{"id":88207,"date":"2025-05-27T17:09:34","date_gmt":"2025-05-27T15:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=88207"},"modified":"2025-05-27T17:14:06","modified_gmt":"2025-05-27T15:14:06","slug":"das-ist-der-job-den-ich-will-interview-mit-der-pflegerin-von-daniel-deussers-pferden-marine-renaudet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/en\/index.php\/2025\/05\/27\/das-ist-der-job-den-ich-will-interview-mit-der-pflegerin-von-daniel-deussers-pferden-marine-renaudet\/","title":{"rendered":"\u201eDas ist der Job, den ich will.\u201c Interview mit der Pflegerin von Daniel Deussers Pferden &#8211; Marine Renaudet"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>K\u00f6nnten Sie sich bitte kurz vorstellen und uns Ihre Arbeit erl\u00e4utern? Wie sind Sie zu dieser Branche gekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hei\u00dfe Marine und komme urspr\u00fcnglich aus dem S\u00fcdwesten Frankreichs. Pferde haben schon immer zu meinem Leben geh\u00f6rt&nbsp;\u2013 ich bin mit ihnen aufgewachsen. Schon von klein auf bin ich an einer Reitschule vor Ort geritten und habe sogar schon ein wenig mit Jungpferden gearbeitet.&nbsp; Ich habe fr\u00fch gemerkt, wie viel Spa\u00df es mir macht, mich um Pferde zu k\u00fcmmern, und da war es die logische Konsequenz, Pflegerin zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich einen Abschluss mache, also habe ich ein Jahr lang Kunstgeschichte studiert. Das war zwar interessant, aber nicht das Richtige f\u00fcr mich. Ich habe die Pferde zu sehr vermisst.&nbsp; Also entschied ich mich f\u00fcr ein praktischeres Studium und einen Abschluss in Agrarwissenschaften. Das war ein zweij\u00e4hriger Studiengang und es gab einen Stall vor Ort. Wie nicht anders zu erwarten, habe ich dort mehr Zeit als \u00fcber meinen B\u00fcchern verbracht! Ich habe aber trotzdem den Abschluss gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach habe ich Initiativbewerbungen an mehrere gro\u00dfe St\u00e4lle geschrieben. Darin habe ich erkl\u00e4rt, dass ich mit Pferden aufgewachsen bin, Englisch spreche, Turniererfahrung habe und sehr lernbegierig bin. Ich hatte Gl\u00fcck und habe einige Antworten bekommen, darunter eine von den Stephex Stables. Ich wurde zu Bewerbungsgespr\u00e4chen bei einem Reiter in Tschechien und in Mexiko eingeladen, aber meine Mutter fand Belgien vern\u00fcnftiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich im Juli 2018 meine Probezeit in den Stephex Stables antrat, sollte ich dort urspr\u00fcnglich f\u00fcr einen franz\u00f6sischen Reiter arbeiten. Er war aber dabei, seinen eigenen Stall zu er\u00f6ffnen, und Daniel Deu\u00dfers Pfleger h\u00f6rte zu der Zeit gerade auf. Also boten sie mir an, vor\u00fcbergehend mit einem Reiter aus Belgien zu arbeiten und dann in Daniels Team zu wechseln. Es hat sich alles durch einen Zufall und perfektes Timing ergeben. Im August 2018 habe ich dann offiziell angefangen, f\u00fcr Daniel zu arbeiten, und bin seitdem bei ihm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben eng mit einigen der besten Pferde der Welt gearbeitet. Wie bauen Sie eine Verbindung zu den einzelnen Pferden in Daniels Kontingent auf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben das Gl\u00fcck, dass unsere Pferde lange Zeit bei uns bleiben. So haben wir die Chance, sie wirklich kennenzulernen. Bei meiner Ankunft hatte Daniel sowohl noch Cornet&nbsp;39 als auch Cornet d\u2019Amour \u2013 zwei legend\u00e4re Pferde. Ich wei\u00df noch, wie ich Cornet d\u2019Amour 2014 in Lyon gesehen habe und dachte:&nbsp;<em>\u201eDas ist der Job, den ich will.