„Idealerweise benennen wir das WM-Team vier bis fünf Wochen vor dem Championat!“ Interview mit Bundestrainer Otto Becker
Bundestrainer Otto Becker Foto: Stefan Lafrentz

„Idealerweise benennen wir das WM-Team vier bis fünf Wochen vor dem Championat!“ Interview mit Bundestrainer Otto Becker

Bundestrainer Otto Becker hat im Rahmen des TSCHIO Aachen die aktuelle Form der deutschen Springreiter positiv bewertet und zugleich den weiteren Fahrplan in Richtung Weltmeisterschaften im August in der Aachener Soers skizziert. 

„Die Jahresplanung läuft klar auf den Höhepunkt zu – die Weltmeisterschaft hier in Aachen im August“, erklärte Becker. „Dass wir jetzt bereits im Mai hier reiten können, ist enorm wichtig. So bekommen die Pferde frühzeitig die Gelegenheit, sich auf diesem Platz unter Wettkampfbedingungen zu präsentieren.“

Internationale Vorbereitung – jetzt in Europa gebündelt

Die Vorbereitung der einzelnen Paare verlief bislang dezentral: Während einige Reiter in den Emiraten, in Florida oder bei Weltcup-Stationen unterwegs waren, ist das deutsche Team nun geschlossen wieder in Europa am Start. „Über den Winter waren unsere Paare auf verschiedenen Wegen unterwegs – Nationenpreise in Abu Dhabi und Ocala, Weltcupstationen und internationale Top-Turniere. Jetzt sind alle wieder in Europa, und mit den deutschen Turnieren in Mannheim, Hamburg und Aachen ist die entscheidende Phase zur WM-Vorbereitung eingeläutet worden“, sagte Becker.

Rasenplätze im Fokus Richtung WM

Mit Blick auf die Weltmeisterschaft auf dem Aachener Rasen liegt ein besonderer Schwerpunkt auf entsprechenden Prüfungsbedingungen. „Jedes Championat stellt eigene Anforderungen“, betonte Becker. „In diesem Jahr ist es ein großer Rasenplatz – deshalb haben wir für unsere Top-Paare gezielt Turniere auf Rasen ausgewählt.“ Nach Aachen folgen mit Rom, St. Gallen und La Baule drei Nationenpreise auf Rasen. Der Nationenpreis in Rom findet bereits am kommenden Wochenende Ende Mai statt. Das Team steht.

Deutsche Mannschaft für Rom nominiert

Für den Nationenpreis in Rom setzt der Bundestrainer auf folgende Kombinationen:

  • Sophie Hinners mit Iron Dames Combella
  • Christian Ahlmann mit Untouched LB
  • Richard Vogel mit Cloudio oder Gangster Montdesir
  • Jörne Sprehe mit Toys

Für die wichtigen Nationenpreis in St. Gallen und La Baule hat der Bundestrainer ebenfalls bereits die Planung vorgenommen. Wer dort starten wird, wird nach dem TSCHIO Aachen bekanntgegeben.

Zwei Phasen bis zur WM-Nominierung

Die kommenden Wochen bis zur WM im August sind in zwei Abschnitte gegliedert: zunächst Aachen und die Nationenpreise, anschließend eine zweite Phase mit weiteren Turnieren wie Falsterbo und Riesenbeck. „In der ersten Phase kann es bereits Vorentscheidungen geben – die endgültige Nominierung fällt aber erst ganz am Schluss“, erklärte Becker. Dabei hat er einen klaren Zeitplan im Kopf: „Idealerweise benennen wir das WM-Team vier bis fünf Wochen vor dem Championat, um den Pferden in Ruhe eine gezielte Vorbereitung zu ermöglichen.“

Großer Kader – offene Chancen

Doch wer kommt mit zur WM? Das steht aktuell noch nicht fest. Klar ist, dass als Basis der aktuelle Olympiakader dient. „Das ist aber keine geschlossene Gesellschaft. Es kann jederzeit jemand nachrücken“, stellte Becker klar. Die bisherigen Saisonergebnisse stimmen den Bundestrainer optimistisch: „Wir hatten drei Reiter unter den Top Ten im Weltcupfinale, waren in Großen Preisen erfolgreich und haben starke Nationenpreise gezeigt – unter anderem Rang zwei in Abu Dhabi und den Sieg in Ocala. Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagte Becker. „Die Pferde werden nun in Richtung Aachen weiter aufgebaut. Dort topfit zu sein, ist das Saisonziel. Den positiven Schwung nehmen wir gerne mit, bei der WM geht es aber wieder bei Null los.“

Besondere Herausforderung: Heim-WM 

„Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist noch einmal etwas ganz Besonderes – das erlebt man im Reiterleben in der Regel nur einmal“, betonte Becker. „Gerade hier in Aachen, mit diesem außergewöhnlichen Stadion und dem fachkundigen Publikum, bringt das eine ganz eigene Dynamik mit sich.“ Neben der sportlichen Bedeutung spiele dabei auch die mentale Komponente eine große Rolle. „Natürlich entsteht durch die Heimkulisse, Familie, Freunde und die enorme Aufmerksamkeit für unsere Athleten ein zusätzlicher Druck. Aber unsere Reiter haben oft genug bewiesen, dass sie mit solchen Situationen umgehen können. Entscheidend wird sein, trotz allem Trubel die nötige Ruhe zu bewahren und im Parcours voll fokussiert zu bleiben – denn im Springsport lässt sich ein Fehler nicht korrigieren. Wenn eine Stange gefallen ist, ist sie gefallen. Das kann man – anders als im Fußball – nicht mehr ausgleichen“, sagte der bekennende FC Bayern München-Fan. Deshalb ist Konstanz auf absolutem Topniveau für Becker die Grundlage zum Erfolg. „Wenn wir in einigen Wochen unsere Pferde und Reiter nominiert haben, fokussieren sich die Paare vollkommen auf die Weltmeisterschaften im August. Wir möchten die guten Ergebnisse, mit denen wir in das Jahr 2026 gestartet sind, als Aufwind für die WM nutzen“, erklärte Otto Becker abschließend.

Quelle: Pferdesport Deutschland/sag