André Thieme hat den festen Plan, zum fünften Mal das Hamburger Derby zu gewinnen
So wie 2025 will er wieder strahlen: André Thieme und Paule S nach ihrem Derbysieg 2025 Foto: spring-reiter.de

André Thieme hat den festen Plan, zum fünften Mal das Hamburger Derby zu gewinnen

“Ich liebe dieses Springen” und “ich will es so oft wie möglich gewinnen”: André Thieme lässt keine Zweifel daran aufkommen, worum es ihm am kommenden Wochenende und auch in Zukunft in Hamburg geht. Er will das traditionsreiche Deutsche Spring-Derby gewinnen, jetzt erst einmal zum fünften Mal nach dem Sieg Nummer 4 im vergangenen Jahr. Seit 1920 wird dieses Springen auf dem großen Rasenplatz mitten im Hamburger Villenvorort Klein Flottbek über einen nahezu unveränderten Parcours ausgetragen, so wie ihn Eduard Pulvermann konzipiert hat. Manche sagen, es sei das schwerste Springen der Welt, 1.230 Meter lang, 17 Hundernisse mit 24 Sprüngenbis zu 1,65m Höhe, sechs Mal rechts herum führt der Weg, dann sieben Mal links herum, über den 3,80 Meter breiten Wassergraben, über den drei Meter hohen Großen Wall, durch Pulvermanns Grab und, nicht zu unterschätzen, über die zwei Eisenbahnschranken Richtung Ziel.

Eben deshalb hat André Thieme sie zu Hause mit seinem Paule S (v. Perigueux) auch noch mal geübt und ist mit dem vor Kraft strotzenden zwölfjährigen Braunen “auch noch mal Pulvermanns Grab gesprungen”. Ansonsten kennt sein Paule S ja den Parcours. Nach den drei Derbysiegen auf Nacorde (v. Concorde) in den Jahren 2007, 2008 und 2011 war es dieser Paule S, mit dem er sich 2025 zum vierten Mal das Blaue Band in Hamburg sichert. Damit liegt er jetzt in der Derby-Rekordliste mit Hugo Simon gleichauf, der 1977, 1983, 1984 und 1997 gewann. Sollte André Thieme in diesem Jahr wieder den Sieg holen, teilte er sich Platz zwei mit der Holsteiner Legende Fritz Thiedemann, der in den fünfziger Jahren jedes zweite Derby gewann. Dann ist nur noch einer vor ihm, Nelson Pessoa, der Vater von Rodrigo Pessoa: Vier Mal gewann er in den sechziger Jahren – und kehrte 24 Jahre nach seinem ersten Sieg triumphal zurück, um dann 1992, 93 und 94 noch drei Mal in Serie das blaue Band zu erringen.

Für seinen Paule S, da ist sich André Thime sicher, müsste auch der fünfte Derbysieg noch nicht das Ende bedeuten. Er ist zwölf Jahre jung und “hat Kraft und Blut für zwei Pferde”. Im vergangenen Jahr hat er es erfolgreich getestet, deshalb wird er ihn auch in diesem Jahr wieder ohne Sporen reiten. “Es geht alles viel einfacher.” Außerdem, so scherzt er schon mal, “gewinnt dann diesmal der ohne Sporen” den mit Publikums-Votum unterlegten “Anrecht-Investment Harmonie & Fairness Style-Award”.

Der Mecklenburger Ex-Europameister hat in Hamburg für die 5*-Tour, wo unter anderem Christian Ahlmann und Philipp Weishaupt seine Konkurrenten sind, natürlich auch seine DSP Chakaria (v. Chap) dabei. “Sie hatte ein ganzes Jahr wegen ihrer Verletzung Pause und hat alle überrascht”, wie sie jetzt auf seiner USA-Tour zurückgekommen ist. Sie sei top in Form, aber “mein Fokus liegt jetzt erst einmal voll auf Paule und dem Derby”. Für DSP Chakaria ist Hamburg der letzte Schriit vor dem CHIO Aachen mit dem Rolex Grand Prix in eineinhalb Wochen: Da hat sie schließlich ihren Titel zu verteidigen.”

Derby-Turnierchef Matthias Rath hofft jetzt vor allem, “dass es so wenig wie möglich regnet, damit sich der Stehwall füllt” und die richtige Derby-Stimmung den Turnierplatz in Stimmung bringt. Für die große überdachte Tribüne sind schon nicht mehr viele freie Plätze zu haben. Zusätzlich zum nicht einplanbaren Wetter ist in diesem Jahr auch noch externe Konkurrenz hinzugekommen: “Parallel laufen die CSI5* in Windsor und Madrid, die ebenfalls Spitzenreiter anlocken.

441 Pferde und Reiter aus mehr als 30 Nationen haben sich zum Al Shira’aa Deutsches Spring- und Dressur-Derby in Hamburg angekündigt, die Vorbereitungen sind im Schlusssprint, die Anreise in vollem Gang. „Wir freuen uns, dass es morgen losgeht!“, erklärt Turnierchef Matthias Rath. „Es ist richtig schön, dass wir so viele Nationen am Start haben.“ Reiter aus 24 Nationen haben sich für die Springprüfungen gemeldet, 14 für die Dressur, mit Überschneidungen sind so knapp über 30 Nationen im Derby-Park vertreten. „Das finde ich einfach toll, Reiter und Gäste aus nahezu der ganzen Welt in Hamburg empfangen zu dürfen.“

Pünktlich um 8 Uhr wird auf jeden Fall morgen, am Mittwoch, im Springstadion die Startglocke für das erste Springen ertönen, ein CSI4* der Classic Tour – und am anderen Ende der Anlage, im Dressurstadion, am nächsten Tag um 9 Uhr für die erste Dressur. Dort wird es bis zum Sonntag für den U25-Europameister Moritz Treffinger nicht nur um die Konkurrenz mit solchen Größen wie Isabell Werth gehen, sondern auch um ein ungewohntes Problem: Seine Mutter ist üblicherweise dafür zuständig, den langen Schweif seiner Fiderdance zu bürxten. Aber die ist diesmal mit einem anderen Pferd der Familie in München. Da muss dann wohl der Vater ran, denn: Hauptsache, wir sehen gut aus, dann wird sich der Rest schon finden”, grinst er.