\u201c<\/em>&nbsp;Und dann wirklich t\u00e4glich mit ihm zu arbeiten, kam mir anfangs so surreal vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Pferd hat seine eigene Pers\u00f6nlichkeit. Manche sind zur\u00fcckhaltend, manche frech, manche verspielt und manche eher zur\u00fcckhaltend. Es ist wie bei Menschen auch, aufgrund der Pers\u00f6nlichkeit hat man zu manchen Pferden einfach eine engere Bindung. Bingo Ste Hermelle ist zum Beispiel ein sehr liebenswerter Hengst, der einerseits sehr lieb, andererseits aber auch frech und verspielt ist. Otello de Guldenboom ist zur\u00fcckhaltender und sensibler, und Scuderia&nbsp;1918 Tobago&nbsp;Z ist ihm sehr \u00e4hnlich \u2013 sanft und einf\u00fchlsam. Und dann haben wir einige sehr eigenwillige Stuten, wie Killer Queen&nbsp;VDM. Killer Queen&nbsp;VDM wei\u00df genau, was sie will, und macht das auch sehr deutlich! Wir haben immer Witze dar\u00fcber gemacht, dass sie mehr an Sean [Lynch] hing als an mir. Bei ihm hat sie n\u00e4mlich immer gewiehert!<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben alle ihre Eigenarten und genau das macht diese Arbeit so besonders. Man verbringt so viel Zeit mit ihnen, und sie sind allesamt ganz individuelle Pers\u00f6nlichkeiten. Die Verbindung, die man mit ihnen eingeht, w\u00e4chst Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sieht ein typischer Tag f\u00fcr Sie zu Hause im Vergleich zu einem wichtigen Turnier wie dem CHIO Aachen aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche immer daf\u00fcr zu sorgen, dass alles m\u00f6glichst gleichbleibt, auch auf Turnieren. Pferde sind Gewohnheitstiere und pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen sie unn\u00f6tig unter Stress setzen. Ich halte nichts davon, die Dinge zu verkomplizieren. Wenn sie zu Hause eine bestimmte Routine gewohnt sind, versuche ich, die auch bei Turnieren beizubehalten \u2013 sie an der Hand grasen zu lassen, sie ruhig zu halten und ihnen einfach Zeit zum Entspannen zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Turnieren hat man oft mehr Zeit f\u00fcr einzelne Pferde, und das ist wirklich sch\u00f6n. Es ist weniger hektisch als zu Hause, sodass wir viel mehr auf ihre Pflege, ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden eingehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie reisen zu sehr vielen internationalen Turnieren. Wie sorgen Sie daf\u00fcr, dass die Pferde es auf den langen Reisen bequem und keinen Stress haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Reisen ist ein gro\u00dfer Bestandteil unseres Lebens, und die meisten unserer Pferde sind inzwischen daran gew\u00f6hnt. Wir versuchen daf\u00fcr zu sorgen, dass alles so vertraut und bequem wie nur m\u00f6glich f\u00fcr sie ist. Wenn ein Pferd einen bestimmten Freund hat, mit dem es gern reist, stellen wir sie nebeneinander in den Transporter. Wenn zwei sich nicht gut verstehen, trennen wir sie. Es geht im Grunde darum, kluge Entscheidungen zu treffen und Stress zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir fliegen, ist alles hervorragend organisiert und sehr bequem. Und wenn wir bei den Veranstaltungen eintreffen, sind die St\u00e4lle immer erstklassig. Ruhig, ger\u00e4umig und gut ausgestattet. Das macht einen gewaltigen Unterschied. Gute Anlagen helfen den Pferden sehr, sich einzugew\u00f6hnen und entspannt zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der CHIO Aachen wird oft als&nbsp;<em>das Wimbledon des Springreitens<\/em>&nbsp;bezeichnet. Was macht die Veranstaltung aus Sicht einer Pflegerin so besonders?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war vergangenes Jahr zum ersten Mal in Aachen und habe, ehrlich gesagt, G\u00e4nsehaut bekommen. Die Zuschauer, die Atmosph\u00e4re, die Geschichte \u2013 das alles ist so \u00fcberw\u00e4ltigend. Wenn man f\u00fcr einen deutschen Reiter wie Daniel arbeitet, ist die Unterst\u00fctzung durch das Heimpublikum einfach unglaublich. Das verleiht einem noch mehr Energie und weckt so gro\u00dfe Emotionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfenordnung und die Atmosph\u00e4re haben mich umgehauen. Ich wei\u00df noch, wie ich von zu Hause aus zugesehen habe, als Killer Queen&nbsp;VDM gewonnen hat. Ich habe vor Freude geschrien. Und dann selbst dort zu sein, war wie ein Traum. Es ist emotional, es ist elektrisierend \u2013 man sp\u00fcrt die Spannung und Aufregung jedes einzelnen, der dort ist. Es ist ein wirklich unvergessliches Erlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was unterscheidet die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping von anderen Turnieren in diesem Sport?