“Wir sind am Anschlag motiviert!” Interview mit Shootingstar Tomma Thiesen und Trainer Hinerk Köhlbrandt

Sie ist eine Senkrechtstarterin, ein neuer Stern, der in den vergangenen Monaten plötzlich am Himmel der deutschen Reiterszene erschienen ist. Sie strahlt – nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch unübersehbar. Denn Tomma Thiesen, die da so plötzlich mit ihren jungen 19 Jahren auf den internationalen Turnieren auftaucht und die Schleifen en gros einsammelt, hat dazu allen Grund. Sie, die keine der typischen Nachwuchskarrieren mit Deutschen Jugendmeisterschaften oder Preis der Besten durchlaufen hat, lässt inzwischen auch die Arrivierten in 3-Sterne-Parcours hinter sich. Da ist Talent ohne Ende, aber auch der unbedingte Wille zum Erfolg. Deshalb ist sie meistens schneller als die Konkurrenz im Ziel. Inzwischen sind auch die Bundestrainer auf sie aufmerksam geworden – Peter Teeuwen hatte sie zu Ostern für Opglabbek ins deutsche U25-Nationenpreisteam berufen und vom 20.-24. Mai wurde sie nun sogar als eine von fünf Reitern für das deutsche CSIO3* EEF-Nationenpreis-Team im dänischen Martofte nominiert.

Bei den CSI3* VR Classics in Neumünsters Holstenhallen hatte die junge Reiterin im Februar mit Top-Erfolgen erstmals auch vor großem Publikum ihr Können demonstriert. Jetzt, bei Horses&Dreams in Hagen, folgte der zweite Streich, unter anderem mit einem CSI3*-Sieg auf Big Lady (v. Big Star) und mit zwei zweiten Plätzen auf Bert (v. Brantzau) in CSI2*-Springen. spring-reiter. de hat mit dem Shootingstar und seinem Mentor und Pferdebesitzer Hinerk Köhlbrand in Hagen über das Geheimnis des Erfolgs gesprochen. Alle zusammen sind sie auf der Sonneninsel Fehmarn in Schleswig-Holstein zuhause.

Du lässt in einem großen internationalen Springen schon mal die namenhafte Konkurrenz hinter dir. Musst Du Dich manchmal noch kneifen?

Tomma Thiesen: Ja, ich bin mir schon bewusst, dass das alles überhaupt nicht selbstverständlich ist, gerade weil ab und zu auch mal ein paar Sachen nicht klappen. Es macht mir einfach unheimlich viel Spaß, Schritt für Schritt aktuell immer wieder neue Erfahrungen zu machen, neue Möglichkeiten zu bekommen, wie zum Beispiel in Hagen. Ich hatte ja Anfang des Jahres in Neumünster schon ein wahnsinnig tolles Erlebnis, dass ich da an den Start gehen durfte. Und, dass sich das jetzt so weiterentwickelt und übers Jahr noch so weiterlaufen kann und ich das weiter so erleben darf, das ist schon sehr, sehr besonders. Ich bin sehr glücklich, aber ich weiß auch, dass schnell wieder andere Tage kommen können.

Normalerweise brauchen Reiter für so eine Karriere viel länger…

Hinerk Köhlbrandt: Ich glaube schon, dass die Meisten mehr Vorlauf haben und benötigen. Ich glaube aber auch, dass es in diesem Sport schon möglich ist. Es gibt bestimmt auch Reiter, die im nationalen Sport unterwegs sind und wirklich gut reiten können, aber gar nicht in Erscheinung treten, weil das Momentum nicht zusammenkommt oder weil das Pferd nicht dazukommt. Tomma ist ja auch vor zwei Jahren schon sehr gut geritten.

Was ist Euer Erfolgsgeheimnis, dass Ihr so schnell nach oben geschossen seid?

Tomma: Ich glaube, wir sind am Anschlag motiviert. Jeden Tag. Wir freuen uns über jede Möglichkeit, die kommt, und über jedes Pferd, das da ist, und über jede Chance, die im Raum steht. Ich glaube, dass dann mit viel Arbeit und viel Herzblut einfach auch was klappen kann. Wenn unser Glauben an ein Pferd da ist und man dann die notwendige Portion Geduld und Motivation mitbringt, um Dinge anzugehen und auch mal den einen oder anderen Rückschlag in Kauf nimmt, dann kann auch schnell mal was funktionieren. Auch wenn es am Anfang vielleicht nicht immer so ersichtlich war. Man hat ja mit jedem Pferd immer so Momente, wo so was durchschimmert, und an denen man sich festhält, wo man glaubt, da könnte es mal hingehen. Aber es dann in vollem Umfang in einer Runde zu sehen, das braucht immer seine Zeit und oft ist es dann lange Zeit gar nicht da oder man könnte meinen, es wird gar nichts. Aber ich glaube, wenn man geduldig bleibt und weiter daran glaubt, dann kann plötzlich der Punkt kommen, wo es da ist. Das ist ziemlich cool an diesem Sport, dass es dann doch noch belohnt wird.

