{"id":88876,"date":"2025-06-18T17:38:12","date_gmt":"2025-06-18T15:38:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=88876"},"modified":"2025-07-14T21:45:09","modified_gmt":"2025-07-14T19:45:09","slug":"man-muss-auch-schon-ein-bisschen-frech-sein-exklusiv-interview-mit-marco-kutscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2025\/06\/18\/man-muss-auch-schon-ein-bisschen-frech-sein-exklusiv-interview-mit-marco-kutscher\/","title":{"rendered":"\u201eMan muss auch schon ein bisschen frech sein.\u201c Exklusiv-Interview mit Marco Kutscher"},"content":{"rendered":"\n<p>Die besten Dinge im Leben passieren meist unerwartet:&nbsp;Marco Kutscher hat es erlebt. Noch vor rund anderthalb Jahren ging der Doppel-Europameister und Olympia-Bronze-Medaillen-Gewinner im Interview mit spring-reiter.de nicht davon aus, dass er noch einmal hoch erfolgreich auf 5*-Niveau mitmischen w\u00fcrde. Der 50-J\u00e4hrige wurde eines Besseren belehrt.&nbsp;Der begnadete Reiter und Ausbilder junger Pferde ist zur\u00fcck auf der gro\u00dfen internationalen 5*-B\u00fchne. Im Mai gl\u00e4nzte er im Sattel von Aventador S als Zweiter im Grand Prix in Madrid, heimste Top-Platzierungen in Bordeaux, Mexiko, Cannes und Hohen Wieschendorf ein und verst\u00e4rkt das Team Riesenbeck International bei der Global Champions League. K\u00fcrzlich wurde Marco Kutscher zudem in den Springausschuss berufen \u2013 weil seine Meinung z\u00e4hlt, seine Expertise Gewicht hat. Wir haben mit dem Stilisten im Springsattel \u00fcber die Risikobereitschaft, \u00fcber gro\u00dfe Konkurrenz und die Ver\u00e4nderungen im Springsport und \u00fcber seinen neuen Sportpartner Mumbai gesprochen. Und Marco Kutscher hat verraten, welchen Traum im Westernsattel er gerne noch mal verwirklichen m\u00f6chte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Vor rund zwei Jahren hast Du im Interview mit spring-reiter.de gesagt: \u201eIch habe in meinem Leben so viel mehr erreicht, als ich mir als Kind und Jugendlicher jemals ertr\u00e4umt h\u00e4tte, und ich bin mit mir selbst zufrieden und im Reinen. Meine Laune h\u00e4ngt nicht davon ab, ob ich jetzt nochmal auf 5* Niveau oder in Nationenpreisen oder in Richtung Championat unterwegs bin. Wenn das so w\u00e4re, nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich es dann auch gerne machen, aber wenn nicht, dann ist das auch ok.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher grinst<\/strong>: \u201eJa genauso ist es ja auch gekommen. Ich habe schon im letzten Jahr mit Karajan, der leider derzeit verletzungsbedingt fehlt, wieder ein Pferd gehabt, mit dem ich auf dem Niveau mitmachen konnte. Aventador war ja auch schon l\u00e4nger gut, dann haben wir ihn kastrieren lassen und er ist auch eine Zeit lang ausgefallen. Aber jetzt ist er doch seit geraumer Zeit sehr stabil und konstant und hat tolle Sachen dieses Jahr gemacht. Das hat sich so ergeben, das war damals nicht so absehbar. Das w\u00fcrde ich heute auch wieder genauso unterschreiben. Wenn es sich ergibt und man die passenden Pferde hat, dann macht das ja auch Spa\u00df, aber wenn mal irgendwann der Tag kommt, wo das nicht mehr der Fall ist, dann werde ich auch ziemlich schnell die Kurve kriegen, glaube ich.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was bedeutet dir heute so ein zweiter Platz im Grand Prix in Madrid?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher:<\/strong> \u201eSehr viel. Ich hatte ja eine sehr erfolgreiche Zeit, wo ein zweiter Platz auch oft entt\u00e4uschend war. Mit den Jahren und den Erfahrungen lernt man dann auch, diese Art Pferde zu sch\u00e4tzen, und auch solche Erfolge, auch wenn es ein zweiter oder dritter Platz ist. Bei mir h\u00e4ngt es auch noch so ein bisschen davon ab, wie es dazu gekommen ist. Ob es einfach gewesen w\u00e4re zu gewinnen, ob ich als Reiter etwas falsch gemacht habe. <strong>Aber wenn ich f\u00fcr mich das Gef\u00fchl habe, ich habe das Optimum rausgeholt, dann finde ich, lernt man auch mit der Zeit, zufrieden zu sein.