Richard Vogels Traum vom Rolex Grand Slam in Spruce Meadows starb zweimal, Ben Maher gewinnt vor Lillie Keenan den Grand Prix

An einem gewaltigen Oxer zwischen zwei Bäumen in Spruce Meadows, dem Sprung 8b im Umlauf, der im Stechen zu 4b wurde, starb der Traum von Richard Vogel, als Zweiter den Rolex Grand Slam zu gewinnen – und dabei einen Extra-Bonus von 1 Million Euro zu gewinnen. Sein United Touch S (v. Untouched), der gerade noch auf bestem Weg war, die Bestzeit im Stechen zu erreichen, ließ die hintere Stange ins Gras rollen. Statt des Sieges wurde es Rang fünf im Rolex Grand Prix für den Weltranglistenersten, immer noch eine Top-Leistung von Pferd und Reiter. Der Sieg ging an Ben Maher, der am Vortag im Nationenpreis noch von seinem Pferd Catelly am dritten Sprung gestürzt war. Aus dem Dreck auf den Thron, diesmal mit Enjeu de Grisien (v. Toulon). Wie er hinterher sagte, hatte er nach dem Sturz am Samstag überlegt, ob er überhaupt am Sonntag starten sollte. Denn er kann seinen rechten Arm nicht richtig bewegen und seine Frau hatte gesagt, er solle auf keinen Fall starten. „Man soll nicht immer auf seine Frau hören.“ So sei eben der Sport.

Auf Platz zwei kam Lillie Keenan, die als letzte Starterin im Stechen nach Richard Vogel noch versucht hatte, mit Fasther (v. Vigo D’Arsouilles) ihrem britischen Konkurrenten den Sieg zu entreißen. Aber er war mit seinen 41,40 fehlerfreien Sekunden genau 45 Hundertstel schneller. Dritter wurde Weltmeister Steve Guerdat auf Albfuehren’s Iashin Sitte (v. Bamako de Muze).

Der Schweizer hatte auch das denkwürdige Stechen der sechs Besten eröffnet – denkwürdig, weil keiner von ihnen zuvor die beiden Umläufe fehlerfrei absolviert hatte. Es wurde ein Stechen um den Sieg von denen, die jeweils vier Fehlerpunkte auf ihrem Score mitbrachten.

Der erste Umlauf hatte gleich für eine Schrecksekunde bei Jörne Sprehe gesorgt, die mit Toys als siebte Starterin für Team Deutschland als Erste dran war. Sicherten die beiden dem deutschen Team im Nations Cup von Spruce Meadows am Samstag noch den Sieg, war für den Toulon-Sohn und seine Reiterin im Rolex Grand Prix die Reise an einer Tripple-Barre, Hindernis Nr. 10, zu Ende. Nach einem Missverständnis trennten sich die beiden und schieden aus.

NUR SIEBEN PAARE IN RUNDE EINS OHNE FEHLER

Die zehnte Starterin, die Neuseeländerin Katie Laurie und ihr Django II (v. Lordano) bezwangen den Umlauf als Erste fehlerfrei und qualifizierten sich so für Runde zwei.

André Thieme und Paule S (v. Perigueux) absolvierten den Parcours beinahe fehlerlos – aber eben nur beinahe. An der Mauer fiel ein kleines Mauerteil, das war ärgerlich.

Pech hatten die Mannschaftsweltmeister Daniel Deusser und Otello de Guldenboom (v. Tobago Z) gleich am ersten Sprung mit einem Abwurf. Ein Wasserfehler kam dazu und so waren es am Ende acht Strafpunkte für Double D und seinen Otello.

Die nächste Runde ohne Springfehler lieferten Nayel Nassar und ESI Ali (v. Stakkato Gold), allerdings reichte die Zeit nicht ganz und so gab es einen Zeitfehler für das Paar.

Als Zweite schafften die Null-Runde im ersten Umlauf Yuri Mansur mit dem schon 19-jährigen QH Alfons Santo Antonio (v. Aromats).

Richard Vogel und United Touch S (v. Untouched) wurden ihrer Favoriten-Rolle in Runde eins gerecht und lieferten die erwartete Null-Runde ab, die dritte an diesem Nachmittag in Calgary. Bis dahin war alles offen.

Ebenfalls fehlefrei blieben Daniel Coyle mit Farrel (v. Cardento). Lillie Keenan und Fasther (v. Vigo) sowie Sameh El Dahan mit Oscar-A (v. Harley), während Christian Kukuk mit seinem Checker (v. Comme il Faut) einen Abwurf an der Triplebarre Nr. 10 hatte. Auch der neu gekürte Weltmeister Steve Guerdat hatte mit Albfuehren’s Iashin Sitte einen Springfehler im ersten Umlauf, ausgerechnet am letzten Sprung.

Nicht nach Plan lief es für die Mannschafts-Weltmeisterin Sophie Hinners und ihren Iron Dames Singclair (v. Singular LS La Silla) als 39. und letzte Starterin in Runde eins. Ungewöhnliche drei Abwürfe schlugen bei ihnen zu Buche.

Die zwölf Besten qualifizierten sich für den zweiten Umlauf, der technisch noch anspruchsvoller war und mit guckigen Klamotten für zusätzliche Herausforderungen sorgte. Auf Rang zwölf nach der ersten Runde musste McLain Ward mit High Star Hero den zweiten Umlauf eröffnen – und kam mit zwei weiteren Abwürfen ins Ziel. Es folgte Christian Kukuk, der den Pacours vorher extra mit Ludger Beerbaum abgegangen war, aber trotzdem einen weiteren Fehler einsammelte und am Ende Elfter wurde.

Das Fehlersammeln ging weiter, das Warte auf die erste Doppelnull wurde immer spannender. Als die letzten Drei der sieben Reiter, die mit Null aus Runde eins herausgekommen waren, an den Start gingen, wuchs die Erwartung. Als Richard Vogel dann am Liverpool-Oxer 11b eine Stange abräumte, schien der Traum vom Rolex Grand Slam für ihn zum ersten Mal ausgeträumt. Die Enttäuschung war ihm beim Herausreiten ins Gesicht geschrieben Aber plötzlich und unerwartete kam die Zweite Chance für ihn, denn die noch nach ihm startenden Daniel Coyle und Lillie Keenan blieben auch nicht fehlerfrei!

Es folgte das ungewöhnliche Stechen der Vier-Fehler-Reiter um den Sieg – mit der bitteren zweiten Enttäuschung für Richard Vogel. Scott Brash bleibt mit seinem Erfolg von 2014/2015 weiterhin der einzige Rolex Grand Slam Gewinner.

Das komplette Ergebnis hier