Er hat es wieder allen bewiesen: Wenn der Schweizer Steve Guerdat in Bestform ist und gerade nicht der Rücken zwackt, dann ist der Oympia-Sieger von 2012 in London kaum zu schlagen. So war es auch heute in La Baule, wo er gleich doppelt seine Klasse, die große Erfahrung und das enorme Gefühl für seine Pferde demonstrierte. In beiden Hauptspringen des Tages an der französischen Atlantikküste hieß der Champion am Ende Steve Guerdat.
Als Titelverteidiger galoppierte der 44-Jährige mit seinem 12-jährigen Easy Star de Talma (v. Quick Star) als letzter Starter in den bis 1,50m hohen Derby-Parcours. In Führung lag ausgerechnet sein Kollege Martin Fuchs, der mit der zehnjährigen Love de Vie (v. Grandorado TN) bereits eine fehlerfreie Runde mit einer Zeit von 130.54 Sekunden vorgelegt hatte. Und es war auch verdammt knapp.
Aber Steve Guerdat, der Meister der effektiven Linien, ließ auch an diesem Derby-Tag in La Baule nichts anbrennen und sicherte sich nach nur 129.73 Sekunden den verdienten Sieg vor Martin Fuchs und Rene Lopez Lizarazo und Visa de Vy Z (v. Vleut).
Einen starken vierten Platz sicherte sich Richard Vogel mit dem erst achtjährigen Holsteiner Chember (v. Charleston). Die Zeit von 122.98 Sekunden hätte locker für den Sieg gereicht. Leider ging nach einer leichten Berührung unterwegs ausgerechnet eine Rolex-Oxer-Stange zu Boden. Aber was für eine beeindruckende Leistung von dem großen Achtjährigen, der u.a. von Jan Meves in den Sport gebracht worden ist.
Sophie Hinners und Michael Jackson W (v. Diamant de Semilly) meisterten den Derby-Parcours ebenfalls mit nur einem Abwurf und wurden am Ende Siebte.
„Easy Star sprang sogar noch besser als letztes Jahr. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass er sich schwer tat. Mir persönlich hat es etwas weniger Spaß gemacht, weil ich die ganze Runde über die Zeit im Hinterkopf hatte. Aber die Freude ist riesig nach einem so unglaublichen Tag. Am Freitag war ich von meiner Leistung beim Nationenpreis etwas enttäuscht. Lancelotta sprang sehr gut, aber wir hatten in beiden Runden einen Abwurf. Das Gleiche passierte am Donnerstag in der Qualifikation, sodass ich mich nicht für den Grand Prix qualifizieren konnte. Meine Stimmung war etwas gedrückt. Heute Morgen bin ich mit meinen Pferden an den Strand gefahren. Ich sagte mir, dass es ein neuer Tag war, mit zwei tollen Prüfungen vor mir, und dass ich das Beste daraus machen musste. Meine Stute war fantastisch. Sie liebt Stechen und springt gerne schnell. Sie vertraut mir. Das Stechen war brillant und hat mich für das Derby noch mehr motiviert. Ich habe zu Hause viele natürliche Hindernisse, weil ich gerne in der Natur bin. Meine Pferde sind daran gewöhnt und springen gerne solche Parcours. Zwei Ehrenrunden in La Baule zu drehen, das verursacht Gänsehaut,“ fasste Guerdat seine Gefühlslage anschließend zusammen.
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Für Steve Guerdat war es der zweite Sieg an diesem Tag. Schon am Mittag hatte sich der Schweizer in einem 1,50m-Springen mit Stechen gegen die international Konkurrenz durchgesetzt. Mit der Stute Lancelotta (v. Falkenhof’s Lancer) nahm er dem bis dahin Führenden McLain Ward und High Star Hero (v. Zazu) fast noch eine Sekunde ab und sprang ganz oben auf das Podium. Platz drei holten Nayel Nassar und die Emerald-Tochter Orphea HQ.
Bester Deutscher war wieder einmal Richard Vogel, diesmal hatte er Phenyo van het Keysersbos (v. Corydon van T&L) unter dem Sattel. Auch hier hätte die Zeit für den Sieg gereicht, wäre es unterwegs nicht zu einem Stangenkontakt gekommen. So wurden die beiden am Ende Neunte.
Übrigens: Nach seinen zwei Rücken-Operationen muss Steve Guerdat nun jeden Morgen und jeden Abend rund 1,5 Stunden Übungen machen. Und da ist er auch sehr diszipliniert, da er ansonsten wieder Schmerzen hat. Zu Hause in der Schweiz ist zudem noch rund drei Mal die Woche Physio angesagt, wie er spring-reiter.de kürzlich verraten hat. Derzeit zwackt der Rücken offenbar nicht.
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