{"id":97723,"date":"2026-05-02T17:41:36","date_gmt":"2026-05-02T15:41:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/?p=97723"},"modified":"2026-05-02T20:41:54","modified_gmt":"2026-05-02T18:41:54","slug":"wir-sind-am-anschlag-motiviert-interview-mit-shootingstar-tomma-thiesen-und-trainer-hinerk-koehlbrandt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.spring-reiter.de\/index.php\/2026\/05\/02\/wir-sind-am-anschlag-motiviert-interview-mit-shootingstar-tomma-thiesen-und-trainer-hinerk-koehlbrandt\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir sind am Anschlag motiviert!&#8220; Interview mit Shootingstar Tomma Thiesen und Trainer Hinerk K\u00f6hlbrandt"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie ist eine Senkrechtstarterin, ein neuer Stern, der in den vergangenen Monaten pl\u00f6tzlich am Himmel der deutschen Reiterszene erschienen ist. Sie strahlt \u2013 nicht nur im \u00fcbertragenen Sinne, sondern auch un\u00fcbersehbar. Denn Tomma Thiesen, die da so pl\u00f6tzlich mit ihren jungen 19 Jahren auf den internationalen Turnieren auftaucht und die Schleifen en gros einsammelt, hat dazu allen Grund. Sie, die keine der typischen Nachwuchskarrieren mit Deutschen Jugendmeisterschaften oder Preis der Besten durchlaufen hat, l\u00e4sst inzwischen auch die Arrivierten in 3-Sterne-Parcours hinter sich. Da ist Talent ohne Ende, aber auch der unbedingte Wille zum Erfolg. Deshalb ist sie meistens schneller als die Konkurrenz im Ziel. Inzwischen sind auch die Bundestrainer auf sie aufmerksam geworden &#8211; Peter Teeuwen hatte sie zu Ostern f\u00fcr Opglabbek ins deutsche U25-Nationenpreisteam berufen und vom 20.-24. Mai wurde sie nun sogar als eine von f\u00fcnf Reitern f\u00fcr das deutsche CSIO3* EEF-Nationenpreis-Team im d\u00e4nischen Martofte nominiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den CSI3* VR Classics in Neum\u00fcnsters Holstenhallen hatte die junge Reiterin im Februar mit Top-Erfolgen erstmals auch vor gro\u00dfem Publikum ihr K\u00f6nnen demonstriert. Jetzt, bei Horses&amp;Dreams in Hagen, folgte der zweite Streich, unter anderem mit einem CSI3*-Sieg auf Big Lady (v. Big Star) und mit zwei zweiten Pl\u00e4tzen auf Bert (v. Brantzau) in CSI2*-Springen. spring-reiter. de hat mit dem Shootingstar und seinem Mentor und Pferdebesitzer Hinerk K\u00f6hlbrand in Hagen \u00fcber das Geheimnis des Erfolgs gesprochen. Alle zusammen sind sie auf der Sonneninsel Fehmarn in Schleswig-Holstein zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du l\u00e4sst in einem gro\u00dfen internationalen Springen schon mal die namenhafte Konkurrenz hinter dir. Musst Du Dich manchmal noch kneifen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma Thiesen:<\/strong>&nbsp;Ja, ich bin mir schon bewusst, dass das alles \u00fcberhaupt nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, gerade weil ab und zu auch mal ein paar Sachen nicht klappen. Es macht mir einfach unheimlich viel Spa\u00df, Schritt f\u00fcr Schritt aktuell immer wieder neue Erfahrungen zu machen, neue M\u00f6glichkeiten zu bekommen, wie zum Beispiel in Hagen. Ich hatte ja Anfang des Jahres in Neum\u00fcnster schon ein wahnsinnig tolles Erlebnis, dass ich da an den Start gehen durfte. Und, dass sich das jetzt so weiterentwickelt und \u00fcbers Jahr noch so weiterlaufen kann und ich das weiter so erleben darf, das ist schon sehr, sehr besonders. Ich bin sehr gl\u00fccklich, aber ich wei\u00df auch, dass schnell wieder andere Tage kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Normalerweise brauchen Reiter f\u00fcr so eine<\/strong>&nbsp;<strong>Karriere viel l\u00e4nger&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk K\u00f6hlbrandt:<\/strong><strong>&nbsp;<\/strong>Ich glaube schon, dass die Meisten mehr Vorlauf haben und ben\u00f6tigen. Ich glaube aber auch, dass es in diesem Sport schon m\u00f6glich ist. Es gibt bestimmt auch Reiter, die im nationalen Sport unterwegs sind und wirklich gut reiten k\u00f6nnen, aber gar nicht in Erscheinung treten, weil das Momentum nicht zusammenkommt oder weil das Pferd nicht dazukommt. Tomma ist ja auch vor zwei Jahren schon sehr gut geritten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Euer Erfolgsgeheimnis, dass Ihr so schnell nach oben geschossen seid?