{"id":95806,"date":"2026-02-27T18:06:13","date_gmt":"2026-02-27T17:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=95806"},"modified":"2026-03-02T16:58:21","modified_gmt":"2026-03-02T15:58:21","slug":"ich-hoffe-dass-ich-es-irgendwann-auch-auf-die-grosse-tafel-beim-chio-aachen-schaffe-interview-mit-tom-schewe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2026\/02\/27\/ich-hoffe-dass-ich-es-irgendwann-auch-auf-die-grosse-tafel-beim-chio-aachen-schaffe-interview-mit-tom-schewe\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich hoffe, dass ich es irgendwann auch auf die gro\u00dfe Tafel beim Chio Aachen schaffe!&#8220; Interview mit Tom Schewe"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eChancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift\u201c, wusste schon der chinesische Philosoph Sunzi. Tom Schewe hat das Prinzip der maximalen Chancenverwertung fr\u00fch verinnerlicht. Aus einer Nicht-Reiter-Familie stammend, musste er schon als Kind f\u00fcr seine Passion, den Springsport, k\u00e4mpfen. Half im Reitstall in der N\u00e4he aus, um sich Springstunden zu verdienen, ritt Ponys, die sonst keiner reiten wollte. 17-j\u00e4hrig gewann er als quasi Senkrechtstarter \u00fcberraschend f\u00fcr ihn und alle anderen das Salut-Festival in Aachen und wurde Hallen-Champion bei den Junioren. Und das, obwohl der Wallach&nbsp;Qatar D&#8217;Hof-Ten-Bos (v. Caesar van de Helle) als schwierig galt.&nbsp;Letztes Jahr griff er nach Silber bei der Deutschen Meisterschaft in Balve, mit einem Pferd, dass er gerade ein halbes Jahr in Beritt hatte. Zum Lohn durfte er beim CHIO Aachen starten. Und vor ein paar Wochen r\u00fcckte er mit etwas Gl\u00fcck beim Weltcup in Bordeaux nach, ergriff seine Chance und sprang mit dem erst neunj\u00e4hrigen Congress Blue PS (v. Congress) auf Platz drei. Wieder ein Pferd, dass gerade mal sieben Monate bei ihm war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>spring-reiter.de hat mit Tom Schewe \u00fcber die harten Anf\u00e4nge in seiner noch jungen Karriere, \u00fcber wichtige Lehrjahre, gro\u00dfe Vorbilder und seine Motivation und seine Ziele gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du bist mit Lorenzo ES in Balve f\u00fcr viele \u00fcberraschend deutscher Vize Meister geworden, dann durftest Du mit ihm in Aachen starten und sogar im Gro\u00dfen Preis. Danach wurde Lorenzo verkauft. Wie ging es Dir damit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Nach Aachen und dem Verkauf von Lorenzo habe ich erst mal geglaubt, jetzt bin ich weg vom Fenster. Lorenzo ist schon ein absolutes Ausnahmepferd. Er hat f\u00fcr mich viele Tr\u00e4ume wahr werden lassen mit der Deutschen Meisterschaft in Balve und dem Start im Gro\u00dfen Preis von Aachen. Als er dann verkauft wurde, habe ich erst mal stark mit der ganzen Situation gehadert. Ich wusste, ich muss wieder ganz von vorne anfangen. Ich konnte es nicht ertragen, die leere Box von Lorenzo zu sehen, und bin dann tats\u00e4chlich das erste Mal in den Urlaub gefahren, damit ich den Kopf frei bekomme.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Reiten wurde Dir nicht in die Wiege gelegt, Deine Eltern kommen nicht aus dem Springsport. Erz\u00e4hle mal von Deinen Anf\u00e4ngen \u2013 wie hat Dich das Pferde-Virus erwischt?