Sie ist erst neun Jahre alt und “ein Ausnahmepferd” – ihr Reiter, der Vize-Europameister von 2023, Philipp Weishaupt, hat maximale Erfahrung: Im Großen Preis von Hohen Wieschendorf spielten beide ihre Qualitäten aus und sicherten sich den Sieg im Großen Preis der DKB in Hohen Wieschendorf über 1,60m. Und das war gar nicht so einfach. Vor allem die erlaubte Zeit war ein großer Gegner, immerhin 5 Paare kamen mit nur einem Zeitfehler ins Ziel. Nur 5 Paare meisterten den Parcours von Marco Hesse am Ende ohne einen Fehler.
Als Erster bezwangen der Tscheche Ales Opatrny und Vivo de Muze PS (v. Vivant) den Grand Prix Parcours und mussten folglich das Stechen eröffnen. Das Paar ging auch erst mal in Führung, bis ja bis Philipp Weishaupt und seine 9-jährige Lady Concern du Rezidal (v. Emerald) die Bühne in Hohen Wieschendorf betraten. Der mehrfache Rolex Grand Prix Sieger spielte all seine Routine aus, ließ die schwarze Stute über die Hindernisse fliegen und war mit 43.16 Sekunden einen Hauch schneller im Ziel, als sein tschechischer Kollege. Diese beiden blieben dann auch die einzigen Doppel-Nuller.
“Ich habe Lady jetzt fast zwei Jahre im Stall. Ich habe sie durch Zufall auf einem Turnier in Prag springen sehen. Sie ging a in einer Youngster Tour und ich habe mich sofort verliebt. Auch weil sie einfach viel besser sprang, als alle anderen. Ich habe mich nicht verliebt, weil sie so schöne Ohren hat”, lacht Philipp Weishaupt nach seinem Sieg.
“Wir haben sie dann auch direkt gekauft, ohne sie auszuprobieren. Ich habe mit Edouard de Rothschild einen super Besitzer gefunden, mit dem wir einen langfristigen Plan machen und uns etwas Zeit lassen können”, erklärt Philipp Weishaupt. Lady habe schon tolle Sachen gemacht, war schon in Shanghai dieses Jahr, in s’Hertogenbosch, in Paris, fasst es Weishaupt zusammen. “Und heute konnten wir hier dann mal etwas schwerer mit ihr gehen. Sie ist wirklich ein Ausnahmepferd. Das hat sie heute wieder bewiesen”, freut sich der Reiter. Auch wenn er zugab, dass er zum großen Wasser im Umlauf etwas mehr unternehmen musste: “Ich bin die letzten zwei Wochen zweimal im Wasser gelandet. Das sollte mir heute nicht passieren”, scherzte Weishaupt gegenüber spring-reiter.de
Glücklich über Platz zwei war Ales Opatrny: “Ich habe mein Pferd erst seit Januar. Es war sein erstes 1,60m Springen und er hat es super gemacht.” Platz drei ging an Douglas Lindelöw mit Asterix de Couleur (v. Aganix de Seigneur) vor den Hagen Siegern, Stefan Engbers und Baju NRW: “Ich bin mit Baju wieder super zufrieden. Leider war der Stechparcours für mein sehr großes Pferd heute nicht optimal gebaut. Aber ich bin super stolz auf Baju”, freute sich Stefan Engbers gegenüber spring-reiter.de
Mit großem Jubel wurde die Lokalmatadorin und Fünfte in Hohen Wieschendorf, Christin Wascher, gefeiert: “So einen Großen Preis reite ich nicht gerade oft. Es war toll, hier die Möglichkeit zu bekommen und mit so viel Unterstützung vom Publikum macht es auch einfach Spaß”, freute sich die Mecklenburgerin, die nur “nebenbei” reitet und in der Woche im Krankenhaus im Labor arbeitet.
