„Chancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift“, wusste schon der chinesische Philosoph Sunzi. Tom Schewe hat das Prinzip der maximalen Chancenverwertung früh verinnerlicht. Aus einer Nicht-Reiter-Familie stammend, musste er schon als Kind für seine Passion, den Springsport, kämpfen. Half im Reitstall in der Nähe aus, um sich Springstunden zu verdienen, ritt Ponys, die sonst keiner reiten wollte. 17-jährig gewann er als quasi Senkrechtstarter überraschend für ihn und alle anderen das Salut-Festival in Aachen und wurde Hallen-Champion bei den Junioren. Und das, obwohl der Wallach Qatar D’Hof-Ten-Bos (v. Caesar van de Helle) als schwierig galt. Letztes Jahr griff er nach Silber bei der Deutschen Meisterschaft in Balve, mit einem Pferd, dass er gerade ein halbes Jahr in Beritt hatte. Zum Lohn durfte er beim CHIO Aachen starten. Und vor ein paar Wochen rückte er mit etwas Glück beim Weltcup in Bordeaux nach, ergriff seine Chance und sprang mit dem erst neunjährigen Congress Blue PS (v. Congress) auf Platz drei. Wieder ein Pferd, dass gerade mal sieben Monate bei ihm war.
spring-reiter.de hat mit Tom Schewe über die harten Anfänge in seiner noch jungen Karriere, über wichtige Lehrjahre, große Vorbilder und seine Motivation und seine Ziele gesprochen.
Du bist mit Lorenzo ES in Balve für viele überraschend deutscher Vize Meister geworden, dann durftest Du mit ihm in Aachen starten und sogar im Großen Preis. Danach wurde Lorenzo verkauft. Wie ging es Dir damit?
Tom Schewe: Nach Aachen und dem Verkauf von Lorenzo habe ich erst mal geglaubt, jetzt bin ich weg vom Fenster. Lorenzo ist schon ein absolutes Ausnahmepferd. Er hat für mich viele Träume wahr werden lassen mit der Deutschen Meisterschaft in Balve und dem Start im Großen Preis von Aachen. Als er dann verkauft wurde, habe ich erst mal stark mit der ganzen Situation gehadert. Ich wusste, ich muss wieder ganz von vorne anfangen. Ich konnte es nicht ertragen, die leere Box von Lorenzo zu sehen, und bin dann tatsächlich das erste Mal in den Urlaub gefahren, damit ich den Kopf frei bekomme.
Das Reiten wurde Dir nicht in die Wiege gelegt, Deine Eltern kommen nicht aus dem Springsport. Erzähle mal von Deinen Anfängen – wie hat Dich das Pferde-Virus erwischt?
Tom Schewe: Meine Eltern haben nichts mit dem Springsport zu tun. Meine Mutter und mein Vater sind beide so zum Spaß Western geritten, als ich Kind war. Daher konnte ich mich früh für die Pferde begeistern. Ich habe auf einem Shetlandpony in einem Westernsattel das erste Mal auf einem Pferd gesessen, und meine Eltern hatten Quaterhorses und sind in ihrer Freizeit sogar kleine Turniere geritten. Irgendwann bin ich mit meiner Mama mal zu einem Springturnier bei uns in der Nähe gefahren. Ich war vielleicht vier Jahre alt und sofort total begeistert. Von da an war für mich klar, dass ich Springreiten machen will. Ich habe natürlich nicht gleich ein eigenes Springpferd bekommen, sondern bin in eine Reitschule in der Nähe gegangen und bekam erst mal ganz normalen Unterricht. Mein Reitlehrer hat aber schnell gemerkt, dass ich etwas ehrgeiziger war als die Anderen. Jeden Tag nach der Schule bin ich in den Reitstall gegangen und habe ausgeholfen. So habe ich mir meine Reitstunden verdient. Etwas später bin ich dann die Ponys geritten, die die anderen Schüler nicht reiten wollten. Die durfte ich dann sogar umsonst reiten, wenn andere Reitschüler da schon dreimal runtergefallen waren. Ich bin natürlich auch oft runtergefallen. Aber das hat mich nicht abgeschreckt, ich wollte immer weiter machen.
Wie haben Deine Eltern auf Deine frühe Leidenschaft für die Pferde reagiert?