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Meine Eltern haben nichts mit dem Springsport zu tun. Meine Mutter und mein Vater sind beide so zum Spa\u00df Western geritten, als ich Kind war. Daher konnte ich mich fr\u00fch f\u00fcr die Pferde begeistern. Ich habe auf einem Shetlandpony in einem Westernsattel das erste Mal auf einem Pferd gesessen, und meine Eltern hatten Quaterhorses und sind in ihrer Freizeit sogar kleine Turniere geritten. Irgendwann bin ich mit meiner Mama mal zu einem Springturnier bei uns in der N\u00e4he gefahren. Ich war vielleicht vier Jahre alt und sofort total begeistert. Von da an war f\u00fcr mich klar, dass ich Springreiten machen will. Ich habe nat\u00fcrlich nicht gleich ein eigenes Springpferd bekommen, sondern bin in eine Reitschule in der N\u00e4he gegangen und bekam erst mal ganz normalen Unterricht. Mein Reitlehrer hat aber schnell gemerkt, dass ich etwas ehrgeiziger war als die Anderen. Jeden Tag nach der Schule bin ich in den Reitstall gegangen und habe ausgeholfen. So habe ich mir meine Reitstunden verdient. Etwas sp\u00e4ter bin ich dann die Ponys geritten, die die anderen Sch\u00fcler nicht reiten wollten. Die durfte ich dann sogar umsonst reiten, wenn andere Reitsch\u00fcler da schon dreimal runtergefallen waren. Ich bin nat\u00fcrlich auch oft runtergefallen. Aber das hat mich nicht abgeschreckt, ich wollte immer weiter machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie haben Deine Eltern auf Deine fr\u00fche Leidenschaft f\u00fcr die Pferde reagiert?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Meine Eltern haben nat\u00fcrlich immer versucht, mich mit den ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln bestm\u00f6glich zu unterst\u00fctzen. Aber die Mittel waren am Ende begrenzt. Meine Eltern sind nicht reich und haben auch keine Expertise im Springsport. Irgendwann flatterte dann ein Brief \u201eReiten in der Schule\u201c auf dem Haupt- und Landgest\u00fct Neustadt (Dosse) ins Haus. Meinen Eltern ist es nicht gelungen, den Brief vor mir zu verstecken, ich habe ihn im M\u00fcll entdeckt und aufgemacht. Von da an habe ich nur noch gequengelt, ich wolle unbedingt nach Neustadt mit dem Fach \u201eReiten in der Schule\u201c. Meine Eltern haben irgendwann nachgegeben. Sie haben von meinem Opa ein Auto verkauft, weil das ja alles auch sehr teuer ist und man dort sein eigenes Pferd brauchte, und das haben mir meine Eltern dann auch gekauft. Mit diesem Pferd bin ich dann meine ersten E-, A- und L-Springen geritten, ich durfte auf dem Haupt- und Landgest\u00fct auch die Pferde des ehemaligen Chefbereiters, Siegmar Stroehmer, mitreiten. Das war eine tolle Zeit. Ich war dann ein Jahr dort auf der Schule, aber am Ende war es f\u00fcr meine Eltern zu viel Aufwand, immer den weiten Weg zum Turnier zu kommen, und teuer war es nat\u00fcrlich auch. Ich habe mich im Internat und in der Schule auch nicht immer vorbildlich benommen, ich war ein Energie-geladener Junge und habe viel Mist gebaut und war sicher nicht der Lieblingssch\u00fcler.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie ging es nach der Zeit in Neustadt (Dosse) mit deiner Reit-Karriere weiter?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe:<\/strong>&nbsp;Ich bin dann in Stadthagen zur Schule gegangen. Dort hat mich der Reiter und Z\u00fcchter Friedrich-Wilhelm Koller oft von der Schule abgeholt und dann bin ich bei ihm mitgeritten. Das waren meist junge Pferde. Fritz war ein guter Lehrmeister, weil er auch immer sehr kritisch mir gegen\u00fcber war. Er hat mir damals gesagt, wenn Du das Reiten zum Beruf machen willst, musst Du noch sehr, sehr viel an Dir arbeiten. Das war damals hart f\u00fcr mich, das zu h\u00f6ren. Aber im Nachhinein war es nat\u00fcrlich richtig. Ich habe dann die Schule beendet und bin als Bereiter angefangen. Das war aber auch nicht so einfach, wenn du keinen kennst. Wo f\u00e4ngst du an, wen fragst du? Ich hatte dann auch den ein oder anderen Job, der nicht so gut war, oder ich geriet an Leute, die es nicht so gut mit mir meinten. Da habe ich auch mal Pech gehabt. Meine Arbeitseinstellung war aber immer, 100 Prozent zu geben, egal wo ich gearbeitet habe. Freie Tage gab es, seitdem ich