{"id":68274,"date":"2023-11-27T17:38:23","date_gmt":"2023-11-27T16:38:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=68274"},"modified":"2025-01-11T12:00:47","modified_gmt":"2025-01-11T11:00:47","slug":"wir-wollen-erfolg-aber-nicht-um-jeden-preis-interview-mit-otto-becker-anlaesslich-seines-65-geburtstages-am-kommenden-sonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2023\/11\/27\/wir-wollen-erfolg-aber-nicht-um-jeden-preis-interview-mit-otto-becker-anlaesslich-seines-65-geburtstages-am-kommenden-sonntag\/","title":{"rendered":"\u201eWir wollen Erfolg, aber nicht um jeden Preis!\u201c Interview mit Otto Becker anl\u00e4sslich seines 65. Geburtstages am kommenden Sonntag"},"content":{"rendered":"\n<p>Er mag eigentlich gar nicht daran denken. Daran, dass er in wenigen Tagen einen runden Geburtstag feiert. Otto Becker wird am 3. Dezember 65 Jahre alt. Und an diese Zahl muss sich auch der Bundestrainer erst einmal gew\u00f6hnen. F\u00fcr spring-reiter.de zog der Equipe-Chef der deutschen Springreiter eine \u201eZwischen-Bilanz\u201c seiner letzten 15 Jahre. Im Interview hat der geb\u00fcrtige Franke auch \u00fcber \u201eden richtigen Moment zum Absprung\u201c gesprochen, \u00fcber Olympia 2024 in Paris, \u00fcber gro\u00dfe deutsche Talente, Eigeninitiative und \u00fcber Chancen, die man nutzten muss.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich an die Anf\u00e4nge zur\u00fcckdenke, nach Honkong hatten wir sehr unruhige Zeiten im Springsport. Die ersten anderthalb Jahre, das war wie ein Spie\u00dfrutenlauf. Das m\u00f6chte ich auch so nicht mehr erleben. Dass es nicht einfach wird, war klar, aber nachher war es schon eine richtige Herausforderung\u201c, erinnert sich Otto Becker an seinen rauen Start als Bundestrainer Anfang 2009.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Damals blies dem Springsport ein Sturm der Entr\u00fcstung hart ins Gesicht. Anlass waren Medikationsf\u00e4lle bei den Olympischen Spielen 2008 in Hongkong.&nbsp;So wurde bei Christian Ahlmanns Pferd C\u00f6ster&nbsp;<strong>&#8211;<\/strong>&nbsp;wie bei drei Pferden aus anderen Nationen &#8211; die Substanz Capsaicin gefunden. Das schlug hohe Wellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eErst nach anderthalb Jahren, mit dem Gewinn bei der WM in Kentucky, haben wir erst mal etwas Ruhe reingekriegt. Und konnten endlich mal wieder normal arbeiten\u201c, erinnert sich Becker, der als aktiver Springreiter selbst erfolgreich an drei Olympischen Spielen teilnahm.&nbsp;&nbsp;Blieb er 1992 in Barcelona mit Lucky Luke noch ohne Medaille, wurde er im Jahr 2000 in Sydney mit Cento Mannschafts-Olympiasieger und auch 2004 in Athen sprangen Becker und der Schimmel mit dem deutschen Team aufs Podium, wobei aus Gold Bronze wurde, nachdem Ludger Beerbaum disqualifiziert worden war. Im Jahr 2000 sicherte sich Becker zudem den Sieg im Gro\u00dfen Preis von Aachen und gewann 2002 das Weltcup-Finale in Leipzig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Entscheidung den Job als Bundestrainer anzunehmen und die eigene aktive Karriere an den Nagel zu h\u00e4ngen, hat der Vater dreier T\u00f6chter nie bereut.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eIch habe mit dem Reiten aufgeh\u00f6rt, in dem Jahr, als ich 50 Jahre alt wurde. Das war auch im Nachhinein die richtige Entscheidung. Und ich habe es auch nie bereut. Ich habe das Gl\u00fcck gehabt, mein Hobby zum Beruf zu machen\u201c, erz\u00e4hlt der gelernte Winzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Bundestrainer mischt er heute weiter im Spitzen-Springsport mit. \u201eIch habe auch als aktiver Reiter eine erf\u00fcllte Zeit gehabt. Da ist keine Rechnung offengeblieben. Die letzte haben wir in Barcelona beglichen, damals, 2008, als wir das Nationenpreisfinale gewonnen hatten. Der Sport und speziell der Spitzensport war mir ans Herz gewachsen und als Bundestrainer habe ich eben auch die M\u00f6glichkeit, im Spitzensport zu bleiben. Insgesamt muss ich sagen, waren es sch\u00f6ne 15 Jahre. Das war nat\u00fcrlich auch immer sehr intensiv, aber es hat auch immer viel Freude gemacht. Die sch\u00f6nen und positiven Erfolge \u00fcberwiegen, wir waren oft vorne dabei, haben viele Medaillen gewonnen. Das kann nat\u00fcrlich immer gerne auch noch eine mehr sein, das ist auch klar. Alles klappt nicht. Aber insgesamt bin ich unter dem Strich doch zufrieden\u201c, res\u00fcmiert Otto Becker.