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma<\/strong>: Ich glaube, wir sind am Anschlag motiviert. Jeden Tag. Wir freuen uns \u00fcber jede M\u00f6glichkeit, die kommt, und \u00fcber jedes Pferd, das da ist, und \u00fcber jede Chance, die im Raum steht. Ich glaube, dass dann mit viel Arbeit und viel Herzblut einfach auch was klappen kann. Wenn unser Glauben an ein Pferd da ist und man dann die notwendige Portion Geduld und Motivation mitbringt, um Dinge anzugehen und auch mal den einen oder anderen R\u00fcckschlag in Kauf nimmt, dann kann auch schnell mal was funktionieren. Auch wenn es am Anfang vielleicht nicht immer so ersichtlich war. Man hat ja mit jedem Pferd immer so Momente, wo so was durchschimmert, und an denen man sich festh\u00e4lt, wo man glaubt, da k\u00f6nnte es mal hingehen. Aber es dann in vollem Umfang in einer Runde zu sehen, das braucht immer seine Zeit und oft ist es dann lange Zeit gar nicht da oder man k\u00f6nnte meinen, es wird gar nichts. Aber ich glaube, wenn man geduldig bleibt und weiter daran glaubt, dann kann pl\u00f6tzlich der Punkt kommen, wo es da ist. Das ist ziemlich cool an diesem Sport, dass es dann doch noch belohnt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was macht bei Tomma den Unterschied zu anderen Reitern, dass sie jetzt so schnell erfolgreich ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk<\/strong>: Eine unglaubliche Liebe zum Pferd, und zwar zu jedem einzelnen. Und sie hat ohne Frage viel Talent als Reiterin. Das ist es in Kombination mit der ganz starken Liebe zum Pferd und sehr viel Flei\u00df. Man sollte auch keine Angst vor Niederlagen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verunsichert Dich eine Niederlage oder wie gehst Du damit um?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong><strong>&nbsp;<\/strong>Es wird ein bisschen besser, aber ich w\u00fcrde l\u00fcgen, wenn ich sagen w\u00fcrde, dass es mir sehr leichtf\u00e4llt. Ich hadere sehr schnell, wenn ich das Gef\u00fchl habe, ich habe als Reiter nicht das Optimale herausgeholt. Gerade, wenn man so, wie ich jetzt, so eine Truppe an tollen Pferden hat, kommt immer mal wieder auch die Situation, dass man sich denen nicht ganz gerecht f\u00fchlt. Weil man, wenn mal was schiefgeht, das Gef\u00fchl hat, nicht aus den Pferden so ganz das herauszuholen, was f\u00fcr die eigentlich m\u00f6glich ist. Trotzdem habe ich auch gelernt, dass gerade auch aus solchen Runden, bei denen man dachte, boah, das waren jetzt drei Schritte zur\u00fcck, dass daraus oft noch viel bessere Dinge entstehen und man noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel bekommt und einen neuen Impuls. Und das ist es, worauf es jeden Tag ankommt. Man darf nicht stehenbleiben, man muss sich jeden Tag etwas Neues ausdenken und nicht Angst davor haben, etwas zu \u00e4ndern oder etwas zu hinterfragen, um einfach so Schritt f\u00fcr Schritt es immer ein bisschen besser zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie bist Du \u00fcberhaupt zum Reitsport gekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Also, meine Eltern, Gro\u00dfeltern, Tanten und Onkel sind eigentlich alle geritten oder reiten. Ich habe von meinem Opa zur Geburt ein kleines Shetland Pony bekommen. Mein Opa spielt auch eine ganz, ganz gro\u00dfe Rolle in meiner ganzen Entwicklung, die ganzen ersten Jahre. Ich bin am Anfang nicht Turniersport geritten, sondern ich bin super viel ausgeritten durch die Felder auf Fehmarn, und mein Opa ist mit dem Fahrrad nebenhergefahren. Irgendwann habe ich dann mein erstes eigenes Pony bekommen und bin dann lange Zeit Dressur geritten bis L. Mit 14 Jahren, als ich