Er ist aktuell die Nummer zwei der Weltrangliste: Kent Farrington sicherte sich alleine 2025 neun Grand Prix Siege. spring-reiter.de hatte beim Rolex-Round Table Gespräch im Rahmen der Dutch Masters die Gelegenheit, mit dem US-Amerikaner über die Ups and Downs im Springsport und seine Motivation zu sprechen, und er hat erklärt, warum man immer offen für Neues sein muss und selbst der erfahrenste Reiter noch jeden Tag dazulernen kann.
Nach dem Rolex Grand Prix Sieg mit Greya in Genf im vergangenen Dezember bist Du der Live-Contender auf den Rolex Grand Slam. Kannst Du beschreiben, wie Du die Dutch Masters hier als Reiter erlebst?
Kent Farrington: Es fühlt sich großartig an, der Live-Contender bei den Dutch Masters zu sein. Die Rolex Grand Slam of Show Jumping Majors haben sich zu einem der wichtigsten Höhepunkte des Sports im Laufe des Jahres entwickelt. Sie bringen die besten Reiter und die besten Pferde zusammen. Ich freue mich sehr, hier zu sein, und bin gespannt auf den Sonntag.
Greya hat sich als eines der erfolgreichsten Pferde des Sports etabliert. Was macht Eure Partnerschaft so besonders?
Kent Farrington: Alle Pferde, die auf höchstem Niveau antreten, sind außergewöhnliche Athleten mit besonderen Persönlichkeiten, die es ihnen ermöglichen, konstant Leistung zu bringen. Letztendlich ist es die Verbindung zwischen Pferd und Reiter, die den Unterschied ausmacht.
Greya ist mit sechs Jahren, fast siebenjährig in meinen Stall gekommen. Diese Partnerschaft hat sich über die letzten fast sechs Jahre auf dieses Niveau entwickelt. Toulayna ist ein weiteres Pferd, das ich zu reiten begann, als sie sieben war – eine Partnerschaft, die nun seit fünf Jahren besteht. Diese Partnerschaften brauchen Zeit.
Erfolg auf diesem Niveau hängt nicht nur davon ab, ein außergewöhnliches Pferd zu haben. Es geht auch um die Bindung, die sich zwischen Pferd und Reiter über Jahre des Trainings und der Wettkämpfe hinweg entwickelt.
Die Weltmeisterschaften stehen im August in Aachen an– wie sehen Deine Pläne aus und auf welches Pferd setzt Du?
Kent Farrington: Bei Pferden kann man im Voraus Pläne schmieden, und dann ändert sich doch wieder alles. Mein Ansatz ist es immer, offen zu bleiben und mehrere Optionen zu haben. Wenn die WM näher rückt, werde ich das Pferd auswählen, das in der besten Form ist und sich in der richtigen Phase seiner Karriere für dieses Championat befindet. Letztendlich möchte ich nur an Wettkämpfen teilnehmen, bei denen ich das Gefühl habe, wirklich eine Chance auf den Sieg zu haben. Wenn ich nicht glaube, dass ein Pferd in Topform ist, um auf diesem Niveau anzutreten, warte ich lieber.
Wirst Du den Großteil der Saison in den Vereinigten Staaten oder in Europa verbringen?
Kent Farrington: Ich werde im Frühjahr nach Europa zum CHIO Aachen kommen. Ich werde auch bei der Royal Windsor Horse Show antreten und im Sommer einige Zeit in Europa verbringen.
Viele Sportler sagen, der Weg sei wichtiger als das Ergebnis. Wie schaffst Du den Spagat zwischen dem Streben nach Ergebnissen und der Konzentration auf Deinen Weg?
Kent Farrington: Das ist etwas, worüber viele Sportler heute sprechen: den Weg zu genießen und trotzdem ihrer Routine treu zu bleiben. In Wirklichkeit ist das Ergebnis etwas, das man nicht vollständig kontrollieren kann. Ich kann nur kontrollieren, was ich tue, und ich arbeite mit einem Pferd, das viele Unwägbarkeiten mit sich bringt. Als Team versuchen wir immer, unser Bestes zu geben, aber wohin das im Wettkampf führt, liegt letztendlich nicht in meiner Hand.
Mein Ziel ist es immer, mit meinem Pferd die bestmögliche Runde zu reiten. Wenn jemand an diesem Tag besser ist, dann werden wir nicht gewinnen. Das Ziel im Sport ist immer der Sieg, aber es ist unerlässlich, dem Prozess treu zu bleiben.
Mit zunehmender Erfahrung fällt es einem leichter, diese Einstellung beizubehalten. Ich mache das schon lange und arbeite immer noch daran, aber ich bin sicherlich besser darin als früher.
Welche Eigenschaften deuten bei der Beurteilung eines jungen Pferdes darauf hin, dass es das höchste Niveau erreichen könnte?
Kent Farrington: Die ersten Eigenschaften, auf die ich achte, sind natürliche Athletik und die Vorsicht. Ein Pferd muss einen leichten und athletischen Körperbau haben und gleichzeitig äußerst vorsichtig sein.
