Das Finale im Weltcup beginnt – und was man darüber wissen muss
Gemeinsam haben sie schon einmal das Weltcup-Finale gewonnen: Daniel Deusser und Cornet d'Amour Foto: Stefano Grasso/LGCT

Das Finale im Weltcup beginnt – und was man darüber wissen muss

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Der Abschluss der Hallenreitsaison, der gleichzeitig auch der Höhepunkt ist, wird in Paris eingeläutet: das Weltcup-Finale, die Quasi-Hallen-Weltmeisterschaft. Drei deutsche Starter hatten sich im Verlauf der Saison 2017/2018 in den diversen Qualifikationsspringen der West-Europa-League qualifiziert, zwei gehen an den Start: Marcus Ehning, der zum vierten Mal gewinnen könnte, und Daniel Deusser, dem dies zum zweiten Mal gelingen könnte. Der ebenfalls qualifizierte Sieger von 2010/2011, Christian Ahlmann, musste verzichten, weil ihm das entsprechende Pferd fehlt für diesen gigantischen Sprung-Marathon.

Die Regeln des Finales:

Nach dem 1. Vet-Check für die Pferde am Dienstagvormittag und der zweistündigen Training-Session am Nachmittag wird es am heutigen Mittwoch  ernst beim Weltcup-Finale in der AccorHotels Arena von Paris: Um 12.30 Uhr wird das Warm Up-Springen eingeläutet, ein Zwei-Phasen-Springen über 1,45 m. Die Ergebnisse zählen noch nicht für die Gesamtwertung, deshalb geht es in erster Linie darum, Pferde und Reiter mit dem Platz und der Umgebung vertraut zu machen. Bis zu zwei Pferde sind pro Reiter erlaubt.

Gezählt wird ab Donnerstag, 20.30 Uhr. Die erste Wertungsprüfung ist ein Zeitspringen über 1,60 m, die einzige ohne Stechen und/oder 2. Umlauf. Wie immer bei Zeitspringen werden Fehler/Abwürfe in Zeit umgerechnet: vier Sekunden pro Abwurf.

Von den 39 Reitern aus 18 Nationen dürfen alle am Freitag um 20.30 Uhr in die zweite Finalrunde starten, die nicht in der ersten Runde am Donnerstag ausgeschieden sind bzw. aufgegeben haben. Gestartet wird in der umgekehrten Reihenfolge des Donnerstag-Ergebnisses. Diesmal geht es nach Fehler/Zeit über 1,50 m bis 1,60 m hohe Sprünge mit – bei Bedarf – einmaligem Stechen.

Der Sonnabend ist der Erholung der Pferde gewidmet – und dem zweiten Vet-Check am Nachmittag, ab 17.30 Uhr, ob alle noch fit genug für die gewaltige Herausforderung am Sonntag sind.

Für die 30 Besten nach dem Zwischenstand von Freitagabend ertönt am Sonntag um 14 Uhr wieder die Startglocke – und wenn einer inzwischen ausgefallen ist oder verzichtet, gibt es auch keinen Nachrücker. Ausdrücklich ein Grand Prix Kurs über 1,50 m bis 1,60 m wartet auf die Starter in dieser ersten Runde des endgültigen Finales. Genauso viele Hindernisse mit gleicher Parcourslänge, aber alles mit höherem Schwierigkeitsgrad aufgebaut, warten dann ab 16.35 Uhr auf die besten 20 Reiter-Pferd-Paare. Und wenn dann immer noch zwei oder mehrere am Ende mit gleicher Gesamtpunktzahl an der Spitze stehen, gibt es sogar nach dieser Marathon-Tortur noch ein Stechen über sechs Sprünge.

Übrigens: Falls jemand mit null Fehlern durch die erste Sonntagsrunde gekommen ist, aber nicht zu den 20 Besten zählt, die um den Weltcup-Titel reiten, darf er/sie trotzdem in Runde zwei mitreiten und um die Einzelwertung des Sonntag kämpfen – insbesondre natürlich ums damit verbundene Preisgeld.

Die Geschichte:

Der US-Amerikaner McLain Ward ist als Titelverteidiger automatisch für Paris qualifiziert gewesen. Mit HH Azur hatte er im vergangenen Jahr in Omaha/USA gewonnen. Für viele gilt er auch wieder als einer der Favoriten.

Die 40jährige Geschichte dieser inoffiziellen Hallen Weltmeisterschaft ist voll von Geschichten, Dramen und Triumphen. Erster Sieger 1979 in Göteborg war der Österreicher Hugo Simon auf Gladstone – 1996 und 1997 wiederholte er seinen Triumph, diesmal mit E.T.. Danach kam Rodrigo Pessoa: Dreimal hintereinander gewann der Brasilianer mit Baloubet du Rouet – und wurde in den Jahren darauf noch zweimal Zweiter und einmal Dritter mit diesem Ausnahmehengst.

Zur Garde der dreimaligen Sieger gehören auch

  • Meredith Michaels-Beerbaum, die auf Shutterfly 2005, 2008 und 2009 gewann, nach einem zweiten Platz 2004.
  • Marcus Ehning, 2003 mit Anka, 2006 mit Sandro Boy und 2010 mit Noltes Küchengirl und Plot Blue.

Sollte Marcus Ehning in Paris gewinnen, wäre er der erste Vierfach-Sieger.

Außer Meredith Michaels-Beerbaum und Marcus Ehning haben sich noch vier deutsche Reiter in die Siegerliste eintragen können:

  • Ludger Beerbaum 1993 mit Ratina Z,
  • Otto Becker, der heutige Bundestrainer, 2002 mit Dobels Cento,
  • Christian Ahlmann 2011 mit Taloubet Z und
  • Daniel Deusser 2014 mit Cornet d’Amour.

Aber es gab eben auch großartige Reiter-Pferd-Paare, die es nie beim Weltcup ganz nach oben schafften: Pierre Durand nahm mit seinem legendären Jappeloup dreimal Anlauf, es blieb bei zwei zweiten und einem dritten Platz. Zu den „Unvollendeten“ gehören auch Paul Schockemöhle (Dritter mit El Paso 1980), Franke Sloothaak (zweimal Dritter, einmal Zweiter), Lars Nieberg (zweimal Zweiter) und Michael Whitaker, der es in diesem Jahr wieder versuchen wird, an die zwei Siege seines etwas älteren Bruders John (190 und 1991) heranzukommen.

Manchmal entschieden Sekundenbruchteile in dem Stechen am Ende der zwei Runden des dritten Tages, wenn eigentlich alle Batterien von Pferd und Reiter schon aufgebraucht sind, über Sieg und Niederlage. Und zweimal war dabei Steve Guerdat mit seinem so einzigartigen Nino des Buissonets der Leidtragende: 2012 in s’Hertogenbosch hinter Rich Fellers auf Flexible und im Jahr darauf in Göteborg hinter Beezie Madden auf Simon.