Ein Traditionsturnier auf einem großen Rasenplatz mit einem olympischen Parcoursbauer – die Generalprobe der Top-Teams für die Weltmeisterschaft in Aachen war beim Nationenpreis in La Baule optimal vorbereitet. Am Ende wurde es ganz knapp, aber unter dem Jubel des Publikums bescherte ihm das französische Team den erhofften Heimsieg mit nur einem zählenden Zeitfehler aus den beiden Umläufen vor dem lange souverän führenden Team Deutschland, das quasi auf den letzten Metern noch den Sieg aus der Hand gab. Platz drei holten sich die Iren, die aus der ersten Runde als Achte und letzte Qualifizierte in den zweiten Umlauf gestartet waren und sich dann mit drei Nullrunden nach vorne gekämpft hatten.
Der Auftakt war nach Maß für Team Germany gelaufen. Nach Runde eins sicherte sich das Team von Otto Becker schon mal die Pole-Position: Gleich die ersten Starter, jüngst Sieger im Großen Preis von Hamburg, André Thieme und seine DSP Chakaria (v. Chap) hatten den 1,60m Parcours fehlerfrei und wie am Schnürchen abgeliefert. Hatten die Beiden in Aachen noch einen Wasserfehler, flog die Fuchs-Stute heute geradezu über den großen Wassergraben. Auch Sophie Hinners und Iron Dames Singclair (v. Singular LS La Silla), kürzlich noch Dritte in Aachen, ließen den Nationenpreis-Parcours leicht aussehen und kamen mit weißer Weste ins Ziel. Das gleiche Kunststück gelang auch Daniel Deusser mit seinem Tobago Z-Sohn Otello de Guldenboom, die hier im vergangenen Jahr den Großen Preis für sich entscheiden konnten.
Eigentlich hätte Richard Vogel nach den tollen Leistungen seines Teams zur ersten Runde gar nicht mehr einreiten müssen – er tat es aber doch. Vielleicht auch, um seinen United Touch S (v. Untouched) etwas “aufzuwecken”. Gleich die erste Stange fiel, eine weitere und die letzte auch. 12 Fehlerpunkte und Streichergebnis, aber das machte in diesem Moment natürlich überhaupt nichts.
Ebenfalls drei Null-Runden zeigten die Briten in Runde eins mit Jessica Mendoza & Summerhouse, Joseph Stockdale & Cacharel sowie Scott Brash & Hello Mango. Lediglich Harry Charles kassierte mit Casque Blue einen Abwurf. Das Team war dem deutschen dann auch mit der etwas schlechteren Zeit auf den Fersen.
Die Heimmannschaft, die Franzosen, starteten mit einem Zeitstrafpunkt in die zweite Runde, den sie bis zum Schluss als einzigen Flecken auf der ansonsten weißen Weste behielten. Antoine Ermann hatte ihn mit Floyd des Pres mitgebracht. Startreiterin Nina Mallevaey war mit Dynastie de Beaufour genauso fehlerfrei geblieben wie Schlussreiter Julien Epaillard auf Fringan de Vesquerie. Die vier Punkte von Olivier Perreau auf GL Events Dorai D’Aiguilly in Runde eins wanderten ins Streichergebnis.
In Runde zwei schien es für Team Deutschland auf dem unaufhaltsamen Erfolgsweg so weiterzugehen: Erst eine souveräne Doppelnull von André Thieme mit DSP Chakaria, dann das gleiche auch für Sophie Hinners mit Iron Dames Singclair. Auch bei Daniel Deusser und Otello de Guldenboom sah es nach der nächsten Nullrunde aus, aber dann fiel am letzten Sprung eine Stange. Doch schließlich kamen ja noch die Euopameister… Aber auch Richard Vogel und United Touch lieferten diesmal nicht die erhoffte Null ab. Am Aussprung der Zweifachen auf der Schlusslinie, dem vorletzten Sprung, wurde es für den Hengst mit dem großen Galopp etwas eng, die gelbe Planke fiel – und Deutschland rutschte auf Platz zwei. Denn die französischen Konkurrenten hatten in Runde zwei drei Nullrunden abgeliefert – und die vier Punkte von Startreiterin Nina Mallevaey einfach ins Streichergebnis gedrückt.
Bundestrainer Otto Becker zog gegenüber spring-reiter.de sein Fazit: “Das war mal wieder spannend bis zum letzten Ritt. Super Team-Leistung, fünf Null-Fehler-Runden haben wir gesehen und am Ende haben wir zwei „Match-Bälle“ vergeben. Wir gratulieren den Franzosen, wir brauchen uns nicht zu beschweren. Alle sind super geritten, die Pferde haben sich super präsentiert. Ein zweiter Platz bei diesem Top-Feld ist auch etwas. Im ersten Moment überwiegt die Enttäuschung, gerade wenn man vorne lag und die Chance hatte zu gewinnen. Aber trotzdem keine Vorwürfe an irgendjemanden. Alle haben super mitgemacht und super gekämpft. Wir sind trotzdem zufrieden.”
Die heimlichen Favoriten aus den USA waren zu den größten Pechvögeln dieses Springens geworden: Sie hatten sich nicht einmal für den zweiten Umlauf qualifiziert, nachdem Schlussreiter McLain Ward seinen Lestro vd Valckenborg in Runde eins erst im zweiten Anlauf hatte überreden können, die Mauer, die als zweiter Sprung wartete, zu überspringen. Er wurde Streichergebnis, aber Laura Kraut und Lillie Keenan hatten da schon zwölf Punkte gesammelt, und nur Nathalie Dean war fehlerfrei geblieben.
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