Was macht bei Tomma den Unterschied zu anderen Reitern, dass sie jetzt so schnell erfolgreich ist?

Hinerk: Eine unglaubliche Liebe zum Pferd, und zwar zu jedem einzelnen. Und sie hat ohne Frage viel Talent als Reiterin. Das ist es in Kombination mit der ganz starken Liebe zum Pferd und sehr viel Fleiß. Man sollte auch keine Angst vor Niederlagen haben.

Verunsichert Dich eine Niederlage oder wie gehst Du damit um?

Tomma: Es wird ein bisschen besser, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir sehr leichtfällt. Ich hadere sehr schnell, wenn ich das Gefühl habe, ich habe als Reiter nicht das Optimale herausgeholt. Gerade, wenn man so, wie ich jetzt, so eine Truppe an tollen Pferden hat, kommt immer mal wieder auch die Situation, dass man sich denen nicht ganz gerecht fühlt. Weil man, wenn mal was schiefgeht, das Gefühl hat, nicht aus den Pferden so ganz das herauszuholen, was für die eigentlich möglich ist. Trotzdem habe ich auch gelernt, dass gerade auch aus solchen Runden, bei denen man dachte, boah, das waren jetzt drei Schritte zurück, dass daraus oft noch viel bessere Dinge entstehen und man noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel bekommt und einen neuen Impuls. Und das ist es, worauf es jeden Tag ankommt. Man darf nicht stehenbleiben, man muss sich jeden Tag etwas Neues ausdenken und nicht Angst davor haben, etwas zu ändern oder etwas zu hinterfragen, um einfach so Schritt für Schritt es immer ein bisschen besser zu machen.

Wie bist Du überhaupt zum Reitsport gekommen?

Tomma: Also, meine Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel sind eigentlich alle geritten oder reiten. Ich habe von meinem Opa zur Geburt ein kleines Shetland Pony bekommen. Mein Opa spielt auch eine ganz, ganz große Rolle in meiner ganzen Entwicklung, die ganzen ersten Jahre. Ich bin am Anfang nicht Turniersport geritten, sondern ich bin super viel ausgeritten durch die Felder auf Fehmarn, und mein Opa ist mit dem Fahrrad nebenhergefahren. Irgendwann habe ich dann mein erstes eigenes Pony bekommen und bin dann lange Zeit Dressur geritten bis L. Mit 14 Jahren, als ich dann ein eigenes Pferd bekommen habe, bin ich zum Springen rüber gewechselt.  

Wie kam das?

Tomma: Meine Tante und mein Onkel reiten beide Springen und haben einen großen Reiterhof, wo wir als Kinder in den Sommerferien immer ganz viele und sehr, sehr schöne Wochen verbracht und richtig Urlaub mit den Ponys gemacht haben.  Die Beiden waren sicher mit ausschlaggebend, dass mich am Ende Springen doch ein bisschen mehr gefesselt hat, weil ich da viel Zeit verbracht habe. Ich bin sehr froh darüber. 

Du hast Dich gleich nach dem Abitur entschieden, Bereiter bei Hinerk Köhlbrandt zu werden?

Tomma: Es war eigentlich eher zufällig, dass ich ungefähr ein Jahr vorher so ein bisschen angefangen habe mit zu reiten, so wie es die Schule zuließ. Ich ging immer ordentlich in die Schule – außer, wenn Turnier war. Als ich dann im Sommer Abitur gemacht habe, war mir klar: Jetzt will ich es auch voll machen. Ich konnte mich dann ganz darauf konzentrieren und damit ist dann noch ein bisschen mehr in Gange gekommen.

Und wie geht es weiter? Willst Du irgendwann noch studieren oder wird die Karriere als Profireiter forciert?

Tomma: Ich tue mich schwer, mich da jetzt schon festzulegen. Ich habe für mich gesagt, dass ich die Junge Reiter-Zeit auf jeden Fall erst einmal so weitermachen will. Und wenn ich ganz ehrlich bin, wahrscheinlich auch noch ein bisschen länger. Aber ich bin offen. Vielleicht studiere ich noch mal. Ich hätte ja auch vor zwei Jahren noch nicht gedacht, dass ich das Jetzige mache.

