Briten gewinnen im Stechen Nations Cup in Rotterdam – Deutschland nur Zuschauer im zweiten Umlauf. Otto Becker: „Wir müssen uns an die eigenen Nase fassen.“

Natürlich waren Deutschland und Frankreich die Mitfavoriten vor dem Start der Longines League of Nations Etappe in Rotterdam. Schließlich hatte Frankreich die erste Etappe der Saison in Abu Dhabi gewonnen, Deutschland hatte – nach Platz 2 in Abu Dhabi – die zweite Etappe in Ocala gewonnen und beide gemeinsam führten also vor Rotterdam die Tabelle an. Aber dann kam alles ganz anders.

Nach dem ersten Umlauf in der niederländischen Hafenstadt führte die Schweiz, für die nach drei Nullrunden seiner Teamkollegen Gaetan Joliat auf Chelsea Z (v. Chellano Alpha Z), Martin Fuchs auf Lorde (v. Clyde LVB Z) und Alain Jufer auf Chaccoo de l’Escant MM (v. Chacoon Blue) Schlussreiter Jason Smith mit Picobello van’t Rosakker (v. Kassander van’t Roosakker) gar nicht mehr an den Start musste, gemeinsam mit den Niederlanden, die nach Abzug des Streichergebnisses ebenfalls eine saubere Null vorweisen konnte.

Aber in Runde zwei schob sich plötzlich Team Großbritannien weit nach vorne, das nach Runde zwei noch mit acht zählenden Punkten nur in Lauerstellung gelegen hatte: Ben Maher lieferte auf dem unveränderten Parcours nach vier Punkten im ersten Umlauf eine Null im zweiten mit Marco Kutschers Ex-Catelly (v. Catalido) ab, genau wie nach ihm Sienna Charles mit Chawton (v. Typhoon S) und ihr älterer Bruder Harry Charles in seinem ersten 1,60m Springen mit LT Holst Freda (v. Colman). Für ihn war es sogar die Doppelnull.

Auch die USA glänzten in Runde zwei nach acht zählenden Punkten aus dem ersten Umlauf mit drei Nullrunden: Karl Cook mit Doppelnull auf Caracole de la Roque (v. Zandor) genauso wie Marilyn Little auf La Contessa (v. License), Katherine A. Dian hatte nach acht Fehlerpunkten in Runde eins nun mit Out of the Blue SCF (v. Verdi TN) ebenfalls eine fehlerfreie Runde.

Und plötzlich gab es ein Stechen um den Sieg, Großbritannien mit USA und der Schweiz, deren weiße Weste in Runde zwei einen Flecken bekommen hatte durch einen leichten Fehler des diesmal startenden Jason Smith.

Die Niederlande hatten in der zweiten Runde keine Null mehr geschafft und rutschten auf Rang 5 ab.

Die Entscheidung im Stechen war knapp, denn alle drei Kokurrenten blieben noch einmal fehlerfrei und am Ende betrug der Abstand zwischen dem Ersten und dem Dritten nicht einmal eine halbe Sekunde. Harry Charles musste als Erster ran, lieferte mit LT Holst Freda seine dritte Null und war so schnell, dass es für den Sieg reichte. Marilyn Little brachte das Team der USA auf Platz zwei, Drittschnellster war Jason Smith.

Harry Charles freute sich über den Sieg sowie die drei Null-Runden seiner Stute, die er erst kürzlich von der Neuseeländerin Julie Davey übernommen hatte und die schon beim Weltcup-Finale in Fort Worth für Aufsehen sorgte: „Wir kennen uns erst seit sechs Wochen, sie ist so ein tolles Pferd. Nach der ersten Runde waren wir ziemlich abgeschlagen. Um so stolzer bin ich, wie wir aufgeholt und am Ende gewonnen haben.“

Und die beiden Mitfavoriten? Da nur die acht Besten für die zweite Runde qualifiziert waren, hatten die Teams aus Frankreich und Deutschland Feierabend und sahen der zweiten Runde und dem Stechen von draußen zu: Frankreich mit 20 zählenden Fehlerpunkten, Deutschland mit 12 Fehlerpunkten.

Startreiter Rene Dittmer hatte mit Corsica X (v. Connor) nach souveräner Runde auf der Schlusslinie am vorletzten Sprung einen Fehler an der 1,60m hoch liegenden Planke. Michael Jung machte mit Fischerheros Z (v. Hotspot) zweimal einen Springfehler. Für Mario Stevens und Starissa FRH (v. Stakkato Gold) gab es sogar 12 Fehlerpunkte. Nur Schlussreiter Richard Vogel lieferte mit Cloudio (v. Casall) die erhoffte Null ab.

Das Fazit von Bundestrainer Otto Becker gegenüber spring-reiter.de fiel dann auch nüchtern und selbstkritisch aus: „Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir als Neunte nicht den den zweiten Umlauf einziehen können. Wir kannten das Ergebnis, wussten, dass Richi als letzter Starter fehlerfrei bleiben musste und eine 68-iger Zeit hätte reiten müssen. Er hat die einzige Null-Runde geschafft heute geschafft, deshalb kein Vorwurf an ihn und auch nicht an das Team. Die Enttäuschung ist da. Wir hätten einfach noch ein bis zwei Null-Runden mehr gebraucht, das haben wir heute nicht geschafft, deshalb brauchen wir uns bei keinem anderen zu beschweren und müssen uns an die eigene Nase fassen.“

Immerhin: Platz neun brachte noch einmal 40 Punkte für die Gesamtwertung der Longines League of Nations, die Deutschland damit unverändert anführt, jetzt vor Großbritannien und Irland.

Das komplette Ergebnis hier

Der Zwischenstand der Longines League of Nations vor der letzten Etappe im September in St. Tropez hier