Heftige Reiter-Kritik an neuen Nationenpreis-Regeln

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Es wurde heftig bei der Generalversammlung des International Jumping Riders Club (IJRC) am Rande der EM in Rotterdam. Oben auf dem Podium saßen die gewählten Vertreter der Springreiter: Max Kühner, Kevin Staut, Ludger Beerbaum, Henrik von Eckermann, Steve Guerdat und Peder Fredricson; ihnen gegenüber – und das nicht nur räumlich gemeint – saß die Spitze der FEI mit Präsident Ingmar De Vos, Jumping Director John Roche und dem Vorsitzenden des Jumping Committee Stephan Ellenbruch. Denn wenn es um die neuen Regularien des Nationenpreises geht, die ab den Olympischen Spielen in Tokio gelten sollen, prallen unverändert die Meinungen der Reiter und der Funktionäre unversöhnlich  aufeinander.

Der FEI-Präsident versuchte in seinem Eingangs-Statement, die Wogen zu glätten: „Von unserer Seite, der FEI, können wir nur in aller Klarheit festhalten, dass der Nations Cup für uns unser wichtigster Wettbewerb ist, die wichtigste Serie zusammen mit dem Weltcup.“ Aber, so schob er nach, „wir leben in einer sehr komplizierten Welt und müssen deshalb sehen, was wir machen können und was nicht.“

Damit klang schon an, was im Verlauf der Diskussion noch eindeutiger herauskam: Der Beschluss der FEI, dass bei Nationenpreisen in Zukunft nur noch drei statt vier Reiter pro Team reiten (und damit kein Streichergebnis mehr möglich ist), dass bei Olympia und Titelkämpfen erst die Einzel-Entscheidungen fallen und im Anschluss erst die Teamwertung folgt sowie die Zulassung weiterer Nationen vor allem auch auf Druck des Iinternationalen Olympischen Komitee (IOC) rund um dessen Präsident Thomas Bach zustande gekommen ist. Ingmar De Vos: „Wir hatten eine sehr klare Message vom IOC. Und Teil der Olympischen Bewegung zu sein, ist wirklich wichtig für unseren Sport.“

Der FEI-Präsident versuchte das jetzt geltende Regelwerk  als einen Kompromiss zwischen Verband, Pferdebesitzern, Veranstaltern und Reitern darzustellen. Aber der Widerspruch erfolgte umgehend. Für den IJRC steltte Steve Guerdat unmissverständlich klar: „Es gab keinen Kompromiss, niemals.  Ihr hattet von Anfang an eine Marschrichtung und wir hatten von Anfang an unsere Linie, und die ist: vier Reiter und Teams zuerst.“

Aus Cian O’Connor, der als Athletensprecher des FEI Jumping Committee im Publikum saß, brach es heraus: „Es gab keine Beratung, es gibt nur Diktatur.“ Er forderte dazu auf, sich „20 bis 30 Jahre zurück zu erinnern. Damals war die FEI voll von Leuten, die etwas von dem Sport verstanden. Jetzt sind es Administratoren. Wenn ihr das nicht realisiert, ist es ein sinkendes Schiff. Ihr macht euch etwas vor.“

IJRC-Sprecher und Olympiasieger Kevin Staut fasste die Meinung der Reiter so zusammen: „Die meisten von uns denken, es wird ein Desaster werden.“

Ludger Beerbaum, bemüht Schärfe zu vermeiden, ergänzte: „Wir sitzen in demselben Boot und wir sollten versuchen, das Beste daraus zu machen. Aber wir sind wirklich in Sorge! Denn wir haben dieses besondere Gesundheits-Thema, den einzigen Sport in der ganzen Welt, der dieses Thema hat: die Gesundheit unserer Pferde. Nicht Tennis, nicht Fußball – wir haben das. Und das ist es, was uns Sorge bereitet.“

Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der deutschen FN, wurde sehr deutlich an die Adresse von Ingmar De Vos: „Ingmar, du hast gesagt, die FEI und die nationalen Verbände haben entschieden, aber ich muss sagen, dass in der FEI Generalversammlung rund 140 Nationen sitzen, aber 100 von ihnen nichts über die Wirklichkeit in unserem Sport wissen. Das sind die Leute, die dort sitzen und abstimmen.“