu bringen, alles f\u00fcr mich zu tun. Es braucht Zeit, das Vertrauen der Pferde zu gewinnen. Aber man kann es in Bruchteilen von Sekunden verlieren. Das ist ein gro\u00dfer Teil meines Jobs und es ist der Grund, warum ich es mag, mit Pferden auf einem normalen Niveau zu beginnen und sie von da aus zu f\u00f6rdern.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Am Rande der PARTNER PFERD 2025 hat die franz\u00f6sische Nummer 11 der Weltrangliste, Julien Epaillard, dar\u00fcber gesprochen, wie er mit seinen Pferden lebt, warum er keine Hufeisen mehr benutzt und was er Kritikern des Sports entgegenh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie scheinen eine eigene Philosophie zu haben, beispielsweise gehen alle ihre Pferde ohne Hufeisen. Was steckt dahinter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Ja, alle meine Pferde laufen barhuf. Au\u00dfer, wenn es ein besonderes Turnier mit Grasplatz ist oder wenn der Boden nicht gut ist. Bei Turnieren habe ich Plastikeisen dabei, nur f\u00fcr den Fall, dass ich den Eindruck habe, der Boden sei nicht gut. Letztes Wochenende hatte ich beispielsweise Donatello hinten Hufschuhe aufgezogen. Aber nur hinten, weil ich den Eindruck hatte, dass er so mehr Kraft hat. Wenn sie vorne Hufschuhe tragen, f\u00fchle ich mich nicht sicher in den Wendungen. Die Pferde sehen in den Wendungen unsicher aus. Ich versuche immer, in meine Pferde hineinzuhorchen und zu schauen, was f\u00fcr sie das Beste ist. Zuhause gehen meine Pferde alle zusammen auf die Weide, die Stuten und die Wallache zusammen, die Hengste nat\u00fcrlich nicht. Aber da ist es besser, wenn sie nicht beschlagen sind, wenn sie ausschlagen oder so.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es ist ein gro\u00dfer Teil meines Jobs, zu schauen und zuzuh\u00f6ren. Vorher dachte ich, der Tierarzt macht seine Arbeit, der Hufschmied macht seine Arbeit und der Reiter macht seine Arbeit. Aber jetzt denke ich ganz anders. Ich denke, ich lebe jeden Tag mit meinen Pferden. Keiner kennt sie besser als ich. Ich sehe, wenn sie den Tierarzt brauchen, wenn sie den Hufschmied brauchen. Seit sechs oder sieben Jahren habe ich mein System total ver\u00e4ndert. Ich bearbeite die Hufe selbst \u2013 okay, ich habe viele Pferde zuhause und es kommt Hilfe f\u00fcr die jungen Pferde \u2013 , wenn ein neues Pferd kommt, muss ich es selbst machen, damit ich den Huf kennenlerne und sehe, wie das Pferd sich bewegt.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sagten, Sie h\u00e4tten Ihr System komplett ge\u00e4ndert. Gab es daf\u00fcr einen bestimmten Ausl\u00f6ser?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Ja, den gab es: Meine Pferde waren zu oft verletzt. Ich musste anfangen, mein System zu \u00fcberdenken. Michel Hecart hat mir viel geholfen. Er hatte mir ein paar Pferde gegeben, weil er weniger geritten ist, und wir haben verschiedene Beschl\u00e4ge ausprobiert, wieder \u00fcberlegt, aber keine gute L\u00f6sung gefunden. Toupie de la Roque hatte Sehnenprobleme mit Beschlag. Also haben wir den Beschlag runtergenommen. Denn mit Beschlag hatte sie zweimal eine Sehnenzerrung. Danach, ohne Eisen, hatten wir damit nie wieder Probleme. Auch Safari d\u2019 Auge war immer mal wieder nicht 100 Prozent fit. Also habe ich es auch bei ihm probiert. Danach hatte er eine zweite Karriere. Er hat danach jede Menge gewonnen. Und hatte nie zuvor mehr Spa\u00df dabei. Also habe ich gedacht, warum mache ich das nicht mit allen Pferden? So bin ich dazu gekommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich denke, der Strahl muss Kontakt mit dem Boden aufnehmen k\u00f6nnen. Wir haben versucht, eine bessere L\u00f6sung als Eisen zu finden. Das wird seit Tausenden Jahren benutzt, aber heute ist der Sport ein ganz anderer. Usain Bolt rennt auch nicht mit Eisenschuhen. Wir haben eine gro\u00dfe Entwicklung in unserem Sport durchlebt. F\u00fcr mich sind Hufeisen schwer und unflexibel. Wir machen nun gute Hufschuhe f\u00fcr Pferde, so wie Nikes. Ich denke, es ist besser, Nikes zu tragen als Moonboots.