aus der Schule raus war, fast nie. Mein erster Job im Ausland war dann bei dem niederl\u00e4ndischen Z\u00fcchter und Jungpferde-Ausbilder Egbert Schep. Das war auch ein harter Job, aber der Kontakt hilft mir heute noch. Sp\u00e4ter habe ich dann auch viel Gl\u00fcck gehabt, dass ich bei Weltklasse-Reitern wie Yuri Mansur gelandet bin und bei Jerome Guery. Im Nachhinein bin ich froh, dass alles so gekommen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Hast Du jemals daran gedacht, alles hinzuschmei\u00dfen, Deinen Traum vom Reiten aufzugeben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Nein. Nie. Das Problem ist, dieser Sport und dieses Business, das ist schon knallhart. Ich wei\u00df nicht, ob ich es jedem w\u00fcnschen w\u00fcrde und ob jeder daf\u00fcr gemacht ist. Die anf\u00e4nglichen Jahre, durch die ich durchmusste, waren schon hart. Aber heute bin ich sehr dankbar, dass alles so gekommen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was w\u00e4re Dein Tipp an Nachwuchsreiter, die sich vielleicht heute in einer \u00e4hnlichen Situation befinden wie Du damals?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Harte Arbeit und viel Geduld, das ist ganz wichtig. Man muss sich im Klaren dar\u00fcber sein, dass man hart arbeiten kann und will.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich auch viele junge Reiter, die fr\u00fch sehr gute Pferde haben, die dann auch das eine oder andere ausgleichen. Da waren viele Reiter, die viel j\u00fcnger waren als ich und viel mehr Erfolg hatten. Vor ein paar Jahren hatte ich vielleicht ein Pferd f\u00fcr das Zwei-Sterne-Niveau, wo andere schon Nationenpreise geritten sind und sogar F\u00fcnf-Sterne-Pr\u00fcfungen. Damals habe ich mich gefragt: Wie geht das, wie schaffen die das?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 17Jahren hatte ich dann einmal das Gl\u00fcck, dass ich&nbsp;Qatar D&#8217;Hof-Ten-Bos&nbsp;bekommen habe. Er war damals schon 15 Jahre alt und der Besitzer wusste nicht so recht, was er mit dem Wallach machen sollte, da er schwierig und daher schwer zu verkaufen war. Er muss sich gedacht haben, der Schewe ist so ein kleiner Verr\u00fcckter. Vielleicht k\u00f6nnen wir ihm etwas Gutes tun und geben ihm das Pferd. Das war mein Gl\u00fcck. Mit diesem Pferd habe ich mein erstes S-Springen gewonnen in Aachen beim Salut Festival. Gleich am n\u00e4chsten Tag gewann wir wieder. Wir sind dann quasi aus dem Stand Deutsche Hallenchampions bei den Junioren geworden. Das war ein Senkrechtstart aus dem Nichts und es kam f\u00fcr alle, auch f\u00fcr mich, sehr \u00fcberraschend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Chancen, die sich Dir bieten, scheinst Du immer maximal zu nutzen\u2026<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Ich warte lange auf meine Chance, die nicht da ist. Wenn sie dann da ist, dann nutze ich sie auch. Das war mein ganzes Leben schon so. Wenn ich diese M\u00f6glichkeiten nicht genutzt h\u00e4tte, ohne Background und ohne famili\u00e4ren Pferdesport-Hintergrund, dann h\u00e4tte ich es gar nicht zu versuchen brauchen. Das ist auf der anderen Seite hart, aber man muss eben in diesem Sport auch die Nervenst\u00e4rke haben und mit Druck umgehen k\u00f6nnen, sonst hat man im Top-Sport nichts zu suchen. Ich habe in Aachen gesehen, wie hart das sein kann. Und wie hart es auch ist, wenn du mit dem Druck nicht umgehen kannst. Da ist der Sport gnadenlos. Du musst Deinen Kopf irgendwie beieinander haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich dann auch immer, wie oft bekommst du noch so eine Chance?