dann ein eigenes Pferd bekommen habe, bin ich zum Springen r\u00fcber gewechselt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kam das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Meine Tante und mein Onkel reiten beide Springen und haben einen gro\u00dfen Reiterhof, wo wir als Kinder in den Sommerferien immer ganz viele und sehr, sehr sch\u00f6ne Wochen verbracht und richtig Urlaub mit den Ponys gemacht haben. &nbsp;Die Beiden waren sicher mit ausschlaggebend, dass mich am Ende Springen doch ein bisschen mehr gefesselt hat, weil ich da viel Zeit verbracht habe. Ich bin sehr froh dar\u00fcber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast Dich gleich nach dem Abitur entschieden, Bereiter bei Hinerk K\u00f6hlbrandt zu werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Es war eigentlich eher zuf\u00e4llig, dass ich ungef\u00e4hr ein Jahr vorher so ein bisschen angefangen habe mit zu reiten, so wie es die Schule zulie\u00df. Ich ging immer ordentlich in die Schule \u2013 au\u00dfer, wenn Turnier war. Als ich dann im Sommer Abitur gemacht habe, war mir klar: Jetzt will ich es auch voll machen. Ich konnte mich dann ganz darauf konzentrieren und damit ist dann noch ein bisschen mehr in Gange gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wie geht es weiter? Willst Du irgendwann noch studieren oder wird die Karriere als Profireiter forciert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Ich tue mich schwer, mich da jetzt schon festzulegen. Ich habe f\u00fcr mich gesagt, dass ich die Junge Reiter-Zeit auf jeden Fall erst einmal so weitermachen will. Und wenn ich ganz ehrlich bin, wahrscheinlich auch noch ein bisschen l\u00e4nger. Aber ich bin offen. Vielleicht studiere ich noch mal. Ich h\u00e4tte ja auch vor zwei Jahren noch nicht gedacht, dass ich das Jetzige mache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie viele Pferde hast Du denn im Moment zur Verf\u00fcgung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Ich habe im Moment acht Pferde, die ich reite.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie schwer war es, hier eine Startgenehmigung f\u00fcr Neum\u00fcnster und Horses &amp; Dreams zu bekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk lacht:<\/strong>&nbsp;Sehr schwer. Aber Tomma glaubt mir das schon nicht mehr, weil es bisher jedes Mal geklappt hat. Ich gehe da \u00fcber den Bundestrainer \u2013 und dann muss man hoffen und beten. Ich empfinde das nicht als selbstverst\u00e4ndlich. Es gibt ja schlie\u00dflich sehr viele gute Reiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Ich habe es ganz oft, wenn die Nominierungen raus sind und man die Reserveliste sieht, dass ich manchmal denke, da ist was falsch. Denn es sind ja mehr gute Reiter, als reiten d\u00fcrfen. Man freut sich dann unheimlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da hilft es sicher, wenn man so einen Lauf hat wie ihr. Wie bekommst Du die Pferde auf Deine Seite?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Ich versuche nicht, mich krampfhaft an einem Ideal festzuhalten. Am Ende ist es eine Mischung daraus, dass man jeden Tag an den Schw\u00e4chen der Pferde arbeitet und diese versucht zu verbessern. Aber, so halte ich es auch bei meinem Parcoursreiten, man muss auch die Pferde ein bisschen so lassen, wie sie sind, und sich mehr darauf konzentrieren, was f\u00e4llt dem Pferd richtig leicht und was ist seine St\u00e4rke. Wenn ein Pferd richtig viel Galopp hat, dass ich mich dann nicht stupide an enge sechs Galoppspr\u00fcnge halte, sondern es als Option habe, dass ich dann f\u00fcnf reite und es dem Pferd damit leichter mache. Ich versuche, im Parcours nicht gegen die Pferde zu arbeiten, sondern von der Idee her es zusammen anzugehen. Ich glaube, dass die Pferde das mit der Zeit merken. Ich glaube, dass die Pferde einem schnell etwas zur\u00fcckgeben, wenn man lange Zeit auch Geduld hat und viel Arbeit reinsteckt und an ein Pferd glaubt. Ich bin