Es fing mit zwei Springfehlern an und wurde dann zu einer sehr souveränen Vorstellung von Team Deutschland in Ocala auf der zweiten Station der Longines League of Nations: Die Europameister von 2021, André Thieme und DSP Chakaria (v. Chap), Nationenpreissieger Rene Dittmer und seine Holsteiner Stute Corsica X (v. Connor), Olympia-Sieger Christian Kukuk und Checker (v. Comme il Faut), sowie der aktuelle Europameister Richard Vogel und der Holsteiner Casall-Sohn Cloudio gewannen mit nur vier zählenden Fehlerpunkten vor dem irischen Team, das mit acht Punkten ins Ziel kam, und Belgien mit zwölf Punkten.
Bei Bundestrainer Otto Becker waren Stolz und Freude über den Erfolg unübersehbar: Er strahlte jeden herausreitenden Reiter seines Teams an, klatschte ihn ab.
Das Los hatte Team Deutschland auf Startplatz neun der insgesamt zehn Nationen gesetzt, die den ersten Umlauf in Angriff nahmen. Otto Becker schickte André Thieme als Ersten in den Parcours, in den von Alan Wade Hindernisse mit bis zu 1,60m Höhe und 1,90m Tiefe arrangiert worden waren. DSP Chakaria hatte in den vergangenen Tagen einen guten Eindruck gemacht, aber die Frage stand im Raum, ob sie nach der langwierigen Verletzungspause solchen Herausforderungen wieder gewachsen war.
Sie war es. Zwar irritierte sie die Sonnen-Reflektion am Wasseroxer, Sprung 10, was zu einem leichten Abwurf führte, aber nicht nur der Reiter war mit ihrer Performance hochzufrieden. André Thieme: „Es war eigentlich eine gute Runde, und ich müsste zufrieden sein, aber vier Fehlerpunkte sind trotzdem ärgerlich. Ich habe natürlich gehofft, mein Team mit einer Null-Runde zu unterstützen. Der Abwurf tut mir für meine Kollegen leid. Aber Chakaria ist toll gesprungen und ich bin überglücklich, dass sie nach der langen Verletzungspause so stark zurück auf der großen Bühne ist und sich so toll anfühlt. Wir haben sie sehr vermisst. Solche Pferde werden nicht so oft geboren.“
Es folgte Rene Dittmer mit Corsica X – und fast das gleiche Bild: Sie waren leichtfüßig und sehr kontrolliert unterwegs – diesmal bis Sprung 11a auf der Schlusslinie. Wieder gab es einen Netzroller, noch einmal vier Fehlerpunkte auf dem Score von Team Deutschland. Aber damit war es dann auch zuende mit Fehlern in Otto Beckers Mannschaft für den Rest des Abends.
Christian Kukuk ließ seinen Checker in Pariser Olympia-Manier durch den Parcours galoppieren und kam genauso mit der Null ins Ziel wie Schlussreiter Richard Vogel auf Cloudio. In der Zwischenwertung, bevor es zur zweiten Runde durch den unveränderten Parcours ging, lag Team Deutschland damit auf Rang drei. Es führten die Iren, nachdem Bertram Allen auf Qonquest de Rigo (v. Fantomas de Muze), Cian O’Connor auf Chatolinue PS (v. Diablo Blanco) und Shane Sweetnam auf James Kann Cruz ( von Kannan) mit Null ins Ziel gekommen waren und damit die vier Punkte von Tom Wachmann auf Tabasco de Toxandria Z (v. Thunder vd Zuuthoeve) im Streichergebnis verschwanden. Auf Platz zwei folgten knapp dahinter die Niederländer mit einem zählenden Zeitfehler. Startreiterin Sanne Thijssens vier Punkte, die ihr mit Cupcake Z (v. Chacco-Blue) passierten, waren im Streichergebnis weggedrückt. Kevin Jochems hatte sich mit Camilla van de Helle (v. L.B. Crumble) eine knappe Sekunde zu viel Zeit gelassen, war aber ansonsten ohne Stangenberührung ins Ziel gekommen, genauso wie nach ihm Michael Greeve auf Denver (v. Diarado) und Jelmer Hoekstra auf Lordy-P (v. Grandorado TN).
Die größte Überraschung, als es in den zweiten, entscheidenden Umlauf ging, war eine negative für die USA: Die Heimmannschaft und Titelverteidigerin hatte ebenso wie Team Schweiz in Runde eins zu viele Fehlerpunkte eingesammelt und schied damit aus. Es blieben acht Teams übrig, die jetzt in umgekehrter Reihenfolge zu ihrem Zwischenergebnis ins Rennen gingen. In jedem Team starteten jetzt nur noch drei Reiter-Pferd-Paare, so dass es keine Streichergebnisse mehr gab, sondern jeder Fehler zählte.
3 NULL-RUNDEN FÜR TEAM GERMANY IN RUNDE 2
Und dort zog Team Deutschland dann einsam seine Kreise: Null für André Thieme und DSP Chakaria, Null für Christian Kukuk und Checker, Null für Richard Vogel und Cloudio. Besser ging nicht – und die Konkurrenz machte die entscheidenden Fehler, die Deutschland den Weg zum Sieg öffneten. Erst knirschte es bei den Iren, als Bertram Allen mit acht Fehlerpunkten aus dem Parcours kam. Dann wollte Camilla van de Helle plötzlich nicht wieder für die Niederlande über die Mauer springen, Kevin Jochems brauchte einen Moment, um sie zu überzeugen – und plötzlich standen 20 Punkte auf dem Score. Die Niederlande rutschten an Belgien und den Briten vorbei auf Platz fünf, und Peter Weinbergs Belgier sprangen als Dritte aufs Podium.
DIE STIMMEN DER REITER UND DES BUNDESTRAINERS
Dem deutschen Team wollte das strahlende Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht verschwinden. Richard Vogel erzählte: „Cloudio kam nur für den Nationenpreis aus Europa hierher. Ich bin ihn in letzter Zeit nicht oft geritten, aber mein Team hat sich super um ihn gekümmert.“ Und Christian Kukuk bestätigte: „Ich habe heute wirklich ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich bin Checker seit dem letzten Dezember nicht mehr geritten und Ludger hat ihn für mich fit gehalten. Es hat sich so gut auf ihm angefühlt. Man hat es heute wieder gesehen, er springt einfach auf einem anderen Level und ich bin sehr stolz auf ihn.“
Bundestrainer Otto Becker war mit seinem Team dann auch mehr als zufrieden. Gegenüber spring-reiter.de sagte er: „Was für eine Woche, was für ein Team. Ich bin sehr stolz auf die vier Jungs, was die hier abgeliefert haben die ganzen Tage und speziell. natürlich im Nationenpreis. Das ist ein verdienter Sieg und natürlich ein super Start in Richtung WM Saison in Aachen. Das motiviert uns noch mehr. Gratulation ans Team.“
Deutschland führt jetzt im Ranking bei der Longines League of Nations mit 190 Punkten vor den Franzosen mit 155 Punkten und Irland mit 150 Punkten auf dem Haben-Konto. Die nächste Etappe der LLON ist vom 17.-21. Juni in Rotterdam.
Das ganze Ergebnis: HIER