<\/p>\n\n\n\n<p>Noch heute \u00e4rgere ich mich \u00fcber den einen Zeitfehler mit Lorenzo bei der Deutschen Meisterschaft in Balve. Da bin ich zu l\u00e4ssig geritten und habe am Ende die Deutsche Meisterschaft verschenkt. Nat\u00fcrlich ist alles gut gelaufen und ich bin auch dankbar. Aber ich war eben auch ein paar Mal kurz davor zu gewinnen. In Frankfurt im Gro\u00dfen Preis war ich im Stechen schneller als Richard Vogel. Das kommt auch nicht so oft vor. Dann kassiere ich doch einen Fehler und bin knapp am Sieg vorbei und werde am Ende F\u00fcnfter. Klar bin ich auch daf\u00fcr dankbar. Aber trotzdem wei\u00df ich am Ende nie, wie oft habe ich noch so eine Chance, wie oft hat man noch mal so ein Pferd?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du hast Dich vor zweieinhalb Jahren selbstst\u00e4ndig gemacht \u2013 das war auch ein Sprung ins kalte Wasser?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Ja, aber ich habe auf meinem Weg bei Yuri Mansur super viel gelernt. Es ist ja nicht nur das Springen, sondern auch die Dressur und das Management. Dass ein Pferd ein gutes Resultat hat, ist nicht nur auf ein gutes Training zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern auf den ganzen Weg. Es ist nicht nur das Reiten, sondern auch der Umgang, das Management, der Hufschmied, der Turnierplan, die richtige Pr\u00fcfung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe Yuri auf dem Weg nach Tokio begleitet und erfahren, wie man sowas aufbaut und richtig vorbereitet und zwar langfristig. \u00c4hnlich war es sp\u00e4ter bei Jerome Guery, als er Zweiter mit Quel Homme de Hus bei der Weltmeisterschaft in Herning wurde. Das habe ich auch ein bisschen mitbegleitet am Anfang. Das hat mir alles auch viel f\u00fcr meine eigene Karriere geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Oktober 2024 bin ich jetzt selbstst\u00e4ndig. Ich habe alleine angefangen mit sechs Pferden, dann bin ich umgezogen nach Bielefeld, weil ich mehr Boxen gebraucht habe. Dann kam Carina dazu, sie war meine erste Vollzeitangestellte. Am Anfang bekam ich direkt Pferde von Yuri, Egbert sowie \u00fcber Jerome, hatte von Anfang an ein bisschen Support. Ich habe erstmal geschaut, dass ich alle Pferde gut verkauft bekomme und immer, wenn ich eines verkauft habe, ein noch besserer Pferd nachkommt. Bisher hat das ganz gut geklappt, aber es ist nicht einfach. Heute habe ich 22 Pferde und 2 Bereiterinnen zuhause.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Unterst\u00fctzung bekomme ich auch von Franke Sloothaak. Ich hatte ihn angerufen, und um Hilfe gebeten. Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass er es nicht macht. Er ist dann aber gekommen und hat mir mit Lorenzo geholfen und hat dann gemerkt, dass wir beide motiviert sind und dass das Pferd Qualit\u00e4t hat. Jetzt bin ich froh, dass wir da eine gewisse Kontinuit\u00e4t drin haben, er kommt alle 1-2 Wochen. Ich habe oftmals das Gl\u00fcck, dass ich Pferde bekomme, in die man sich so ein bisschen reindenken muss. Das bekomme ich ganz gut hin, finde irgendwie den Schl\u00fcssel zu den Pferden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du hast Deine Firma Quarterfarm Sporthorses genannt und gehst damit zur\u00fcck zu Deinen Anf\u00e4ngen\u2026<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tom Schewe: Ja, ich wollte meine Firma nicht Tom Schewe Sporthorses nennen. Ich habe als Kind auf einem Quarterhorse reiten gelernt, und irgendwie war es f\u00fcr mich auch einfach mal was anderes, um ein bisschen rauszustechen, mit dem Logo und den schwarz-roten Decken. Das habe ich mir bei Yuri abgeguckt mit seinem gelben Jacket. Das ist heute noch so, dass wenn mein Pferd gut springt und ich mein gelbes Jacket anhabe, dann rufen die immer Yuri an und fragen, ob das Pferd zu verkaufen ist, und das ist im Grunde die Idee dahinter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was ist