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Seine Erfolgsbilanz als Bundestrainer kann sich sehen lassen:<\/strong>&nbsp;Auf Team-Bronze und Einzel-Silber bei den Europameisterschaften 2009 in Windsor folgte die Goldmedaille f\u00fcr das deutsche Team bei den Weltreiterspielen in Kentucky 2010.&nbsp;\u201eDas war schon ein Meilenstein\u201c, erinnert sich Becker heute.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2016 gewann er mit dem deutschen Team Mannschaftsbronze bei den Olympischen Spielen in Rio. Au\u00dferdem holten die deutschen Springreiter unter Beckers \u00c4gide 2011 Team-Gold und viermal Team-Silber bei Europameisterschaften (2013, 2015, 2019, 2021). Dazu kommen etliche Nationenpreissiege u.a. in Aachen. Zu den gr\u00f6\u00dften Einzelerfolgen deutscher Springreiter unter Otto Beckers F\u00fchrung z\u00e4hlen der Gewinn des WM-Titels durch Simone Blum und DSP Alice 2018 in Tryon sowie der Europameistertitel von Andr\u00e9 Thieme mit DSP Chakaria 2021 in Riesenbeck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;\u201e<\/strong>Nat\u00fcrlich ist immer Luft nach oben. Was hei\u00dft, dass wir nat\u00fcrlich auch besser werden wollen. Und gerade wenn wir Richtung Paris n\u00e4chstes Jahr gucken. Wir haben jetzt zweimal etwas Pech gehabt mit den Championaten\u201c, sagt Otto Becker. In Frankreich soll es besser laufen, als bei der WM in Herning 2022 (Platz 5 nach Sturz von Andr\u00e9 Thieme) und der EM in Mailand (Platz 4. nach Verletzung und Ausfall von Marcus Ehnings Stargold) in diesem Jahr.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundestrainer sieht eine sehr positive Entwicklung, weil zum Ende der Saison \u201ealles gut war\u201c. So siegte das deutsche Team beim Nationenpreis in Br\u00fcssel, holte die Mannschaft Silber in Calgary und gewann Team Germany souver\u00e4n das Nationenpreisfinale in Barcelona.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eViele Reiter und Paare haben sich auch im Laufe des Jahres richtig weiterentwickelt. Wenn alle gesund bleiben, blicke ich sehr optimistisch ins n\u00e4chste Jahr Richtung Paris\u201c, res\u00fcmiert der Team-Coach und nennt Beispiele. \u201eWenn wir jetzt mal das Team aus Barcelona nehmen: Bei Jana Wargers fing die Entwicklung letztes Jahr schon an, dann ging es steil nach oben und sie hat die Form gehalten. Auch Christian Kukuk hat eine sensationelle Entwicklung genommen. Bei Richard Vogels erstem F\u00fcnf-Sterne-Nationenpreis in Rom war noch nicht alles Gold, was gl\u00e4nzt, aber wie der sich entwickelt hat \u00fcber den Sommer. Oder Hansi Dreher, der schon nahe an der EM-Truppe dran war, f\u00fcr sich auch noch mal die richtigen Schl\u00fcsse zog und in Calgary und Barcelona super geritten ist.\u201c \u00dcberzeugt haben den Bundestrainer auch die Leistungen von J\u00f6rne Sprehe, die als F\u00fcnfte mit in Barcelona dabei war.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und dann gibt es immer wieder diese kleinen \u00dcberraschungen:<\/strong>&nbsp;Ein Pferd bekommt pl\u00f6tzlich eine Leistungsexplosion, wie Christian Kukuks Checker. \u201eDen habe ich selber f\u00fcnf Jahre im Stall gehabt, den kenne ich in- und auswendig. Was der die letzten drei Monate noch mal gezeigt hat, das war sensationell. Diese Entwicklungen haben mir neben dem Erfolg in Barcelona richtig Spa\u00df gemacht. Das l\u00e4sst auch hoffen f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr, hoffentlich bleiben alle gesund\u201c, denn Otto