{"id":86160,"date":"2025-03-22T17:53:07","date_gmt":"2025-03-22T16:53:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=86160"},"modified":"2025-07-14T21:54:02","modified_gmt":"2025-07-14T19:54:02","slug":"fn-praesident-martin-richenhagen-man-kann-kein-rennen-gewinnen-wenn-man-in-den-rueckspiegel-guckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2025\/03\/22\/fn-praesident-martin-richenhagen-man-kann-kein-rennen-gewinnen-wenn-man-in-den-rueckspiegel-guckt\/","title":{"rendered":"FN-Pr\u00e4sident Martin Richenhagen: &#8222;Man kann kein Rennen gewinnen, wenn man in den R\u00fcckspiegel guckt!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Eigentlich ging es um eine 100-Tage-Bilanz des neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Prof. Martin Richenhagen, beim 10. Liebenberger Pferdeforum. Aber dann wurde es im Historischen Rinderstall des alten Schlosses, das von der DKB-Stiftung restauriert wurde und instand gehalten wird, doch sehr grunds\u00e4tzlich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ich m\u00f6chte Sie abholen in eine etwas positivere Zukunft&#8220;<\/em>, waren die ersten Worte von Martin Richenhagen. <em>&#8222;Die Vision der FN ist: aus Liebe zum Pferde \u2013 im Dienste der Menschen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da stand er nun in dem 145 Jahre alten Raum, sehr aufrecht, dunkler Anzug, frei und ohne Manuskript sprechend und vor allem ohne Angst vor zugespitzten Formulierungen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Die Lage war etwas problematisch, weil die Deutsche Reiterliche Vereinigung einige Jahre unerwartete Verluste erwirtschaftet hatte, und zwar so gr\u00fcndlich, dass 7 Millionen Euro R\u00fcckstellungen auf einmal weg waren. Und als die weg waren, hat das Pr\u00e4sidium auch gemerkt, dass da etwas falsch ist. Und dann ist man nerv\u00f6s geworden und es ist zu einer Kontroverse gekommen, in deren Folge dann einige der ehrenamtlichen und dann auch hauptamtlichen Mitgliedern zur\u00fcckgetreten sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich glaube, das ist ein gesunder Prozess. Ich glaube, dass die Frage, wer ist verantwortlich, schwer rauszufinden ist. Das ist auch nicht mein Job. Ich zitiere gerne Michael Schumacher, man kann kein Rennen gewinnen, wenn man in den R\u00fcckspiegel guckt. Mein Job ist nicht, in den R\u00fcckspiegel zu gucken und zu sehen, was da alles falsch gelaufen ist. Es ist ja f\u00fcr viele ein Hobby geworden, auf der FN herumzuhauen und damit machen wir uns ja selbst das Leben schwer. Wir m\u00fcssen ein bisschen mehr Optimismus verbreiten, und ich m\u00f6chte Sie einladen, mir zu glauben, dass auch bei der FN sich Dinge \u00e4ndern und zwar ganz schnell. <strong>Wir wollen dienstleistungsorientiert sein.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber mit eine Organisation umzusteuern ist etwa so schwer wie das Umsteuern bei einem Tanker:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Es gibt beispielsweise bei der FN Homeoffice. Und es gibt Leute, die sind 100 Prozent im Homeoffice. Da fragt man sich, wie ist das m\u00f6glich? Was machen die eigentlich? Das \u00e4ndern wir. Die Zukunft ist: Wir sind immer f\u00fcr Sie da. Es gibt keine B\u00fcrozeiten mehr.&#8220; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Martin Richenhagen erinnert sich an seinen Dienstantritt in Warendorf:<em> &#8222;Da stand vorne am Aufzug ein Schild, \u00d6ffnungszeiten von bis. Das habe ich erst einmal wegger\u00e4umt. Sie k\u00f6nnen jetzt zur FN kommen, und da wird immer jemand sein, der sich um sie k\u00fcmmert. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die \u00c4nderungsbereitschaft bei der FN ist nicht so besonders hoch, das gibt es viele \u201eJa \u2013 Aberer\u201c. Jeder versucht dann, einen misszuverstehen. Also wurde ich gefragt, was hei\u00dft das: Sieben Tage die Woche, 24 Stunden ge\u00f6ffnet? So \u00fcbertrieben machen wir es nat\u00fcrlich nicht, das kann keiner bezahlen. <strong>Aber wir wollen f\u00fcr Sie da sein, wenn Sie uns brauchen.