Vor Delegiertenversammlung: Martin Richenhagen nennt FN „Sanierungsfall“ und der rausgeworfene Finanz-Geschäftsführer wehrt sich!
Halla als Erinnerung an goldene Zeiten: In Warendorf ist Krisen-Stimmung Foto: spring-reiter.de

Vor Delegiertenversammlung: Martin Richenhagen nennt FN „Sanierungsfall“ und der rausgeworfene Finanz-Geschäftsführer wehrt sich!

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Wenn Anfang der kommenden Woche die Delegiertenversammlung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Dresden beginnt, kann es schnell hoch hergehen. Denn es geht um Geld und um Grundsätzliches in dem schon lange von vielen Seiten kritisierten Verband. Die überraschende fristlose Kündigung des für die Finanzen zuständigen Geschäftsführers René Straten vor wenigen Tagen hat den Druck im Kessel endgültig anschwellen lassen.

Martin Richenhagen, der als CEO des US-amerikanischen Landmaschinenkonzerns ADCO einst dafür gesorgt hatte, dass dessen deutsches Tochterunternehmen Fendt jahrelang als Hauptsponsor die FN mit jährlich 500.000 Euro unterstützte, hat jetzt in einem Kommentar für die „Reiter Revue“, deren Herausgeber er inzwischen ist, seine Sicht auf den Verband auf den Punkt gebracht: „Die Unzufriedenheit an der Basis ist riesengroß und die FN ein Sanierungsfall.“ Er bewerte „den teuren Rausschmiss von René Straten als unfaires Bauernopfer. Und: Der improvisierte Maßnahmenkatalog schafft höchstens kurzfristig minimale Linderung. Vor strukturellen und strategischen Maßnahmen zur nachhaltigen substanziellen Ergebnisverbesserung scheut sich die FN bekanntlich seit Jahren.“

Ebenfalls in der „Reiter Revue“ hat der freigestellte René Starten seine Sicht dargestellt: Er habe in einem Gespräch bei FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach „am 8. April meine Kündigung auf den Tisch gelegt“ und damit seine Konsequenzen aus einem für ihn inakzeptablen Zustand gezogen. Er habe für sich beansprucht, „als Personal- und Finanzvorstand bei Entscheidungen, die erhebliche finanzielle Tragkraft haben, ein gehöriges Wort mitsprechen zu können. Im Vorstand haben wir immer zu viert abgestimmt, in den vergangenen Monaten war es häufig so, dass die Entscheidungen 3:1 ausgefallen sind. Manche Entscheidungen konnte ich aufgrund der finanziellen Situation nicht mittragen.“

Er habe beispielsweise wegen der Finanzlage bereits 2022 vorgetragen, den Championatsball zu streichen. „Es ist eine Veranstaltung für den Spitzensport. Doch die Spitzensportler aus Dressur und Springen sind nicht vor Ort. Es war eine schöne Veranstaltung mit einer guten Idee, aber bei leeren Kassen muss man sich auch davon trennen. Das wollte man lange nicht, nun geht es plötzlich doch.“ Denn zum jetzt verkündeten Sparplan angesichts von knapp 1 Million Euro Defizit gehört auch die Streichung des Championatsballs, der eine sechsstellige Summe verschlingen würde.

Trotz allem wollte René Straten nach seiner Kündigung bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit am Jahresende seinen Job für die FN machen, „meinen Nachfolger einarbeiten“, „die neue Buchhaltungssoftware einführen, auf solide Beine stellen und an meinen Nachfolger übergeben. Er sollte es leichter haben.“ Denn zum Beispiel sei „mit dem aktuellen Buchhaltungssystem kein vernünftiges Controlling möglich“.

Aber es kam anders: Gut zwei Wochen später habe er die fristlose Kündigung durch die FN in seinem Briefkasten vorgefunden. In der Zwischenzeit habe es kein Gespräch gegeben. „Vielleicht war es naiv von mir, am 8. April zum Ende des Jahres zu kündigen, und dann zu glauben, es passiert nichts. Machen wir uns nichts vor: Für die Verbandstagung in Dresden kommende Woche hat man mit mir nun jemanden, der das Schiff verlassen will und den man als Schuldigen präsentieren kann.“

Man wird sehen, ob die Delegierten das auch so einordnen werden.