Vorwurf Tierquälerei: Paul Estermann muss vor Gericht
Nach Gerichtsurteil: Turnierpause für Paul Estermann. Foto: spring-reiter.de

Vorwurf Tierquälerei: Paul Estermann muss vor Gericht

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Seit dem Frühjahr 2017 läuft gegen den Schweizer Top-Reiter Paul Estermann wegen des Verdachts der Tierquälerei ein Verfahren. Jetzt hätte es durch einen Strafbefehl beendigt sein können – aber Paul Estermann hat Widerspruch eingelegt. Deshalb muss nun das Schweizer Bezirksgericht Willisau darüber verhandeln und ein Urteil sprechen.

Auslöser des Verfahrens war die Aussage des damaligen Pferdepflegers von Estermann, Zdenek Dusek, dass der Reiter seine Erfolgsstute Castlefield Eclips mit einer Dressurpeitsche gequält habe, bis sie am Bauch blutete. Die zuständige Staatsanwaltschaft konstatierte am Ende der polizeilichen Untersuchungen, „dass der Beschuldigte im April 2016 in Hildisrieden eine Stute mit einer Dressurpeitsche wissentlich und willentlich mehrfach heftig und übermäßig gegen die Flanken und den Unterbauch schlug. Damit sollte ein besseres Trainingsergebnis erzielt werden.“

Der Strafbefehl wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz lautete dann auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 160 Franken und eine Buße von 3600 Franken. Hinzu wären die Verfahrenskosten von rund 1500 Franken sowie Estermanns Anwaltskosten gekommen. Nun muss das Bezirksgericht urteilen.

Das langwierige Verfahren hatte schon erhebliche Konsequenzen. Er startete nicht bei der EM 2017 und musste unmittelbar vor den Weltreiterspielen 2018 in Tryon verzichten.  Werner Muff rückte für ihn ins Schweizer Team nach.

Die offizielle Begründung lautet, Estermanns WM-Pferd Lord Pepsi habe eine leichte Sehnenverletzung, das Risiko eines Einsatzes wäre zu groß gewesen. Equipenchef Andy Kistler hatte allerdings schon angekündigt, wie man reagieren würde, falls vor Tryon noch ein Urteil komme: „Dann müssen wir die Situation neu analysieren.“ Aber man können ja auch nicht jemanden „jahrelang bestrafen, für den nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt“.

Werner Muff wiederum hatte sich vor rund eineinhalb Jahren mit dem Schweizer Verband in einem ganz anderen Fall auf einen Vergleich geeinigt: Nachdem bei den Schweizer Meisterschaft 2015 Schmerzmittel im Organismus seines Pferdes Pollendr gefunden worden waren, wurde ihm der Meistertitel zwar aberkannt, aber Sperre und Bußgeldzahlung wurden aufgehoben. Man wollte einen langen Expertenstreit vermeiden, dessen Ausgang nach Ansicht des Verbandes vor Gericht „in keiner Weise voraussehbar“ gewesen wäre.

Paul Estermann rutschte dadurch übrigens auf den Bronze-Rang hinter Edwin Smits und Steve Guerdat.

Und bei der Europameisterschaft im vergangenen Monat in Rotterdam war Paul Estermann für die Schweiz auch wieder am Start.