denn Deine Philosophie mit Deinen Pferden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Ich versuche, wenn ich auf einem neuen Pferd sitze, zu gucken, wo die St\u00e4rken und die Schw\u00e4chen des Pferdes liegen. Und dann arbeite ich erstmal an den St\u00e4rken, um dann sp\u00e4ter mal an die Schw\u00e4chen heran gehen zu k\u00f6nnen. Oder ich \u00fcberlege, wie ich die Schw\u00e4chen umgehen kann. Je nachdem, ob das Pferd etwas nicht kann, weil es dazu k\u00f6rperlich nicht in der Lage ist oder weil es die Aufgabe nicht versteht. Ich versuche, mich in das Pferd hinein zu f\u00fchlen. Nat\u00fcrlich gibt es auch mal Pferde, bei denen das nicht so gut klappt, und dann muss man ein bisschen mehr Geduld mitbringen. Mit Congress, mit dem ich k\u00fcrzlich Dritter im Weltcup in Bordeaux wurde, wusste ich die ersten 3-4 Monate \u00fcberhaupt nicht, ob das was wird. Da bin ich immer wieder zur\u00fcckgefallen. Dann bin ich mal ein 1,40m geritten und musste danach wieder 1,20m reiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was waren die Schwierigkeiten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Congress hat schnell die Nerven verloren und die Rittigkeit war auch nicht so gut. Er ist einfach unglaublich stark, k\u00f6rperlich und mental. Mental ist das nat\u00fcrlich super, k\u00f6rperlich ist es manchmal etwas schwieriger. Die ganze Energie, die er hat, er kann nicht eine Minute stillstehen. Ich versuche immer schon, ihm Ruhe zu geben, ihn z.B. auf einem Turnier bei wenig Trubel zu reiten. Ich reite ihn daher schon mal um 6 Uhr morgens, damit er innerlich auch zur Ruhe kommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie wichtig ist der Faktor Geduld?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe:&nbsp;<\/strong>Sehr wichtig. Aber ich dachte ehrlich gesagt, dass ich f\u00fcr alles in meiner Selbstst\u00e4ndigkeit mehr Geduld br\u00e4uchte. Durch viel Gl\u00fcck ging vieles sehr viel schneller. Zum Beispiel die Entwicklung von Lorenzo, das waren nur sieben Monate, die sich angef\u00fchlt haben wie f\u00fcnf Jahre. Aber vom ersten Turnier national in Paderborn bis zum Gro\u00dfen Preis von Aachen waren es tats\u00e4chlich nur sieben Monate. Und mit Congress Blue PS war es genau das Gleiche. Nach nur sieben Monaten von Hagen national 1,20m zum Weltcup-Dritten in Bordeaux &#8211; dar\u00fcber bin ich einfach sehr gl\u00fccklich. Da habe ich auch unglaublich viel Gl\u00fcck gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Du bist beim Weltcup in Bordeaux nachger\u00fcckt, hast wieder ein junges Pferd bestm\u00f6glich pr\u00e4sentiert \u2013 wird Congress Blue PS nun auch verkauft?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Hm, also Sonntag und Montag stand das Telefon nicht still. Daniel Deusser hat mir gesagt, dass er aktuell keinen Neunj\u00e4hrigen hat, der \u00fcber so einen 1,60m Parcours springt, und er ist einer der besten Reiter der Welt. Nat\u00fcrlich waren es sehr viele Interessenten f\u00fcr Congress, aber wir haben schon vor Bordeaux mit den Besitzern beschlossen, dass wir ihn zumindest 2026 zumindest behalten. Was n\u00e4chstes Jahr ist, wei\u00df ich nicht, aber zumindest k\u00f6nnen wir diese Saison in Ruhe mit ihm planen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was sind denn Eure gemeinsamen Ziele f\u00fcr diese Saison?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: \u201eWir fahren demn\u00e4chst drei Wochen zur Sunshine Tour nach Spanien. Ich m\u00f6chte mich demn\u00e4chst voll auf drau\u00dfen konzentrieren. Und dann w\u00fcrde ich mit Congress nat\u00fcrlich im Mai sehr gerne in Aachen starten, weil ich glaube, dass er dahin geh\u00f6rt. Er spring super gut auf Rasen und auch einen gro\u00dfen Wassergraben, also wirklich vom Feinsten. Vielleicht werde ich ihn vorher noch mal in einem CSI3* Nationenpreis in Lier reiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Eigenschaften sind Dir bei Deinen Pferden am wichtigsten?