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Atmosph\u00e4re, die Organisation, die Qualit\u00e4t. Diese Turniere stehen einfach eine Stufe \u00fcber allen anderen. Ob nun ein Hallenturnier wie das The Dutch Masters oder ein Freiluftturnier wie Calgary oder Aachen \u2013 jeder Veranstaltungsort ist spektakul\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich teile mir die Arbeit bei den Turnieren mit Isabella und hatte das Gl\u00fcck, bei einigen von Daniels gro\u00dfen Erfolgen dabei zu sein, wie seinem Sieg im Rolex Grand Prix bei den The Dutch Masters 2022 auf Scuderia&nbsp;1918 Tobago. Ich wei\u00df noch, wie nerv\u00f6s ich war, aber die Atmosph\u00e4re dort war einfach unglaublich. Calgary letztes Jahr war auch unvergesslich. Das Team hat den BMO Nations\u2019 Cup gewonnen und alle Pferde sind fantastisch gesprungen. Die Majors haben etwas Magisches an sich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie arbeiten in den Stephex Stables mit einem gro\u00dfen Team zusammen. Wie helfen Sie sich gegenseitig, sich weiterzuentwickeln und immer besser zu werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit als Team ist wesentlich. Bei Pferden lernt man st\u00e4ndig dazu. Dass man alles w\u00fcsste, gibt es einfach nicht. Wir fragen einander st\u00e4ndig irgendetwas, geben uns Ratschl\u00e4ge und helfen uns gegenseitig bei Problemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Pferd mit einem anderen Pfleger zu einem Turnier reist, tauschen wir immer Notizen aus \u2013 wie das Pferd so drauf ist und welche kleinen Gewohnheiten es hat. Killer Queen&nbsp;VDM liebt zum Beispiel ihr Schl\u00e4fchen am Morgen. Also planen wir darum herum, damit sie zufrieden ist. Kommunikation, Beobachten und die Bereitschaft zu lernen sind das A und O.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie spielen hinter den Kulissen eine wesentliche Rolle f\u00fcr Daniels Erfolg. Was ist das Befriedigendste an Ihrer Arbeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist es das Sch\u00f6nste, wenn die Pferde gesund und gl\u00fccklich sind und gute Leistungen zeigen. Wenn sie sich gut in ihrer Haut f\u00fchlen und man sieht, wie sie im Parcours ihr Bestes geben, ist das ein unglaublich befriedigendes Gef\u00fchl. Und wenn Daniel gl\u00fccklich ist, sp\u00fcrt das auch das ganze Team.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst als ich zu Hause war und nicht mit zu den Turnieren gereist bin, war ich immer stolz, wenn die Pferde erfolgreich waren. Man wei\u00df, dass die Arbeit, die man reingesteckt hat, zu diesem Erfolg beigetragen hat. Es ist durch und durch eine Teamleistung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Rat w\u00fcrden Sie jemandem geben, der davon tr\u00e4umt, Pfleger auf diesem Niveau zu werden, vor allem bei Rolex Grand Slam-Veranstaltungen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pack\u2019s an! Sei aufgeschlossen, lernwillig und lass dich nicht entmutigen, wenn es dir am Anfang hart vorkommt. H\u00f6r immer gut auf alle \u2013 es gibt immer etwas zu lernen. Du glaubst vielleicht, schon viel zu wissen, aber dann arbeitest du an einem neuen Ort und merkst auf einmal, dass man Dinge auch ganz anders machen kann. Das ist okay \u2013 jede Erfahrung hilft dir, dich weiterzuentwickeln. Ich finde es wichtig, durchzuhalten und weiterzumachen, denn die Reise ist wirklich jede M\u00fche wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: ROLEX GRAND SLAM<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnten Sie sich bitte kurz vorstellen und uns Ihre Arbeit erl\u00e4utern? Wie sind Sie zu dieser Branche gekommen? 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