Tom Schewe: Meine Eltern haben natürlich immer versucht, mich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bestmöglich zu unterstützen. Aber die Mittel waren am Ende begrenzt. Meine Eltern sind nicht reich und haben auch keine Expertise im Springsport. Irgendwann flatterte dann ein Brief „Reiten in der Schule“ auf dem Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) ins Haus. Meinen Eltern ist es nicht gelungen, den Brief vor mir zu verstecken, ich habe ihn im Müll entdeckt und aufgemacht. Von da an habe ich nur noch gequengelt, ich wolle unbedingt nach Neustadt mit dem Fach „Reiten in der Schule“. Meine Eltern haben irgendwann nachgegeben. Sie haben von meinem Opa ein Auto verkauft, weil das ja alles auch sehr teuer ist und man dort sein eigenes Pferd brauchte, und das haben mir meine Eltern dann auch gekauft. Mit diesem Pferd bin ich dann meine ersten E-, A- und L-Springen geritten, ich durfte auf dem Haupt- und Landgestüt auch die Pferde des ehemaligen Chefbereiters, Siegmar Stroehmer, mitreiten. Das war eine tolle Zeit. Ich war dann ein Jahr dort auf der Schule, aber am Ende war es für meine Eltern zu viel Aufwand, immer den weiten Weg zum Turnier zu kommen, und teuer war es natürlich auch. Ich habe mich im Internat und in der Schule auch nicht immer vorbildlich benommen, ich war ein Energie-geladener Junge und habe viel Mist gebaut und war sicher nicht der Lieblingsschüler.
Wie ging es nach der Zeit in Neustadt (Dosse) mit deiner Reit-Karriere weiter?
Tom Schewe: Ich bin dann in Stadthagen zur Schule gegangen. Dort hat mich der Reiter und Züchter Friedrich-Wilhelm Koller oft von der Schule abgeholt und dann bin ich bei ihm mitgeritten. Das waren meist junge Pferde. Fritz war ein guter Lehrmeister, weil er auch immer sehr kritisch mir gegenüber war. Er hat mir damals gesagt, wenn Du das Reiten zum Beruf machen willst, musst Du noch sehr, sehr viel an Dir arbeiten. Das war damals hart für mich, das zu hören. Aber im Nachhinein war es natürlich richtig. Ich habe dann die Schule beendet und bin als Bereiter angefangen. Das war aber auch nicht so einfach, wenn du keinen kennst. Wo fängst du an, wen fragst du? Ich hatte dann auch den ein oder anderen Job, der nicht so gut war, oder ich geriet an Leute, die es nicht so gut mit mir meinten. Da habe ich auch mal Pech gehabt. Meine Arbeitseinstellung war aber immer, 100 Prozent zu geben, egal wo ich gearbeitet habe. Freie Tage gab es, seitdem ich aus der Schule raus war, fast nie. Mein erster Job im Ausland war dann bei dem niederländischen Züchter und Jungpferde-Ausbilder Egbert Schep. Das war auch ein harter Job, aber der Kontakt hilft mir heute noch. Später habe ich dann auch viel Glück gehabt, dass ich bei Weltklasse-Reitern wie Yuri Mansur gelandet bin und bei Jerome Guery. Im Nachhinein bin ich froh, dass alles so gekommen ist.
Hast Du jemals daran gedacht, alles hinzuschmeißen, Deinen Traum vom Reiten aufzugeben?
Tom Schewe: Nein. Nie. Das Problem ist, dieser Sport und dieses Business, das ist schon knallhart. Ich weiß nicht, ob ich es jedem wünschen würde und ob jeder dafür gemacht ist. Die anfänglichen Jahre, durch die ich durchmusste, waren schon hart. Aber heute bin ich sehr dankbar, dass alles so gekommen ist.
Was wäre Dein Tipp an Nachwuchsreiter, die sich vielleicht heute in einer ähnlichen Situation befinden wie Du damals?
Tom Schewe: Harte Arbeit und viel Geduld, das ist ganz wichtig. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man hart arbeiten kann und will.
Es gibt natürlich auch viele junge Reiter, die früh sehr gute Pferde haben, die dann auch das eine oder andere ausgleichen. Da waren viele Reiter, die viel jünger waren als ich und viel mehr Erfolg hatten. Vor ein paar Jahren hatte ich vielleicht ein Pferd für das Zwei-Sterne-Niveau, wo andere schon Nationenpreise geritten sind und sogar Fünf-Sterne-Prüfungen. Damals habe ich mich gefragt: Wie geht das, wie schaffen die das?
