Manchmal ist gentlemanlike einfach nicht angebracht – der Niederländer Bart Bles hat mit dem 12 Jahre alten Wallach Jancoulavsco Fortuna keine falsche Rücksicht an den Tag gelegt und den Großen Preis von Redentin beim CSI Ostsee Trophy gewonnen. In 39,12 Sekunden war die klug angelegte und präzise gerittene Runde “erledigt” und Bles bei seinem ersten Gastspiel in Mecklenburg-Vorpommern Sieger im mit 35.000 Euro dotierten Hauptereignis des insgesamt fünftägigen Turniers. Bis dahin hatte die gerade 20 Jahre alte Tomma Thiesen von der Ostseeinsel Fehmarn mit Django Riff die Führung übernommen.
“Das ist ein sehr schönes Turnier, gut organisiert, ein guter Platz – danke dafür”, zählte der 45 Jahre junge Niederländer die Vorzüge der Ostsee Trophy auf. Er habe kurz überlegt, ob er den weiten Weg auf sich nehmen wolle, “aber dann habe ich gedacht, dass es gut für meine jüngeren Pferde ist und ich habe auch neue Pferde dabei gehabt”. Ein bisschen Glück gehöre auch dazu und das sei ihm auf dem Hofgut Redentin nicht “abhanden” gekommen.
Große Sympathie galt ringsum sowohl dem Sieger, aber auch der zweitplatzierten Tomma Thiesen, deren beherzt gerittene Runde vom Publikum ausgiebig honoriert wurde. Lohn der Mühe, neben dem Preisgeld: ein schneller Roller – das verkürzt lange Wege zwischen Stall und Meldestelle…
Platz drei ging an den Dänen Martin Dinesen und Here I`am Z, der einen kürzeren Weg als Tomma Thiesen wählte, aber an die Zeit der schleswig-holsteinischen Amazone nicht herankam. Bester MV-Reiter war Colin Hackert aus dem Turnierstall André Thieme, der mit Onkel Tom ohne Springfehler blieb, aber einen Zeitstrafpunkt im Umlauf einsammeln und Achter vor Christin Wascher (Redefin) und Quincy wurde. Hinter beiden reihte sich Felix Haßmann (Lienen) mit Carrie Bradshaw MWZ ein. Haßmann hatte zuvor mit Conthargo PS das Finale der Mittleren Tour des CSI gewonnen. Insgesamt 37 Paare gingen im Großen Preis an den Start, darunter auch die MV-Promis wie Holger Wulschner (Passin), der allerdings im Umlauf mit Comme un Reve einen “Netzroller” verzeichnete.
Gute Noten für die internationale Premiere
Lob gab es von allen Seiten für die freundliche Atmosphäre, für Plätze, Halle und Organisation. Das stellte Turnierchefin Kathrin Wiedmer zufrieden. Gleichwohl hat die Springreiterin einige Punkte auf dem “Zettel”, was man noch anders machen könnte. Derweil hatte Vater Peter Leibold schon eine Entscheidung auf dem Platz verkündet: “Wir möchten international weitermachen”. Zurückgehen zu einem nationalen Turnier ist aus seiner Sicht keine kluge Option und Stimmen aus der Reiterei geben ihm da Recht. Jens Wawrauschek aus Warstein – Zweiter in der Medium Tour – räumte unumwunden ein, dass er sich selbst schon gefragt habe, warum er nicht schon vorher mal bei der Ostsee Trophy war, denn “das ist ein wirklich schönes Turnier und auch nicht völlig überlaufen”. Termine wurden noch nicht genannt, allerdings unterstrich Kathrin Wiedmer, dass Faktoren wie Veranstaltungen in der Region, Ferien und auch die Erntezeit Einfluss haben. Der August sei daher schon ein bevorzugter Monat. Erstmal wird auf dem Hofgut “aufgeräumt” und gar nicht lange danach geht es in die Nachbesprechung und den Planungsbeginn für das Jahr 2027…



