Einzel-Europameister, Team-Bronzegewinner aktuell auf Platz drei der Weltrangliste: Richard Vogel spricht beim TSCHIO Aachen über große Ziele, sein Ausnahmepferd United Touch und die feinen Nuancen, die auf Top-Niveau den Unterschied machen.
Richard Vogel und United Touch S haben den Großen Preis am Sonntag fest im Blick. Bei einem ersten Formtest zeigte der Westfale United Touch S, wie gut er in Form ist. Der 14-jährige Hengst und sein Reiter Richard Vogel, der als Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping in die Soers gereist ist, absolvierte in der ersten Qualifikation einen ersten bewusst dosierten Formtest für das Wochenende. Hochkonzentriert ließ der Braune mit der imposanten Galoppade erahnen, dass er bereit ist für den weiteren Turnierverlauf. Wir haben Richard Vogel am Turnierfreitag zum Interview getroffen.
Wie besonders ist dieses Jahr für dich?
Richard Vogel: Eine Weltmeisterschaft ist immer etwas Einzigartiges – aber im eigenen Land, hier in Aachen, ist das für mich das Nonplusultra. Aachen ist mein absolutes Lieblingsturnier. Besser geht es eigentlich nicht. Team-Bronze bei der Europameisterschaft war schon ein wahr gewordener Traum. Der Einzeltitel hat alles getoppt. Bei der Heim-WM für Deutschland zu reiten, wäre unglaublich.
Ist der TSCHIO jetzt schon eine Art Generalprobe?
Richard Vogel: In vielerlei Hinsicht ja. Der Platz, die Atmosphäre, die Abläufe – vieles ist schon so, wie wir es auch bei der WM vorfinden werden. Das macht Aachen jetzt extrem wertvoll. United Touch fühlt sich hier zudem sehr wohl und kann seine enorme Galoppade und sein Vermögen perfekt ausspielen. Das passt einfach.
Du stehst hier in diesem Jahr besonders im Fokus und bist Anwärter auf den Rolex Grand Slam.
Richard Vogel: Es ist viel los, viele Menschen fragen mich nach Fotos, Interviews, Selfies – das ist schön, aber auch fordernd. Deshalb ist es wichtig, sich vor dem Start bewusst den Raum zu nehmen, um sich zu fokussieren.
Du setzt United Touch S nun bewusst auf weniger Turnieren ein. Warum?
Richard Vogel: Über die Jahre haben wir gemerkt, dass er ein Pferd ist, das nicht viele Turniere braucht. Er genießt das Leben zu Hause total – bei uns in Pfungstadt, mit seinem eigenen Paddock und vor allem den Ausritten im Wald. Seine Pflegerin Felicia Wallin kümmert sich hervorragend um ihn und wir möchten, dass er eine gute Zeit hat und einfach zufrieden ist.
Ist das Teil eures Erfolgsrezepts?
Richard Vogel: Ja, absolut. Diese Balance zwischen Turnier und zuhause ist für ihn entscheidend. Wenn er dann zum Turnier mitfährt, ist er sehr motiviert.
Wie hat sich eure Zusammenarbeit entwickelt?
Richard Vogel: Gerade am Anfang habe ich ihn fast ausschließlich selbst geritten. Unsere Abstimmung ist dadurch immer besser geworden. Wir haben sehr viel Dressur geritten. Das hat ihm sehr geholfen, vor allem beim Versammeln und in engen Parcours. Die technischen Aufgaben fallen ihm heute viel leichter, das liegt an der Dressurarbeit und an der Erfahrung, die wir gemeinsam gesammelt haben. Wir sind immer weiter zusammengewachsen. So ist er zu dem Pferd geworden, das nun in jedem Parcours der Welt glänzen kann. Ich habe mit ihm die bedeutendsten Erfolge meiner bisherigen Karriere feiern können. Er ist ein „once in a lifetime horse“.
Du bist viel unterwegs. Wie hältst du die Verbindung zu ihm?
Richard Vogel: Das funktioniert sehr gut. United ist extrem sensibel, aber auch unglaublich schlau. Wenn ich nach einer längeren Reise zurückkomme, merkt er sofort, dass ich wieder da bin. Seine Pflegerin Felicia sagt immer: Sobald ich mit dem Auto auf den Hof fahre, weiß er, dass ich wieder da bin. Pferde haben ein unglaubliches Gespür. Und wenn ich wieder im Sattel sitze, ist es wie ein sofortiges Klicken.
Wie wichtig ist dein Team – und speziell Felicia Wallin?
Richard Vogel: Enorm wichtig. Felicia ist seine Bezugsperson, wenn ich unterwegs bin. Sie kennt ihn in- und auswendig und kümmert sich jeden Tag um ihn. Das gibt eine unglaubliche Stabilität. Ich weiß, dass er zu Hause perfekt betreut wird. Felicia hält ihn fit, so dass ich ihn jederzeit wieder übernehmen kann. Wenn ich im Sattel sitze, weiß er genau, worum es geht. Wir brauchen nur wenige Trainingseinheiten, um wieder in den Wettkampfmodus zu kommen.
Wie sieht eure Planung bis zur WM aus?
Richard Vogel: Wir haben einen groben Plan mit Aachen und zwei weiteren Turnieren, wahrscheinlich La Baule und Riesenbeck. Aber wir bleiben flexibel – das Pferd gibt letztlich den Takt vor. United Touch braucht nicht alle zwei Wochen ein Turnier, um seine Leistung zu bringen. Er ist sehr selbstsicher und kommt auch nach Pausen frisch zurück.
Mit welchem Gefühl gehst du in den Großen Preis?
Richard Vogel: Mit großer Vorfreude.
Quelle: Pferdesport Deutschland/sag