Junge Pferde werfen natürlich immer Fragen auf. Bei einem Pferd, das mühelos über große Hindernisse springt, fragt man sich vielleicht, ob es schnell und vorsichtig genug sein wird. Bei einem sehr vorsichtigen Pferd stellt sich die Frage, ob es die Kraft haben wird, die größten Hindernisse zu springen. Man muss diese Eigenschaften immer gegeneinander abwägen. Da ich persönlich ja kein großer Reiter bin, bevorzuge ich eher Pferde, die leichter, schneller und sehr vorsichtig sind. Ich hoffe, dass sie durch das entsprechende Training die Kraft entwickeln, die größten Hindernisse zu springen.
Welchen Rat würdest Du der nächsten Generation von Reitern geben?
Kent Farrington: Lernen, lernen, lernen. Um an die Spitze zu gelangen, muss man in jedem Alter offen für Neues bleiben. Es gibt sehr viele frei zugängliche Informationen, wenn man bereit ist, zu beobachten. Als ich jünger war, hatte ich keinen Zugang zu vielen hochkarätigen Turnieren, also lernte ich, indem ich mir Videos von Reitern ansah, die ich bewunderte.
Auch heute noch beobachte ich meine Konkurrenten ganz genau und ich gucke, was ich von ihnen lernen kann. Daniel Deusser zum Beispiel ist ein unglaublicher Reiter und ganz anders gebaut als ich, aber ich studiere trotzdem, wie er reitet. Es gibt immer etwas, dass ich lernen und auf mein eigenes System anwenden kann.
Wie wichtig ist der mentale Aspekt beim Springreiten?
Kent Farrington: Auf höchstem Niveau ist es genauso sehr ein mentales Spiel wie alles andere. Selbst wenn man der weltbeste Reiter ist und das beste Pferd reitet, ist die Wahrscheinlichkeit, an einem bestimmten Tag zu gewinnen, tatsächlich recht gering. Vielleicht liegt die Chance bei etwa zehn Prozent oder weniger. In Sportarten wie Tennis gewinnen die besten Spieler auch die meisten ihrer Matches, aber im Springreiten verlieren selbst die besten Reiter weitaus öfter, als dass sie gewinnen. Das kann psychisch sehr anstrengend sein.
Mit der Zeit lernt man, die Realitäten des Sports zu akzeptieren. Es gibt immer Höhen und Tiefen, und man muss in beiden Situationen in der Balance bleiben.
Du stammst aus einer Familie ohne reiterlichen Background. War das ein Vor- oder eher ein Nachteil?
Kent Farrington: Sowohl als auch. Ich hatte als Kind von meiner Familie aus keinen Zugang zu Pferden. Ich wuchs in der Stadt auf und meine Mutter musste mich immer mit der Bahn oder dem Auto 1,5 Stunden in den Reitstall bringen. Das war nicht immer einfach. Auf der anderen Seite hat mir der Blick von Außen auf die Pferdewelt auch eine gewisse Offenheit bewahrt. Ich gehe auch mal neue Wege und bin da ganz unvoreingenommen.“
Hast Du bestimmte Rituale, bevor Du in den Parcours gehst?
Kent Farrington: Meine Routine besteht darin, total ruhig zu bleiben. Das ist das Wichtigste, besonders wenn man mit einem Tier arbeitet, das von Natur aus einen Fluchtinstinkt hat. Je ruhiger und präsenter ich sein kann, desto besser ist es für das Pferd. Jedes Pferd ist etwas anders in der Art, die einzige Konstante in meiner Routine ist, dass ich ruhig bleibe und mich ganz auf diesen Moment mit meinem Pferd konzentriere.
Was hat Greya Dir als Reiter beigebracht?
Kent Farrington: Greya ist eine außergewöhnliche Sportlerin. Manchmal kann ein Pferd mit dieser Qualität den Reiter in schwierigen Momenten beflügeln. Wenn ich nicht meine beste Runde geritten bin, war sie oft in der Lage, das irgendwie auszugleichen.
Ein solches Pferd zu haben, schafft natürlich Selbstvertrauen. Wenn man Erfolge mit einem Pferd wie Greya erlebt, überträgt sich das auf die übrigen Pferde und stärkt einen als Reiter.
Du gehörst seit über einem Jahrzehnt zur Rolex-Familie. Was bedeutet Dir diese Verbindung?
Kent Farrington: Ich bin sehr stolz auf diese Verbindung. Für jeden Sportler ist es ein Traum, Rolex zu vertreten. Es ist wahrlich ein Zeichen für Spitzenleistungen. Und Spitzenleistungen und das Streben nach Exzellenz sind mein Ziel, dafür steht Rolex und ich fühle mich geehrt, mit dieser Marke verbunden zu sein.
Erinnerst Du Dich an Deine erste Begegnung mit Rolex?
Kent Farrington: Ja, ich erinnere mich, dass ich als Kind Spruce Meadows im Fernsehen verfolgt habe. Nick Skelton, einer meiner Helden aus meiner Kindheit, hat gewonnen. Ich erinnere mich, dass ich mir damals dachte, dass ich eines Tages dort antreten wollte. Später in meiner Karriere, als ich meine erste Rolex-Uhr gewann, habe ich sie tatsächlich meiner Schwester geschenkt, weil sie sich schon immer eine schöne Uhr gewünscht hatte.