<\/strong> Wenn man dann lange auch nicht auf diesem Niveau geritten ist und einem zwischendurch dann so etwas mal gelingt, dann ist das f\u00fcr alle, das Team zu Hause, f\u00fcr die Besitzer auch motivierend und tut ja dann auch gut. Und f\u00fcr einen selber nat\u00fcrlich auch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vor 21 Jahren war das noch anders: 2004 sicherte sich geb\u00fcrtige Ostfriese mit Montender die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Athen \u2013 und sprang auch mit der Mannschaft auf Platz drei. 2005 setzten Kutscher und Montender noch einen drauf: Das Paar wurde Doppel-Europameister.&nbsp;Auch 2011 geh\u00f6rte Kutscher mit Cornet Obolensky zum siegreichen Team Deutschland bei der Europameisterschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was macht Dir heute mehr Spa\u00df, junge Pferde auszubilden oder Sonntag im Grand Prix zu reiten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher \u00fcberlegt kurz<\/strong>: \u201e50:50, w\u00fcrde ich sagen. Ein junges Pferd, das Potential hat, das lernf\u00e4hig und lernbegeistert ist, mit dem man sich Ziele wie die Bundeschampionate setzt, und wenn das dann funktioniert, dann macht mir das genauso viel Spa\u00df, wie mit einem erfahrenen Pferd auf h\u00f6herem Niveau erfolgreich zu sein. Am Ende ist es ja irgendwie die t\u00e4gliche Arbeit, die einem bei einem jungen Pferd eher das Gef\u00fchl gibt, dass man schneller vorankommt. Bei einem bereits ausgebildeten Pferd geht es ja oft nur noch um Kleinigkeiten, die aber dann aufgrund des Alters und der vielleicht nicht mehr so ganz vorhandenen Lernf\u00e4higkeit etwas l\u00e4nger dauern k\u00f6nnen. Da ist der Progress bei jungen Pferden deutlich schneller. Das macht einfach Spa\u00df, ich reite sehr gerne auch zu Hause. <strong>Wenn ich mal ein Wochenende kein Turnier habe, bekomme ich keine Depressionen. <\/strong>Mir macht einfach die Arbeit mit den Pferden Spa\u00df. Und wenn es talentierte gute Pferde sind, dann ist mir das Alter eigentlich egal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie bist Du zu Christian Kukuks Championatspferd Mumbai gekommen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eLudger hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich ihn reiten m\u00f6chte. Ich kenne das Pferd nat\u00fcrlich seit Jahren, habe ihn auf vielen Turnieren und Championaten gesehen. Vor zwei Monaten hat Ludger dann angerufen und gefragt, ob ich Platz und Zeit h\u00e4tte, Mumbai zu reiten. Da habe ich nat\u00fcrlich nicht nein gesagt, so ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Pferd zu probieren. Gerade in meiner Situation, wo ich \u00fcber nicht sehr viele vollj\u00e4hrige Pferde verf\u00fcge. Ich habe sehr gute junge Pferde. Ich habe drei sehr gute siebenj\u00e4hrige Pferde. Aber dann ist da so ein bisschen ein Loch. Ich habe Avenatdor und Catelly. Aber wenn ich dieses Jahr die Chance habe, bei der Global Tour mitzumachen, dann kann man nicht gen\u00fcgend \u00e4ltere Pferde haben. Von daher war ich sehr froh und dankbar, dass Ludger mich gefragt hat. Das habe ich nat\u00fcrlich gerne angenommen und versuche, das Beste draus zu machen. Bis jetzt f\u00fchlt sich das auch sehr gut an. Ich bin Mumbai erst mal viele kleinere Pr\u00fcfungen geritten. Bei den Deutschen Meisterschaften war es das erste Mal, wo es so ein bisschen um mehr ging. Daher habe ich mich auch bewusst f\u00fcr die DM in Balve entschieden. Weil man mal zwei Parcours hintereinander bestreiten muss, man dann einen Tag Pause hat und dann Sonntag noch mal.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende schlossen Marco Kutscher und Mumbai ihre erste gemeinsame Deutsche Meisterschaft auf Platz 12 ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Macht es Dir Spa\u00df, im Team zu reiten?