Mit 17Jahren hatte ich dann einmal das Glück, dass ich Qatar D’Hof-Ten-Bos bekommen habe. Er war damals schon 15 Jahre alt und der Besitzer wusste nicht so recht, was er mit dem Wallach machen sollte, da er schwierig und daher schwer zu verkaufen war. Er muss sich gedacht haben, der Schewe ist so ein kleiner Verrückter. Vielleicht können wir ihm etwas Gutes tun und geben ihm das Pferd. Das war mein Glück. Mit diesem Pferd habe ich mein erstes S-Springen gewonnen in Aachen beim Salut Festival. Gleich am nächsten Tag gewann wir wieder. Wir sind dann quasi aus dem Stand Deutsche Hallenchampions bei den Junioren geworden. Das war ein Senkrechtstart aus dem Nichts und es kam für alle, auch für mich, sehr überraschend.
Die Chancen, die sich Dir bieten, scheinst Du immer maximal zu nutzen…
Tom Schewe: Ich warte lange auf meine Chance, die nicht da ist. Wenn sie dann da ist, dann nutze ich sie auch. Das war mein ganzes Leben schon so. Wenn ich diese Möglichkeiten nicht genutzt hätte, ohne Background und ohne familiären Pferdesport-Hintergrund, dann hätte ich es gar nicht zu versuchen brauchen. Das ist auf der anderen Seite hart, aber man muss eben in diesem Sport auch die Nervenstärke haben und mit Druck umgehen können, sonst hat man im Top-Sport nichts zu suchen. Ich habe in Aachen gesehen, wie hart das sein kann. Und wie hart es auch ist, wenn du mit dem Druck nicht umgehen kannst. Da ist der Sport gnadenlos. Du musst Deinen Kopf irgendwie beieinander haben.
Ich frage mich dann auch immer, wie oft bekommst du noch so eine Chance?
Noch heute ärgere ich mich über den einen Zeitfehler mit Lorenzo bei der Deutschen Meisterschaft in Balve. Da bin ich zu lässig geritten und habe am Ende die Deutsche Meisterschaft verschenkt. Natürlich ist alles gut gelaufen und ich bin auch dankbar. Aber ich war eben auch ein paar Mal kurz davor zu gewinnen. In Frankfurt im Großen Preis war ich im Stechen schneller als Richard Vogel. Das kommt auch nicht so oft vor. Dann kassiere ich doch einen Fehler und bin knapp am Sieg vorbei und werde am Ende Fünfter. Klar bin ich auch dafür dankbar. Aber trotzdem weiß ich am Ende nie, wie oft habe ich noch so eine Chance, wie oft hat man noch mal so ein Pferd?
Du hast Dich vor zweieinhalb Jahren selbstständig gemacht – das war auch ein Sprung ins kalte Wasser?
Tom Schewe: Ja, aber ich habe auf meinem Weg bei Yuri Mansur super viel gelernt. Es ist ja nicht nur das Springen, sondern auch die Dressur und das Management. Dass ein Pferd ein gutes Resultat hat, ist nicht nur auf ein gutes Training zurückzuführen, sondern auf den ganzen Weg. Es ist nicht nur das Reiten, sondern auch der Umgang, das Management, der Hufschmied, der Turnierplan, die richtige Prüfung.
Ich habe Yuri auf dem Weg nach Tokio begleitet und erfahren, wie man sowas aufbaut und richtig vorbereitet und zwar langfristig. Ähnlich war es später bei Jerome Guery, als er Zweiter mit Quel Homme de Hus bei der Weltmeisterschaft in Herning wurde. Das habe ich auch ein bisschen mitbegleitet am Anfang. Das hat mir alles auch viel für meine eigene Karriere geholfen.
Seit Oktober 2024 bin ich jetzt selbstständig. Ich habe alleine angefangen mit sechs Pferden, dann bin ich umgezogen nach Bielefeld, weil ich mehr Boxen gebraucht habe. Dann kam Carina dazu, sie war meine erste Vollzeitangestellte. Am Anfang bekam ich direkt Pferde von Yuri, Egbert sowie über Jerome, hatte von Anfang an ein bisschen Support. Ich habe erstmal geschaut, dass ich alle Pferde gut verkauft bekomme und immer, wenn ich eines verkauft habe, ein noch besserer Pferd nachkommt. Bisher hat das ganz gut geklappt, aber es ist nicht einfach. Heute habe ich 22 Pferde und 2 Bereiterinnen zuhause.