Becker hat am liebsten ein paar mehr Asse im \u00c4rmel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Losung ist klar:&nbsp;<strong>\u201eWir wollen Erfolg, aber nicht um jeden Preis\u201c<\/strong>, bringt es Otto Becker auf den Punkt. Dazu geh\u00f6re auch die Entscheidung von Marcus Ehning, bei der EM in Mailand nicht mehr zu reiten, weil sein Gef\u00fchl nicht gut war. Sein Stargold hatte sich in der Box verletzt und war danach nicht zu 100 Prozent fit. \u201eWir haben ja auch die Verantwortung dem Pferd gegen\u00fcber. Nat\u00fcrlich war das f\u00fcr das ganze Team bei der EM erst mal hart. Die Reiter, die auf einem Championat reiten d\u00fcrfen, verzichten auf vieles vorher, was Turniere betrifft, wo sie mehr reiten k\u00f6nnen, wo sie vielleicht auch mehr gewinnen k\u00f6nnen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einstellung zu den Nationenpreisen habe sich, so der Bundestrainer, aber nicht ge\u00e4ndert: \u201eDie Reiter sind zum Gl\u00fcck nach wie vor dabei, wollen Nationenpreise reiten, wollen die Championate reiten. Allerdings ist es f\u00fcr die Reiter heute schwieriger. Der Springsport ist richtig global geworden. Es gibt, zum Gl\u00fcck, weltweit viele Turniere, viele Serien. Und das ist schon eine Herausforderung f\u00fcr die Reiter. Es wird immer schwieriger, ein gutes Pferd zu bekommen. Es ist noch schwieriger, es zu behalten. Aber gerade bei so vielen Turnieren braucht man mehrere Pferde. Da sind Management und Planung eine Herausforderung. Nicht nur f\u00fcr uns in Absprache mit den Reitern, sondern auch f\u00fcr die Reiter selbst, allen gerecht zu werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die st\u00e4ndige Kommunikation, der Austausch mit den Reitern, auch wenn mit den Jahren der Altersabstand gewachsen ist, f\u00e4llt Otto Becker leicht.&nbsp;der fr\u00fcher Mitglied der Bundeswehrsportschule in Warendorf war, bevor er l\u00e4ngere Zeit f\u00fcr den Stall Paul Schockem\u00f6hle an den Start ging.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMir hilft, so ganz pauschal, dass ich nat\u00fcrlich als Reiter so ziemlich alle Situationen selbst erlebt habe. In den ersten Jahren war es nat\u00fcrlich schon so, dass ich mit denen unterwegs war, mit denen ich selber lange geritten habe. Jetzt kommen nach und nach viele j\u00fcngere dazu. Die sind offen und ehrgeizig, das macht richtig Spa\u00df. Aber das war auch f\u00fcr mich erst mal eine Umstellung. Das Team, das in Rio war, gab es danach aus verschiedensten Gr\u00fcnden nicht mehr. Von Meredith wurde das Pferd verkauft, Ludger hat keine Nationenpreise mehr geritten, von Daniel Deusser ist das Pferd leider verstorben, von Christian Ahlmann waren die beiden Pferde in die Jahre gekommen. Nur Marcus Ehning ist da \u00fcbrig geblieben. Und auf einmal hatten wir junge Leute mit Simone Blum, Maurice Tebbel und Laura Klaphake. Die haben wir in G\u00f6teborg bei der Euro aufgebaut. Ein Jahr sp\u00e4ter bei der WM in Tryon gab es Team-Bronze und eine sensationelle Gold-Medaille f\u00fcr Simone\u201c, erinnert sich Becker,&nbsp;der fr\u00fcher Mitglied der Bundeswehrsportschule in Warendorf war, bevor er l\u00e4ngere Zeit f\u00fcr den Stall Paul Schockem\u00f6hle an den Start ging.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganz junges Team &#8211; das war damals auch f\u00fcr ihn eine Umstellung. \u201eDa waren auf einmal Trainer, M\u00fctter, V\u00e4ter dabei. Das kannte ich so gar nicht. Davor waren es immer die alten Haudegen, das waren alles Einzelk\u00e4mpfer. Das war schon anders, aber es hat damals richtig Spa\u00df gemacht. Das war mir auch immer wichtig, ich wollte mir nie sagen lassen, ich h\u00e4tte die Jugend nicht gef\u00f6rdert. Es war immer mein Ziel, jungen Leuten eine Chance zu geben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird auch immer mehr. Nehmen wir mal Christian Ahlmann und Daniel Deusser, die in letzter Zeit nicht mehr so oft dabei waren, auch weil es Verletzungspech bei den Pferden gab. Da waren wir dann froh, dass wir Top junge Leute hatten. Das ist ja auch unsere Zukunft. Ein Generationswechsel und ein Umbruch sind langsam da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das deutsche Team ist \u201ekein geschlossener Club\u201c, das betont Otto Becker immer wieder.