Wie viele Pferde hast Du denn im Moment zur Verfügung?

Tomma: Ich habe im Moment acht Pferde, die ich reite. 

Wie schwer war es, hier eine Startgenehmigung für Neumünster und Horses & Dreams zu bekommen?

Hinerk lacht: Sehr schwer. Aber Tomma glaubt mir das schon nicht mehr, weil es bisher jedes Mal geklappt hat. Ich gehe da über den Bundestrainer – und dann muss man hoffen und beten. Ich empfinde das nicht als selbstverständlich. Es gibt ja schließlich sehr viele gute Reiter.

Tomma: Ich habe es ganz oft, wenn die Nominierungen raus sind und man die Reserveliste sieht, dass ich manchmal denke, da ist was falsch. Denn es sind ja mehr gute Reiter, als reiten dürfen. Man freut sich dann unheimlich.

Da hilft es sicher, wenn man so einen Lauf hat wie ihr. Wie bekommst Du die Pferde auf Deine Seite?

Tomma: Ich versuche nicht, mich krampfhaft an einem Ideal festzuhalten. Am Ende ist es eine Mischung daraus, dass man jeden Tag an den Schwächen der Pferde arbeitet und diese versucht zu verbessern. Aber, so halte ich es auch bei meinem Parcoursreiten, man muss auch die Pferde ein bisschen so lassen, wie sie sind, und sich mehr darauf konzentrieren, was fällt dem Pferd richtig leicht und was ist seine Stärke. Wenn ein Pferd richtig viel Galopp hat, dass ich mich dann nicht stupide an enge sechs Galoppsprünge halte, sondern es als Option habe, dass ich dann fünf reite und es dem Pferd damit leichter mache. Ich versuche, im Parcours nicht gegen die Pferde zu arbeiten, sondern von der Idee her es zusammen anzugehen. Ich glaube, dass die Pferde das mit der Zeit merken. Ich glaube, dass die Pferde einem schnell etwas zurückgeben, wenn man lange Zeit auch Geduld hat und viel Arbeit reinsteckt und an ein Pferd glaubt. Ich bin schon der Überzeugung, dass die das auch merken und dass da auch ein Selbstbewusstsein entstehen kann.

Welches Pferd war denn Deine größte Challenge und warum?

Tomma: Da kann man Bert nennen, weil bei ihm am Anfang alles sehr ungestüm war. Wir sind mit Springpferde A angefangen und ich war auch vor zwei Jahren ja auch noch unerfahrener. Das war eine Challenge rein vom Reiten her, aber auch mental. Nicht den Glauben daran aufzugeben, wenn man zuhause eine richtige Idee entwickelt hat. Das ist am Ende doppelt toll, wenn es jetzt da ist und man immer daran geglaubt hat, und notfalls lange Zeit weiter macht.

Ist er jetzt auch einer Deiner Lieblinge?

Tomma: Ja, er ist auch ein bisschen ein Clown. Er hat jeden Tag gute Laune, es wird definitiv nie langweilig mit ihm. Ich mag das auch, wenn Pferde Charakter haben. Am Ende ist es auch eine Stärke. Er hat auch immer mehr Selbstbewusstsein bekommen, und das brauchen sie am Ende ja auch. Dafür ist es ja alles auch zu schnell und zu schwer, als dass sie da schüchtern sein dürften.

Apropos schüchtern – bist Du komplett angstfrei und brauchst Du manchmal auch eines Schubs von Hinerk?

Tomma: Wenn ich in den Parcours reinreite, dann ist es ziemlich klar, dann will ich schnell und gut sein. Das ist relativ simpel. Da bin ich auch glücklich drüber, das hilft extrem, wenn man dann eine gewisse Angriffslustigkeit hat und den Willen und den Glauben an die Sache. Ohne das hätten viele Dinge so nicht geklappt. Außerhalb des Parcours komme ich schnell mal in die Situation, dass ich Angst davor habe, dass etwas schief geht. Nicht, dass ich Angst vor einem Sturz habe, aber dass dem Pferd irgendwas Blödes passiert. Da bin ich relativ kritisch mit mir und meinem Reiten, so dass da immer mal wieder das Gefühl aufkommt, dass man es nicht gut genug gemacht hat. Gerade wenn man auf solchen Turnieren wie Hagen ist, dann kommt der Vergleichsmoment sehr schnell. Dafür braucht man nur die Anderen auf dem Abreiteplatz zu sehen.

