Vom Kindermädchen zur Championats-Pferdepflegerin: Brianne Beerbaum und Ninna Leonoff – mehr als ein starkes Team
Patricia Welp Brianne Beerbaum und ihre beste Freundin und Pflegerin Ninna Leonoff. Foto Patricia Welp

Vom Kindermädchen zur Championats-Pferdepflegerin: Brianne Beerbaum und Ninna Leonoff – mehr als ein starkes Team

Für Brianne Beerbaum markieren die FEI Jumping European Championships in Hagen a.T.W. in dieser Woche einen weiteren wichtigen Meilenstein. Die junge deutsche Springreiterin nimmt bereits an ihrer vierten Europameisterschaft teil – erstmals jedoch in der Altersklasse der Junioren.

Ihre Erfahrung hilft bei der Prüfungsvorbereitung, die Anspannung nimmt sie ihr jedoch nicht. „Ich bin immer noch ziemlich nervös“, gibt die 16-Jährige zu. „Es ist meine erste Junioren-Europameisterschaft und noch einmal eine andere, schwierigere Aufgabe als in den vergangenen Jahren. Dass ich schon einige Europameisterschaften erlebt habe, hilft natürlich, aber die Vorfreude und die Nervosität sind immer noch genauso groß.“

Gemeinsam mit Jolie Marie Kühner, Malte Merschformann, Tony Stormanns und Lennard Tillmann gehört Beerbaum zu einem starken deutschen Juniorenteam. Die Mannschaft reist nach einer erfolgreichen Saison im FEI Jumping Nations Cup Youth mit einem guten Gefühl nach Hagen a.T.W.

„Aber eine Europameisterschaft ist immer etwas anderes“, sagt Beerbaum. „Alles kann passieren. Trotzdem gibt es einem Selbstvertrauen, mit einem starken Team und einem guten Gefühl hierherzukommen.“

Ihr Partner bei der Europameisterschaft ist Kiss Me, ein elfjähriger Wallach von Cornet Obolensky, mit dem sie bereits einige der anspruchsvollsten Aufgaben ihrer noch jungen Karriere erfolgreich bewältigt hat. „Er hat mich durch einige meiner schwierigsten Prüfungen getragen“, erklärt sie. „In Wellington sind wir unter Flutlicht in einer Prüfung über 1,50 Meter fehlerfrei geblieben. Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann.“

Vom Kindermädchen zur Championats-Pferdepflegerin

Bei jedem wichtigen Turnier wird Beerbaum von einer Frau begleitet, die sie schon ihr ganzes Leben kennt. Ninna Leonoff arbeitet seit 28 Jahren für Markus Beerbaum und Meredith Michaels-Beerbaum. Ihre Rolle innerhalb der Familie ging jedoch schon immer weit über die einer Pferdepflegerin hinaus. In den ersten beiden Lebensjahren von Brianne kümmerte sich Leonoff auch als Kindermädchen um sie. „Ich habe Kinder schon immer geliebt“, sagt Leonoff lächelnd. „Bei Brianne war es Liebe auf den ersten Blick.“ Die gebürtige Finnin entdeckte ihre Leidenschaft für Pferde bereits in ihrer Kindheit. Wie bei vielen Pferdemenschen begann alles damit, dass sie in der örtlichen Reitschule mithalf und dafür Reitunterricht erhielt. Später zog sie nach Deutschland, als ihr damaliger Partner eine Stelle als Bereiter bei Markus und Meredith Beerbaum annahm. Zunächst unterstützte sie Markus, später Meredith und deren langjährige Pflegerin Anu, nachdem Markus sich aus dem internationalen Turniersport zurückgezogen hatte. Heute begleitet sie die nächste Generation auf ihrem Weg in die Spitze des Nachwuchssports.

„Ich bin unglaublich dankbar, Ninna und ein so starkes Team hinter mir zu haben“, sagt Brianne. „Es ist etwas ganz Besonderes, jemanden an seiner Seite zu wissen, der von Anfang an dabei war. Wir kennen uns so gut. Sie ist eine meiner besten Freundinnen.“

Ihre Verbindung beruht auf einem tiefen Verständnis für Pferde und Menschen „Ninna kümmert sich nicht nur außergewöhnlich gut um die Pferde, sondern liebt sie wie ihre eigenen“, erzählt Beerbaum. „Sie ist auch immer für mich da. Wenn ich einen schwierigen Tag habe, weiß sie genau, was sie sagen muss. Sie begleitet mich durch die guten wie durch die schlechten Momente.“