<\/strong>&#8222;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neue Strukturen der FN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Pr\u00e4sident ver\u00e4ndert erst einmal Strukturen: <em>&#8222;Wir werden die Organisation verkleinern: Es wird in Zukunft zwei Chefs geben bei der FN, einen Vorstandvorsitzenden und eine kaufm\u00e4nnische Vorst\u00e4ndin. Zwei, nicht vier. Darunter wird es sechs Ressortleiter geben. Sechs, nicht zw\u00f6lf. Das Ganze f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu gro\u00dfen Synergien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir wollen die FN und das DOKR zusammenschlie\u00dfen. Dann brauchen wir nicht zwei Buchungskreisl\u00e4ufe, dann brauchen wir nicht zweimal den Wirtschaftspr\u00fcfer im Haus, der die Abschl\u00fcsse pr\u00fcft. Da fallen dann auch ein paar Ehren\u00e4mter weg. Dazu mag es dann auch Diskussionen geben. Aber wir wollen, dass der ganze Apparat effizienter wird.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und was sagen die Mitarbeiter? <em>&#8222;Die Bereitschaft der Mitarbeiter ist hoch. Die Mitarbeiter sind begeistert, dass in Warendorf jetzt ein frisches L\u00fcftchen weht. Wir drehen zur Zeit jeden Stein um.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kein Geld f\u00fcr dicke Firmenwagen und Boni<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wir haben im Jahr 2023 etwa eine Million Euro Verlust erwirtschaftet. Noch einmal. Und dann haben wir gesagt, das muss sich \u00e4ndern. Im vergangenen Jahr haben wir schon mal einen kleinen Gewinn von 130.000 Euro gemacht. Das ist ein Swing. Das Ziel ist, wir m\u00f6chten jedes Jahr 500.000 Euro Gewinn erwirtschaften. Mehr brauchen wir nicht, denn wir sind ja keine Sparkasse. <strong>Wir wollen ja nicht das Geld f\u00fcr uns behalten und investieren in dicke Firmenwagen und Boni und Altersversorgung, \u00a0sondern wir m\u00f6chten, dass das Geld den Reitern, den Reitvereinen, den Z\u00fcchtern zukommt<\/strong> \u2013 durch Schulung, durch neue Ideen f\u00fcr interessante Veranstaltungen\u00a0 &#8211; das sind Dinge, \u00fcber die wir auch in den Vereinen nachdenken m\u00fcssen \u2013 und dann m\u00f6chten wir uns wieder eine Reserve hinlegen von etwa drei Millionen Euro. Daf\u00fcr braucht man ein paar Jahre. Aber das ist wichtig, weil nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass wir wieder einmal in eine Situation geraten k\u00f6nnten wie Corona.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kommt er noch zu einem ganz besonderen Punkt: <em>&#8222;Wir werden das Bundeschampionat alleine veranstalten. Dadurch haben wir keinen Agenten mehr, der bei jedem Sponsor zehn bis zwanzig Prozent einstreicht f\u00fcr sich. Sondern damit k\u00f6nnen wir das Ergebnis verbessern. Wir sind ja keine Turnier-Organisation, das geht also nur, wenn wir alle mit anpacken und mithelfen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Martin Richenhagen analysiert, dann gerade und direkt: <em>&#8222;<strong>Das Image der FN ist angeknackst.<\/strong> Hausdurchsuchungen sind ja etwas, was keiner so gerne hat. Ich wei\u00df ja nicht, bei wem zu Hause das so \u00fcblich ist, bei mir war das eher nicht \u00fcblich Das sind schlechte Nachrichten, und die kann man auch schlecht verkaufen. <strong>Ich kann Ihnen versichern, so etwas wird bei der FN nie mehr passieren.<\/strong> Wir haben das Berichtswesen ge\u00e4ndert. Wir haben Monatsberichte eingef\u00fchrt. Wir wissen jetzt jeden Monat, wie der Monat gelaufen ist, was wir an Liquidit\u00e4t \u00fcbrighaben. So, wie das in jedem ordentlichen Unternehmen \u00fcblich ist.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Unsere Reiterei ist heute feiner als jemals zuvor&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfen Beifall gab es in der Runde, als Martin Richenhagen an Olympia in Paris erinnerte:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Bei den Olympischen Spielen waren ja nicht nur die deutschen Pferde erfolgreich, sondern vor allem auch deutsche Reiter. <strong>Und worauf wir besonders stolz sind, ist die Art und Weise, wie unsere Reiter da geritten sind. Sowohl im Springen als auch im Busch und in der Dressur.