Als am vorletzten Hindernis, dem 1,60m hohen Steilsprung, die Stange beim letzten Reiter fiel, erst da war das Nationenpreis-Springen in St. Tropez-Gassin entschieden. Brasiliens Schlussreiter Marlon Modolo Zanotelli war mit Charly Heart (v. Cornet Obolensky) dieses Missgeschick passiert, nachdem er mit der Schimmelstute in Runde eins fehlerfrei geblieben war und mit ihr am Freitag mit Doppelnull den Grand Prix gewonnen hatte. Der Sieg ging damit an das heimatliche französische Team, dessen Schlussreiter Simon Delestre zuvor mit Gatsby du Tillard (v. President) fehlerfrei geblieben war, nachdem er in Runde eins mit vier Pukten noch das Streichergebnis gewesen war. Mit insgesamt vier zählenden Fehlerpunkten holten sich Nina Mallevaey auf Destine to Be (v. Diamant de Semilly), Antoine Ermann auf Floyd des Pres (v. Vigo Cece), Simon Delestre und Julien Epaillard auf Donatello d’Auge (v. (v. Jarnac), der in Runde zwei nur Zuschauer war, den zweiten Sieg in dieser Longines League of Nations Saison nach dem Erfolg auf der ersten Etappe im Februar in Abu Dhabi. Wie sagte eine strahlende Nina Mallevaey hinterher: „Es ist ein tolles Gefühl, unter Druck zu reiten.“
Denn unter Druck waren sie, nachdem Brasilien die erste Runde mit drei Nullfehlerritten von Pedro Junqueira Muylaert auf Gemme Villers (v. Maloubet de Pleville), Marlon Modolo Zanotelli und Joao Victor Castro Aguiar Gomes de Lima auf Cashpaid J&F (v. Casall) beendet hatten. Aber die zweite Runde eröffnete Stephan de Freitas Barcha auf Chevaux Primavera Imperio Egipcio (v. Calvaro F.C.), der im ersten Umlauf gar nicht mehr starten musste, mit einem Abwurf in der Dreifachen, so dass die Franzosen plötzlich auf Augenhöhe waren. Mit insgesamt acht zählenden Fehlerpunkten waren die Brasilien am Ende dann Zweite mit nicht einmal einer Sekunde Vorsprung vor den punktgleichen Belgiern, die sich in Runde zwei mit einer fulminanten Aufholjagd vom sechsten Platz nach vorne aufs Podium gekämpft hatten.
Und Team Deutschland, das bisher die Tabelle der Longines League of Nations angeführt hatte? Die Mannschaft von Otto Becker kam zwar diesmal, im Gegensatz zur vorigen Etappe in Rotterdam, in die zweite Runde, aber belegte am Ende ohne eine Nullrunde mit 28 zählenden Fehlerpunkten den achten Platz.
Richard Vogel hatte mit Gangster Montdesir (v. Kannan) in Runde eins als Startreiter einen Fehler am letzten Hindernis, in Runde zwei als Schlussreiter kamen bei ihm zwei Fehler, am Wasser und am Aussprung der Dreifachen, hinzu. Maximilian Weishaupt hatte in der ersten Runde als zweiter Team-Reiter mit Zuccero HV (v. VDL Zirocco Blue) einen Abwurf am vorletzten Sprung und in Runde zwei fehlten zwei Zentimeter an der Umrandug des Wassergrabens. Janne Friederike Meyer Zimmermann erwischte es mit Cellagon Cascais (v. Colestus) in der ersten Runde am Aussprung der Dreifachen, in der zweiten Runde früher am Aussprung der Zweifachen. Der Vierte, Marcus Ehning, beendete die erste Runde nach einem Fehler mit Coolio (v. Casalito) an Einssprung dieser Zweifachen vorzeitig und erlebte die zweite Runde dann als Zuschauer.
Bundestrainer Otto Becker ordnete gegenüber spring-reiter.de das Ergebnis ein: „So ist eben der Sport. Nach zwei überragenden Nationenpreisen mit vielen Nullrunden, wenn man denkt, das geht immer so weiter, gab es diesmal immer wieder einen Fehler – und das summiert sich am Ende. Aber wir sind ja für das Finale in Barcelona qualifiziert und werden noch einmal richtig Gas geben.“
Seine Mannschaft für das Finale am 4. Oktober: „Nach unserer Planung gehen Marcus Ehning mit Coolio, Richard Vogel mit Cloudio, Sophie Hinners mit My Prins und Jörne Sprehe mit Toys an den Start. Kendra Claricia Brinkop ist als fünfte Reiterin dabei.“
Frankreich hat damit die Führung in der abschließenden Tabelle vor Deutschland übernommen. Außerdem für Barcelona sind jetzt qualifiziert: Großbritannien, Brasilien, Irland, Belgien und die punktgleichen Teams der USA und Italiens.
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