Unterstützung bekomme ich auch von Franke Sloothaak. Ich hatte ihn angerufen, und um Hilfe gebeten. Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass er es nicht macht. Er ist dann aber gekommen und hat mir mit Lorenzo geholfen und hat dann gemerkt, dass wir beide motiviert sind und dass das Pferd Qualität hat. Jetzt bin ich froh, dass wir da eine gewisse Kontinuität drin haben, er kommt alle 1-2 Wochen. Ich habe oftmals das Glück, dass ich Pferde bekomme, in die man sich so ein bisschen reindenken muss. Das bekomme ich ganz gut hin, finde irgendwie den Schlüssel zu den Pferden.
Du hast Deine Firma Quarterfarm Sporthorses genannt und gehst damit zurück zu Deinen Anfängen…
Tom Schewe: Ja, ich wollte meine Firma nicht Tom Schewe Sporthorses nennen. Ich habe als Kind auf einem Quarterhorse reiten gelernt, und irgendwie war es für mich auch einfach mal was anderes, um ein bisschen rauszustechen, mit dem Logo und den schwarz-roten Decken. Das habe ich mir bei Yuri abgeguckt mit seinem gelben Jacket. Das ist heute noch so, dass wenn mein Pferd gut springt und ich mein gelbes Jacket anhabe, dann rufen die immer Yuri an und fragen, ob das Pferd zu verkaufen ist, und das ist im Grunde die Idee dahinter.
Was ist denn Deine Philosophie mit Deinen Pferden?
Tom Schewe: Ich versuche, wenn ich auf einem neuen Pferd sitze, zu gucken, wo die Stärken und die Schwächen des Pferdes liegen. Und dann arbeite ich erstmal an den Stärken, um dann später mal an die Schwächen heran gehen zu können. Oder ich überlege, wie ich die Schwächen umgehen kann. Je nachdem, ob das Pferd etwas nicht kann, weil es dazu körperlich nicht in der Lage ist oder weil es die Aufgabe nicht versteht. Ich versuche, mich in das Pferd hinein zu fühlen. Natürlich gibt es auch mal Pferde, bei denen das nicht so gut klappt, und dann muss man ein bisschen mehr Geduld mitbringen. Mit Congress, mit dem ich kürzlich Dritter im Weltcup in Bordeaux wurde, wusste ich die ersten 3-4 Monate überhaupt nicht, ob das was wird. Da bin ich immer wieder zurückgefallen. Dann bin ich mal ein 1,40m geritten und musste danach wieder 1,20m reiten.
Was waren die Schwierigkeiten?
Tom Schewe: Congress hat schnell die Nerven verloren und die Rittigkeit war auch nicht so gut. Er ist einfach unglaublich stark, körperlich und mental. Mental ist das natürlich super, körperlich ist es manchmal etwas schwieriger. Die ganze Energie, die er hat, er kann nicht eine Minute stillstehen. Ich versuche immer schon, ihm Ruhe zu geben, ihn z.B. auf einem Turnier bei wenig Trubel zu reiten. Ich reite ihn daher schon mal um 6 Uhr morgens, damit er innerlich auch zur Ruhe kommt.
Wie wichtig ist der Faktor Geduld?
Tom Schewe: Sehr wichtig. Aber ich dachte ehrlich gesagt, dass ich für alles in meiner Selbstständigkeit mehr Geduld bräuchte. Durch viel Glück ging vieles sehr viel schneller. Zum Beispiel die Entwicklung von Lorenzo, das waren nur sieben Monate, die sich angefühlt haben wie fünf Jahre. Aber vom ersten Turnier national in Paderborn bis zum Großen Preis von Aachen waren es tatsächlich nur sieben Monate. Und mit Congress Blue PS war es genau das Gleiche. Nach nur sieben Monaten von Hagen national 1,20m zum Weltcup-Dritten in Bordeaux – darüber bin ich einfach sehr glücklich. Da habe ich auch unglaublich viel Glück gehabt.
Du bist beim Weltcup in Bordeaux nachgerückt, hast wieder ein junges Pferd bestmöglich präsentiert – wird Congress Blue PS nun auch verkauft?