<\/strong>&#8222;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt ja eben auch manchmal eine Kehrseite: <em>&#8222;Wir regen uns \u00fcber unsch\u00f6ne Bilder auf, aber Gott sei Dank sind das Ausnahmen. Und\u00a0Gott sei Dank waren die schlimmen F\u00e4lle alle nicht in Deutschland. Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass unsere Bundestrainer bereits vor Jahren angefangen haben, die Richtung zu \u00e4ndern. Unsere Reiterei ist heute feiner als jemals zuvor. <strong>Und unsere Pferde gehen feiner als jemals zuvor.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Darauf soll  sich nicht ausgeruht werden, sondern in die Ausbildung weiter investiert werden: <em>&#8222;Uns geht es bei unserer Ausbildung darum, dass wir einen Schwerpunkt legen auf diese feine Reiterei. Deshalb machen wir auch ein paar Veranstaltungen in Warendorf. <strong>Das Erste in diesem Jahr ist, dass ich alle Kaderreiter einlade, ein paar Top-Richter, die Bundestrainer und dann setzen wir uns zusammen und reden dar\u00fcber, wie wir uns vorstellen, reiten zu wollen.<\/strong> Das Zweites ist eine gr\u00f6\u00dfere Veranstaltung, wo wir uns mit einem gro\u00dfen Kreis von Leuten dar\u00fcber unterhalten wollen, wie auf den Vorbereitungspl\u00e4tzen geritten werden soll.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es waren in beiden F\u00e4llen erst einmal die Dressur-Reiter angesprochen. <em>&#8222;Und was passierte? Dann meldeten sich die Springreiter und fragten, warum unterh\u00e4ltst du dich immer nur \u00fcber Dressur? Weil wir da mehr sichtbare Probleme haben als im Springsport. Aber wir werden auch mit den Springreitern entsprechende Forum-Veranstaltungen machen. Wir werden in Warendorf wieder etwas mehr Leben in die Bude bringen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meinungshoheit und Social licensing<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem durch die Sozialen Medien hat sich viel in der Wahrnehmung der Reiterei ver\u00e4ndert. <em>&#8222;<strong>Wir haben die Meinungshoheit im Reitsport verloren. <\/strong>Heute reden 500 Leute oder noch mehr im Internet und <strong>nur ein ganz kleiner Teil davon ist wirklich qualifiziert.<\/strong> Ich halte das nicht f\u00fcr schlimm. Aber was ich nicht mag, ist dieser Begriff des Social licensing, weil das unterstellt, dass wir die Genehmigung der Gesellschaft brauchen, um reiten zu d\u00fcrfen. Das w\u00fcrde ich gerne umdrehen: Pferde sind ein ganz wichtiges Kulturgut. Ohne die Reiter, die mit viel Engagement, mit viel zeitlichem Einsatz\u00a0und viel Geld sich um diese Pferde k\u00fcmmern, g\u00e4be es in Deutschland keine Pferde mehr. <strong>Die Pferde sind doch etwas, was einem das Herz erw\u00e4rmt. <\/strong>Pferde haben im Vergleich zu uns einen gro\u00dfen Vorteil: Pferde begegnen uns v\u00f6llig vorurteilsfrei. Pferden ist es v\u00f6llig egal, ob Sie viel Geld haben oder wenig. Ob Sie Top-Pferde z\u00fcchten oder ganz normale Durchschnittspferde. Pferde kommen auf Sie zu und sind immer positiv eingestellt. Deshalb sind wir alle dazu angehalten, so mit unseren Tieren umzugehen, dass sie uns verstehen\u00a0und nicht nur wir sie lieben, sondern sie uns auch lieben und respektieren.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber es ist schwer, sich mit der Kritik sachlich auseinanderzusetzen, allein schon, die Kritiker \u00fcberhaupt nur zu kontaktieren. <em>&#8222;Mit den Influencern und Kritikern in den Sozialen Medien sich vern\u00fcnftig zu unterhalten, ist schwer. Die Meisten machen das ja auch anonym. Alle, die sich \u00e4u\u00dfern jahrelang nachdem etwas passiert ist, den kann es ja gar nicht um das Pferd gehen. Denn dann h\u00e4tten sie sofort reagiert.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der pr\u00e4sidiale Auftritt, direkt und ohne Attit\u00fcde, lie\u00df im Publikum die Hoffnung wachsen, dass es was werden k\u00f6nnte mit der von ihm prognostizierten besseren Zukunft. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ging es um eine 100-Tage-Bilanz des neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Prof. Martin Richenhagen, beim 10. Liebenberger Pferdeforum. 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