Exklusiv-Interview mit Richard Vogel und David Will: „Richi ist eine echt coole Socke!“
Haben gemeinsam große Ziele: Das Erfolgs-Team David Will und Richard Vogel. Foto: DW

Exklusiv-Interview mit Richard Vogel und David Will: „Richi ist eine echt coole Socke!“

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„Liebe auf den ersten Blick war es nicht“, lacht Richard Vogel. „Bei mir schon!“, hält David Will dagegen. Die beiden Springreiter sind gut drauf. Sie sind im für viele schweren Jahr 2020 richtig durchgestartet, haben sich durch die Corona-Pandemie nicht ausbremsen lassen und im Herbst auf dem Hofgut Dagobertshausen bei Marburg ihre gemeinsame Firma gegründet. Im Exklusiv-Interview mit spring-reiter.de verraten der 23jährige Vogel und sein neuer Geschäftspartner David Will (32), wie es zu der neu gegründete gemeinsamen *Vogel & Will Equestrian GmbH* kam, wer von beiden am Anfang ziemlich skeptisch war, wer die kürzere Zündschnur hat und welche Ziele sie zusammen verfolgen.   

„Sportlich und wirtschaftlich war 2020 sicher mein erfolgreichstes Jahr bisher“, resümiert Vogel über seine noch junge aber schon ziemlich erfolgreiche und beeindruckende Karriere. Über die Weihnachtstage war er zusammen mit seiner Freundin Sophie Hinners ein paar Tage bei der Familie im schwäbischen Binswangen, hatte Zeit, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Der  zweimalige Sieger von Deutschlands U25-Springpokal (2018 und 2019) hat im Corona-Jahr über 125 Springen gewonnen. Darunter viele Siege in CSI3*-Springen wie in Aachen und Lier sowie Goldene Schleifen in CSI4*-Springen in Vilamoura gesammelt. Im November feierte er in Portugal seine Nationenpreis-Premiere und blieb mit seinem niederländischen Wallach Floyo VDL in beiden Umläufen fehlerfrei.  Auch Kollege David Will gehörte mit C Vier zur siegreichen Mannschaft. Mit seinem fehlerfreien Ritt im zweiten Umlauf und starken Nerven trug er genau wie Vogel entscheidend zum Triumph des deutschen Teams bei, zu dem noch Guido Klatte und Jens Baackmann gehörten.

Natürlich hat Corona auch die Pläne des Teams in Dagobertshausen ordentlich durcheinandergewirbelt.  „Aber ich versuche mich nie als Opfer darzustellen, will mich nicht beklagen. Man muss immer schnell versuchen, sich den Gegebenheiten anzupassen“, bringt es Richard Vogel auf den Punkt.  Und am Ende hatte die Auszeit für ihn auch etwas Positives: „Man hatte Zeit für die jungen Pferde, konnte mal alles ordnen.“  Nach dem ersten Lockdown hat er sofort jede noch so kleine Chance genutzt, jedes Turnier mitgenommen, ist am Ball geblieben. Und so kann sich die Erfolgs-Bilanz am Ende wirklich sehen lassen.

Ähnlich erging es David Will. Das Jahr hat auch ihm viel Flexibilität abverlangt. Es mussten Pferde, Schüler und Turniere trotz aller Schwierigkeiten unter einen Hut gebracht werden: „Das war schon eine Herausforderung.  Aber so eine Krise bringt auch Chancen mit sich.“  Am Ende konnte sich das Team Dagobertshausen in der FEI Weltrangliste trotz Corona ordentlich nach vorne arbeiten. So kletterte Richard Vogel von Rang 799 auf  den aktuellen Rang 241, Nicola Pohl von Platz 746 auf  Position 485 und David von Platz 53 auf die 44.  „Wenn ich auf der ersten Liste, also unter den Top 50 der Weltrangliste stehe, bin ich sehr zufrieden“, gibt  David Will offen zu.  Luft nach oben gibt es immer.  

Als es um die künftige Zusammenarbeit der beiden Spitzenreiter ging, musste David Will bei Richard Vogel allerdings schon etwas Überzeugungsarbeit leisten.  „Ich war am Anfang skeptisch, wollte nicht die Kosten eines anderen übernehmen. Ich kam gut in Viernheim klar, hatte einen Stall mit elf Boxen.“  In der Stadt nordöstlich von Mannheim hatte sich Vogel nach seiner  „sehr lehrreichen“ Zeit im Stall von Ludger Beerbaum in Riesenbeck Anfang 2019 selbständig gemacht.  Mit den Erfolgen im Sattel kamen in Viernheim aber auch immer mehr Pferde zu Richard Vogel.  Und am Ende reifte die Erkenntnis, dass „man als Team einfach mehr bewirken kann.“

Dabei hilft auch, dass sich die beiden schon seit über zehn Jahren kennen, sich auf Augenhöhe begegnen, sich respektieren, mögen und schätzen. Und auch wissen, bei wem die Zündschnur manchmal etwas kürzer ist. „Richi ist so ein richtiger Schwabe“, stellt David klar.  Er hält sein Geld zusammen, ist super sparsam, da muss schon mal ein Steigbügelriemen als Gürtel herhalten.  „Und er kann sich schon mal aufregen, wenn die Pflegerin die teuren und nicht die günstigen Zopfgummis kauft“,  verrät der Stallkollege Will. Viel gelacht wird natürlich auch: „Richi ist ein Hallodri, eine richtig coole Socke“, findet David Will, der morgens immer der Erste im Stall ist. Bei Richi tickt schon mal die Uhr und er erscheint auf den letzten Drücker auf dem  Abreiteplatz.  Gewonnen hat er trotzdem.  Auch bei der Aufteilung der Pferde gibt es bei Will und Vogel eine klare Ansage: „Richi bekommt einfach die besten Pferde, damit er gewinnen kann“, lacht David.  Spaß. Tatsächlich tauschen sie mal, wenn der Eine mit einem Pferd nicht weiterkommt, oder der Andere gerade Kapazitäten frei hat.

Mit 26 Pferden und sieben festangestellten Mitarbeitern dreht die junge Firma ein großes Rad. „Wenn wir auf dem Top-Level in diesem Sport erfolgreich sein wollen, brauchen wir auch ein 5-Sterne-Team. Das ist ein Investment in die Zukunft, natürlich auch ein großer Kostenapparat für Jungunternehmer“, erklärt David Will das Vorhaben. Doch Dank der vielen Goldenen Schleifen sind sie zum Beispiel vom wochenlangen Ausflug nach Spanien mit schwarzen Zahlen zurückgekommen. In der näheren Zukunft möchte das Erfolgs-Team die Pferde auch auf 5*-Turnieren satteln. Das Preisgeld macht da dann schon den Unterschied.  

Jetzt hoffen Will und Vogel aber erst einmal  auf ein „hoffentlich normaleres Jahr“ 2021. Darauf, dass sich die Pandemie irgendwann erledigt, sich die Lage auch für die Turniere ab Mitte des Jahres wieder normalisiert. Am 6. Januar geht es für die beiden in die Sonne, ins spanische Oliva und anschließend zur Sunshine Tour mit CSI4*-Springen. Für die Zeit danach stehen CSI5*-Springen mit Fragezeichen, aber auch mit Hoffnung im Turnier-Kalender.  Da würde David Will dann gerne starten.  Und Richi ist eh längst überzeugt.   INTERVIEW UND TEXT: CORINNA PHILIPPS  spring-reiter.de