Greta Lepratti gelang ein historischer Erfolg: Sie gewann als erste Italienerin seit 22 Jahren die Goldmedaille bei den FEI Jumping European Championships der Jungen Reiter. Zuletzt hatte Andrea Herholdt 2004 im portugiesischen Vilamoura den Titel für Italien gewonnen. Silber sicherte sich der Ire Tom Wachman, Bronze ging an die Britin Noora von Bülow.
Das von der Horst-Gebers-Stiftung präsentierte Einzelfinale mit zwei Umläufen über 1,50 Meter sorgte noch einmal für Bewegung im Klassement der U21-Reiter. Greta Lepratti war mit lediglich 0,58 Strafpunkten aus dem Zeitspringen in das Finale gestartet. Gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Arko III-Tochter Mercy van ‚t Ruytershof blieb sie während der gesamten Europameisterschaft ohne Abwurf und behielt auch im Finale die Nerven. Entsprechend groß waren Freude und Erleichterung nach ihrem historischen Triumph: „Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich muss erst noch verarbeiten, was da gerade passiert ist. Aber ich bin wirklich unheimlich glücklich darüber.“
Über die Anforderungen der langen Championatswoche sagte sie: „Die Woche war wirklich anspruchsvoll. Um hier auf dem nötigen Niveau zu reiten, mussten wir in jeder einzelnen Runde unsere Bestleistung abrufen. Über alle Prüfungen hinweg die volle Konzentration zu behalten, war nicht einfach. Aber nach allem, was wir bereits gemeinsam erreicht haben, hatte ich volles Vertrauen in mein Pferd und auch in mich selbst. Ich habe immer an uns geglaubt.“
Die 21-Jährige sitzt seit sechs Jahren im Sattel der belgisch gezogenen Stute, mit der sie ihre größten sportlichen Erfolge feierte. Bereits dreimal nahm das Paar an Jugend-Europameisterschaften teil, erstmals 2022 bei den Junioren. Trainiert wird Lepratti vom italienischen Championatsreiter Riccardo Pisani.
Tom Wachman, derzeit Dritter der FEI Jumping U25-Weltrangliste, spielte im Finale seine ganze Routine aus. Gemeinsam mit dem Selle-Français-Wallach Do It Easy blieb der Ire in allen Wertungsprüfungen null und krönte seine letzte Europameisterschaft bei den Jungen Reitern mit der Silbermedaille. Die erst 18-jährige Britin Noora von Bülow zeigte mit ihrer DSP-Stute Primavera (v. Mylord Carthago) am Finaltag zwei fehlerfreie Runden und sicherte sich damit verdient die Bronzemedaille.
Aus deutscher Sicht beendeten Romy Rosalie Tietje mit Cascadino (v.
Cartani) und Max Paschertz mit Foodfox‘ Cathilde H die Europameisterschaft
auf den Plätzen neun beziehungsweise 16.
Sechs Tage Spitzensport in Hagen endeten mit Junioren-Gold für Jack Kent
Die letzte Einzel-Goldmedaille der FEI Jumping European Championships Children, Juniors & Young Riders ging an den Iren. Gemeinsam mit Ollie van de Klotputten blieb der 18-Jährige über alle drei Wertungsprüfungen ohne Abwurf und sicherte sich damit souverän den Europameistertitel der Junioren. Silber gewann der Tscheche Albert Pisarik mit Baltic Love, Bronze ging an die Niederländerin Lieselot Kooremans mit Lola-Jay ES.
Für Jack Kent war es bereits die dritte Medaille bei einer Europameisterschaft. Nachdem er 2024 im belgischen Opglabbeek Einzelgold bei den Ponys gewonnen hatte und im vergangenen Jahr in Riesenbeck Mannschaftsgold mit den Junioren folgte, holte er nun seinen zweiten Einzeltitel. Zum Erfolg trug der belgische Wallach Ollie van de Klotputten (v. Jackson de Regor x
Chatman) bei, den Kent erst zu Beginn dieses Jahres von der Kanadierin Ashlynn Crowley übernommen hatte.
„Vom ersten bis zum letzten Tag war diese Europameisterschaft einfach unglaublich. Im Mannschaftswettbewerb ist es zwar nicht so gelaufen, wie wir es uns erhofft hatten, aber ich konnte mich über das Einzelklassement im Rennen halten. Ich hatte das Glück, dass mein Pferd die ganze Woche über fantastisch gesprungen ist und sich von Runde zu Runde sogar noch gesteigert hat. Ich bin überglücklich. Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit das ganze Jahr über in so ein Championat investiert wird, dann ist dieser Erfolg
einfach etwas ganz Besonderes“, freute sich der 18-Jährige aus Kilkenny.
Die deutschen Junioren verabschiedeten sich mit gemischten Gefühlen aus dem Finale präsentiert von Pikeur. Im entscheidenden zweiten Umlauf blieben alle drei Reiter fehlerfrei, doch die Strafpunkte aus dem ersten Umlauf verhinderten eine Medaille. Bester Deutscher wurde Malte Merschformann mit der Balou du Rouet-Tochter Blue Water, der mit 5,26 Strafpunkten als Vierter das Podium nur knapp verpasste. Brianne Beerbaum und Kiss Me (v. Cornet Obolensky) belegten Rang fünf auf 5.45 Punkten, Lennard Tillmann und Veltiner (v. Van Helsing) schlossen die Europameisterschaft auf Platz neun (6.59) ab.
Mit den Finalentscheidungen der Junioren gingen sechs intensive Wettkampftage in Hagen a.T.W. zu Ende. Rund 300 Nachwuchsreiter aus 33 Nationen kämpften in den Altersklassen Children, Junioren und Junge Reiter um die begehrten Mannschafts- und Einzelmedaillen. Eventpräsidentin Melanie Haunhorst zog ein rundum positives Fazit: „Unsere erste Europameisterschaft haben wir 2014 besucht, seitdem sind viele weitere dazugekommen. Alle diese Veranstaltungen wurden von erfahrenen und professionellen Organisatoren ausgerichtet. Ich war überzeugt, dass wir mit unserem Konzept Family and Friends und unserem großartigen Reitverein im Hintergrund ebenfalls eine besondere Europameisterschaft auf die Beine stellen können. Dass uns das aber in dieser Qualität gelungen ist und wir so überwältigend positive Rückmeldungen erhalten würden, hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Ich bin unglaublich stolz auf das, was unsere Freunde, Vereinsmitglieder und alle Helfer gemeinsam geleistet haben, und unendlich dankbar, dass alles so reibungslos funktioniert hat. Diese Europameisterschaft wird für uns alle eine Erinnerung fürs Leben bleiben – und wer weiß, was die Zukunft noch bringt.“
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