Tom Schewe: Hm, also Sonntag und Montag stand das Telefon nicht still. Daniel Deusser hat mir gesagt, dass er aktuell keinen Neunjährigen hat, der über so einen 1,60m Parcours springt, und er ist einer der besten Reiter der Welt. Natürlich waren es sehr viele Interessenten für Congress, aber wir haben schon vor Bordeaux mit den Besitzern beschlossen, dass wir ihn zumindest 2026 zumindest behalten. Was nächstes Jahr ist, weiß ich nicht, aber zumindest können wir diese Saison in Ruhe mit ihm planen.
Was sind denn Eure gemeinsamen Ziele für diese Saison?
Tom Schewe: „Wir fahren demnächst drei Wochen zur Sunshine Tour nach Spanien. Ich möchte mich demnächst voll auf draußen konzentrieren. Und dann würde ich mit Congress natürlich im Mai sehr gerne in Aachen starten, weil ich glaube, dass er dahin gehört. Er spring super gut auf Rasen und auch einen großen Wassergraben, also wirklich vom Feinsten. Vielleicht werde ich ihn vorher noch mal in einem CSI3* Nationenpreis in Lier reiten.
Welche Eigenschaften sind Dir bei Deinen Pferden am wichtigsten?
Tom Schewe: Für mich ist der Charakter am allerwichtigsten. Die Pferde, die einfach einen guten Charakter haben, die machen es einem meist im Parcours später auch leichter.
Congress zum Beispiel ist nach wie vor sehr impulsiv, aber trotzdem versteht er Dinge, die man ihm zeigt oder die man mit ihm macht. Er setzt es vielleicht nicht immer direkt um, aber er versucht es. Dass ihn seine innere Unruhe manchmal noch überholt, lässt sich nicht vermeiden, aber er ist trotzdem immer positiv bei der Arbeit. Ich habe nie das Gefühl, dass ich irgendwas tue, was er nicht will. Wenn man ihn longiert oder Franke ihn an die Doppellonge nimmt, dann nimmt er das immer direkt an und ist nie dagegen.
Was sind Deine langfristigen Ziele als Reiter – wo möchtest Du hin?
Tom Schewe lacht: Ich werde demnächst 28 Jahre alt. Mein Ziel Aachen habe ich zum Glück schon einmal abgehakt. Ich würde natürlich irgendwann gerne nochmal den Großen Preis von Aachen gewinnen. Auf der Tafel vom Salut Festival in Aachen stehe ich schon, jetzt hoffe ich, dass ich es auch noch auf die große Tafel beim CHIO Aachen schaffe. Das wäre ein Lebenstraum.
Und dann würde ich irgendwann super gerne bei einem Championat an den Start gehen – mit einem Pferd, von dem man sagt, man hat jetzt den Richtigen. Ich hoffe, dass ich das irgendwann nochmal umsetzen kann. Wir haben so unglaublich viele gute Reiter, aber es ist unglaublich schwer, den richtigen Reiter mit dem richtigen Pferd im richtigen Moment zu erwischen und dann auch noch richtig fit zu haben. Es kann so unglaublich viel passieren.
Wem guckst Du gerne zu? Wer sind Deine Vorbilder?
Tom Schewe: Yuri ist für mich von der Herangehensweise ein absoluter Ausnahme-Reiter. Wie er da rangeht, wie er das Pferd liest. Was sind die Schwachstellen, was müssen wir verbessern, wie lassen wir das Pferd ein bisschen so, wie es ist, aber wie bringen wir es trotzdem in unser System, damit es funktioniert. Da habe ich mir viel abgeguckt. Im Parcours sehe ich auch Jerome Guery gerne zu, er ist ein sehr starker Reiter. Und wenn man einem Steve Guerdat zuguckt, dann denkt man natürlich, man kann gar nicht reiten. Da sieht man dann ganz demütig zu und hat ganz viel Respekt. Man muss dann als Reiter auch anerkennen, dass jeder seine Stärken und seine Schwächen hat. Ich stehe jeden Morgen auf, und versuche, irgendwas an mir zu verbessern, sonst wäre ich vermutlich auch nicht da, wo ich jetzt bin. Aber zu reitern wie Steve oder Yuri, die sich schon ewig in den Top 50 der Welt aufhalten, zu denen schaue ich schon auf.
Das Interview führte Corinna Philipps von spring-reiter.de







