Professor setzt Männerfreundschaft mit Poseidon ein Denkmal
Zwei Männerfreund im Stall und darüber hinaus: Ralf und Poseidon Foto: Ralf Radlanski

Professor setzt Männerfreundschaft mit Poseidon ein Denkmal

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Der Mann ist gerade 61 Jahre alt geworden, zweifacher Doktor, gar Professor, Direktor eines Instituts der weltberühmten Berliner Charité und Gastprofessor in San Francisco, Turku und Basel. Im World Doctors Orchestra streicht er das Cello. Von einem solchen Mann erwartet man vieles – aber nicht, dass sein vermutlich bester Freund ein Pferd ist, mit dem er spricht und jeweils den nächsten Schritt in der Halle, auf dem Platz oder im Gelände im wörtlichen Dialog festlegt.

Im Reitstall nannten sie den Reiter, bevor sie ihn genauer kennen lernten, erst einmal Winnetou wegen seiner langen grauen Mähne, die im Galopp seinen Helm umspielte, und so manches Lächeln forderte er heraus, wenn er in der Stallgasse oder auf dem Putzplatz wieder einmal mit seinem schwarzbraunen, großen Wallach diskutierte. Tatsächlich aber heißt er Ralf Radlanski und hat über die von ihm selbst auch so genannte „Männerfreundschaft“ zwischen sich und seinem Poseidon jetzt ein Buch geschrieben. Ein Erinnerungsbuch, denn die Folgen einer Kolik haben auch diese Männerfreundschaft von Mensch und Pferd jäh beendet. „Mach’s gut Großer! Ich komme nach, ich weiß nur noch nicht, wann.“ Das sind die letzen Sätze des Buches.

Wie damit schon klar wird, geht es hier auf 165 Seiten nicht um eine Reitlehre, auch nicht um Erlebnisse im Leistungssport, sondern um sehr persönliche Gedanken und Erlebnisse eines reinen Freizeitreiters. Es ist eine Lektüre fürs Augenzwinkern, eben über eine Männerfreundschaft, bei der einer ein Wallach und der andere ein Wissenschaftler ist – was er immer ausblendet, wenn er in den Stall kommt. Was wohl seine Studenten sagten, wenn sie ihn gesehen hätten bei der alljährlichen Weihnachts-Quadrille: weiße Reithose, Weihnachtsmann-roter Poller und dazu die rote Zipfelmütze mit blinkenden Glühbirnen – aber nicht einfach ruhig mit reitend, sondern  die ganze Zeit im vernehmlichen Gespräch mit seinem Poseidon. Im Buch lässt er ihn sogar, kursiv gedruckt, in wörtlicher Rede antworten, so, wie er sein Pferd verstanden hat.

Ein typischer Dialog, wenn die beiden – nicht immer ohne Zwischenfälle – ausritten?

Frage des reitenden Professors am Rand eines kleinen Sees: „Wollen wir da mal rein?“

Antwort des vierbeinigen Professors: „Erstmal langsam hingehen.“

Eine Männerfreundschaft auf Augenhöhe eben. Das, was sicher auch andere Männer mit ihrem Pferd erleben, wenn sie an die Box im Stall treten und die ganze andere, sonst so wichtige Welt irgendwie ganz schnell sich selbst ausblendet.

(Die Männerfreundschaft mit meinem Pferd Poseidon, Ralf Johannes Radlanski, epubli Verlag, ISBN 978-3-7502-0792-9)