Hinerk greift ein: Du genießt es ja eigentlich, aber Du hast ja eher die Tendenz, Dich mit Selbstkritik zu zerfressen.

Tomma: Ich komme nicht da raus, mich manchmal auch schlecht zu machen. Es ist ja richtig, wenn man zu Leuten aufguckt, und ich glaube es ist eine der wichtigsten Sachen, dass man niemals denkt, man habe ausgelernt. Gerade mit Pferden musst du immer wieder eine neue Idee haben und neue Fähigkeiten aufbauen.

Wem guckst Du gerne zu, wer sind Deine Vorbilder?

Tomma: Vor allem Sophie Hinners und Richard Vogel. Das liegt auch einfach daran, dass mich deren Parcoursreiten sehr fasziniert, wie sie unwahrscheinlich schnell und effizient reiten und dabei nie das Pferd in eine blöde Situation bringen. Beide haben die Pferde immer sicher vor sich und unterstützen sie bestmöglich im Parcours. Das ist eine Fähigkeit, von der ich hoffe, dass ich sie mit der Zeit immer mehr erlerne. Aber es gibt so viele Reiter wie Hannes Ahlmann und Mathies Rüder, die ich auf den Turnieren treffe, von denen man sich so viel abgucken kann, das sind auch junge Leute. Das finde ich richtig cool. Es gibt sehr, sehr viele Reiter, denen ich gerne zusehe.

Was ist Deine Philosophie beim Reiten, im Umgang mit den Pferden?

Tomma: Ich mag Pferde einfach gerne, ich bin gerne mit ihnen zusammen. Es ist nicht nur der Sport, sondern ich habe unheimlich Spaß dabei, mit Pferden die Zeit zu verbringen. Hier auf Turnieren hat man noch mehr Zeit dazu als zuhause, wo man mehr Pferde hat. Oft reite ich alle acht Pferde, aber es gibt natürlich auch Tage, an denen ich fünf reite. Aber hier, kann ich auch jeden Tag mit den Pferden grasen gehen und setze mich auch ganz oft in die Box zu ihnen. Ich bin dann einfach nur bei den Pferden und ich glaube, dass das eine Basis ist, die viel hilft. Ich glaube, dass auch die Pferde das merken.

Zwischenruf von Hinerk: Ich glaube, Du magst Pferde noch lieber als Menschen…

Tomma, lacht: Das ist gut möglich. Zum Beispiel Django Riff, den ich gerade auch reite, der ist so vor einem Jahr zu uns gekommen und der war am Anfang nicht sehr Menschen bezogen. Es ist, glaube ich, auch jetzt noch nicht so, dass er Menschen unbedingt liebt, aber ich würde schon behaupten, dass er ein bisschen mehr Freude am Täglichen gefunden hat. Ich kann das nur darauf zurückführen, dass ich sehr viel Zeit mit ihm verbracht habe. Das mag verrückt klingen, aber ich finde es richtig toll, wenn Pferde liegenbleiben in der Box, wenn man zu ihnen geht. Er hat am Anfang gar nicht viel gelegen und ist immer aufgestanden, aber mittlerweile bleibt er komplett liegen und vor ein paar Tagen konnte ich dann meinen Arm um ihn legen und er machte die Augen zu – da hätte ich vor Freude weinen können, weil mir das so richtig viel bedeutet. Man merkt, dass das Vertrauen jetzt größer ist. 

Welche Pferde sind Dein Typ, welche Eigenschaften müssen sie haben?

Tomma: Mit meinem eigenen Pferd bin ich vor allem Stilspringen geritten. Dann wurden es immer weniger Stilspringen, und da musste ich mir was einfallen lassen und schneller reiten. Das fühle ich mich mittlerweile auch sehr wohl, viel Galopp zu reiten, und auch die Pferde fühlen sich noch wohler und zeigen sich zufriedener. Ich mag es, wenn Pferde mutig sind, wenn ich also im Parcours das Gefühl habe, sie schrecken vor nichts zurück und sie haben einen starken Charakter. Ich habe das große Glück, dass so ziemlich alle meine Pferde so sind. Mit Django Riff bin ich in Neumünster das Samstag-Springen geritten, und ich war noch nie ein Springen in der Höhe geritten, aber der ist so stark in seinem Charakter und vermittelt einem so einen Mut, das alles anzugehen. Du weißt, der schreckt nie vor irgendwas zurück. Das gibt dir als Reiter so viel, weil du einfach weißt, ich kann das jetzt angehen und der geht das mit. Dann kann ich auch auf ein paar andere Sachen verzichten. Er hat bestimmt nicht die allerletzte Rittigkeit, was ja eigentlich das Ziel ist. Aber wenn die Pferde mutig sind, wenn sie ein bisschen was drin haben und das Ganze auch wollen, das gibt mir schon sehr viel.