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>:  &#8222;Ja, das macht schon Spa\u00df. Vor allem, wenn man in so einem Team reitet wie Team Riesenbeck. Da ist schon eine andere Motivation dahinter. Der Spirit, der in diesem Team herrscht, ist enorm, und das spornt nat\u00fcrlich an. Das hat mich damals schon, als ich noch f\u00fcr Ludger gearbeitet habe, angespornt. Das soll jetzt nicht negativ klingen, den anderen Teams gegen\u00fcber. Aber bei Riesenbeck International liegt der Fokus schon sehr, sehr stark auf der Team-Geschichte, auch wenn es f\u00fcr uns dieses Jahr noch etwas ungl\u00fccklich l\u00e4uft. Aber die sind nat\u00fcrlich auch sehr erfolgsverw\u00f6hnt die letzten Jahre. Da lief es bei denen ja wie geschnitten Brot. Dass das nicht immer so weiter geht, ist auch klar. Aktuell ist das Gl\u00fcck noch nicht so richtig auf unserer Seite. Wir haben fast Halbzeit, da ist ja auch noch einiges m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>F\u00fcr ein Team zu reiten kann schon mehr Druck bedeuten. Kannst Du gut mit Druck umgehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher:<\/strong> \u201e<strong>Mit Druck muss man leben. Wenn einem das zu viel ist, dann ist man auf diesem Niveau vielleicht nicht an der richtigen Stelle.<\/strong>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Muss man heute Grenzen ausloten, um erfolgreich zu sein und ganz vorne mitzumischen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eDas ist schon immer so gewesen, in allen Sportarten. Oft ist es ja auch eine Kopfsache, die am Ende entscheidend ist, und es geht um die Risikobereitschaft. Wenn wir jetzt mal die Formel-Eins nehmen, da wird am Ende auch nicht der gewinnen, der bedachter f\u00e4hrt oder den anderen vorl\u00e4sst.&nbsp;<strong>Man muss auch schon ein bisschen frech sein.<\/strong>&nbsp;Alles, was innerhalb der Grenzen ist, ist absolut ok. Klar sind gerade die j\u00fcngeren Kollegen auch etwas risikobereiter. Ich werde ja auch \u00e4lter und das merke ich auch. Und wenn ich im Stechen bin und oder mir ein Stechen meiner Kollegen anschaue und ich \u00fcberlege, wie h\u00e4tte ich das jetzt gemacht, da denkst du auch, diese Distanz h\u00e4ttest du jetzt nicht genommen und vielleicht h\u00e4ttest du auch einen Galoppsprung mehr gemacht. Dann h\u00e4ttest du am Ende auch nicht gewonnen. Die Risikobereitschaft, die muss dann auch irgendwie vorhanden sein, wenn man am Ende ganz vorne sein will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Nimmt diese Risikobereitschaft mit dem Alter ab?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher lacht<\/strong>: \u201eIn meinem Fall w\u00fcrde ich sagen ja. Ich wei\u00df ja nicht, wie es bei anderen ist. Aber da \u00fcberlegt man schon mal, man hat ja auch das eine oder andere erlebt, den einen oder anderen Sturz erlebt. Das ist aber ganz normal. Da lebe ich mit und das finde ich auch \u00fcberhaupt nicht schlimm.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gef\u00fchlt geht es in diesem Sport ja immer mal bergauf und auch mal wieder bergab und die Konkurrenz wird gr\u00f6\u00dfer\u2026<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eJa, das ist so. Da muss man am Ball bleiben, versuchen, sich junge Pferde aufzubauen. Ich bin auch darauf angewiesen, dass mir fremde Leute ihre Pferde in Beritt geben. Ich habe auch ein paar Beteiligungen und ein paar eigene Pferde, aber das h\u00e4lt sich in Grenzen. Die Anfragen gehen zur\u00fcck, das merke ich auch. Das ist deutlich weniger geworden. Es gibt auch mittlerweile andere, junge Leute in Deutschland, die unheimlich erfolgreich sind, die dann im Moment IN sind und wo man dann die Pferde hingibt. Das ist der Markt. Das w\u00fcrde ich als Besitzer vielleicht genauso entscheiden, wenn ich die Auswahl h\u00e4tte, was mache ich jetzt mit