Auch Leonoffs Wertschätzung für Brianne ist deutlich zu spüren. „Brianne ist fürsorglich und unglaublich fleißig“, sagt sie. „Besonders schätze ich, wie sie mit ihren Pferden umgeht. Wenn etwas nicht funktioniert, gibt sie niemals dem Pferd die Schuld.“

Eine goldene Erinnerung

Unter den vielen Turnieren, die beide gemeinsam erlebt haben, ragt eines besonders heraus: die FEI Jumping European Championships for Children 2023 im italienischen Gorla Minore. Dort gewann Beerbaum mit Carlucci Mannschaftsgold für Deutschland. „Ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt“, erinnert sich Leonoff. „Dann ritt Brianne in den Parcours und es war einfach unglaublich. Ich hatte Tränen in den Augen. Für uns alle war das ein ganz besonderer Moment.“

Auch in Beerbaums sportlicher Laufbahn nimmt der große Holsteiner Schimmelwallach einen besonderen Platz ein. „Carlucci war mein erstes richtiges Großpferd, nachdem ich aus dem Ponyalter herausgewachsen war“, sagt sie. „Mit ihm bin ich meine erste EM geritten und habe meine erste Medaille bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen. Für mich ist er ein Einhorn.“

Eine kleine Erinnerung an diese Partnerschaft begleitet das Team bis heute. Für jedes Pferd gehört ein eigenes Spielzeug zur festen Turnierausrüstung und hängt vor seiner Box. „Carlucci hatte natürlich ein Einhorn“, erklärt Beerbaum. „Kiss Me hat ebenfalls seine besonderen Spielzeuge: eines mit der Aufschrift ‚Kiss Me‘ und ein weiteres, das ihm sein früherer Pfleger geschenkt hat.“

Es sind kleine Details, die zeigen, wie individuell jedes Pferd betreut wird. Da Beerbaum in dieser Woche nur mit einem Pferd antritt, möchte sie sich auch aktiv an der Stallarbeit beteiligen. „Ich habe Sommerferien und deshalb Zeit, mitzuhelfen“, sagt sie. „Ich führe Kiss Me und übernehme alles, was ich kann. Den größten Teil der harten Arbeit erledigt natürlich trotzdem Ninna – das Packen, das Putzen und das frühe Füttern. Aber ich möchte nicht einfach nur hierherkommen und reiten. Mir ist wichtig, mit anzupacken.“

Leonoff bestätigt, dass diese Hilfsbereitschaft zu Beerbaums Charakter gehört. „Hier machen wir vieles gemeinsam“, sagt sie. „Während der Schulzeit ist esnatürlich anders, denn Brianne lernt sehr viel und ist auch in der Schule sehr gut. Dann übernehme ich den größten Teil der Arbeit mit den Pferden. Aber wann immer sie Zeit hat, hilft sie mit. Sie möchte immer einbezogen sein.“

Rückkehr nach Hagen

Die Anlage der Familie Haunhorst ist für Beerbaum und Leonoff längst vertrautes Terrain. In den beiden vergangenen Jahren waren sie bereits in Hagen a.T.W. am Start und kehren mit positiven Erinnerungen zurück. „Die Bedingungen sind hier immer sehr gut und die Veranstalter geben sich unglaublich viel Mühe“, sagt Beerbaum. „Die Pferde fühlen sich wohl und es herrscht immer eine tolle Atmosphäre. Außerdem verbinde ich mit Hagen sehr schöne Erinnerungen, weil ich hier im vergangenen Jahr den Großen Preis gewonnen habe.“

Eine der größten Stärken des Veranstaltungsortes liegt für Beerbaum darin, dass er Besucher, Reiter, Teams und Unterstützer zusammenbringt. „Es gibt hier keine voneinander getrennten Bereiche, in die sich alle zurückziehen“, erklärt sie. „Alle kommen zusammen, verbringen Zeit miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Das schafft einen echten Teamgeist.“

Die FEI Jumping European Championships für Junge Reiter, Junioren und Children finden noch bis Sonntag, 26. Juli, bei Sportpferde M&M Haunhorst in Hagen a.T.W. statt. Am Freitag werden die ersten Mannschaftsmedaillen vergeben, am Wochenende folgen die Entscheidungen in den Einzelwertungen. Der Eintritt ist an allen Veranstaltungstagen frei. Neben dem Sport ergänzen eine Ausstellung sowie ein vielfältiges gastronomisches Angebot das Programm.

Weitere Informationen: https://www.haunhorst.com/euro-2026