&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs war mir immer wichtig, dass die Reiter die Chance bekommen, sich zu beweisen. Dass man da wirklich auch als Bundestrainer offen ist\u201c, bringt es Otto Becker auf den Punkt. Und nennt das Beispiel Rene Dittmer, derzeit die Nummer zwei im Worldcup Ranking: \u201eDas war immer klar, dass Rene ein Riesentalent ist. Ich finde es gut, wie er sich jetzt Chancen sucht und nutzt und nicht darauf wartet, dass er vom Bundestrainer eine Startgenehmigung bekommt, sondern selbst die Initiative ergreift, nach Amerika geht und guckt, wo er reiten kann und wo er Weltcup-Punkte sammeln kann. Er hat die Chance genutzt. Ist von den Punkten her qualifiziert, muss jetzt nur in Europa noch einmal punkten, damit das g\u00fcltig wird. Das ist auch genau das, was wir wollen, dass sich die jungen Leute beweisen und Erfahrung sammeln. Und wenn sie akribisch arbeiten, tr\u00e4gt das auch am Ende Fr\u00fcchte.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Immer steht er zusammen mit Co-Bundestrainer Marcus D\u00f6ring den Reitern mit Rat und Tat zur Seite, ber\u00e4t, macht mit ihnen Turnier-Pl\u00e4ne in Vorbereitung auf Nationenpreise oder Championats-Eins\u00e4tze und gibt Tipps, wie bestimmte Ziele zu erreichen sind.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist ein Job, in dem man 24\/7 immer auf Sendung ist. Im Sommer ist es sehr intensiv, weil es da die vielen Nationenpreise gibt, wo ich die Reiter am besten kennen lerne. Ich bin den ganzen Sommer \u00fcber auch f\u00fcnf Tage die Woche unterwegs. Das w\u00e4re das ganze Jahr so nicht durchzuhalten. Das ist wirklich sehr intensiv\u201c, erkl\u00e4rt Otto Becker seinen Job.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders viel Zeit in Anspruch n\u00e4hmen die Startgenehmigungen auf den Turnieren. \u201eIn Deutschland k\u00f6nnen wir benennen, je nachdem um wie viele Sterne es geht. Bei einem 5-Sterne-Turnier k\u00f6nnen wir 20 Prozent der Teilnehmer benennen, bei einem 4-Sterne-Turnier 25 Prozent und bei einem 3-Sterne-Turnier sind es 30 Prozent. Das kostet viel Zeit, weil sich die Reiter erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht bei mir melden, jedenfalls selten. Man muss da immer hinterhertelefonieren. Das mache ich auch. Das ist zwar m\u00fchsam, aber bevor ich nachher Diskussionen habe, rufe ich lieber an\u201c, sagt Becker.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere im Olympia-Jahr 2024 ist der Turnierkalender prall gef\u00fcllt und die genaue Planung eine Herausforderung. \u201eMit der neuen Nationenpreisserie haben wir schon Anfang Februar einen Nationenpreis in Abu Dhabi, der n\u00e4chste ist Ende M\u00e4rz in Ocala. F\u00fcr mich ist die Nationenpreisserie die wichtigste Serie \u00fcberhaupt. Aber trotzdem muss auch die Planung Richtung Paris passen. Wir wollen und d\u00fcrfen die Pferde nicht \u00fcberfordern. Deswegen machen wir auch schon Pl\u00e4ne, wer da in Frage kommt, wer gen\u00fcgend Pferde hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Reitsport hat ein wachsendes Problem mit der Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung, dessen ist auch Otto Becker sich sehr bewusst.&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs gibt ganz generell ein gesellschaftliches Problem mit Tieren. Es werden alle Tiere vermenschlicht. Da ist viel Gutes passiert, die Haltungsbedingungen haben sich verbessert.