schon der \u00dcberzeugung, dass die das auch merken und dass da auch ein Selbstbewusstsein entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welches Pferd war denn Deine gr\u00f6\u00dfte Challenge und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Da kann man Bert nennen, weil bei ihm am Anfang alles sehr ungest\u00fcm war. Wir sind mit Springpferde A angefangen und ich war auch vor zwei Jahren ja auch noch unerfahrener. Das war eine Challenge rein vom Reiten her, aber auch mental. Nicht den Glauben daran aufzugeben, wenn man zuhause eine richtige Idee entwickelt hat. Das ist am Ende doppelt toll, wenn es jetzt da ist und man immer daran geglaubt hat, und notfalls lange Zeit weiter macht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ist er jetzt auch einer Deiner Lieblinge?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Ja, er ist auch ein bisschen ein Clown. Er hat jeden Tag gute Laune, es wird definitiv nie langweilig mit ihm. Ich mag das auch, wenn Pferde Charakter haben. Am Ende ist es auch eine St\u00e4rke. Er hat auch immer mehr Selbstbewusstsein bekommen, und das brauchen sie am Ende ja auch. Daf\u00fcr ist es ja alles auch zu schnell und zu schwer, als dass sie da sch\u00fcchtern sein d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Apropos sch\u00fcchtern \u2013 bist Du komplett angstfrei und brauchst Du manchmal auch eines Schubs von Hinerk?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Wenn ich in den Parcours reinreite, dann ist es ziemlich klar, dann will ich schnell und gut sein. Das ist relativ simpel. Da bin ich auch gl\u00fccklich dr\u00fcber, das hilft extrem, wenn man dann eine gewisse Angriffslustigkeit hat und den Willen und den Glauben an die Sache. Ohne das h\u00e4tten viele Dinge so nicht geklappt. Au\u00dferhalb des Parcours komme ich schnell mal in die Situation, dass ich Angst davor habe, dass etwas schief geht. Nicht, dass ich Angst vor einem Sturz habe, aber dass dem Pferd irgendwas Bl\u00f6des passiert. Da bin ich relativ kritisch mit mir und meinem Reiten, so dass da immer mal wieder das Gef\u00fchl aufkommt, dass man es nicht gut genug gemacht hat. Gerade wenn man auf solchen Turnieren wie Hagen ist, dann kommt der Vergleichsmoment sehr schnell. Daf\u00fcr braucht man nur die Anderen auf dem Abreiteplatz zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk<\/strong>&nbsp;greift ein: Du genie\u00dft es ja eigentlich, aber Du hast ja eher die Tendenz, Dich mit Selbstkritik zu zerfressen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Ich komme nicht da raus, mich manchmal auch schlecht zu machen. Es ist ja richtig, wenn man zu Leuten aufguckt, und ich glaube es ist eine der wichtigsten Sachen, dass man niemals denkt, man habe ausgelernt.&nbsp;Gerade mit Pferden musst du immer wieder eine neue Idee haben und neue F\u00e4higkeiten aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wem guckst Du gerne zu, wer sind Deine Vorbilder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Vor allem Sophie Hinners und Richard Vogel. Das liegt auch einfach daran, dass mich deren Parcoursreiten sehr fasziniert, wie sie unwahrscheinlich schnell und effizient reiten und dabei nie das Pferd in eine bl\u00f6de Situation bringen. Beide haben die Pferde immer sicher vor sich und unterst\u00fctzen sie bestm\u00f6glich im Parcours. Das ist eine F\u00e4higkeit, von der ich hoffe, dass ich sie mit der Zeit immer mehr erlerne. Aber es gibt so viele Reiter wie Hannes Ahlmann und Mathies R\u00fcder, die ich auf den Turnieren treffe, von denen man sich so viel abgucken kann, das sind auch junge Leute. Das finde ich richtig cool. Es gibt sehr, sehr viele Reiter, denen ich gerne zusehe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Deine Philosophie beim Reiten, im Umgang mit den Pferden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma<\/strong>: Ich mag Pferde einfach gerne, ich bin gerne mit ihnen zusammen. Es ist nicht nur der Sport, sondern ich habe unheimlich Spa\u00df dabei, mit Pferden die Zeit zu verbringen. Hier auf Turnieren hat man noch mehr Zeit dazu als zuhause, wo man mehr Pferde hat. Oft reite ich alle acht Pferde, aber es gibt nat\u00fcrlich auch Tage, an denen ich f\u00fcnf reite. Aber hier, kann ich auch jeden Tag mit den Pferden grasen gehen und setze mich auch ganz oft in die Box zu ihnen. Ich bin dann einfach nur bei den Pferden und ich glaube, dass das eine Basis ist, die viel hilft. Ich glaube, dass auch die Pferde das merken.