Hinerk, wie kommst Du an die Pferde? Wonach guckst Du?

Hinerk: Ich gucke relativ viele Pferde, auch über Videos. Mittlerweise kaufe ich sie eher im Bereich sechs-, sieben-, achtjährig. Nicht drei-, vierjährig. Ich habe ja auch eine ganze Zeit recht erfolglos gezüchtet. Von daher würde ich fast behaupten, dass ich vielleicht gar nicht so eine große Gabe habe, bei einem Zwei- bis Dreijährigen groß etwas zu erkennen. Ich bin aber bereit, wenn ich einen auf einem Turnier mag, schon mal einen Kompromiss einzugehen. Sei es, dass das Pferd vielleicht ein bisschen zu heiß oder nicht ganz rittig ist. Aber wenn man das Gefühl hat, der kann und will richtig springen, dann ist das was, was mich triggert.

Aber Sechs- bis Achtjährige sind sie auch schon richtig teuer?

Hinerk: Ja, das ist das Problem, das alle haben. Dann versucht man vielleicht eine Kooperation, das Pferd zur Hälfte zu kaufen.

Wenn Tomma jetzt so viel Erfolg hat, dann kommen ja vielleicht auch Interessenten und wollen Django Riff oder die erst achtjährige Big Lady kaufen? Wie lange kannst Du da widerstehen?

Hinerk: Die werden am Ende verkauft. Das ist so. Aber noch bin ich einigermaßen standhaft. Big Lady gehört zum Teil auch meiner Frau und meiner Schwägerin. Die sind sehr taff. Wir sind Mehrheits-Anteilseigner, aber das würde schon recht schwierig. Es ist aber bei diesen Pferden ganz klar der Plan, dass sie Grand Prix gehen, jeder. Und natürlich mit Tomma.

Was ist Dein Ziel, Tomma, was steht noch auf Deiner Bucket List, wenn Du mal träumen darfst?

Tomma: Ich bin jetzt zwei Drei-Sterne-Turniere geritten, es ist dann ja logisch, dass man den nächsten Schritt machen will. Hohen Wieschendorf wären vier Sterne, aber das steht noch in den Sternen. Das wäre natürlich eine Sache, über die ich mich richtig freuen würde. Ich glaube einfach, dass man unabhängig davon, ob man an diesem Wochenende erfolgreich ist oder nicht, Parcours auf diesem Niveau zu reiten und mit Top-Reitern zusammen zu reiten, das kann nur einen Mehrwert haben. Deswegen will ich einfach versuchen, jeden Tag etwas zu lernen und für die Pferde immer besser zu werden und immer souveräner und noch vielfältiger als Reiter. Damit man am Ende das Gefühl hat, man kann jedes Pferd unterstützen und sich auf jedes Pferd einstellen. Ich glaube, man kann ja sowieso nicht zu viel planen in diesem Sport. Die Pferde müssen gesund bleiben und es muss alles klappen. Es muss ja auch immer so ein Momentum da sein.

Und, Hinerk, wovon träumst Du?

Hinerk: Ich hätte das vor zehn Jahren von mir sicher nicht gedacht, dass ich das jetzt als Teampartner oder Pferdebesitzer oder wie man meine Rolle auch bezeichnet, erleben darf. Ich bin mal ländlich S-Springen geritten. Es ist jetzt schon ein bisschen ein Traum, den man miterleben darf.

Tomma, Deutsche Jugendmeisterschaften bist Du nie mitgeritten?

Tomma: Nein, ich bin mit meinem eigenen Pferd zweimal S gesprungen und habe meine erste S-Platzierung geholt. Mehr war nicht drin. Das Pferd habe ich noch, Viva Las Vegas ist bei uns zuhause jetzt in Rente, aber es geht ihr sehr gut. Ich hatte damals immer mal das Gefühl, es wäre schön, diesen Schritt mehr noch zu schaffen und Deutsche Jugendmeisterschaften mitzureiten. Rückblickend denke ich, am Ende habe ich eben ein bisschen mehr Zeit gehabt. Ich glaube nicht, dass es geschadet hat. Ich hatte eine supertolle Zeit mit diesem Pferd, ich habe richtig viel von ihr gelernt und hatte mit ihr so viele schöne Momente.

Vielen Dank Tomma Thiesen und Hinerk Köhlbrandt für das interessante Gespräch!