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihre Pferde gehen t\u00e4glich auf die Weide. Welche Rolle spielt ihr Wohlbefinden f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Grunds\u00e4tzlich gehen unsere Pferde t\u00e4glich raus. Nur wenn der Boden drau\u00dfen nicht gut oder gefroren ist, gehen sie nicht raus. Wir gucken uns das Wetter an, wir schauen auf den Boden und wir gucken, wie es dem Pferd geht. Nicht alle Pferde wollen raus. Manche stehen sofort am Tor und wollen zur\u00fcck in die Box. F\u00fcr dieses Pferd ver\u00e4ndern wir das System. Es gibt keine starre Vorgabe. Es geht um die einfachen Dinge, man muss die Augen offenhalten. Um diese Jahreszeit regnet es in Frankreich viel. Der Boden ist schlecht und es w\u00e4chst kein Gras. Das ist keine Weidezeit. Also m\u00fcssen wir etwas anderes finden. Dann gehen die Pferde \u00f6fter Schritt, kommen dreimal am Tag raus, gehen auf die Rennbahn. Wir versuchen immer, die Situation f\u00fcr jedes Pferd individuell anzupassen. Manchmal machen wir einen Fehler, dann machen wir es anschlie\u00dfend anders.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stichwort Social License \u2013 was entgegnen Sie Kritikern des Reitsports?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Ich denke, die Leute, die den Sport am liebsten abschaffen w\u00fcrden, sollten einmal kommen und mich besuchen. Ich habe viele Pferde und wenn der LKW vorf\u00e4hrt, werden sie total aufgeregt, weil sie auf den LKW wollen. Ich liebe Pferde. Nat\u00fcrlich mag ich es auch zu gewinnen. Aber man kann diesen Job nicht machen, wenn man Pferde nicht liebt. Ein Pferd ist kein Hund. Es wedelt nicht mit dem Schwanz. Es ist anders, man muss die Augen sehen, die Haltung, wenn es mit einem zusammen ist. Von daher m\u00fcssen wir mit Leuten sprechen, die sich mit Pferden auskennen. Es gibt viele Leute, die sagen, macht es so und so, aber die wissen nichts \u00fcber Pferde, die wissen nichts dar\u00fcber, wie wir sie behandeln. Sie kommen nur zu den Turnieren. Aber sie sehen nicht, dass die Pferde die Turniere lieben. 80, vielleicht 90Prozent der Pferde springen auf diesem Niveau, weil sie es m\u00f6gen. Wenn sie es nicht m\u00f6gen w\u00fcrden, w\u00fcrden sie nicht so viel geben. Wir verlangen viel von ihnen. Es sind hohe Hindernisse. Ich denke, wenn sie das nicht m\u00f6gen w\u00fcrden, h\u00e4tten wir keine Chance, diesen Sport zu machen.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Sie Pferde ins Herz geschlossen und viel Zeit mit ihnen verbracht haben, ist es nicht schwer sie gehen zu lassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Nat\u00fcrlich ist es das. Aber das geh\u00f6rt zu meinem Beruf dazu. Ich liebe meine Pferde, aber ich binde mich nicht an sie. Nat\u00fcrlich, wenn sie den Stall verlassen, ist das schwer. Ich musste das lernen. Als ich zw\u00f6lf Jahre alt war, habe ich an einem Championat teilgenommen und die Stute war verkauft, noch ehe wir den Platz verlassen hatten. Ich habe die gesamte Fahrt geheult. Da hat mein Vater zu mir gesagt: ,Das musst du lernen. Du musst die Pferde lieben, aber du darfst dich nicht an sie binden. Das wird dein Job sein.