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischenruf von&nbsp;<strong>Hinerk:<\/strong>&nbsp;Ich glaube, Du magst Pferde noch lieber als Menschen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma<\/strong>, lacht: Das ist gut m\u00f6glich. Zum Beispiel Django Riff, den ich gerade auch reite, der ist so vor einem Jahr zu uns gekommen und der war am Anfang nicht sehr\u00a0Menschen bezogen<strong>.<\/strong> Es ist, glaube ich, auch jetzt noch nicht so, dass er Menschen unbedingt liebt, aber ich w\u00fcrde schon behaupten, dass er ein bisschen mehr Freude am T\u00e4glichen gefunden hat. Ich kann das nur darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass ich sehr viel Zeit mit ihm verbracht habe. Das mag verr\u00fcckt klingen, aber ich finde es richtig toll, wenn Pferde liegenbleiben in der Box, wenn man zu ihnen geht. Er hat am Anfang gar nicht viel gelegen und ist immer aufgestanden, aber mittlerweile bleibt er komplett liegen und vor ein paar Tagen konnte ich dann meinen Arm um ihn legen und er machte die Augen zu \u2013 da h\u00e4tte ich vor Freude weinen k\u00f6nnen, weil mir das so richtig viel bedeutet. Man merkt, dass das Vertrauen jetzt gr\u00f6\u00dfer ist.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Pferde sind Dein Typ, welche Eigenschaften m\u00fcssen sie haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma<\/strong>: Mit meinem eigenen Pferd bin ich vor allem Stilspringen geritten. Dann wurden es immer weniger Stilspringen, und da musste ich mir was einfallen lassen und schneller reiten. Das f\u00fchle ich mich mittlerweile auch sehr wohl, viel Galopp zu reiten, und auch die Pferde f\u00fchlen sich noch wohler und zeigen sich zufriedener. Ich mag es, wenn Pferde mutig sind, wenn ich also im Parcours das Gef\u00fchl habe, sie schrecken vor nichts zur\u00fcck und sie haben einen starken Charakter. Ich habe das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass so ziemlich alle meine Pferde so sind. Mit Django Riff bin ich in Neum\u00fcnster das Samstag-Springen geritten, und ich war noch nie ein Springen in der H\u00f6he geritten, aber der ist so stark in seinem Charakter und vermittelt einem so einen Mut, das alles anzugehen. Du wei\u00dft, der schreckt nie vor irgendwas zur\u00fcck. Das gibt dir als Reiter so viel, weil du einfach wei\u00dft, ich kann das jetzt angehen und der geht das mit. Dann kann ich auch auf ein paar andere Sachen verzichten. Er hat bestimmt nicht die allerletzte Rittigkeit, was ja eigentlich das Ziel ist. Aber wenn die Pferde mutig sind, wenn sie ein bisschen was drin haben und das Ganze auch wollen, das gibt mir schon sehr viel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk, wie kommst Du an die Pferde? Wonach guckst Du?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk:<\/strong>&nbsp;Ich gucke relativ viele Pferde, auch \u00fcber Videos. Mittlerweise kaufe ich sie eher im Bereich sechs-, sieben-, achtj\u00e4hrig. Nicht drei-, vierj\u00e4hrig. Ich habe ja auch eine ganze Zeit recht erfolglos gez\u00fcchtet. Von daher w\u00fcrde ich fast behaupten, dass ich vielleicht gar nicht so eine gro\u00dfe Gabe habe, bei einem Zwei- bis Dreij\u00e4hrigen gro\u00df etwas zu erkennen. Ich bin aber bereit, wenn ich einen auf einem Turnier mag, schon mal einen Kompromiss einzugehen. Sei es, dass das Pferd vielleicht ein bisschen zu hei\u00df oder nicht ganz rittig ist. Aber wenn man das Gef\u00fchl hat, der kann und will richtig springen, dann ist das was, was mich triggert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber Sechs- bis Achtj\u00e4hrige sind sie auch schon richtig teuer?