meinem Pferd, wem gebe ich das Pferd. Was ist das Ziel? Auch da schl\u00e4ft die Konkurrenz nicht auf dem Baum und die ist da. Es ist ein K\u00e4mpfen um die jungen Pferde. Viele werden auch schon sehr jung verkauft, weil die \u00e4lteren Pferde so teuer geworden sind. Aber auch die jungen Pferde liegen im Vergleich zu dem, was sie vielleicht schon gemacht haben, oft \u00fcber dem Preis. Weil auch die Hoffnung mit verkauft wird, dass es vielleicht mal in die Richtung gehen k\u00f6nnte. Da muss man den Z\u00fcchter und Besitzer auch verstehen, es ist alles so teuer geworden, dass man dann oft nicht den ganz langen Weg gehen kann. Man muss es sich auch leisten k\u00f6nnen zu warten, bis ein Pferd neun oder zehn Jahre alt ist, um es dann erst zu verkaufen. Das ist verst\u00e4ndlich, das Risiko ist ja auch da. Dass sich das Pferd verletzt oder es sich sportlich doch nicht so entwickelt, wie man das in jungen Jahren vielleicht erwartet.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie hat sich der Sport in den letzten Jahren ver\u00e4ndert? Findest Du, dass sich der Sport in die richtige Richtung entwickelt?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eEine sportliche Entwicklung ist auf jeden Fall da, wenn ich mir jetzt die Parcours anschaue, da hat sich in den Jahren vieles ver\u00e4ndert. Die Anforderungen sind h\u00f6her geworden, die Konkurrenz ist gr\u00f6\u00dfer geworden. Und es gibt auch immer mehr 4- und 5-Sterne Turniere. Trotzdem ist es sehr schwer, wenn man nicht gerade ganz vorne in der Weltrangliste ist, auf diese Turniere zu kommen. Deshalb ist es in meinem Fall jetzt auch ein Segen, dass ich die Global Tour reiten darf, weil ich sonst gar nicht auf dieses Niveau kommen w\u00fcrde. Es sei denn, man bekommt in Deutschland mal die Chance wie in Hamburg oder Wiesbaden. Dann gibt es ja sehr, sehr viele Turnier im 2-Sterne Bereich. <strong>Aber die guten nationalen Turniere, die sind deutlich weniger geworden, die l\u00e4ndlichen Turniere, wo die Basis ja nun mal herkommt. Das ist ein Riesen-Problem. <\/strong>Das hat aber auch mehrere Gr\u00fcnde: Die Vereinsstrukturen haben sich ver\u00e4ndert, da sind nicht mehr so viele Leute am Sport interessiert. Und es fehlt an den Helfern, die so ein Turnier ausrichten, alles vorbereiten, Kuchen und Kaffee mit verkaufen, diese ganzen Leute, die das ehrenamtlich machen, die fallen in den Vereinen oft weg. Und dann bleibt es am Ende an nur wenigen Leuten h\u00e4ngen, die dann umso mehr machen m\u00fcssen. Auch das Niveau hat sich in den letzten Jahren durch Reitsport-Zentren wie Peelbergen,\u00a0Opglabbeek und Riesenbeck &#8211; wo die Bedingungen, egal ob\u00a0bei Wind, Sonne oder Regen, einfach unheimlich gut sind &#8211; ver\u00e4ndert. Wenn ich dann auf ein l\u00e4ndliches Turnier fahre, wo das vielleicht alles nicht so ist, da sind die Unterschiede auch mal gro\u00df. Aber das ist auch klar, wie soll so ein Verein da auch mithalten k\u00f6nnen, das f\u00e4ngt bei den B\u00f6den an und h\u00f6rt bei den Hindernissen auf. Diese Entwicklung kann einem sicher Sorgen bereiten, ja.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du bist neues Mitglied im Springausschuss \u2013 wie kam es dazu und wie siehst Du Deine Rolle?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eNach dem Ausscheiden von Michael R\u00fcping im Springausschuss bin ich gefragt worden, ob ich das machen m\u00f6chte. Ich wurde zu mehreren Posten u.a. dem Aktivensprecher gefragt, und da habe ich \u00fcberall abgesagt. Aber man kann auch nicht nur nein sagen, und man m\u00f6chte in diesem Sport vielleicht auch mitgestalten. Bei dieser Aufgabe ist es nun so, dass sich mein Aufwand in Grenzen h\u00e4lt. Ich bin sowieso auf vielen Turnieren selber vor Ort, und wenn nicht, kann ich mir die Ritte der Kollegen auch auf ClipMyHorse anschauen. Es geht darum mitzuentscheiden, wer vielleicht zum