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Das Zitat des Tages:
Ralf Runge, Co-Bundestrainer der deutschen Springreiter: „Das Turnier ist gewaltig! Das kennt man so gar nicht mehr – diese Gastfreundschaft, die Herzlichkeit, die Bedingungen, alles speziell gut. Alles ist sehr professionell, das merkt man an den Abläufen, jeder weiß, was er zu tun hat. Ich bin das erste Mal hier und hatte mich im Vorfeld gewundert, warum alle Reiter hierhin und nicht auf andere Turniere wollten, auch nicht zu Nationenpreisen. Kein Reiter wollte nicht nach Hohen Wieschendorf und ich verstehe auch, warum.“
Vorschau auf 2027: „Noch eins obendrauf“
„Die ersten drei Turniere hier in Hohen Wieschendorf waren schon toll, aber ich bin überrascht, dieses Jahr konnten wir noch eins obendrauf legen“, resümierte Turnierchef Enno Glantz am letzten Tag der DKB Pferdewoche Hohen Wieschendorf. „Wir hatten tollen Sport, konnten im Ausstellungsgelände noch intensiver anbieten und das Riesenrad als Symbol ist auch sehr gut angekommen. Und was mich am meisten freut, ist die tolle Stimmung bei Reitern und Besuchern.“
Das Fazit der Sportchefs, Holger Wulschner und Christoph Lanske, fällt ebenso hochzufrieden aus: „Sportlich war das Turnier so überragend, dass wir froh sind, wenn wir das die nächsten Jahre so halten können“, betont Wulschner. Mit 107 Startern in der Youngster-Tour sei das sicher ein Punkt, über den man nachdenken werde. „Es konnten alle Reiter zwei Pferde in der Youngster-Tour reiten, vielleicht werden wir das doch auf eins begrenzen. Oder wir gehen von den Sieben- und Achtjährigen wieder auf die Sechs- und Siebenjährigen.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Aber Enno hatte dieses Jahr mehr sieben- und achtjährige, deswegen hat das so besser gepasst.“
Großes Lob von Gastgeber Glantz und den Sportchefs erhielt das ganze Parcours-Team rund um Marco Hesse und Ralf Stehr. „Das Team hat aus meiner Sicht einen abnormal guten Job gemacht“, erklärte Wulschner. „Sie haben super Parcours gebaut: anspruchsvoll, aber es gab keine schlechten Bilder und die Prüfungen waren super interessant und spannend. Top.“
Besonders hervorgehoben hat Glantz auch den Erfolg der Glantz & Gloria Fohlenauktion. „Die Qualität der Fohlen war unheimlich gut und wir hatten einen Durchschnittspreis von 23.500 Euro dieses Jahr. Das ist nochmal eine Steigerung zum letzten Jahr von 19.500 Euro. Das hat alle Erwartungen übertroffen.“
In vollen Zügen habe er mit allen Gästen und Besuchern auch den Samstagabend genossen – angefangen vom Spring-Biathlon-Wettbewerb der Erdbeerhöfe über die Showeinlagen bis zu seiner eigenen unerwarteten Ehrung mit der Goldenen Erdbeere. „Ich bin immer noch geflasht.“ Es sei ein wirklich schöner Abend gewesen und die Party danach… „war eine Granate.“
„Wir sitzen alle in einem Boot“
Im Rahmen der DKB Pferdewoche hat Enno Glantz auch erstmals seine neue „Enno Glantz Förderstiftung“ präsentiert. Eine Stiftung, die sich dem Erhalt bedeutender Turniere und der Förderung talentierter Reiter widmet. „Die ersten Reaktionen, die ich hier erleben durfte, waren sehr positiv. Wir sitzen alle in einem Boot und wir alle brauchen Turniere – egal, ob Reiter oder Züchter oder wie auch immer man mit Pferden verbunden ist, deswegen habe ich diese Stiftung gegründet.“ Die Verwaltung der Gelder übernimmt ehrenamtlich der Erdbeerhof Glantz, so dass jeder gespendete Euro zu 100 Prozent den Stiftungsprojekten zugutekommt.
NDR Live
Zum ersten Mal hat das NDR-Fernsehen zweimal je eineinhalb Stundenlive aus Hohen Wieschendorf übertragen. „Ich habe da immer drauf hingearbeitet und versucht, den NDR zu überzeugen. Das ist jetzt geglückt und sind sie auch sehr überzeugt. Und mir wurde ganz klar signalisiert, dass das jetzt Standard wird, dass der NDR auch die nächsten Jahre übertragen wird. Das ist natürlich für das Image des Turniers sehr gut.“
Von verschiedenen Seiten wurde das Team angesprochen, ob man sich auch ein Fünf-Sterne-Turnier oder eventuell die Austagung eines Nationenpreises vorstellen könne, darauf antwortet Hausherr Glantz: „Wir sind erstmal für alles offen, aber wir werden das sehr genau prüfen, ob das wirklich richtig ist. Wir wollen das, was wir hier erlebt haben, die vier tollen Tage mit dieser Stimmung beibehalten. Die Stimmung ist das Wichtigste an so einer Veranstaltung, damit alle sagen: Hey, das ist hier toll!“
Hey, das ist toll – unter dem Motto blickt Glantz auch schon auf sein Turnier 2027: „Dieses Turnier ist für mich ein sehr persönliches Ding, eine persönliche Emotion.“
