Ludger Beerbaum: „Wir müssen jetzt handeln, sonst verschwenden wir nur Zeit!“
War per Video nach Genf zugeschaltet: Ludger Beerbaum Foto: privat

Ludger Beerbaum: „Wir müssen jetzt handeln, sonst verschwenden wir nur Zeit!“

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Die Generalversammlung des IJRC, des Internationalen Springreiter Club, handelte in Genf erst einmal die Regularien ab, ehe es an das heißeste Thema ging: Kevin Staut wurde einstimmig als Präsident der IJRC bestätigt. Peder Fredricson schied aus dem Verwaltungsrat aus, während Pedro Veniss und Emilio Bicocchi gewählt wurden. Als Mitglieder des Verwaltungsrates wurden neben der Clubdirektorin Eleonora Ottaviani aus den Reihen der Reiter Steve Guerdat, François Mathy, Henrik von Eckermann, Rodrigo Pessoa, Max Kühner und Ludger Beerbaum bestätigt.

 Dann kam die Versammlung schnell zu dem großen Streit-Thema mit FEI und IOC: die für die Olympischen Spiele genehmigten Qualifikationsregeln und –formate, insbesondere die Festschreibung des Drei-Reiter-Teamformats für die Olympischen Spiele.

Zu diesem Thema sprachen Kevin Staut, Steve Guerdat, Rodrigo Pessoa, François Mathy, Laura Kraut, Max Kühner, Pedro Veniss als Vertreter der Reiter im FEI Jumping Committee, Daniel Bluman, der Schweizer Chef d’équipe Michel Sorg und per Video-Übertragung der irische Springreit-Manager Michael Blake sowie Ludger Beerbaum. Als besonders bewegend wurden die Worte von Beerbaum empfunden, als er die Bedeutung des Reitsports ansprach und abschließend sagte: „Wir müssen jetzt handeln, sonst verschwenden wir nur Zeit.“

Der Vizepräsident des EEF George Dimaras wies darauf hin, dass von allen nationalen Verbänden nur wenige die angesprochenen Probleme genau kennen, und betonte daher, wie wichtig es ist, sie über alle Auswirkungen zu informieren und sie angemessen zu belehren, damit sie wirklich in der Lage sind, eine fundierte Meinung zu äußern. Der Dialog mit allen Verbänden ist zum Wohle unseres Sports notwendig, fügte François Mathy hinzu.

Die junge britische Reiterin Jodie Hall McAteer, Mitglied der diesjährigen Young Riders Academy, betonte, wie wichtig es ist, die nächste Generation zu berücksichtigen, da sie es sein wird, die sich weiterhin mit den jetzt und danach getroffenen Entscheidungen auseinandersetzen wird und auch ihnen unterworfen ist.

Auf die Fragen, Zweifel und Kritiken antwortete der Direktor des FEI-Springkomitees Marco Fuste, der betonte, dass die Olympischen Spiele nicht unter der Ägide der FEI, sondern des IOC stattfinden und dass, wenn man Pferdesport weiterhin zu den olympischen Sportarten zählen möchte, dann auch den Bedürfnissen des IOC nachkommen muss: in erster Linie die Zahl der an den Spielen teilnehmenden Nationen erhöhen. „Dies bleibt die Bedingung für den Verbleib bei den Olympischen Spielen, die Bedingung, an die sich die FEI hält.“

Fuste betonte auch, dass an den Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Nationenpreisen keine Änderungen vorgenommen werden.

Die Debatte wurde von IJRC-Direktorin Eleonora Ottaviani moderiert, die auch betonte, dass von den 70 Verbänden, die für Teams aus Drei-Pferd-Reiter-Kombinationen gestimmt haben, nur sehr wenige an den Olympischen Spielen in Tokio teilgenommen haben.

Die Debatte war lang und kulminierte in der Feststellung: Pferde müssen die absolute Priorität bleiben und als Pferde respektiert und geschützt werden. Dies sei die Motivation, der Grund, auf dem alles basieren muss. Pferde und Reiter zu einem Parcours zu schicken, die sie nicht springen können, sei kein Sport, sondern gehe gegen den Sport. Diese Worte von Rodrigo Pessoa fassten die einhellige Meinung der versammelten Reiter zusammen, die sich jetzt mehr Gehör verschaffen wollen. „Wir haben lange geschwiegen und waren sehr wohlerzogen“, sagte Rodrigo Pessoa und fügte hinzu, dass es an der Zeit sei, „sich zu äußern und sicherzustellen, dass die Leute zuhören. Was in Tokio passiert ist, ist für alle sichtbar.“