Championat geht. Zumindest kann ich meine Meinung dazu abgeben. Da stehe ich voll dahinter und das mache ich auch gerne. Aber nat\u00fcrlich muss ich auch gucken, wenn ich andere Aufgaben annehme, dass ich mich nicht verzettele und ich nicht auf zu vielen Hochzeiten herumtanze. Ich habe ja nach wie vor einen Betrieb, den ich zu f\u00fchren habe, und der verlangt auch sehr viel von mir. Der Aufwand f\u00fcr den Springausschuss ist \u00fcberschaubar. Und als interessierter Sportler schaut man sich ja sowieso die Kollegen mit an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du bist auch noch Juror beim Goldenen Sattel und Trainer bei der Rolex Academy\u2026<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eDas ist mal etwas anderes vom Alltag. Da geht es ja in Leipzig nur um den einen Nachmittag und nat\u00fcrlich um die Vorauswahl der Reiter, die ich mit aussuche. Es werden Vorschl\u00e4ge gemacht von den Landesverb\u00e4nden. Und dann schaut man sich die Reiter an. Viele kennt man ja auch. Wenn man sie nicht kennt, schaut man sich Videos von den Reitern an und entscheidet dann, wer die vier Kandidaten sind, die um den Goldenen Sattel an den Start gehen. Der Aufwand ist sehr gering. Mit der Rolex Academy kommen dann teilweise junge Leute zu mir, die dann auch mal einen l\u00e4ngeren Zeitraum bei mir sind, je nachdem wie es passt. Meist geht es dann nicht unbedingt um das Parcoursspringen, das k\u00f6nnen die Meisten sehr gut. Meist geht es eher um Hilfestellungen, zum Beispiel bei der Grundausbildung oder der Dressur-Arbeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie siehst Du die Entwicklung &#8211; viele Nachwuchsreiter k\u00f6nnen sehr gut einen 5* Parcours absolvieren, aber keine jungen Pferde mehr ausbilden, weil die Basics fehlen\u2026<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kuscher<\/strong>: \u201eDas ist sicher so, das sind zwei Paar unterschiedliche Schuhe. Nat\u00fcrlich sollte ein guter Reiter auch ein junges Pferd ausbilden k\u00f6nnen. Aber es kann auch nicht das Kriterium sein, dass ein Reiter das machen muss. Deshalb sind ja auch die \u00e4lteren Pferde so begehrt und auch so teuer. Mit einem ausgebildeten Pferd bedarf es eben anderer Qualit\u00e4ten, als ein junges Pferd auszubilden. Das ist etwas anderes und damit tun sich auch einige Reiter schwer. <strong>Aber am Ende des Tages muss man ja schon sagen, dass die Qualit\u00e4t des Reitens sich in den letzten Jahrzehnten unheimlich entwickelt hat.<\/strong> Wie viele Reiter es einfach gibt auf dieser Welt, die unheimlich rhythmisch und gut schwere Springen reiten k\u00f6nnen. Das war vor 30 Jahren noch nicht so. Das geht nat\u00fcrlich nach unten durch. Ob das jetzt der Children-Sport ist oder bei den Junioren, wieviel die da auch schon international unterwegs sind, bei Championaten und bei Nationenpreisen. Wie sich dieser Sport entwickelt hat und was da verlangt wird, von den Reitern und nat\u00fcrlich auch von den Pferden.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ist es heute ein sehr elit\u00e4rer Sport, was denkst Du?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eWenn man diesen Zirkus mitmachen m\u00f6chte, muss man schon finanzstark sein. Sonst wird das schwierig. Das hei\u00dft aber im Umkehrschluss nicht, dass es ein Reiter nicht auch schaffen kann, wenn er Talent hat und einfach reiten kann. Am Ende setzen sich die Talente dann auch irgendwie durch. <strong>Es ist ja auch kein Muss, dass man als Children- oder Junioren-Reiter Championate oder Nationenpreise geritten sein muss, um in diesem Sport zu bestehen oder nach oben zu kommen.<\/strong> Sicherlich ist es nicht mehr ganz so einfach, wie es vielleicht mal war. Aber die Chance besteht. Wenn man dranbleibt und einfach gut reitet, kann man aus den Pferden dann auch vielleicht mehr rausholen, als andere, die ein besseres Pferd ben\u00f6tigen.