&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die ganze Diskussion hat nat\u00fcrlich auch viele positive Punkte. Aber es wird nat\u00fcrlich auch oft \u00fcbertrieben. Wir m\u00fcssen mit einem guten Beispiel voran gehen und zum Wohl der Pferde auch mal verzichten. Dies m\u00fcssen wir dann auch transparent r\u00fcberbringen. Fr\u00fcher kannte jeder das Pferd, teilweise noch als Arbeitstier, ganz fr\u00fcher noch aus dem Krieg. Da war das Pferd pr\u00e4senter\u201c, findet Otto Becker. Die heutige Generation kenne Pferde nicht mehr so, habe eine andere Einstellung. \u201eDa k\u00f6nnen wir nur mit den Leuten sprechen, aufkl\u00e4ren und versuchen, ihnen den Sport n\u00e4her zu bringen. Wir m\u00fcssen deutlich machen, dass wir auch unserer Verantwortung den Pferden gegen\u00fcber gerecht werden. Das ist eine Herkules Aufgabe und wird mit Sicherheit nicht einfach.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch weil Kritiker immer h\u00e4ufiger bem\u00e4ngeln, dass der Spitzensport droht, zu stark vom Geld dominiert zu werden.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, die Gefahr ist da. Nat\u00fcrlich wollen die Pferdebesitzer, dass die Pferde dort gehen, wo sie auch viel Geld gewinnen k\u00f6nnen. Die Unterhaltung der St\u00e4lle ist sehr teuer, auch im Reitsport sind die Kosten explodiert, und nat\u00fcrlich will man als Reiter auch bei den Highlights dabei sein. Das Geld spielt eine gro\u00dfe Rolle, aber nat\u00fcrlich darf das auch nicht alles sein.<strong>&nbsp;<\/strong>Auch da<strong>&nbsp;<\/strong>m\u00fcssen wir unserer Verantwortung dem Pferd gegen\u00fcber gerecht werden und da sind wir mit dem Social License auf einem guten Weg\u201c, appelliert der Bundestrainer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und welche Tipps gibt er Nachwuchsreitern auf den Weg nach oben mit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch w\u00fcrde sagen, dass es ein langer, steiniger Weg ist. Dass man Ausdauer braucht, dass man immer versuchen muss, sich weiterzuentwickeln. Und, dass man das Lebewesen Pferd im Auge hat, dem Pferd gerecht wird. Dass man sich Zeit nimmt, das Pferd vern\u00fcnftig ausbildet und in das Pferd hinein h\u00f6rt. Da ist Geduld gefragt, da ist Horsemanship gefragt. Da wird es auch mal einen Schritt zur\u00fcck geben. Aber wenn man dann ruhig bleibt und weiterarbeitet, dann geht es auch wieder einen Schritt nach vorn. Seriosit\u00e4t, Geduld und eine gute Ausbildung werden sich am Ende durchsetzen\u201c, ist sich der Bundestrainer sicher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Kritik von der Springsport-Legende John Whitaker an der jungen Generation, die sich heute kaum noch etwas bei den Profis abguckt, sondern nur noch aufs eigene Handy starrt, teilt Otto Becker.&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr hat es auf den Punkt gebracht. John Whitaker war auch f\u00fcr mich in meiner aktiven Zeit schon ein Vorbild, weil er mit einem Minimum an Aufwand das Maximum erreicht hat. Also nicht Minimum an Aufwand in Form von nichts tun, sondern er ist immer sehr Pferde-schonend geritten. Das hat er wie kein Zweiter gemacht. Die jungen Reiter fr\u00fcher sind zum Abreiteplatz gegangen, bevor das Springen anfing, haben den ersten Startern zugeguckt. Das ist heute in der Masse nicht mehr so\u201c, findet Otto Becker und benennt ein leuchtendes Gegenbeispiel:&nbsp;<strong>\u201eEs ist unglaublich, wie interessiert Richard Vogel ist<\/strong>, er ist da wenn die anderen abspringen, er sieht sich alles an, er ist mit Leib und Seele dabei, der brennt, aber so muss das sein, wenn man Erfolg haben will. Und man muss, wenn Chancen kommen, sie auch ergreifen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch Otto Becker brennt noch immer f\u00fcr den Springsport \u2013 daran \u00e4ndert auch der demn\u00e4chst runde Geburtstag nichts.