\u2018 An dem Tag habe ich viel gelernt. Aber mir ist es sehr wichtig, dass die Pferde zu den richtigen Leuten kommen, nicht den erstbesten. Aber es sind ja oft auch gar nicht meine Pferde und ich habe gar keinen Einfluss darauf. Donatello haben wir selbst gezogen. Er geh\u00f6rt mir, er wird nie verkauft werden. Er wird zuhause bei uns sterben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer hatte den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf Ihren Werdegang und Ihre Art zu reiten und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Das war als erstes mein Vater. Er war ein guter Reiter, ist hier bei uns in der Normandie 1,40 und 1,45 Meter-Springen geritten. Meine Mutter war gut in der Dressur. Die Beiden haben mir eine gute Basis gegeben. Sp\u00e4ter war ich im Winter bei Hubert Bourdy, bei Eric Navet, Rodrigo Pessoa, Michel Robert, Bertrand de Bellabre\u2026 \u00fcberall habe ich versucht, etwas zu lernen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich denke, jeder hat mir etwas mitgegeben. Hubert Bourdy hat mir bei der Dressur sehr geholfen, Michel Robert hat mir einiges \u00fcber die Bewegung beigebracht, Kevin Staut \u00fcber die Biomechanik, Michael Hecart, wie man Pferde analysieren und dann reagieren muss. Alles zusammen hat mich gepr\u00e4gt.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Man hat den Eindruck, die Pferde vertrauen Ihnen sehr. Wie schaffen Sie das? Und wie schaffen Sie es, dass Ihre Pferde so schnell werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen, ist es wichtig, so wenige Fehler wie m\u00f6glich zu machen \u2013 immer mit einer guten Distanz zum Sprung zu kommen und es dem Pferd einfach zu machen. Was das Tempo angeht \u2013 das ist ein bisschen das gleiche. Wenn man vom Pferd verlangt, dass es sich auf Abk\u00fcrzungen einl\u00e4sst, muss es einem vertrauen. Letztlich geht es immer darum, so wenig Fehler wie m\u00f6glich zu machen.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben eine Art Ritual: Sie reiten ab und ehe Sie in die Pr\u00fcfung gehen, stellen Sie das Pferd noch einmal in die Box. Was hat es damit auf sich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Das hat einen einfachen Grund: Nachdem ich sie geritten habe, m\u00fcssen sie die Chance haben, noch einmal zu stallen. Am Morgen bevorzuge ich es zu schlafen, um in guter Form zu sein (lacht). Aber mein Pfleger longiert die Pferde \u2013 nur ein bisschen, um die Muskulatur aufzulockern. Das reicht. Aber ca. eine oder eineinhalb Stunden vor der Pr\u00fcfung reite ich und gucke, wie sie sich anf\u00fchlen. Wenn sie sehr frisch sind, mache ich etwas mehr. Wenn ich das Gef\u00fchl habe, dass sie ein bisschen m\u00fcde sind, weniger. Danach gehen sie in die Box und k\u00f6nnen entspannen, ehe es losgeht.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es h\u00f6rt sich so einfach an zu sagen, man muss die Pferde immer richtig an den Sprung bringen. Bei Ihnen hat man den Eindruck, Sie lie\u00dfen den Pferden maximalen Freiraum.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Epaillard: &#8220;Man braucht Kontrolle. Es gibt keine Pr\u00e4zision ohne Kontrolle. Daf\u00fcr braucht man keine Dressur mit Piaffe und Passage oder \u00e4hnliches. Ich muss die Pferde zur\u00fccknehmen und nach vorne schicken k\u00f6nnen und ich muss wenden k\u00f6nnen. Und das alles in gutem Gleichgewicht. Das ist meine Idee f\u00fcr mein Reiten. Ich m\u00f6chte den Pferden Freiheit lassen. Aber eine Freiheit mit Kontrolle. Das ist die Idee.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin gro\u00dfer Teil meines Jobs besteht darin, meine Pferde dazu zu bringen, alles f\u00fcr mich zu tun. 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