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: F\u00fcr mich ist der Charakter am allerwichtigsten. Die Pferde, die einfach einen guten Charakter haben, die machen es einem meist im Parcours sp\u00e4ter auch leichter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Congress zum Beispiel ist nach wie vor sehr impulsiv, aber trotzdem versteht er Dinge, die man ihm zeigt oder die man mit ihm macht. Er setzt es vielleicht nicht immer direkt um, aber er versucht es. Dass ihn seine innere Unruhe manchmal noch \u00fcberholt, l\u00e4sst sich nicht vermeiden, aber er ist trotzdem immer positiv bei der Arbeit. Ich habe nie das Gef\u00fchl, dass ich irgendwas tue, was er nicht will. Wenn man ihn longiert oder Franke ihn an die Doppellonge nimmt, dann nimmt er das immer direkt an und ist nie dagegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was sind Deine langfristigen Ziele als Reiter \u2013 wo m\u00f6chtest Du hin?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe lacht<\/strong>: Ich werde demn\u00e4chst 28 Jahre alt. Mein Ziel Aachen habe ich zum Gl\u00fcck schon einmal abgehakt. Ich w\u00fcrde nat\u00fcrlich irgendwann gerne nochmal den Gro\u00dfen Preis von Aachen gewinnen. Auf der Tafel vom Salut Festival in Aachen stehe ich schon, jetzt hoffe ich, dass ich es auch noch auf die gro\u00dfe Tafel beim CHIO Aachen schaffe. Das w\u00e4re ein Lebenstraum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann w\u00fcrde ich irgendwann super gerne bei einem Championat an den Start gehen &#8211; mit einem Pferd, von dem man sagt, man hat jetzt den Richtigen. Ich hoffe, dass ich das irgendwann nochmal umsetzen kann. Wir haben so unglaublich viele gute Reiter, aber es ist unglaublich schwer, den richtigen Reiter mit dem richtigen Pferd im richtigen Moment zu erwischen und dann auch noch richtig fit zu haben. Es kann so unglaublich viel passieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wem guckst Du gerne zu? Wer sind Deine Vorbilder?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tom Schewe<\/strong>: Yuri ist f\u00fcr mich von der Herangehensweise ein absoluter Ausnahme-Reiter. Wie er da rangeht, wie er das Pferd liest. Was sind die Schwachstellen, was m\u00fcssen wir verbessern, wie lassen wir das Pferd ein bisschen so, wie es ist, aber wie bringen wir es trotzdem in unser System, damit es funktioniert. Da habe ich mir viel abgeguckt. Im Parcours sehe ich auch Jerome Guery gerne zu, er ist ein sehr starker Reiter. Und wenn man einem Steve Guerdat zuguckt, dann denkt man nat\u00fcrlich, man kann gar nicht reiten. Da sieht man dann ganz dem\u00fctig zu und hat ganz viel Respekt. Man muss dann als Reiter auch anerkennen, dass jeder seine St\u00e4rken und seine Schw\u00e4chen hat. Ich stehe jeden Morgen auf, und versuche, irgendwas an mir zu verbessern, sonst w\u00e4re ich vermutlich auch nicht da, wo ich jetzt bin. Aber zu reitern wie Steve oder Yuri, die sich schon ewig in den Top 50 der Welt aufhalten, zu denen schaue ich schon auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Interview f\u00fchrte Corinna Philipps von spring-reiter.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eChancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift\u201c, wusste schon der chinesische Philosoph Sunzi. Tom Schewe hat das Prinzip der maximalen Chancenverwertung fr\u00fch verinnerlicht. Aus einer Nicht-Reiter-Familie stammend, musste er schon als Kind f\u00fcr seine Passion, den Springsport, k\u00e4mpfen. 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