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Eigenschaften sind Dir bei Deinen Pferden besonders wichtig?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher:<\/strong> \u201eIch hatte das Gl\u00fcck in meiner Karriere, dass ich viele au\u00dfergew\u00f6hnliche Pferde reiten durfte. Auch wenn ich mit Cash nie auf einem Championat war, dennoch war er so ein Pferd, der auch heute noch super w\u00e4re f\u00fcr viele Gro\u00dfe Preise. Pferde, die einfach funktionieren, die nicht kompliziert und guckig sind, die auf jedem Platz dieser Welt &#8211; ob in Aachen oder Calgary oder in einer Halle &#8211; einfach \u00fcberall gleich sind. Unerschrocken, mutig, gute Reiteigenschaften mit den Qualit\u00e4ten, die ein Springpferd am Ende ausmachen. Mut ist nat\u00fcrlich unheimlich wichtig. Verm\u00f6gen schadet nat\u00fcrlich auch nicht, aber mit der richtigen Einstellung kann ein Pferd am Ende unheimlich viel wettmachen. Die m\u00fcssen <strong>einfach<\/strong> springen, das ist das A und O. Wenn ein Pferd aufw\u00e4ndig springt, dann sieht das vielleicht spektakul\u00e4r aus, aber wenn ein Pferd einfach springen kann und den Mut hat, dann wachsen die oft in die Aufgaben rein. Nat\u00fcrlich kann auch ein am Anfang sch\u00fcchternes Pferd in die Aufgaben hineinwachsen, aber dann muss man sich auch die Zeit nehmen. Auch vielleicht mal auf einen anderen Platz fahren, wo es andere B\u00f6den und Hindernisse gibt. Die Pferde k\u00f6nnen das auch lernen. Grunds\u00e4tzlich ist Mut aber unheimlich wichtig.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welchen Reitern siehst Du heute selber gerne zu?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eWir haben ja viele au\u00dfergew\u00f6hnlich gute Reiter in Deutschland. Generell geh\u00f6re ich zu der Generation Daniel Deusser, Christian Ahlmann und Marcus Ehning. Das sind Kollegen, mit den ich seit Jahren zusammen bin und mit denen ich auch privat sehr gut befreundet bin. Das sind alles schon au\u00dfergew\u00f6hnliche Reiter. Den schaue ich auch unheimlich gerne zu.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Z\u00fcchtest du auch selber?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher:<\/strong> \u201eNee, gar nicht. Ich habe schon mal das ein oder andere Fohlen gekauft, das hat mal gut, mal nicht so gut geklappt. Meistens mache ich das dann mit Freunden zusammen, die die M\u00f6glichkeiten haben, so ein Pferd mit aufzuziehen. Ich finde es immer schwierig, wenn es nicht in den eigenen H\u00e4nden ist. Da gibt man so ein Pferd irgendwo weg, damit tue ich mich schwer. Und der Weg ist dann doch sehr weit. Ich versuche dann lieber, wenn es irgendwie geht, ein junges Pferd zu kaufen, wenn es vierj\u00e4hrig ist, wo man sich dann zumindest schon mal draufsetzen kann. Da kann ich schon viele Kriterien ausschlie\u00dfen und gucken, wie sich das Pferd anf\u00fchlt.&nbsp;<strong>Ich finde ja auch jedes Fohlen s\u00fc\u00df<\/strong>, aber da kann ich nicht reinschauen, und die R\u00f6ntgen-Bilder kann ich auch noch nicht machen. F\u00fcr mich ist es sinnvoller, ein vierj\u00e4hriges Pferd zu kaufen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du hast ein paar tolle Nachwuchspferde \u2013 darunter auch einen 7-j\u00e4hrigen Nachkommen von Holger Wulschners Diamant de Plaisir, Direct-to?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher:<\/strong> \u201eJa, der kommt aus der gleichen Zuchtst\u00e4tte wie Policeman und auch Peacemaker. Dieser hier, der hat unheimlich viel Geist, als Hengst war er teilweise aber etwas \u00fcbermotiviert. Bevor ich den bekommen habe, habe ich gesagt, ich glaube, es ist besser, den zu kastrieren. Das hat dem Pferd auch, glaube ich, gut getan. Im Umgang ist er super artig, im Parcours hat er schon ein bisschen Geist, aber sehr positiv.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Haben Direct-to und auch Aventador S durch das Legenlassen nichts an ihrer Motivation verloren?