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk<\/strong>: Ja, das ist das Problem, das alle haben. Dann versucht man vielleicht eine Kooperation, das Pferd zur H\u00e4lfte zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Tomma jetzt so viel Erfolg hat, dann kommen ja vielleicht auch Interessenten und wollen Django Riff oder die erst achtj\u00e4hrige Big Lady kaufen? Wie lange kannst Du da widerstehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk:<\/strong>&nbsp;Die werden am Ende verkauft. Das ist so. Aber noch bin ich einigerma\u00dfen standhaft. Big Lady geh\u00f6rt zum Teil auch meiner Frau und meiner Schw\u00e4gerin. Die sind sehr taff. Wir sind Mehrheits-Anteilseigner, aber das w\u00fcrde schon recht schwierig. Es ist aber bei diesen Pferden ganz klar der Plan, dass sie Grand Prix gehen, jeder. Und nat\u00fcrlich mit Tomma.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist Dein Ziel, Tomma, was steht noch auf Deiner Bucket List, wenn Du mal tr\u00e4umen darfst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma<\/strong>: Ich bin jetzt zwei Drei-Sterne-Turniere geritten, es ist dann ja logisch, dass man den n\u00e4chsten Schritt machen will. Hohen Wieschendorf w\u00e4ren vier Sterne, aber das steht noch in den Sternen. Das w\u00e4re nat\u00fcrlich eine Sache, \u00fcber die ich mich richtig freuen w\u00fcrde. Ich glaube einfach, dass man unabh\u00e4ngig davon, ob man an diesem Wochenende erfolgreich ist oder nicht, Parcours auf diesem Niveau zu reiten und mit Top-Reitern zusammen zu reiten, das kann nur einen Mehrwert haben. Deswegen will ich einfach versuchen, jeden Tag etwas zu lernen und f\u00fcr die Pferde immer besser zu werden und immer souver\u00e4ner und noch vielf\u00e4ltiger als Reiter. Damit man am Ende das Gef\u00fchl hat, man kann jedes Pferd unterst\u00fctzen und sich auf jedes Pferd einstellen. Ich glaube, man kann ja sowieso nicht zu viel planen in diesem Sport. Die Pferde m\u00fcssen gesund bleiben und es muss alles klappen. Es muss ja auch immer so ein Momentum da sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und, Hinerk, wovon tr\u00e4umst Du?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinerk:<\/strong>&nbsp;Ich h\u00e4tte das vor zehn Jahren von mir sicher nicht gedacht, dass ich das jetzt als Teampartner oder Pferdebesitzer oder wie man meine Rolle auch bezeichnet, erleben darf. Ich bin mal l\u00e4ndlich S-Springen geritten. Es ist jetzt schon ein bisschen ein Traum, den man miterleben darf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma, Deutsche Jugendmeisterschaften bist Du nie mitgeritten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tomma:<\/strong>&nbsp;Nein, ich bin mit meinem eigenen Pferd zweimal S gesprungen und habe meine erste S-Platzierung geholt. Mehr war nicht drin. Das Pferd habe ich noch, Viva Las Vegas ist bei uns zuhause jetzt in Rente, aber es geht ihr sehr gut. Ich hatte damals immer mal das Gef\u00fchl, es w\u00e4re sch\u00f6n, diesen Schritt mehr noch zu schaffen und Deutsche Jugendmeisterschaften mitzureiten. R\u00fcckblickend denke ich, am Ende habe ich eben ein bisschen mehr Zeit gehabt. Ich glaube nicht, dass es geschadet hat. Ich hatte eine supertolle Zeit mit diesem Pferd, ich habe richtig viel von ihr gelernt und hatte mit ihr so viele sch\u00f6ne Momente.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank Tomma Thiesen und Hinerk K\u00f6hlbrandt f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch!&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist eine Senkrechtstarterin, ein neuer Stern, der in den vergangenen Monaten pl\u00f6tzlich am Himmel der deutschen Reiterszene erschienen ist. Sie strahlt \u2013 nicht nur im \u00fcbertragenen Sinne, sondern auch un\u00fcbersehbar. 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