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch f\u00fchle mich nicht so, als m\u00fcsste ich in Rente gehen oder als w\u00fcrde sich jetzt alles \u00e4ndern. Ich hoffe, dass ich lange fit und gesund bin und alles so weiter machen kann. Es wird auch nie langweilig. Au\u00dferdem habe ich auch noch drei M\u00e4dels, mit denen fahre ich ja auch noch los\u201c, lacht Otto Becker, der mit seiner Familie in Sendenhorst lebt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es f\u00fcr ihn n\u00e4chstes Jahr nach den Olympischen Spielen in Paris weiter geht, wei\u00df er selber noch nicht.&nbsp;\u201eIch hoffe, dass ich den richtigen Moment f\u00fcr den Absprung finde, als Reiter habe ich das geschafft. Das ist auch wichtig, bevor ich die Reiter irgendwann nicht mehr erreiche. Aber noch ist das kein Thema, noch habe ich f\u00fcr mich selber keine Entscheidung getroffen\u201c, gibt er zu. Und schlie\u00dflich geh\u00f6ren zu so einer Entscheidung ja auch noch andere dazu:&nbsp;&nbsp;die Familie, die Reiter, der Verband, alle m\u00fcssten das schlie\u00dflich auch wollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch lasse das im Moment mal alles so ein bisschen auf mich zukommen. Es ist ja noch etwas hin\u201c, wiegelt Otto Becker ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und er erz\u00e4hlt von seinem R\u00fccktritt als Reiter, dem perfekten Moment: \u201eIch dachte immer, wenn der Moment passt, gerade ein Erfolg da ist, dann ist Schluss. Das habe ich aber keinem gesagt. Als dann Ende Oktober bekannt wurde, dass ich Bundestrainer werde, wollte mich jeder auf jedem Turnier aus dem Sport verabschieden. Das wollte ich ums Verrecken nicht\u201c, lacht Otto Becker, der lange einer der erfolgreichsten Reiter Deutschlands war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die German Classics in Hannover fragten an, wollte ihn ehren und zogen hinter den Kulissen die F\u00e4den. Seine Eltern wurden eingeladen, die Besitzer von Cento und auch der Schimmel wurde von der Rentner-Koppel geholt. Niedersachsens Ministerpr\u00e4sident Christian Wulff war da, Hans G\u00fcnter Winkler ebenso. \u201eUnd dann habe ich mich als Letzter f\u00fcr den Gro\u00dfen Preis am Sonntag qualifiziert. War dadurch erster Starter im Gro\u00dfen Preis und war Null. Da hatte ich schon ein komisches Gef\u00fchl. Im Stechen ist mir dann alles gelungen und der Lunatic war ein sehr schnelles Pferd. Als ich raus ritt, kamen mir schon die Tr\u00e4nen. Und die kommen mir bei dem Gedanken fast heute noch. Da war mir klar, das ist der Moment und das war dann auch so. Ich habe den Gro\u00dfen Preis gewonnen, vor Janne Meyer und Carsten Otto Nagel. Und habe dann im selben Moment auch Schluss gemacht. Das hat auch gepasst. Weil bei der Siegerehrung alle da waren. Da war das nat\u00fcrlich eine runde Sache und ich hatte danach nie Entzugserscheinungen, weil ich aufgeh\u00f6rt habe. Vielleicht auch deshalb, weil keine Rechnung offen war. Weil ich so ein Super Ende hatte.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Super Ende als Bundestrainer w\u00fcnschen wir ihm auch\u2026m\u00f6ge es nur, bitte, noch nicht so bald sein\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Alles Liebe, Gl\u00fcck und Gesundheit zum Geburtstag Otto Becker. Und weiter so viel Erfolg mit dem deutschen Team!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Text und Interview: Corinna Philipps&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er mag eigentlich gar nicht daran denken. Daran, dass er in wenigen Tagen einen runden Geburtstag feiert. Otto Becker wird am 3. Dezember 65 Jahre alt. Und an diese Zahl muss sich auch der Bundestrainer erst einmal gew\u00f6hnen. F\u00fcr spring-reiter.de zog der Equipe-Chef der deutschen Springreiter eine \u201eZwischen-Bilanz\u201c seiner letzten &hellip; <a class=\"kt-excerpt-readmore\" href=\"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2023\/11\/27\/wir-wollen-erfolg-aber-nicht-um-jeden-preis-interview-mit-otto-becker-anlaesslich-seines-65-geburtstages-am-kommenden-sonntag\/\" aria-label=\"\u201eWir wollen Erfolg, aber nicht um jeden Preis!\u201c Interview mit Otto Becker anl\u00e4sslich seines 65. 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