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher grinst<\/strong>: \u201eNee, das glauben ja immer viele. Im Umkehrschluss d\u00fcrfte dann ja kein Wallach springen. Das habe ich bis jetzt noch nicht erlebt, dass die Hengste an Qualit\u00e4t verloren haben, im Gegenteil, f\u00fcr einige ist es ja ein Segen, dass sie kastriert werden. Wenn die nicht decken und als Hengst nicht entspannt sind, tut man den Tieren nur einen Gefallen. Im Umgang, im Stall auf den Turnieren, beim Transport. F\u00fcr alle Beteiligten ist es deutlich einfacher und f\u00fcr das Pferd vor allem.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wenn Du einen Moment in Deiner Karriere noch einmal erleben k\u00f6nntest, welcher w\u00e4re das?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher<\/strong>: \u201eIch hatte nat\u00fcrlich das Gl\u00fcck, so Einiges erleben zu d\u00fcrfen. Da war die Europameisterschaft in San Patrignano sicher etwas ganz Besonders. Aber auch die Olympischen Spiele in Athen. Der Gewinn der Goldmedaille, die ja sp\u00e4ter dann zu einer Bronze-Medaille Gott sei Dank noch wurde, das war etwas besonders. Zu dem Zeitpunkt habe ich das alles gar nicht so richtig realisiert, was da so passiert ist. Wir waren ja nun mal ein paar Wochen Olympia-Sieger und das war geil.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(Urspr\u00fcnglich gewann Marco Kutscher zusammen mit seinen deutschen Kollegen in Athen Mannschafts-Gold, die Goldmedaille musste aber durch die Disqualifikation von Ludger Beerbaum nachtr\u00e4glich an die Mannschaft der US-Amerikaner abgeben werden. Die Deutschen wurden auf den dritten Platz gesetzt.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was steht noch auf Deiner Bucket List?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marco Kutscher \u00fcberlegt nicht lange<\/strong>: \u201eIch habe keine Bucket List und h\u00e4tte ich eine, w\u00fcrde nichts draufstehen. Ich nehme alles so, wie es kommt, und ich bin rundum zufrieden. Ich habe bisher Riesengl\u00fcck in meinem Leben gehabt. Daher ist da nichts offen. Oder doch: Eine Sache vielleicht\u2026Ich bin ein riesiger Fan der Yellowstone Serie. Ich war so begeistert von dieser Landschaft.&nbsp;<strong>Irgendwann m\u00f6chte ich mal auf einem Westernpferd im Westernsattel ein paar Wochen durch Yellowstone reiten<\/strong>. Das w\u00fcrde ich sehr gerne mal machen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Text und Interview: Corinna Philipps<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die besten Dinge im Leben passieren meist unerwartet:&nbsp;Marco Kutscher hat es erlebt. Noch vor rund anderthalb Jahren ging der Doppel-Europameister und Olympia-Bronze-Medaillen-Gewinner im Interview mit spring-reiter.de nicht davon aus, dass er noch einmal hoch erfolgreich auf 5*-Niveau mitmischen w\u00fcrde. Der 50-J\u00e4hrige wurde eines Besseren belehrt.&nbsp;Der begnadete Reiter und Ausbilder junger &hellip; <a class=\"kt-excerpt-readmore\" href=\"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2025\/06\/18\/man-muss-auch-schon-ein-bisschen-frech-sein-exklusiv-interview-mit-marco-kutscher\/\" aria-label=\"\u201eMan muss auch schon ein bisschen frech sein.\u201c Exklusiv-Interview mit Marco Kutscher\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":88884,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,66],"tags":[],"class_list":["post-88876","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-interviews"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"de","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88876","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88876"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88876\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/88884"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}